Der Herbstmensch Teil 3

Wie immer unbearbeitet. Ich hoffe ihr kommt trotzdem klar. Das sind aber nur meine ersten Ideen.

Es dauerte eine Weile bis ich Jan wieder sehen sollte. Die Grenzen von Herbst zu Winter verschwammen langsam. Lebte Jan eigentlich nur im Herbst und schlief den Rest des Jahres? Dieser Gedanke machte mir zu schaffen.
Doch an einem kalten regnerischen Tag Ende November stand er plötzlich in meinem Zimmer. Er wirkte nicht verwelkt, aber blass. So unendlich blass und so furchtbar traurig und kalt. Was stimmte nicht mit ihm. War es das Ende des Herbsts? Seine Augen waren voller Eiszapfen, was irgendwie beunruhigend war.
„Jan, was ist los?“, fragte ich entsetzt und stand von meinem Bett auf. Hoffentlich kamen meine Eltern jetzt nicht rein. Wie sollte ich Jan denn sonst bloß erklären und dann auch noch sein Aussehen.
„Der Winter naht. Ich spüre es in meinen Knochen. Eigentlich bleibe ich im Winter im Blätterschloss bis es wieder Herbst ist, aber ich wollte dich vorher noch einmal sehen. Der nahe Winter schwächt mich“, erklärte er mir.
„Dann sehen wir uns in der Zeit gar nicht?“, fragte ich enttäuscht.
„Du kannst mich besuchen kommen“, erklärte er. „Ich kann Fine wegen dem Winter nicht schicken, aber ein anderes Tier was winterfester ist. Vielleicht das Eichhörnchen Flo.“
„Flo? Fine? Was gebt ihr den Tieren eigentlich für Namen?“, fragte ich kompfschüttelnd.
„Tun wir gar nicht. Sie geben sie sich die selbst. Vorher haben sie keine Namen.“
„Kann Flo auch sprechen?“, fragte ich nur.
„Klar. Sonst könnte er dir ja nicht weiter helfen.“
„Das ist gut zu wissen.“
„Heißt das du willst mich wiedersehen?“, fragte er hoffnungsvoll. Irgendwie wirkte er verloren wie er da im Raum stand.
Statt ihm zu antworten fragte ich ihn: „Willst du dich nicht setzen?“
„Nicht so gut“, antwortete er. „Da wird’s etwas eisig wo ich mich hinsetzte.“ Er schaffte es sogar noch schief zu grinsen.
„Du bist mir einer.“ Dann ging ich auf ihn zu. Ich zog ihn in meine Arme und lehnte mich an ihn. Er wurde gleich etwas wärmer. Seine Haut war nämlich eiskalt.
„Na nu, was ist denn das? Geht’s dir gut?“, fragte er überrascht.
„Eine Eingebung. Irgendwie war mir gerade nach Körpernähe und du warst gerade da“, erwiederte ich nur verschlagen.
„Interessan“, war sein Urteil. Doch er erwiderte meine Umarmung und zog mich fester an sich. Ich spürte plötzlich, dass wir zusammen gehörten. Total irrational eigentlich. Aber es war so. Als würde der Herbst plötzlich in mir blühen.
„Du spürst es?“, fragte er auch sogleich hoffnungsvoll.
„Ja“, gab ich zu. Es hatte keinen Sinn es zu verheimlichen. Nun schmiegte er sich noch enger an mich und ich genoss seine Nähe. Ich fühlte den Herbst immer stärker in mir und er wurde langsam aufgetaut.
„Du scheinst mir Wärme und Stärke zu spenden. Das ist gut. Aber ich sollte es nicht riskieren im Winter hierher zu kommen. Besser du besuchst mich“, strahlte er.
„Ich komme dich gern besuchen. Du musst mir nur Flo schicken“, versicherte ich ihm.
Jan seufzte frustriert. „Vielleicht sollte ich dich vorwarnen. Flo ist sehr eigen. Ohne mindestens eine Nuss als Belohnung wirst du bei ihm nicht weit kommen.“
„Ach, wenns mehr nicht ist“, winkte ich ab.
„Unterschätz ihn nicht. Flo ist normalerweise vom Winter. Die können ganz schön gerissen sein.“
