Kapitel 45 Geheimnisse

Hey Mr. Wichtig
du machst da was nicht richtig
das war ja wohl n bisschen schnell
das war ja wohl nicht so originell

Tic Tac Toe – Mr. Wichtig

Am nächsten Tag war wieder Schule. Wir hatten bei Cameron magischen Unterricht und auf mich wirkte er den ganzen Tag lang merkwürdig nervös. Am Ende des Unterrichts um viertel vor drei bat er Leinar und mich mit ihm im Klassenraum zu bleiben, während alle anderen den kahlen Raum verließen.
„Was hast du heraus gefunden?“, erkundigte ich mich sofort bei ihm, nachdem der Klassenraum endlich leer war.
„Nicht hier. Lasst uns Carlina suchen. Ich muss ihr erst noch erzählen was los ist.“ Er wirkte nicht gerade begeistert und ich konnte ihn verstehen. Er hatte ihr vieles verheimlicht und ich konnte mir vorstellen, dass ihr das nicht gefallen würde.
Also folgten wir Cameron aus dem Klassenraum in den leeren Gang und ins Kaminzimmer hinein. Während Cameron weiter ging, um Carlina zu suchen, blieben Leinar und ich dort. Es dauerte nicht lange, bis die Tür wieder geöffnet wurde und die beiden eintraten. Als Carlina uns entdeckte, runzelte sie die Stirn.
„Was ist los, Cam?“, fragte sie verwirrt.
Wir setzten uns und Cameron erzählte ihr alles, was er uns schon erzählt hatte, und auch von Leinars Traum. Entsetzt sah Lady Meisold ihn an. Sie wirkte total sauer. Das überraschte mich ja nicht sonderlich. Ich hatte sowas erwartet.
„Und das hast du die ganzen Jahre vor uns geheim gehalten?“, wütete sie.
„Ja, mir blieb nichts anderes übrig. Ich habe Fionn ei-nen magischen Schwur geleistet. Etwa den, den unsere jungen Freunde mir geleistet haben.“ Er schien nicht sehr beeindruckt von der wütenden Lady Meisold zu sein. Vermutlich hatte er in seinem langen Leben schon schlimmeres erlebt.
„Und schon allein wegen meiner Tochter hätte ich auch so nichts erzählt. Ich hab gestern versucht Kontakt zu ihr aufzunehmen. Ich hab fast die ganze Nacht ge-braucht, bis ich sie schließlich erreichte, und dann konnte ich nur ganz kurz mit ihr sprechen, bis die Verbindung wieder abbrach. Irgendetwas stimmt da nicht und das hat nicht nur mit dem Angriff auf dem Lebenssee zu tun. Lilien konnte mir aber zumindest so viel sagen, dass der Angriff nicht von Sternen kommt, was eigentlich so gut wie unmöglich ist.“
„Aber könnten nicht mehrere Feen oder Elfen ein ähn-liches Geschenk bekommen haben wie du von den Ster-nen?“, fragte ich Cam.
„Nein, Sternenglanz ist nicht gleich Sternenglanz. Der Glanz, den ich bekommen habe, ist einzigartig. Es ist nämlich derselbe Sternenglanz, aus dem das magische Schloss besteht. Es wurde nicht wirklich gebaut wie an-dere Schlösser. Es wurde vielmehr aus vielen verschiedenen Gedanken von vielen verschiedenen Sternen er-schaffen mit Hilfe des besonderen Sternenglanzes. Wo er verborgen ist, verraten die Sterne keinem. Nicht einmal mir. Ich denke, Fionn ist so ziemlich der Einzige, der es momentan weiß.“
„Also deshalb ist an vielen Wänden vom Schloss der ganze Sternenglimmer?“, fragte ich. Das war mir durch-aus schon aufgefallen und ich fand es wunderschön.
„Ja, aber es ist nicht so, dass man den Sternenstaub einfach von den Wänden abkratzen könnte. Es ist eben nur noch der übliche Sternenstaub vorhanden. Nicht mehr der ursprüngliche Sternenglanz. Der ist schon fast ganz verblasst.“
„Aber war früher das Sternenschloss nicht golden, oder?“, fiel mir nun ein.
„Ja schon, aber es ist so, dass durch die vielen verschiedenen Gedanken, durch die das Schloss entstand, das Schloss selbst sich alle paar Jahrhunderte veränderte. Es hat sich wohl irgendjemand das Schloss mal silbern vorgestellt und so ist es irgendwann silbern geworden, und bis heute geblieben. Ein weiteres Problem ist, dass die Zauber eigentlich von Jahrhundert zu Jahrhundert erneuert werden müssten. Aber das ist jetzt schon lange nicht mehr passiert. Noch macht das nicht so viel, da es etwa höchstens drei Jahrhunderte nicht verändert wurde. Aber irgendwann könnte das dem Schloss zum Verhäng-nis werden“, erzählte Cameron weiter.
„Heißt das, dass das Schloss irgendwann verblassen könnte?“, fragte ich ihn schockiert.
„Wenn es sich nur ein Stern so vorgestellt hat, könnte das tatsächlich irgendwann passieren“, bestätigte Cam mir und schien sich dabei unwohl zu fühlen. Ich hätte nicht sagen können, ob es war, weil er die Vorstellung, dass das Schloss verblassen konnte so furchtbar für ihn war, oder er jetzt erst begriff, dass er seine Geheimnisse irgendwann sowieso hätte bekannt geben müssen. Er ergänzte noch: „Wenn die Zauber erneuert werden würden, könnten wir das vermutlich verhindern. Aber diese Zauber sind kompliziert und wirken sich auf das ganze Schloss aus.“
