Kapitel 53 Tiljans Visionen

Oh man diese Woche war auch so viel los, dass ich gar nicht dazu gekommen bin Kapitel zu posten.

Irgendwie irgendwo irgendwann
Im Sturz durch Zeit und Raum
erwacht aus einem Traum
nur ein kurzer Augenblick
dann kehrt die Nacht zurück
irgendwie fängt irgendwann
irgendwo die Zukunft an
ich warte nicht mehr lang

Nena – Irgendwie irgendwo irgendwann

Ich befürchtete ein Gespräch von Eltern zu Freund und darauf hatte ich absolut keinen Nerv, aber zu meiner Überraschung und meinem Glück hatte mein Vater etwas ganz anderes im Sinn.
„Ich möchte, dass ihr auf dieser Mission vorsichtig seid. Wir wissen nicht, wie gefährlich es wird und vermutlich kann ich euch nicht die ganze Zeit im Auge behalten“, warnte er uns besorgt und musterte uns ausgiebig. Ich fühlte mich irgendwie nackt, als könnte er durch uns hindurchsehen.
„Mach dir keine Sorgen um uns, Dad. Wir haben ein paar recht nützliche Fähigkeiten, versuchte ich Lunar zu beruhigen, auch wenn ich nicht wusste, ob uns das hierbei auch wirk-lich half. Aber mein Vater musste bei der Mis-sion voll konzentriert sein.
„Wir möchten trotzdem, dass ihr aufeinander Acht gebt. Besonders wenn wir es nicht können“, bat Lunar uns hartnäckig.
„Das ist doch selbstverständlich“, versi-cherte Leinar ihm schnell. Offenbar war ihm dieses Gespräch unangenehm. Das konnte ich verstehen. Er wollte es so schnell wie möglich hinter sich bringen.
Lunar nickte zufrieden. „Freut mich zu hören, denn es ist auch absolut notwendig.“
„Lunar, jetzt lass die beiden schon gehen.“ Linnie legte ihrem Mann ihre kleine Hand auf die Schulter und sah ihn mit einem Blick zur Tür an.
„Na gut, wir sehen uns dann bald, schätze ich“, verabschiedete er sich widerwillig von uns und wir verließen erleichtert den Raum.

