Kapitel 17 Erholungsphase

– Wer zu den Sternen unterwegs ist,
hat die ganze Welt hinter sich.-

Ernst Ferstl österreichischer Dichter

Unsere Suite befand sich in einem der Südtürme. Sena erzählte uns, dass etwa zwanzig Türme zu dem Schloss gehörten. Jeder Turm war einer Person aus früheren Zeiten gewidmet. Unser wurde Cassalda genannt und stand für die Sternenkönigin Cassandra, die ja laut Lady Meisold eine meiner Vorfahren gewesen sein sollte.
Plötzlich erinnerte ich mich an die Geschichte von Lilien. Sie hatte auch bei Adoptiveltern gelebt. Hinterher fand sie heraus, dass ihr Vater Fürst Cameron und ihre Mutter die Sternenprinzessin Nike waren. Lilien war glücklich gewesen, weil sie nun endlich wusste, wer ihre Eltern waren. Für sie hatte es auch eine besondere Bedeutung. Plötzlich war sie adelig und konnte mit Corentin zusammen sein, den sie über alles liebte. Ich entdeckte also gewisse Parallelen zwischen mir und Lilien.
Ich war mir aber nicht so sicher, ob mir gefiel, dass ich angeblich ein Kind von Königen sein sollte. Ich kannte diese Feen ja nicht mal.
Cassalda hatte sieben Stockwerke. Das hieß, wir mussten Treppen ohne Ende nach oben laufen. Ich war zwar eine Fee, aber als ich oben ankam, trotzdem ziem-lich fertig.
„Und die sollen wir jeden Tag gehen? Vielleicht sogar mehrmals?“, stöhnte auch Leinar. Er war wohl auch nicht ganz begeistert davon bis in den siebten Stock zu Fuss zu müssen.
„Ach kommt schon, ihr seid Feen! Dazu noch ziemlich mächtige. Ein paar Treppen werden euch doch wohl nicht schocken.“ Sena schüttelte schmunzelnd den Kopf. Ihre langen Haare wippten dabei hin und her.
„Von dieser mächtigen Magie spüre ich gerade irgendwie nichts“, bemerkte Leinar trocken.
Sena führte uns durch einige Gänge, die an diesem Abend ziemlich gespenstig wirkten. Wir blieben vor einer Tür stehen. Allerdings konnte sie nicht wirklich so bezeichnet werden. Es war vielmehr eine Art Vorhang, der aus goldleuchtendem Feenstaub zu bestehen schien.
Leinar und ich blieben einfach wortlos davor stehen, ohne zu wissen was wir machen sollten.
„Geht einfach weiter“, verkündete Sena, die zwischen uns stand. „Ihr werdet schon sehen.“
Also gingen wir durch den Vorhang. Dabei prickelte es angenehm. Dann standen wir in unserer Suite. Doch so richtig konnte ich mich darauf noch gar nicht konzentrie-ren. Vorerst betrachtete ich die schimmernden Sterne, die sich plötzlich auf meiner Haut bildeten.
„Wow, was ist denn das?“, fragte Leinar neugierig.
Sena wusste die Antwort darauf. „Du stammst von den Sternen ab, Mia. Lilien ist halb Stern, halb Elf. Damit hat diese Erscheinung wohl zu tun. Vielleicht habt ihr das Prickeln auf der Haut bemerkt, als ihr durch den Vorhang gegangen seid. Der Vorhang besteht aus Feen- und Sternenstaub. Er zeigt euch eure wahre Gestalt. Da hast du den Beweis, dass meine Mutter die Wahrheit sagt.“
„Bei mir zeigt sich aber nichts“, bemerkte Leinar schließlich etwas enttäuscht.
„Dann wusstest du schon, bevor du durch den Vor-hang gegangen bist, wer du bist.“ Für Sena schien das ziemlich logisch zu sein.
„Das glaub ich aber nicht. Ist dir nicht klar, dass du ein Prinz sein musst?“, wiedersprach ich.
Jetzt wirkte Leinar ziemlich verwirrt. „Ein Prinz? Wohl kaum.“
„Nein, nicht direkt“, meldete sich nun auch Sena zu Wort. „Es stimmt, dass meine Großeltern Könige waren, aber nachdem sie sich aus ihren Ämtern zurückzogen, lehnte meine Mutter ihr Erbe ab. Sie ist mit deinen Eltern befreundet, Mia. Ihr war klar, dass es besser war, wenn es nur ein Königspaar zur selben Zeit gab. Also nein. Neal ist kein Prinz, weil meine Mutter nie wirklich Königin war und somit auch seine Eltern nicht.“
