Kapitel 49 Das Königspaar

Hakuna Matata, diesen Spruch sag ich gern.
Hakuna Matata gilt stets als modern.
Es heißt: „Die Sorgen bleiben dir immer fern.“
Keiner nimmt uns die Philosophie.
Hakuna Matata

Soundtrack „König der Löwen“ – Hakuna Matata

Cameron hielt sein Versprechen und begleitete mich zu meinem ersten Treffen mit meinen Eltern. Es fand im Kaminzimmer statt und langsam hatte ich das Gefühl, dass dort so ziemlich alle kleineren Treffen stattfanden.
Eigentlich war das nur logisch, denn das Zimmer war wirklich gemütlich.
Irgendwie sahen meine Eltern gar nicht aus wie ein klassisches Königspaar. Sie trugen beide Jeans. Langsam hatte ich das Gefühl, dass das für Feen das bevorzugte Kleidungs-stück für die Beine war. Die meisten Feen, die ich hier gesehen hatte, trugen kaum was ande-res als Jeans. Gegebenenfalls noch Cordhosen. Ich selbst bevorzugte übrigens auch Jeans.
Jedenfalls hatte meine Mutter einen hell-grünen schlichten Pullover und mein Vater einen schwarzen an. Der von meinem Vater zeigte deutlich seine gut durchtrainierten Muskeln. Meine Mutter hatte einen modischen blonden Kurzhaarschnitt, während das Haar meines Vaters schulterlang und schwarz war. Linnie sah mich aus eisblauen Augen interes-siert an, während Lunars mandelbraun und warm wirkten. Ich sah keinem von beiden ähnlich und fragte mich jetzt mehr denn je, woher ich wohl mein rotes Haar hatte.
„Mianna, endlich!“, begrüßte Linnie mich strahlend. Sie hätte mich wohl am liebsten in die Arme genommen, hielt sich aber zurück. Keiner von uns wusste wirklich wie wir mit der Situation umgehen sollten.
„Hi!“, begrüßte ich die beiden schüchtern. Ich hatte keine Ahnung, wie ich sie nennen sollte oder was sie von mir erwarteten. Mum und Dad oder Linnie und Lunar?
Gott sei Dank war Cameron dabei, der sich am ehesten mit so einer Situation auskannte und helfen konnte.
„Lunar, Linnie! Wie schön euch endlich wieder zu sehen“, begrüßte er sie und umarmte meine Eltern herzlich.
Mein Vater, der bisher noch keinen Ton gesagt hatte, lächelte Cameron nun dankbar an. Seine Stimme war klangvoll und tief. „Cam, es ist auch schön dich wieder zu sehen. Und dich natürlich auch, Mianna. Wir freuen uns sehr darüber, dich endlich kennen lernen zu dürfen.“ Er wandte sich von Cameron ab und sah mich liebevoll an.
„Ich freue mich auch“, antwortete ich au-tomatisch.
„Du hast bestimmt viele Fragen, oder?“, wollte Linnie wissen. Wenn sie sprach, klang das eher so als würde sie singen. Sie hatte eine so wunderschöne Stimme.
„Ja schon, aber ich weiß gar nicht so richtig wo ich anfangen soll.“ Und ich wusste nicht, wie ich richtig mit meinen Eltern umgehen sollte.
„Das ist verständlich. Darf ich etwas aus-probieren?“ Lunar sah mich erwartungsvoll an.
Ich wusste nicht genau, worauf er hinaus wollte, nickte aber. Ich vertraute ihm noch nicht, aber Cameron würde es nicht zulassen, wenn er Bedenken hätte. Also legte er seine Hand auf meine Schulter und ich spürte plötz-lich Wärme und unglaubliche Liebe. Dann sprach er mit mir in Gedanken.
„Es tut mir und deiner Mutter so leid, dass wir dich weggeben mussten. Wir haben es jeden Tag bereut. Dich nicht aufwachsen se-hen zu dürfen, war für uns sehr schlimm. Wir wissen, dass wir die verlorene Zeit nicht wie-der wettmachen können.“
Ich sah ihm in die Augen und holte tief Luft. Er war mein Vater! Plötzlich war mir das ganz genau bewusst. Ich war stolz darauf seine Tochter zu sein. Irgendetwas hatte sich mit seiner Berührung verändert. Sie hatte mir die Angst genommen und plötzlich war alles kin-derleicht.
„Dad! Oh Dad!“, schluchzte ich tief berührt und warf mich in seine Arme.
„Ich weiß“, nickte er verständnisvoll und er hielt mich ganz fest.
„Mianna.“ Nun stand Linnie direkt neben mir. Ich löste mich etwas von Lunar und sah sie glücklich an.
„Mum?“, fragte ich nur.
Sie lächelte glücklich. „Du hast gerade zwei der Fähigkeiten deines Vaters kennen gelernt. Eine davon ist Gedankensprache. Und diese Fähigkeit ist bei ihm sehr stark ausgeprägt. Er kann dabei nicht lügen.“