Die nächsten zwei Tage brauchten Leinar und ich nicht in den Unterricht. Wir sollten uns auf unsere Aufgabe konzentrieren. Den Extraunterricht bei Cameron nahm ich aber trotzdem wahr. Am zweiten Tag kam allerdings statt Cameron Tiljan in den Klassen-raum. Ich war ziemlich überrascht. Bei Tiljan hatte ich noch nie Unterricht gehabt. Er schüchterte mich irgendwie ein.
„Hi!“, begrüßte er mich fröhlich. „Cam kann leider nicht. Er hat mit den Vorbereitungen für die Mission zu tun. Ich hoffe es ist ok, wenn ich ihn vertrete.“
„Klar, kein Problem.“ Ich war gespannt, was ich bei Tiljan zu erwarten hatte.
„Gut. Morgen geht es los, was? Bist du aufgeregt?“, fragte er mich, während er sich auf einen Stuhl mir gegenüber an den Tisch setzte. Er sah mich abschätzend an und es war schwer seinen Blick zu deuten.
„Ja schon. Ich mache sowas immerhin nicht alle Tage“, gestand ich ihm. Eigentlich machte ich sowas nie.
„Nein, natürlich nicht. Aber es ist gar nicht so schlecht, dass du die Erfahrungen jetzt machst. Du wirst eines Tages Königin sein und ein ganzes Land regieren müssen. Nächstes Schuljahr bekommst du übrigens sowieso eine Unterrichtseinheit von Cameron bei mir. Königinnenunterricht.“
„Ok. Klingt sinnvoll“, fand ich. „Ich weiß aber ehrlich gesagt gar nicht, ob ich je dazu bereit sein werde, eines Tages Königin zu werden.“ Seit mein Vater das angesprochen hatte, machte ich mir darüber Gedanken. Momentan fühlte ich mich einfach zu jung für so einen enorme Verantwortung.
„Das ist verständlich, aber mit Hilfe meines Unterrichts wirst du es“, versprach er mir und klang sehr zuversichtlich.
„Na gut. Das wäre zumindest schön.“ Ich lächelte schüchtern.
„Außerdem bin ich mir ziemlich sicher, dass du dann nicht allein sein wirst. Ich denke Leinar wird an deiner Seite sein.“ Auch da klang er ziemlich sicher. Und ich fragte mich wieso. Wie sollte er das wissen können?
Ich sagte nur „Hm.“ und wusste, dass ich nicht wirklich überzeugt klang.
„Soll ich dir erzählen, woher ich das weiß?“ Tiljan beobachtete mich aufmerksam. Jeman-den wie ihn hatte ich noch nie gesehen. Seine blauschwarzen Haare waren schon ziemlich ungewöhnlich für einen Elf, aber auch so war einfach nichts normal an ihm. Weder sein bunt kariertes Hemd (Zauberwesen bevorzugten meist eher schlichte Kleidung), noch seine weiße Jeans mit den Peacezeichen drauf (kein Elf würde je so was tragen) oder seine blau-schwarzen Augen, die manchmal sogar zu leuchten schienen und immer alles um sich herum durchleuchten. Auf mich wirkten sie etwas unheimlich.
„Klar!“, nickte ich interessiert.
„Ich hab Visionen. Ziemlich oft sogar. Die meisten betreffen die Zukunft, aber manche auch die Vergangenheit. Ich habe gesehen, wie du mit Leinar unser Land regierst, und du wirst eine gute Königin sein. Du brauchst dir also keine Sorgen zu machen.“
Es überraschte mich, dass er so freizügig von seiner Fähigkeit sprach. Ich wusste nicht, was ich von diesen Visionen halten sollte, aber beruhigen tat mich das nur teilweise.
„Und hast du noch was gesehen in deinen Visionen, was mich betrifft?“, wollte ich wissen. Wenn wir schon mal dabei waren, konnte ich ja gleich noch mehr darüber in Erfahrung bringen.
„Ja schon, aber eigentlich darf ich nicht darüber reden. Aber ich möchte dir trotzdem einen Tipp geben. Pass gut auf Cameron auf. Er könnte bei der Mission schwer verletzt werden. Die Angreifer sind gefährlicher als ihr glaubt.“
„Was weißt du über die Angreifer?“, fragte ich nun. Seine Aussage beunruhigte mich zutiefst. Neben Leinar brauchte ich Cameron am meisten an meiner Seite.
„Eigentlich dürfte ich dir das auch gar nicht erzählen, aber wenigstens einer von euch sollte mehr darüber wissen. Zwei der Angreifer kennt Cameron. Es sind Elfen. Was mich aber beunruhigt ist, dass ein Zwerg dabei ist und wenn ich es richtig gesehen hab, ist es auch noch Alricks Sohn.“, erzählte Tiljan mir.
