Kapitel 47 Antworten

Rescue me
Show me who I am
Cause I can’t believe
This is how the story ends
Kerry Roberts – Rescue me

Titelsong der Serie „Once upon a time“

„Was denkst du über den Streit zwischen Cam und deiner Oma?“, fragte ich Leinar, als wir alleine in unserer Suite auf dem Sofa lagen. Ich hatte mein Buch in der Hand und da wir Feen schnelle Leser waren, war ich jetzt schon an der Stelle, wo Wanda in dem Höhlensystem in ihr „Gefängnis“ kam. Jedenfalls konnte ich mich nicht wirklich auf das Buch konzentrieren, denn mir schwirrte immer noch der Kopf von dem Gespräch im Kaminzimmer.
„Keine Ahnung“, antwortete mir Leinar achselzuckend. Er guckte gerade die Feensendung Jannina und die blaue Fee. Es lief Werbung. Ein Spot für Feenhand-creme mit einer Fee. „irgendwie war das ziemlich verwirrend und traurig.“
„Traurig?“, hakte ich nach. Ich wusste nicht genau, was er damit meinte.
„Na ja. Offenbar hat meine Oma diesen Rivial ja mal geliebt und diese Fiann Nike hat ihn ihr weggenommen. Meine Oma scheint einen ziemlichen Hass auf die Sternenprinzessin zu haben“, überlegte Leinar.
„Fiann Nike ist ja Cams Nichte“, erinnerte ich ihn. Nur für den Fall, dass er das vergessen haben sollte.
„Für mich klang das eher so, als hätte er deine Oma nie geliebt oder er hat sie geliebt und dann ist was passiert, was das geändert hat. Und dann hat Rivial Fiann Nike kennen gelernt und sich in sie verliebt.“
„Ja kann sein“, gab Leinar mir Recht, aber er klang nicht wirklich überzeugt. Vielleicht wollte er das auch einfach nicht.
„Ich hab dir doch erzählt, dass mir der Name Kenian bekannt vorkam. Jetzt weiß ich wieder woher“, wechselte ich nun das Thema. Ich sah ja, dass Leinar nicht darüber reden wollte.
„Und woher?“
„Emma kennt ihn. Sie ist oder war mit ihm befreundet“, erzählte ich.
„Und weiß sie, wer er wirklich ist?“, wollte Leinar wissen.
„Keine Ahnung.“ Diesmal zuckte ich ratlos mit den Achseln.

Am nächsten Tag nach dem Frühstück nahm ich Zac bei Seite. Immerhin hatte ich Sophann versprochen ihn zu fragen, was mit ihm los war. Wir gingen ein wenig draußen über die Wiese vorm Schloss spazieren. Bis zum Unterricht hatte ich noch eine halbe Stunde Zeit.
„Was gibt’s?“, erkundigte sich Zac etwas verwirrt bei mir.
„Na ja. Sophann hat mir von eurem Date erzählt und ich wollte einfach mal fragen, was du darüber denkst.“
Er sah mich skeptisch mit seinen dunklen Augen an und ich fügte schnell hinzu: „Wenn du nicht darüber reden willst, kann ich das verstehen. Wir kennen uns ja auch kaum.“
„Nein, schon ok.“ Er wurde etwas nervös. „Bestimmt wundert sie sich, warum ich ihr jetzt aus dem Weg gehe.“
Offenbar hatte er Sophann schon besser kennen gelernt, als ich angenommen hatte.
„Allerdings“, bestätigte ich ihm nur.
„Hm, ich bin mir selbst nicht ganz sicher. Ich mag Sophann, ehrlich. Ich hab wohl einfach Angst vor einer festen Beziehung“, gestand er mir, während er lässig ne-ben mir her schlenderte.
Ich runzelte die Stirn. „Ich denk das ist normal, oder? Das geht bestimmt den Meisten so. Aber es ist gegenüber Sophann nicht fair, sie einfach so zu ignorieren.“
Zac schien sie wirklich zu mögen und das freute mich. Aber er musste dabei doch auch an Sophanns Gefühle denken, die er mit seinem Verhalten verletzte.
„Ich weiß“, seufzte er traurig. „Ich denke, ich brauche einfach etwas Zeit, aber ich werde mit ihr reden.“
„Das ist schön“, fand ich. „Aber du brauchst wirklich keine Angst zu haben. Sophann ist super.“ Ich wollte ihm Mut machen, damit er mit Sophann redete.
„Ich weiß.“ Ich spürte geradezu, wie sich Zacs Nervo-sität legte und er lächelte sogar leicht. Das war gut. Of-fenbar konnte ich Andere doch positiv beeinflussen. Vielleicht war es auch meine Gefühlsfähigkeit, die das bei ihm bewirkte.
Wir gingen noch ein Stück weiter, bevor wir uns wie-der dem Schloss zuwandten. Wir hatten schließlich beide einen langen Unterrichtstag vor uns.

