Kapitel 29 Freundinnen

– Ein bisschen Freundschaft ist mir mehr wert
als die Bewunderung der ganzen Welt. –

Otto von Bismarck deutscher Staatsmann

Im großen Gemeinschaftsraum wirkte ziemlich überfüllt. Die Uhr an der Wand zeigte an, dass es viertel nach zwei war. Alle Schüler schienen sich hier treffen zu wol-len. Sie verteilten sich im ganzen Raum entweder an den Tischen an den Wänden oder auf den Sofas und Sessel, die im Raum standen.
Ich kannte noch nicht viele Leute und so sah ich mich in dem Raum um. Nach einer Weile entdeckte ich Sophann und Lily und ging mit Leinar zu ihnen. Sie sa-ßen in einer Ecke an der grauen Wand neben dem großen Fenster auf einem kleinen grünen Sofa.
„Hey“, begrüßte ich sie. Sophann stand auf und umarmte mich fröhlich.
„Dich sieht man ja kaum noch“, beschwerte sie sich. Sie meinte es nicht wirklich böse. Eher scherzhaft. Das sah ich an ihrem grinsenden Gesicht.
„Wir haben lange geschlafen und dann Mittag geges-sen“, erklärte ich nur. Wir setzten uns auf dem roten Ses-sel neben der Couch. Leinar nahm auf der Lehne Platz.
„Ich war schon total früh auf und hab mich im Schloss umgesehen“, berichtete Sophann uns nun aufgeregt. „Es ist einfach so schön hier. Hinter dem Schloss gibt es eine große Terrasse mit Liegestühlen und ein Fußballfeld. Im Schloss gibt es einen Bereich für ein Schwimmbad, ein Whirlpool und eine Sauna. Sogar ein großes Kino befin-det sich im Hauptgebäude. Einfach herrlich!“
Ich hatte mich schon genug mit der menschlichen Welt beschäftigt, um zu wissen, was ein Kino war. In unserer magischen Welt gab es so was nicht.
„Vermutlich findet dort der Unterricht Film und Fern-sehen statt“, bemerkte ich nur.
Wir hatten zwar die meisten Fächer auf derselben Eta-ge, aber manche auch auf anderen, weil die Räume dafür dann auf anderen Ebenen waren.
„Sophie, weißt du wo Robin ist?“, erkundigte sich Leinar bei Sophann.
„Hm, ich hab ihn länger nicht mehr gesehen, aber ich glaube, er wollte in die Bibliothek“, antwortete Sophann ihm.
„Ich denke, ich werde ihn mal suchen“, verkündete er. Ich glaube, er fühlte sich nicht wohl bei uns Mädchen. So als einziger Junge.
An mich gewandt sagte er: „Wir sehen uns ja später. Dann können wir reden.“
„Ja klar, gern.“ Ich lächelte ihn an, er erwiderte es und schon war er verschwunden.
„Was läuft da jetzt eigentlich zwischen dir und Neal? Komm, erzähl schon“, forderte Sophann mich auf, sobald er fort war.
Heute sah sie wieder ganz normal aus. Gewöhnlich eben und irgendwie niedlich.
„Ich weiß nicht. Er ist süß“, gestand ich. Abzustreiten wie sehr ich ihn mochte, war wohl äußerst sinnlos. Die Mädels würden mir sowieso nicht glauben.
Die Wahrheit war: Ich hatte ihn viel zu gern. Meine Freundinnen würden mich auslachen, sollte ich es abstreiten. Und eigentlich hatte ich das auch gar nicht vor.
Also erzählte ich weiter: „Wenn er sich Jemanden öffnet, kann er unglaublich lieb sein. Aber irgendwie wirkt er immer einsam, selbst wenn er nicht allein ist.“
„Klingt verführerisch“, fand Sophann fast verträumt. „Und auch ein bisschen traurig und geheimnisvoll.“
„Küsst er gut?“, fragte Lily unvermittelt und selbst Sophann war schockiert über diese direkte Frage.
„Woher willst du wissen, dass wir uns geküsst haben?“, fragte ich, um Zeit zu gewinnen. Ich wollte mir die Antwort gut überlegen. Natürlich konnte ich sie auch verweigern, aber wieso sollte ich?
„Ach komm schon!“ Lily verdrehte die Augen, als sei ich schwer von Begriff. „Wenn der nicht auf dich steht, dann weiß ich auch nicht, und dass du ihn sehr magst ist mehr als offensichtlich. Du hast es ja gerade selbst zuge-geben.“
Ich wusste, dass ich ihnen gar nichts hätte gestehen müssen. Es war mein Leben. Aber sie waren meine Freundinnen und ich wollte mit ihnen darüber reden. Also gab ich nach. „Na gut, du hast mich erwischt. Wir ha-ben uns wirklich geküsst und er küsst verdammt gut.“ Ich grinste verlegen.