„Okay. Ich habe verstanden. Gerissene Eichhörnchen. Ich werde vorsichtig sein. Hauptsache Flo bringt mich zu dir.“
„Im Frühling wird es dann wieder Fine sein“
„Das ist gut. Fine mag ich. Sie hat was.“
„Fine ist ein Schmetterling. Schmetterlinge sind die sanftesten Wesen, die ich kenne.“ Er klang irgendwie stolz. Sie schien ihm besonders am Herzen gewachsen zu sein.
„Na dann“, kommentierte ich nur.
„Du wirst sie bestimmt noch kennen lernen. Dann wirst du schon sehen.“
„Und jetzt?“, fragte ich ihn. „Wirst du gleich wieder verschwinden?“
„Ein bisschen Zeit hätte ich noch“, räumte er ein.
„Sollen wir einen Spaziergang machen, oder ist das zu viel für dich?“, schlug ich vor.
„Nein, ein Spaziergang klingt toll. Und wenn du mich berührst, kann mir sowieso nichts passieren.“ Es klang wie ein Angebot oder ein Vorschlag.
„Dann los“, befand ich.
Er ging so hinaus wie er gekommen war. Ich wollte ihn nicht an meinen Eltern vorbeischleusen. Ich ging nach unten, zog mir Schuhe und Jacke über und verkündete, dass ich noch raus wollte.
Ich ging vor die Tür und genoss die frische kalte Luft. Es regnete nicht mehr und so ging ich hinters Haus in den Wald und Jan empfing mich dort und nahm meine Hand in seine. Er wirkte warm und kräftig. Nicht so wie er gekommen war.
„Herrlich wieder im Wald zu sein“, fand Jan strahlend.
„Aber du bist doch immer im Wald. Euer Blätterschloss liegt ja mehr oder weniger im Wald“, wunderte ich mich.
„Ja schon, aber das ist ganz anders als der menschliche Wald. Unser Wald geht eher ins bräunliche oder rötlicher. Eurer ist so schön bunt“, erklärte er mir, was er meinte. Das war mir noch gar nicht so aufgefallen. Da musse ich unbedingt das nächste mal drauf achten.
„Hm“, machte ich nur.
„Du Herbstbanause“, grinste er.
„Ach was, mittlerweile mag ich den Herbst“, behauptete ich.
„Und wie kommt das?“, fragte er und sah mich mit einem Blick an, den ich nicht deuten konnte. War er doppeldeutig oder einfach nur neugierig gemeint?
„Ach ich weiß auch nicht. Ich hab da so einen gewissen Herbstmensch kennen gelernt, der mir nach und nach die schönen Seiten des Herbst zeigt“, antwortete ich.
„Herbstmensch, ja?“ Er wirkte ämüsiert und sah mich mit blitzenden Augen an. Das reinste Herbstwetter tobte darin.
„Ich find das Wort passend“, fand ich.
Jetzt war er es der nur „Hm“ machte. Wir gingen eine Weile nebeneinander her und genossen den Herbst um uns rum. Dann meinte er unvermittelt: „Ich sollte jetzt wohl gehen. Dieses Wetter macht mich schnell müde.“
Spontan griff ich nach seine Hand. „Wann werden wir uns wiedersehen? Ich mag dieses Warten nicht.“
„Es tut mir Leid, dass es nicht anders geht. Ich würde es dir gern sagen, aber ich weiß es nicht, wann es möglich ist. Ich bin nicht immer auf der Höhe in anderen Jahreszeiten“, entschuldigte er sich bei mir und ich seufzte. Wollte ich dieses Leben wirklich?
„Vielleicht sollten wir uns nicht wiedersehen“, wagte ich mich vor.
„Sag so was nicht. Ich würde dich gern wieder sehen und ich werde dir Flo schicken“, versprach er mir. Dann gab er mir einen schnellen Kuss und war fort. Es war als würde ich ihn nie wieder sehen.

2 Gedanken zu “Der Herbstmensch Teil 3

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