Der Schultag bei Sena ging schneller um las gedacht. Danach hatte ich endlich Unterricht bei Cam. Darauf hatte ich schon den ganzen Tag gewartet. Als er in den Klassenraum kam, wirkte er ziemlich gestresst.
„Können wir den Unterricht vielleicht verschieben?“, fragte er gehetzt. „Es ist ziemlich viel los heute.“
„Aber ich will Antworten“, erklärte ich bestimmt. Vielleicht war das egoistisch von mir, aber ich konnte nicht anders. „Was war zwischen Lady Meisold und Fiann Nike?“
„Bestimmt hast du dir doch das Meiste jetzt selbst zu-sammen gereimt“, vermutete Cam statt einer wirklichen Antwort. Er klang erschöpft und er tat mir Leid. Sein Leben war sicher oft eine große Last, doch er meisterte es gut.
„Ja, aber eben nur so halb“, erwiderte ich. „Ich kenne ja nicht alle Fakten.“ Ich gab trotzdem nicht auf.
„Also gut“, gab Cam sich geschlagen. Er setzte sich hinter den Schreibtisch und so setzte ich mich auf dem Platz vor ihm.
„Dass Carlina ein Verhältnis mit Fiann Nikes Mann Rivial hatte weißt du inzwischen, oder?“
Ich nickte.
„Das Problem war, dass Carlina damals schwanger war. Sie hat ihr Kind verloren. Rivial und sie haben sich dann böse verkracht. Weswegen weiß ich auch nicht. Etwas später lernte er Fia kennen. Wer Fia kennt, weiß, dass man sich als junger Mann – zumindest für Feenver-hältnisse jung – einfach in sie verlieben musste. Doch bei Rivial war das noch was anderes als bei den üblichen Exemplaren, die an Fia interessiert waren. Sie war näm-lich auch in ihn verliebt.
Jedenfalls hasst Carlina sie seitdem. Meiner Meinung nach passt Jemand wie Rivial einfach nicht zu ihr. Teil-weise hatte er den Charakter von Robin Hood. Du weißt doch, wer Robin Hood ist, oder?“
Wieder nickte ich und antwortete: „Eine Märchenge-stalt aus der Menschenwelt. Ich liebe die Serie Once up-on a time, auch wenn die ursprünglichen Märchen dort oft etwas abgeändert sind. Ein Robin Hood kam da auch mal drin vor, aber mein Liebling war ja immer Bae bzw. Beaelfire. Es kommt sogar auch im Feenfernsehen. Ich habe jede Folge gesehen.“
Cameron deutete ein leichtes Grinsen an. Sein rechter Mundwinkel zuckte leicht nach oben. „Ja, von der Serie hab ich auch schon mal gehört. Ok. Wir kommen vom Thema ab. Jedenfalls herrschte zwischen Fiann Nike und Carlina seitdem immer gewisse Spannungen.“
„Wie stehst du denn zu Carlina?“, fragte ich ihn neu-gierig. Ich hatte den Eindruck, dass Cameron sie schätzte, aber nicht immer unbedingt auch mochte.
„Eigentlich ist sie sehr sympathisch, aber manchmal eben auch schwierig. Besonders, wenn es um Fiann Nike geht oder um das Sternenschloss“, erklärte Cameron mir. „Du hast ja gehört, dass sie glaubt, das Schloss gehöre ihr, aber das stimmt nicht. Sie ist eben nur die Schulleite-rin.“
„Ja und ich hab auch gemerkt, dass dir diese Behaup-tung nicht gefiel“, entgegnete ich.