„Wusste ich es doch“, jubelte Lily zufrieden.
„Moment mal. Du hast Neal wirklich geküsst? Den Neal?“, fragte Sophann leicht geschockt.
„Ja, hab ich. Wieso, was ist denn mit ihm?“ Ich ver-stand nicht, wieso Sophann so geschockt davon war.
„Weißt du denn nicht, wer er ist? Seine Oma ist Lady Meisold und sein Opa Lim. Lim ist der Sohn von Coren-tin und Lilien. Die beiden sind legendär und sie sind Neals Urgroßeltern.“
„Dann ist Leinar auch ein Nachfahre von Corentin und Lilien?“, fragte ich unvorsichtig.
„Wieso denn auch?“, wollte Sophann wissen. Ihr entging nichts so schnell.
„Ach nichts“, sagte ich voreilig, denn Lilys Augen funkelten verschwörerisch. Hatte sie eins und eins zu-sammengezählt?
Eigentlich hätte mich noch interessiert, woher Sophann das eigentlich alles wusste, aber es war mir zu heikel, sie jetzt danach zu fragen. Auch sie musterte mich argwöhnisch, sagte aber nichts weiter dazu.
„Na, jedenfalls ist Lim sein Opa und Keenas Vater.“, erzählte Sophann einfach weiter. Jetzt wusste ich also wieder, woher mir der Name bekannt vorkam. Ob Lim wohl auch hier im Schloss war?
„Na gut. Genug von mir. Was ist mit euch? Wo ist überhaupt Emma?“, lenkte ich geschickt von mir ab.
„Sie macht ihr alltägliches Kampftraining. Um sich fit zu halten, sagt sie“, erzählte Lily. Anscheinend hielt sie nicht viel davon.
„Wir genießen lieber unsere Freizeit und beobachten Jungs“, erklärte Sophann ziemlich zufrieden.
„Wen zum Beispiel?“, wollte ich wissen.
„Ich find diesen Justin total schnucklig oder diesen äl-teren Jungen aus Tindemu. Ich glaube er heißt Zac.“
„Zac?“ In unserer Welt gab es nicht viele Namen doppelt. „Hat er vielleicht eine Schwester?“
„Könnte sein …“, antwortete Sophann gedehnt und verträumt gleichzeitig.
„Wo hast du den denn kennen gelernt?“, wollte ich nun wissen. Ich war neugierig geworden. Natürlich gab es hier in der Schule genug Möglichkeiten, um andere Schüler kennen zu lernen, aber ausgerechnet Zac? Das war ja wirklich schon sehr zufällig.
„Ich häng nicht nur mit Leinar rum“, gab Sophann nur vage zur Antwort. Sie meinte das nicht wirklich böse. Also überging ich ihren schnippischen Tonfall.
„Er und seine Schwester sitzen Leinar und mir im Speisesaal gegenüber. Er wirkt nett.“
„Auf jeden Fall ist er heiß“, bemerkte Sophann und zwinkerte mir grinsend zu.
Ich schmunzelte bei ihrem Ausdruck. Er sah wirklich nicht schlecht aus mit seinen tiefen dunklen Augen, den braunen kurzen Haaren und seinem liebevollen Gesicht. Er wirkte auch recht sportlich, wie ich schon bemerkt hatte, als ich ihn zum ersten Mal sah.
„Also ich steh ja auf Sören. Er erinnert mich extrem an diesen männlichen Schauspieler Jamie Campbell Bower, der in diesem Film mit den Schattenjäger mitgespielt hat“, bemerkte Lily nun.
„Meinst du Die Chroniken der Unterwelt?“, fragte ich sie. Mit menschlichen Fantasyfilmen kannte ich mich aus.
„Ja, genau den“, nickte Lily.
„Ja, ein bisschen erinnert Sören wirklich an ihn“, be-stätigte ich nun. Aber sein Zwillingsbruder Justin auch. Er sah ihm nämlich sehr ähnlich. Beide blondes kurzes Haar, ein markantes Gesicht und eine schlanke Figur.
„Der Schauspieler hat doch auch in Harry Potter diesen Grindelwald gespielt, oder?“, wollte Lily nun verträumt wissen.
„Ja stimmt, ich hab das irgendwo schon mal gelesen.“
„Robert Pattinson spielt ja auch in Harry Potter mit. Diesen Cedric Diggory“, bemerkte Sophann und so un-terhielten wir uns weiter über menschliche Fantasyfilme.
Wir waren alle vier hoffnungslose Filmfans und muss-ten wohl irgendwann mal einen gemeinsamen Filmabend planen. Fernsehräume gab es dafür ja genug oder viel-leicht konnten wir sogar das Kino dafür buchen.

Ich freu mich über jeden Zauberkommentar von euch.

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