Der Herbstmensch Teil 2

Juhu, ich habs tatsächlich noch geschafft. Das zweite Treffen mit dem Herbstmensch ist beschrieben worden, aber noch nicht korrigiert. Es könnten also Fehler drin sein oder unstimmiges. Aber sonst viel Spass beim Lesen.

 

Ich hatte einige Zeit nichts von Jan gehört. Obwohl ich ihn kaum kannte, vermisste ich ihn irgendwie. Seine Nähe hatte mir auf unehrklärlicher Weise Trost gespendet. Ich fühlte mich bei ihm verborgen und das verstand ich nicht.
Der Herbst schritt voran. Der Wald wütete in seiner Blütezeit und ich hatte kaum noch Hoffnung, dass Jan mich noch mal besuchen kommen würde. Konnte er in anderen Jahreszeiten ausser dem Herbst eigentlich unsere Welt betreten?
Doch während ich auf meine Lichtung zuging, wie mittlerweile jeden Tag in der Hoffnung Jan zu sehen, entdeckte ich schon Fine, den Schmetterling. Sie sah mich traurig an und ich bekam Bauchschmerzen. Wieso war sie traurig?
Ich ging zu ihr und sie hüpfte aufgeregt vor mir auf und ab. „Endlich bist du da. Ich hab auf dich gewartet. Du musst mit mir kommen. Nur du kannst jetzt noch helfen.“
„Was ist los?“, fragte ich verwirrt und beunruhigt.
„Jan ist seit Wochen nicht wieder aufgewacht. Wir glauben, dass nur du ihn zum Aufwachen bringen kannst“, erzählte Fine.
„Moment mal. Was heißt nicht wieder aufgewacht?“ Ich wusste gar nichts mehr. Und wieso sollte ausgerechnet ich ihm helfen können?
„Das erklär ich dir alles später“, versprach Fine mir. „Kannst du mich begleiten?“
„Werde ich wieder kommen?“, fragte ich.
„Wenn du willst“, nickte sie.
„Okay“, stimmte ich schließlich zu.
Mein zweiter Übergang in das Herbstland war sanfter. Ich wusste, was mich erwartete. Nur war Jan diesmal nicht an meiner Seite. Er schlief in seinem Zimmer im Blätterschloss und wachte nicht mehr auf.
Als ich in seinem Zimmer ankam sah er sogar noch schlimmer aus als ich es mir vorgestellt hatte. Er lag da und wirkte als würde er verwelken wie Sommerblumen.
„Was ist mit ihm?“, fragte ich Fine.
„Genau das wonach es aussieht. Er verwelkt. Der Herbst verlässt ihn“, antwortete sie.
„Und was bedeutet das?“ Fine sprach einfach nur in Rätseln.
„Entweder stirbt er oder er gehört, wenn er aufwacht, zu einer anderen Jahreszeit.“
„Und wie kann ich ihm helfen?“, wollte ich nun verwirrt wissen.
„Küss ihn!“, forderte Fine mich auf.
“Was?“, fragte ich entsetzt. Nicht, weil er so abstoßend wäre, sondern weil ich ihn kaum kannte.
“Wenn du ihm helfen wilsst küsst du ihn besser“, beharrte Fine.
Ich beschloss, dass sprechende Schmetterlinge anstrengend waren, küsste ihn aber direkt auf den Mund. Ich schmeckte seine Herbstlichkeit und sein Mund fühlte sich wie goldenes Sonnenlicht an. Nicht gerade unangenhem. Zuerst passierte nichts, aber dann kehrte Wärme in seinen Körper zurück und er schien wieder wie der Herbst zu werden.
Einige Zeit später hauchte er heiser: „Danke.“ Er lag mit geschlossenen Augen da, aber er lächelte.
„Gerne“, antwortete ich.
“Du bist gekommen?“, wunderte er sich. „Einfach so? Wie?“
“Fine hat mich geholt“, antwortete ich.
„Wie klug Schmetterlinge doch waren“, fand er.
Ich war mir da nicht so sicher. Ich hatte Jan helfen wollen, aber was machte ich jetzt. Dieser Kuss hatte alles verändert. Ich liebte den puren Herbst. Ich grinste ihn an und er setzte sich auf und zog mich in seine Arme.
„Du bist es“, sagte er nur schlicht.
„Ich bin wer?“, fragte ich nur. Ich verstand kein Wort.
„Die Auserwählte. Die, die mich retten wird. Meine Seelengefährtin“, war seine Antwort darauf.
„Ach so. Na dann ist ja alles klar“, fand ich ironisch. Er grinste mich nur an.
“Du wieder. Das kenn ich mittlerweile ja schon von dir“, sagte er nur. Ich seufzte.
„Was soll ich denn sonst sagen? Du wirfst mir hier so eine Aussage hin, als hätte ich keine andere Wahl. Wir kennen uns doch kaum.“ Ich mochte das Herbstland und ich mochte Jan. Das musste ich zugeben. Aber ich wollte nicht, dass es etwas war, was ich nicht beeinflussen konnte. Ich wollte Selbstbestimmung.
„Dann sollten wir uns kennen lernen“, fand Jan. Er sah mich aus seinen Herbstaugen magisch an. „Ich möchte dich unbedingt kennen lernen. Was ist mit dir?“
Ich biss auf meiner Unterlippe herum. „Ja“, stimmte ich schlißlich zu. Er wirkte zufrieden.
„Okay, dann frag mich was?“, forderte er mich auf.
„Bist du geboren worden?“, fragte ich. Es war eine seltsame Frage, aber mir fiel nichts anderes ein.
