Kapitel 59 Der vierte Angreifer

Sie werden dich nicht mögen.
Du kannst nicht wegrennen,
sie werden dich finden.
Bete für Antworten was du tun sollst.
Mache Entscheidungen wo du hingehen sollst.
Nehm die Kreuzung und geh mit dem Strohm.

Blazin Squad – Crossroads

Der Angriff fand etwa an der Mitte des Sees statt. Diese Stelle bewachten eine Fee und ein Stern. Wir mussten durch den Schutzwall, wenn wir die Angreifer erreichen wollten. Der Schutzwall war zwar in gewisser Weise durchsichtig, aber auch umgeben von blassblauem Licht. Es wirkte fast so als hätte der Himmel all seine Farbe verloren.
Die Angreifer sahen wir aber trotzdem nicht. Jedenfalls nicht sofort. Der Moment, in dem wir durch den Schutzwall kamen, wirkte auf mich ziemlich unheimlich. Als wir sie dann endlich entdeckten, merkte ich an Camerons Gesichtsausdruck, dass er sie wiedererkannt hatte. Noch hatten sie uns nicht bemerkt, aber das konnte sicher nicht mehr lange dauern.
Am besten wäre es, wenn wir jetzt angreifen würden. Allerdings schien Cameron nun auch den vierten Angreifer erkannt zu haben, denn er fragte nicht gerade leise und ungläubig: „Tedren?“
Der Angesprochene drehte sich sofort zu uns um und grinste schief, was sehr böse wirkte. „Cameron! Sieh an, du bist also doch noch gekommen. Majenna hatte es schon fast aufgegeben.“
„Aber was machst du hier?“ Cam konnte nicht glauben was er da sah. „Du bist umgekommen, als die Pest über uns kam.“
„Ach ja? Gab es dafür einen Beweis?“, höhnte Tedren. „Ich bin einfach nur untergetaucht und nach einiger Zeit hab ich mich Fe-licitas und Majenna angeschlossen.“
„Aber wieso greifst du uns an?“, wollte Cam wissen. Er begriff es nicht und ich auch nicht. Das war Tedren? Tiljans Bruder und Corentins Vater? Ich konnte es kaum glauben. Doch dann sah ich die Ähnlichkeit zu Corentin und dessen Söhnen. Das gleiche Haar (in schwarz bei ihm) und die gleichen Augen. Dennoch wirkte er härter und verbitterter und das ließ ihn unheimlich wirken.
„Oh, wir wollten doch gar nicht euch an-greifen, also nicht wirklich den See. Wir woll-ten nur dich vernichten, Cameron. Hätten wir dem See schaden wollen, hätten wir es längst getan.“
„Und wieso mich?“, fragte Cam verwirrt. „Was habe ich dir getan? Wir waren mal Freunde.“ Freunde? Hatte ich das richtig gehört?
Tedren lachte bitter. „Eben, wir waren mal Freunde trifft es richtig. Du hast mir meinen Sohn weggenommen. Ich war niemals mit Lilien einverstanden. Auch nicht, als sie plötz-lich adelig wurde.“ Er warf Lilien einen gifti-gen Blick zu.
Diese zuckte heftig zusammen und Coren-tin sah seinen Vater fassungslos an. „Aber Vater, Cam hat mich dir doch gar nicht weg genommen. Ich habe Lilien schon geliebt, bevor heraus kam, dass sie adelig wurde.“
„Ach, sei still, Corentin. Sie hat dich geblendet. Natürlich hast du gedacht, du liebst sie“, höhnte Tedren.
„Das war vor etwa fünfhundert Jahren, Va-ter, und wie du siehst, bin ich immer noch an ihrer Seite. Das war nicht nur irgendeine blöde Liebelei, wie du es so schön nennst“, wehrte sich Corentin heftig.
Tedren erwiderte etwas, aber ich bekam es gar nicht mehr richtig mit. Ich fasste Leinar an der Hand und er verwandelte uns in das kleine Glühwürmchen, dass ich von ihm schon kannte. Niemand schien auf uns zu achten und plötzlich erschien noch in Leinars Hand ein kleines Schwert. Was er damit ausrichten wollte blieb mir ein Rätsel. Es war einfach viel zu winzig um wirklichen Schaden anrichten zu können.
Majenna und Felicitas hatten bisher nur ziemlich unbeweglich dagestanden und schie-nen sich auf Tedren zu konzentrieren. Wir sollten etwas tun, bevor sich dieser Zustand änderte.