„Die Sterne sind seit Jahrhunderten meine Freunde. Eigentlich sogar schon lange meine Familie. Ohne Lim würde Carlina familiär gar nicht zu den Sternen gehören, aber ohne meine Tochter gäbe es Lim wiederum nicht.“ Er klang nun ziemlich wütend und das war schon, wie im Kaminzimmer, ziemlich beängstigend. Eigentlich war er harmlos, aber ich vermutete, dass in ihm eine große Macht schlummerte. Wenn er gewollt hätte, hätte er wohl die ganze Welt vernichten können.
„Ich hätte gar nicht gedacht, dass sie so sein kann“, gestand ich ihm.
„Ja, Carlina ist immer zuerst freundlich, aber wenn ihr etwas nicht gefällt kann sie auch ganz anders.“
„War es schwer damals für dich, als du Lilien wegge-geben hast?“, traute ich mich nun zu fragen. Die Frage beschäftigte mich schon länger.
„Sehr schwer“, nickte Cam. „aber ich hatte keine Wahl. Deswegen versteh ich auch deine Eltern so gut in Bezug auf dich.“
„Habt ihr meine Eltern erreicht?“, wollte ich nun wis-sen.
„Ja, sie kommen Morgen Nacht“, berichtete Cam.
„Morgen schon?“, fragte ich überrascht.
„Ja, und übermorgen findet eine große Versammlung statt für diejenigen, die an der Mission teilnehmen.“
„Kann ich meine Eltern davor schon kennen lernen?“, fragte ich. Die Vorstellung, sie zum ersten Mal in einem Raum mit möglicherweise fremden Menschen zu treffen, jagte mir Angst ein.
„Ich muss noch mal mit Carlina darüber sprechen, aber ich denke das wird gehen.“
„Ich denke, ich hab jetzt auch genug deiner Zeit bean-sprucht“, bemerkte ich schuldbewusst. Cam hatte dieses Gespräch doch erst gar nicht führen wollen. Wieso hatte ich ihn so lange auf die Zeit gehalten?
„Ach, das ist schon in Ordnung“, versicherte Cam mir. Es wirkte fast, als wäre ihm die Ablenkung ganz recht. „Möchtest du eigentlich, dass Jemand dabei ist, wenn du deine Eltern kennen lernst? Neal oder ich zum Beispiel.“
„Ja, gerne. Das wäre toll.“ Allerdings konnte ich mir nicht vorstellen Leinar dabei zu haben. Ich denke, ich wäre total überfordert, wenn ich meinen Freund meinen Eltern vorstellen müsste, die ich selbst gerade erst kennen lernte.
„Ich kenne deine Eltern sehr gut. Ich kann gern dabei sein, wenn du magst“, als hätte er meine Gedanken gele-sen.
Ich war ihm dankbar, dass er mir das anbot und freute mich darüber: „Ja, das wäre toll.“
„Na gut, ich werde sehen, was sich machen lässt“, ver-sprach er mir. „Ich wünsche dir noch einen schönen Abend.“
„Danke. Ich dir auch. Bis morgen dann.“
Ich verließ den Klassenraum. Cam war mir richtig sym-pathisch. Irgendwie war er für mich ja wie ein Opa, auch wenn er nicht mein Opa in dem Sinne war. Aber meinen richtigen, Renn, hatte ich ja noch nicht kennen gelernt. Hoffentlich würde ich das bald. Ich war ziemlich gespannt auf ihn.

Ich freu mich über jeden Zauberkommentar von euch.

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