„Hm, nicht so wie du. Ich bin aus Blättern entstanden. Der Vorgang ist ziemlich kompliziert, aber es hat was mit Magie zu tun“, erzählte er mir.
Okay, was also war er?
„Hm“, machte ich nur verwirrt.
Er sah mich musternd an. „Klingt seltsam, oder?“
„Allerdings“, bestätigte ich.
„So seltsam ist es gar nicht. Jedenfalls nicht aus meiner Sicht. Es ist einfach nur Magie. Blättermagie nennen wir es. Die Blätter wirbeln durch die Luft, Jemand murmelt Zauberworte und nach einiger Zeit entsteht ein neuer Herbstmensch“, erklärte er schlicht.
„Klingt faszierend“, entgegnete ich.
„Es ist auch interessant es mit anzusehen“, bestätigte er.
„Und was tust du, wenn du nicht gerade auf der Suche nach der Richtigen bist?“, wollte ich jetzt wissen. Ich wusste so gar nichts über ihn.
„Ich jage Herbthasser“, erklärte er.
„Herbsthasser?“, fragte ich verständnislos nach. Hatte ich natürlich noch nie gehört und so wirklich konnte ich mir auch nichts drunter vorstellen.
„Das sind jene magische Wesen, die den Herbst zerstören. Meist in der Menschenwelt. Bäume abhaken, Blätter abreißen, Nebel produzieren, wo keiner ist. So was in der Art. Sie bringen die Umwelt in Unordnung“, erklärte er weiter.
„Okay, ich dachte das wären einfach Straßenarbeiter oder so was“, kommentierte ich diese Beschreibung trocken.
„Sind sie meist auch“, bestätigte er. „Aber einige wenige nicht und die müssen zur Rechenschaft gezogen werden.“
“Und das ist die Aufgabe eines Prinzen?“
„Nein, eigentlich nicht, aber es lenkt mich von meinen eigentlichen Aufgaben ab und macht mir Spass“, gab er zu.
„Und was sind dann deine eigentlichen Aufgaben?“, ließ ich nicht locker.
„Hm, regieren schätze ich. Krieg vermeiden. Was ein König oder Prinz eben tut. Das Land ruhig halten. Frieden bewahren“, zählte er gelangweilt auf. Vermutlich war er nicht begeistert von seinen täglichen Pflichten. Doch dann fügte er strahlend hinzu: „Und die Richtige finden, die eines Tages an meiner Seite regieren wird.“
Na dann. Ich war nicht sicher was ich davon halten sollte. Konnte ich mir ein Leben hier in dieser Welt vorstellen? Wie sah das überhaupt aus. Die andere Frage war, ob ich mir je ein Leben mit Jan vorstellen konnte. Um das zu beurteilen kannte ich ihn wohl noch zu wenig.
„Und was ist mit dir? Was tust du in der Menschenwelt?“, drehte er nun den Spieß um.
Mittlerweile stand er wieder aufrecht im Zimmer mir gegenüber und sah mich neugierig an.
„Ach, ich geh noch zur Schule. Letztes Jahr Abi und danach will ich studieren“, erzählte ich nur.
Offenbar kannte er sich etwas in der Menschenwelt aus, denn er fragte mich interessiert: „Und was willst du studieren?“
„Literaturwissenschaften und Germanistik“, erklärte ich.
„Klingt schwierig“, fand er.
„Hm, nicht wenn man es kann“, erwieder ich nur.
„Und danach? Welchen Beruf möchtest du ausüben?“, fragte er weiter.
„Keine Ahnung. Vielleicht in einer Bücherrei arbeiten oder einer Buchhandlung oder einfach als Lehrerin oder professionelle Bücher schreiben.“ Ich hatte wirklich noch keine Ahnung was ich mit meinem Leben anfangen wollte.
„Hört sich interessant an.“
„Ist es auch“
Wir lächelten uns an und wussten nicht mehr was wir sagen sollten. Ich hatte noch so viele Fragen, aber heute war ich ausgelaugt. Es brauchte einfach mehr Zeit um sich kennen zu lernen.
Jan schien zu spüren, dass mir die Luft ausging und bot mir an: „Soll ich dich zurück bringen? Wir können ein andermal weiter machen.“
“Wird es wieder so lange dauern bis du dich meldest?“, fragte ich.
„Nein“, versprach er mir.
„Also gut. Ich bin müde und das Gespräch hier hat mich erschöpft.“
„Okay, dann lass uns gehen.“
Er nahm meine Hand und ich schloss die Augen. Im nächsten Moment standen wir auf meiner Lichtung. Er ließ mich aber nicht los sondern zog mich näher an sich. Die Sonne ging gerade unter. Und dann küsste er mich. Und wie! Der Kuss war sanft und ruhig zugleich. Geradezu federhaft leicht. Doch anderseits war er auch so intensiv, dass er mir durch Mark und Bein ging. Alles in mir kribbelte und ich reagierte definitiv auf ihn. Das schien ihn zu freuen.
Er flüsterte mir ins Ohr. „Damit du mich beim Nächsten Mal an mich erinnerst.“ Und dann war er verschwunden und ich blieb einsam zurück.

Ich freu mich über jeden Zauberkommentar von euch.

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