Also flogen wir auf sie zu und ich flüsterte: „Feuer!“, und ein Feuerball, der etwa so groß wie meine Hand war, erschien plötzlich da-rauf. Ich schleuderte den brennenden Ball auf eine der Elfen. Ich wusste nicht, ob sie Majen-na oder Felicitas war. Jedenfalls fing ihr Haar an zu brennen und sie schrie panisch auf. Leinar und ich flogen schnell außer Reichweite und Tedren drehte sich alarmiert zu den Elfenfrauen um. Als er das Feuer am Haar der Elfe entdeckte, schrie er entsetzt: „Nein!“
„Hilfe!“, schrie dagegen die brennende Elfe. „So helft mir doch.“ Aber Niemand kam ihr zu Hilfe. Bevor sie am lebendigen Leib verbrennen konnte, sprach Jemand einen Zau-ber aus und sie fiel einfach so leblos um. Die Angreifer konnten nicht so richtig begreifen, was da passiert war, und waren abgelenkt. Leinar verwandelte uns wieder in unsere normale Größe zurück, aber er hielt weiterhin meine Hand. Das war etwas umständlich, da er nun mit dem Schwert die andere Elfe fixierte.
„Los! Wir müssen sie vernichten“, rief Tedren seinen Leuten über das plötzliche Chaos hinweg zu.
Mir kam eine Idee und so schickte ich Leinar magische Wärme in sein Schwert. Das Schwert ging sofort in Flammen auf und wirk-te magischer und gefährlicher denn je.
Unsere Gegner begriffen wohl, dass wir ei-ne ernste Gefahr für sie darstellten und zogen sich zurück. Wir versuchten wieder an sie ran-zukommen, aber sie bauten einen magischen Schutzwall um sich herum auf.
Feena rief durch die Menge: „Lasst sie, wir kommen jetzt nicht an sie ran!“ Und in unseren Köpfen sagte sie: „Gönnen wir uns ein wenig Ruhe, aber es ist noch nicht vorbei.“
Also zogen wir uns hinter den Schutzwall zurück und gelangten dann wieder durch den Sternentunnel in die Höhle.
„Das war gut Mianna, ich bin sehr stolz auf dich“, lobte Feena mich. „Ich wusste doch, dass du das kannst. Nur leider wird es beim nächsten Angriff nicht mehr so leicht sein, denn sie werden dann vorbereitet sein. Ande-rerseits sind sie jetzt nur noch zu dritt und das ging schneller als ich dachte.“
„Ich hab Jemanden getötet“, stellte ich mit zitternder Stimme fest. „Ich bin doch nicht so. Ich bin Niemand, der einfach so tötet.“ Und dann auch noch auf so grausame Weise.
Leinar zog mich vor all den anderen sanft in seine Arme. „Es war notwendig und das weißt du auch. Du darfst dir da nicht solche Gedanken drüber machen.“
„Der Junge hat Recht“, sprach nun auch Feenas Stimme in meinem Kopf beruhigend auf mich ein. „Du hast alles richtig gemacht und wir leben noch, auch Cameron.“
Ja, Cameron lebte noch, aber Feena hatte selbst gesagt, dass es noch nicht vorbei war. Er konnte also immer noch sterben.
„Aber ich habe getötet und sie hat nicht mal was gemacht“, wiedersprach ich immer noch geschockt.
„Das stimmt nicht“, redete Leinar mir gut zu. „Sie war böse. Sie hätte versucht uns zu töten, hättest du sie nicht gestoppt.“
Ich war trotzdem noch geschockt, doch wir hatten wichtigere Dinge zu bereden. Das sah ich ein. Also schwieg ich. Sie hatten ja Recht. Ich war wirklich kindisch, aber ich hatte vor-her noch nie getötet. Ich wusste einfach nicht, wie ich damit umgehen sollte.
„Ich denke wir sollten uns gleich eine Weile ausruhen. Cam, du wirst an den anderen Angriffen nicht mehr teilnehmen. Das ist viel zu gefährlich für dich, und das ist auch keine Bitte, es ist ein Befehl“, ordnete Feena an.
„Ernsthaft, Feena?“, fragte Cameron un-gläubig. „Du willst dich ausruhen? Können wir uns das überhaupt leisten?“ Cam war alles andere als begeistert von der Anordnung. Das hatte er vorher schon mehr als deutlich ge-macht.
„Es ist vor allem nötig, damit wir fit für den nächsten Angriff sind, und der wird deutlich schwieriger als der Erste. Jetzt werden sie vorbereitet sein“, erklärte Feena geduldig. „Wir müssen einen Plan haben und äußerst konzentriert sein.“
„Die eigentliche Frage ist, wieso sie ausge-rechnet dich wollen, Dad! Ich meine bei Feli-citas ist der Grund klar. Sie will garantiert Rache dafür, dass du sie hast fallen lassen.