„Der Zwergenkönig Alrick?“, hakte ich überrascht nach. Das hatte ich überhaupt nicht erwartet.
„Genau der“, bestätigte Tiljan mir aber.
„Aber das ergibt keinen Sinn. Die Zwerge haben sich seit Ewigkeiten nicht mehr blicken lassen und ich hatte keine Ahnung, dass sie Krieg gegen uns führen“, wunderte ich mich verwirrt.
„Ja, genau. Aber ich vermute, dass im Zwergenreich irgendwas passiert ist, was Miron zu diesem Schritt veranlasst hat. Frag mich aber nicht was.“
Das gefiel mir alles ganz und gar nicht. „Hört sich nicht so gut an. Wieso sollte Cam eigentlich verletzt werden?“
„Die Angreifer haben eine Art Waffe ent-wickelt, die selbst den stärksten Elf töten kann. Wie sie auf Feen und Sterne reagiert weiß ich nicht, aber der Schutzzauber ist davon offensichtlich nicht betroffen.“
Das klang nun noch viel beunruhigender. Tiljans Visionen waren ziemlich nützlich und ich war vorbereitet, aber mir wäre es lieber gewesen, ich hätte das alles gar nicht gewusst. Jetzt machte ich mir nur noch viel mehr Sorgen.
„Und das hast du alles in deinen Visionen gesehen?“ Ich konnte mir das kaum vorstellen. Das waren doch recht viele Informationen auf einmal. Würden die auf mich prallen, würde ich sie vermutlich nicht mal auseinander halten können. Geschweige denn verstehen können.
„Ja und auch, dass du die Angreifer besiegen kannst“, ergänzte Tiljan.
„Ich?“, fragte ich erstaunt. „Wieso ausge-rechnet ich?“ Das hielt ich doch für unwahrscheinlich. Wie sollte ich das bitte anstellen? Doch auch darauf hatte er eine Antwort.
„Wegen deiner Feuermagie“, erkläre er.
„Aber ich kann doch gar nicht damit umge-hen“, protestierte ich.
„Mit Leinars Hilfe wirst du es können. Nur musst du es tun bevor Cameron verletzt wird.“ Er sah mich ernst an und das allein zeigte mir, wie knifflig die Sache mit Cameron war.
„Wie?“ Das war das Einzige, was aus meinem Mund herauspurzelte.
„Das wirst du spüren, wenn es so weit ist.“ Tiljan klang sehr geheimnisvoll. Ich wusste nicht, was ich mit dieser Aussage anfangen sollte.
„Na toll“, seufzte ich extra dramatisch. „Du bist mir ja eine große Hilfe!“
„Mehr kann ich dir dazu wirklich nicht sagen“, entschuldigte sich Tiljan und wirkte tatsächlich zerknirscht. „Du musst mir versprechen, dass du mit Niemanden über das redest, was ich dir erzählt hab.“
„Na gut, ich weiß nur nicht wie ich das hinkriegen soll.“
„Du wirst es hinbekommen, Mianna. Ich hab es in meiner Vision gesehen und die Visionen können nicht lügen.“
„Verändern sie sich denn?“
Er funkelte mich frustriert an. „Manchmal, aber wirklich nur sehr selten. Nur du kannst diese Mission erfolgreich abschließen.“
„Na super. Klingt doch sehr beruhigend.“ Noch eine Last mehr auf meinen Schultern. Als hätte ich nicht schon so genug davon.
„Du solltest jetzt gehen und dich ausruhen. Ich wünsche dir viel Glück“, beendete Tiljan abrupt unser Gespräch.
„Danke, das werde ich wohl gebrauchen. Danke, dass du mir das alles erzählt hast.“ Ich wunderte mich über den Abbruch von Tiljan aus, aber zwingen konnte ich ihn schließlich nicht, mir mehr zu verraten. Er hatte mir schon so viel erzählt und dafür war ich ihm dankbar.
Also verabschiedeten wir uns voneinander und ich verließ bedrückt den Klassenraum. Das Schwerste war mit Niemanden darüber reden zu dürfen. Nicht mal mit Leinar. Ich hatte nicht gern vor Leinar Geheimnisse.

Über Corly
Ich bin Bücherverliebt, Serienverrückt, eine Filmeliebhaberin, eine Geschichtenschreiberin, eine Patentante, eine Schwester, eine Cousine, eine Tochter, eine Tante, Blogschreiberin, Forengängerin, eine Kleindorfbewohnerin, eine Hobbyfotografierin, eine Buchsammlerin und eine Schwägerin in einer Person. :-)

Ich freu mich über jeden Zauberkommentar von euch.

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