„Wie viel hast du uns noch verheimlicht?“, wütete Carlina nun. „So was müsste in den Geschichtsbüchern stehen.“
„Nein“, erwiderte Cam nun unnatürlich ruhig. „Das sind die Geheimnisse der Sterne, die mir anvertraut wur-den. Es sind keine für die Allgemeinheit.“
„Aber jetzt gibst du sie doch auch weiter“, stellte Lady Meisold kühl fest.
„Weil es nötig ist. Wenn der See wirklich in Gefahr ist, könnten wir alle davon betroffen sein.“
„Und was gedenkst du zu tun?“, wollte Lady Meisold wissen. Sie klang herablassend.
„Wir müssen zum See. Also alle, denen wir vertrauen können und die Sternenblut in sich tragen.“, antwortete Cam bestimmt.
„Also auch Fiann Nike und ihre Jungs?“, fragte Lady Meisold ungewöhnlich feindselig. Bei ihr klang es fast, als wäre Fiann Nikes Name so was wie ein Schimpfwort.
„Ja natürlich, ihr Vater lebt zwar noch, aber sie ist immerhin trotzdem die Sternenprinzessin. Du weißt ge-nau, Kenian hätte hierher kommen sollen. Nur wegen deinem stolz ist er nicht hier“, warf Cameron ihr vor.
Was lief hier eigentlich? Was hatte das alles zu bedeuten? Ich verstand kein Wort.
„Nein, keines von Fiann Nikes Kindern gehört in mein Schloss. Dafür hat sie selbst gesorgt. Ausserdem sind sie Sterne und keine Feen“, fauchte Lady Meisold Cam an.
„Es ist nicht dein Schloss und sie sind bloß Halbsterne. Das weißt du genau“, wiedersprach Cam ihr.
Auch er wurde nun lauter. Anscheinend vergaßen die beiden, dass Leinar und ich auch noch anwesend waren. „Jedenfalls ist es immer noch das Schloss der Sterne, auch wenn sie nicht mehr hier sind. Und wer würde hier mehr hingehören als ein Kind der Sterne? Und selbst wenn es nicht den Sternen gehören würde, wäre es nicht deins, sondern Linnie und Lunars.“
Die Vorstellung, meine Eltern könnte ein ganzes Schloss gehören, war irgendwie gruselig. Dann doch lie-ber die Sterne.
Lady Meisold lachte bitter auf. „Fiann Nikes Kinder hätten nie geboren werden dürfen. Rivial hätte sie nie heiraten dürfen.“
Cam seufzte mehr als genervt. „Wie lange ist es jetzt her, dass Rivial dich für Fiann Nike hat sitzen lassen? Hundert Jahre oder mehr? Wieso trauerst du ihm immer noch hinterher? Du hast doch Lim, deine Kinder und deine Familie.“
„Das verstehst du nicht Cam. Ich habe ihn geliebt!“
Merkte sie eigentlich, wie taktlos sie gerade gewesen war?
„Was verstehe ich nicht, Carlina?“ Jetzt wurde Cameron richtig laut und sauer. Ich war ziemlich froh, dass seine Wut sich nicht gegen Leinar oder mich richtete. Er wirkte nämlich ganz schön bedrohlich. Leinar und ich zuckten jedenfalls heftig zusammen. „Willst du damit etwa andeuten, ich wüsste nicht was Liebe ist? Gerade ich?“
„Sorry Cam! Ich denke immer, dass kannst du nicht, weil es schon so lange her ist.“
„Wage es ja nicht, Carlina!“, warnte Fürst Cameron ihr drohend. Und nun merkte ich zum ersten Mal wirklich, dass er mal ein Fürst war. „Du hast wenigstens eine Familie. Ich hab meine mittlerweile verloren. Was ist ei-gentlich mit Lim? Liebst du ihn etwa nicht?“
Nun zuckte Leinar zusammen. Immerhin ging es hier ja auch um seinen Großvater. Doch ich fand Camerons Frage berechtigt. Gerade wirkte es nicht so, als würde ihr Lim auch nur ansatzweise etwas bedeuten.
„Natürlich tu ich das“, behauptete Lady Meisold aufgebracht. „aber ich erlaube nicht, dass Fiann Nike bei dieser Mission mitmacht.“
„Das hast du aber nicht zu entscheiden. Wir brauchen sie bei dieser Mission. Du bist nur Schulleiterin, Carlina. Wenn Jemand sowas Wichtiges zu entscheiden hat, dann das Königspaar. Übrigens sollten wir Linnie und Lunar schnellstens hierher holen. Wir können nicht noch zwei Wochen warten“, fand Cameron. Seine Wut war noch nicht ganz verraucht, aber er hatte wieder leiser gesprochen.
„Ich sehe, was sich machen lässt.
Über Fiann Nike ist das letzte Wort aber noch nicht gesprochen.“ Immer noch sauer stand Lady Meisold auf und verließ ohne ein weiteres Wort das Kaminzimmer.
„Was war das denn?“, fragte ich Cam verwirrt.
„Frag lieber nicht“, seufzte Cam. „Es ist viel zu lange her und viel zu kompliziert.“
Trotzdem wollte ich ihn in unserem Extraunterricht noch mal danach fragen. So ganz blickte ich da immer noch nicht durch. Offenbar hatte Lady Meisold Probleme mit Fiann Nike. So viel hatte ich aber immerhin begriffen.

Ich freu mich über jeden Zauberkommentar von euch.

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