Du weißt das selbst am besten. Bei Majenna kann ich es mir nur teilweise denken. Vermutlich will sie Rache für Ronars Niedergang. Nur dass Mathilda ihn beseitigt hat und nicht du. Also wieso will sie an dir Rache nehmen? Und dann ist da noch Miron. Hast du den Zwergen je etwas getan?“, überlegte Lilien laut.
„Majenna und ich waren nie beste Freunde. Einen Hass auf Mathilda hatte sie schon immer und ich habe Mathilda schon immer un-terstützt. Andererseits hat Tiljan das unter anderem auch. Vielleicht ist das aber der Auslö-ser. Vielleicht ist Felicitas nach ihrem Ver-schwinden auch einfach zu Majenna gegangen und hat mit ihr gemeinsame Sache gemacht. Ich weiß es nicht genau und ich wüsste auch nicht, was Miron gegen mich hat. Ich hab den Zwergen nie etwas getan und Mathilda war eine Freundin der Zwerge. Ich sehe den Zu-sammenhang einfach nicht“ Cameron zuckte mit den Achseln und es wirkte fast so, als wä-re es ihm eigentlich auch ziemlich egal.
„Vielleicht ist auch einfach Felicitas die lei-tende Hand. Aber wieso unterstützt Miron sie dann?“ Auch Lilien wusste keine Lösung auf die unbeantworteten Fragen.
„Tedren dagegen hat ja deutlich gemacht, dass er Cam verabscheut“, rief Fiann Nike uns in Erinnerung.
„Wir sollten eine Nacht darüber schlafen und morgen
dann mit der Planung anfangen. Vielleicht fällt dir ja noch etwas ein“, schlug Feena vor.
„Ich möchte trotzdem nicht, dass ihr für mich sterben müsst“, fand Cameron stur.
„Wir sollten morgen darüber reden“, be-stimmte Feena und wie aus dem Nichts ver-wandelten sich die Stühle, auf denen wir sa-ßen, in Betten und unsere Kleider in Schlafanzüge, sodass wir alle sofort schlafen konnten, nachdem wir uns eine Gute Nacht gewünscht hatten. Da ich neben Leinar und Linnie geses-sen hatte schlief ich jetzt auch neben den bei-den. Obwohl Leinar genau neben mir lag, fühlte es sich anders an als in unserer Suite. Er wirkte plötzlich so weit weg und ich konnte mich nicht an ihn kuscheln.

Ich freu mich über jeden Zauberkommentar von euch.

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