Okay, dann halt nicht, dachte ich nur.
„Wie lange wird es dauern, bis dieser Sternenschimmer auf meiner Haut wieder weg ist?“, lenkte ich dann vom Thema ab. Diese Frage interessierte mich wirklich. Ich wollte nicht immer rumlaufen wie ein wandelnder Stern.
„Keine Ahnung“, gestand Sena mir. „Es könnte Tage, Wochen, Monate, Jahre dauern oder sogar für immer bleiben. Sternenschimmer ist mächtige Magie und zeigt sich nur bei wenigen Auserwählten und nur bei Nachfah-ren von Cassandra, der Sternenkönigin. Du musst wirklich was Besonderes sein.“
„Na toll“, seufzte ich wenig begeistert. „Für immer? Ist das dein Ernst?“
„Also von mir aus kann es für immer so bleiben. Ich find es schön. Es wirkt so magisch“, bemerkte Leinar wenig hilfreich. Geschmeichelt fühlte ich mich aber trotzdem.
„Du solltest das Sternenkleid anziehen. Es hängt in deinem Schrank“, schlug Sena vor. „Es würde beeindruckend zu deiner Haut aussehen.“
Woher wusste Sena was in meinem Schrank hing? Obwohl, vielleicht wollte ich das gar nicht so genau wis-sen.
„Ich werde euch dann jetzt mal allein lassen. Ihr habt drei Stunden bis zur Eröffnungsfeier“, verabschiedete sich Sena von uns und verließ die Suite durch den Schleier.
Als sie weg war, hatte ich zum ersten Mal Zeit mich in dem Raum, indem ich mich befand, umzusehen. Vor Staunen brachte ich kein Wort heraus. Hier sollten wir wohnen?
Der Wohnraum wirkte riesig. Wir hatten nicht nur einen sondern gleich zwei Flachbildschirme an den Wän-den. Wozu brauchten wir bitte zwei Flachbildschirme in einem Raum?
Die Wände wirkten fast golden und waren überzogen mit einer feinen Schicht Sternenstaub in Form von winzigen Sternen.
An der Wand neben der Balkontür an der größeren Fläche stand ein dunkelblaues großes Ecksofa. Es sah ziemlich gemütlich aus. Daneben, in Richtung von dem Gang, der vermutlich zu den Schlafzimmern führte, stand ein Kamin. Darin knisterte ein sanftes Feuer vor sich hin. Vom Sofa aus sah man den ersten Flachbildschirm, der an der Wand gegenüber hing. Neben dem Kamin befand sich noch eine gemütliche Eckbank vor der ein Tisch aus Eiche stand. Ich ging gleich in den Gang und stellte über-rascht fest, dass es nur ein Schlafzimmer gab mit einem Ehebett!
„Ähm …“, war alles, was mir dazu einfiel. Das Zim-mer an sich wirkte sehr gemütlich. Die Wände waren traumblau gestrichen mit vereinzelten Sternen darauf. Gegenüber vom Bett machte eine riesige Fensterfront das Zimmer unglaublich hell. An der Wand zwischen Fenster und Bett standen zwei riesige Kleiderschränke. Nie im Leben brauchte ich so viel Kleidung, dass der Schrank jemals voll werden würde. Neugierig machte ich den Schrank auf und stellte fest, dass er eigentlich schon ziemlich voll war.
Ich fand das Sternenkleid trotzdem fast sofort. Es war dunkellila und hatte einen weiten Rock, der wie ein Stern fiel. Das Kleid war hinten ziemlich tief ausgeschnitten.
Leinar war mir offenbar gefolgt und kommentierte das Kleid nur mit einem schlichten „Wow.“
„Das heißt dann wohl, ich ziehe das Kleid heute wirk-lich an.“, stellte ich fest, formulierte die Feststellung aber fast wie eine Frage.
„Auf jeden Fall“, bestätigte Leinar

Über Corly
Ich bin Bücherverliebt, Serienverrückt, eine Filmeliebhaberin, eine Geschichtenschreiberin, eine Patentante, eine Schwester, eine Cousine, eine Tochter, eine Tante, Blogschreiberin, Forengängerin, eine Kleindorfbewohnerin, eine Hobbyfotografierin, eine Buchsammlerin und eine Schwägerin in einer Person. :-)

Ich freu mich über jeden Zauberkommentar von euch.

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