„Ja, das hab ich mir bereits so ähnlich gedacht.“
„Ich denke wir haben uns viel zu erzählen“, stellte Lunar schließlich fest. „Und wir sollten die Zeit, die wir gerade haben, nutzen.“
Wir setzten uns zusammen auf das größte Sofa vor den Kamin und ich kuschelte mich an meine Mutter, die sanft ihren Arm um mich legte. Ich spürte ihre Wärme und fühlte mich geborgen.
„Wie war es in eurem Versteck?“, erkun-digte ich mich bei den beiden. Ich wollte mehr über ihr Leben wissen. Was hatten sie getan? Wie war es ihnen ergangen?
„Einsam“, erzählte Linnie mit ihrer Sing-Sang-stimme. „es lag verlassen in einem Wald und außer uns war da Niemand.“
„Und wie kamt ihr an das, was ihr täglich gebraucht habt? Nahrung und so was?“, fragte ich sie. Irgendwie hatte ich keine Ahnung von der menschlichen Welt und wie man in so einem Versteck lebte.
„Meistens hab ich im Wald gejagt“, erklärte Lunar. Ich hatte Schwierigkeiten damit mir meinen Vater – der immerhin der König des Feenlands war – dabei vorzustellen. Ein wilder Jäger in den fernen Ländern der Menschen. Er wäre dort doch viel zu auffällig, oder?
„Und etwa zwei Mal im Monat verkleideten wir uns und fuhren in den Supermarkt im nächsten Ort eine halbe Stunde entfernt um dort einzukaufen“, ergänzte Linnie.
„Ihr habt euch verkleidet?“ Ich konnte mir da nichts drunter vorstellen. Was genau war das?
„Ja, die Menschen lieben Fasching und deswegen konnten wir uns alle möglichen Kostüme kaufen. Wir trugen Perücken und sahen nicht aus wie wir“, erklärte Linnie.
„Die einzige Verbindung zur Feenwelt war, dass Carlina uns für die Einkäufe menschliches Geld schickte“ Lunar schien darüber nicht gerade glücklich zu sein. Ich dachte, meine Eltern seien mit Carlina befreundet und froh über ihre Hilfe. Da verwunderte mich seine Reaktion etwas.
„Hört sich wirklich einsam an und irgend-wie traurig“, stellte ich fest. Den Begriff Fa-sching kannte ich zwar auch nicht, aber jetzt konnte ich mir wenigstens was unter dem Verkleiden vorstellen.
„Ja, war es auch. Unser Leben war nicht besonders spannend. Aber was ist mit dir? Du hast doch sicher viel erlebt, oder?“ Linnie sah sehr neugierig aus. Sie wirkte lieb, aber mo-mentan konnte ich noch wenig mit ihr anfan-gen.
„Ach, eigentlich verbrachte ich außer in der Schule viel Zeit mit meiner Familie zu Hause. Bei mir wurde es erst interessant, als ich in den magischen Zug stieg“, sagte ich.
„Gibt es denn einen Jungen in deinem Leben?“, fragte Lunar nun.
„Ähm, den gibt es. Er heißt Leinar – in der menschlichen Welt Neal – und ist Lady Meisolds Enkel.“ Die Frage kam unvorbereitet und ich wollte mit meinen Eltern nicht über Leinar reden, aber ich wollte ihn auch nicht ver-schweigen. Sie waren eben meine Eltern und Leinar bedeutete mir so viel.
„Oh, dann lernen wir ihn ja bei der Versammlung kennen, oder?“, fragte Linnie auf-geregt.
„Ja schon.“, nickte ich weniger begeistert. Was würden sie über ihn sagen? Würden sie ihn mögen? Aber musste man ihn nicht einfach mögen?
Wir unterhielten uns noch etwa zwei Stunden weiter und ich fing an die beiden trotz der kurzen Zeit in mein Herz zu schließen. Auch wenn sie behaupteten, ihr Leben in der Abgeschiedenheit sei langweilig gewesen, fand ich es völlig faszinierend. Als ich angefangen hatte richtig mit meinen Eltern zu reden, musste Cam still und heimlich den Raum verlassen haben. Ich war die meiste Zeit mit meinen Eltern allein gewesen und dafür war ich Cam sehr dankbar. Sie hatten mir genauer erzählt, wie sie gelebt hatten und was sie in ihrer Ab-geschiedenheit so unternommen haben. Heimliche Zeltausflüge. Das nächtliche Durchstreifen des Waldes, in dem sie lebten. Verkleidete Stadtbesuche und Autofahrten durch die nahe Gegend. Sie waren nicht die ganze Zeit in ih-rem Versteck geblieben, aber überwiegend. Sie waren die ganze Zeit über nur zu zweit gelesen und liebten sich immer noch wie am ersten Tag.

Ich freu mich über jeden Zauberkommentar von euch.

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