Ideenbild für September 2016: Das Meer und die verlorenen Seelen

Und noch eine Idee hat mir Tarlucy geschickt für eine Aktion und das ist gar nicht so leicht da was zu finden. Zu einem Bild sollen wir Geschichten finden.

2016 September Ideenbild

Das sieht doch traumhaft schön aus, oder? Das ist ein Schiff im Vordergrund, nehm ich an, oder? Ich liebe ja Sonnenuntergänge am Meer. Da wird mir sicherlich was einfallen.

Sonnenuntergänge am Meer sind immer so traumhaft schön. Ich setze mich gerne ans Meer, schaue aufs Wasser und beobachte wie die Sonne untergeht. Das wirkt so magisch. Meistens bin ich allein, aber hin und wieder gesellt mich auch jemand zu mir. Heute ist es ein junger Mann, ungefähr in meinem Alter. Er sieht nett aus und trägt kurze Shorts und ein weißes T-Shirt.

Er irritiert mich, weil er zunächst gar nichts sagt. Er schaut nur aufs Wasser. Ob er die Sonne betrachtet oder das Boot vor uns kann ich nicht genau sagen. Vielleicht hat er mich ja gar nicht bemerkt.

Doch dann sieht er mich an und fragt mich ganz unbestimmt: „Wünscht du dir auch manchmal Dinge, die unmöglich sind?“

„Ähm, klar“, antworte ich verwirrt. Doch es schien eher eine rhetorische Frage zu sein, denn er sprach einfach weiter und obwohl er mich ansah, schien er weit weg zu sein.

„Ich wollte schon immer gerne ein Boot steuern“, erzählte er. „aber dummerweise hab ich Angst vor Wasser.“

Er klang traurig und er tat mir leid, aber plötzlich stand er auf und verschwand. Einfach so. Ohne Erklärung. Ich blieb sitzen und sah ihm hinterher. Was war denn das?

Verwirrt blieb ich zurück. Die Sonne sank weiter. Das Schiff vor mir wippte hin und her. Ich bewunderte die Weite des Meeres und die Wellen darauf. Obwohl Leute am Meer entlangingen wirkte es ruhig hier.

Die Sonne sank weiter und wieder setzte sich jemand neben mir. Ein älterer Herr diesmal, um die 80. Er sah mit traurigen Blick auf das Wasser.

„Das Schiff was Sie da vorne sehen gehörte mir und meiner Frau. Wir verbrachten jeden Tag einige Stunden darauf. Doch nach ihrem Tot verkaufte ich es. Jetzt gehört es einem reichen Typen, der es als Schlafplatz benutzt“, erzählte der Mann und zeigte auf ein Boot in der Nähe.

„Das tut mir leid“, murmelte ich. Ich wusste genauso wenig was ich von ihm halten sollte wie von dem jungen Mann, der Angst vor Wasser hatte.

„Heute war unser Hochzeitstag. Ich komme jedes Jahr an diesem Tag und begutachte mein altes Schiff“, erklärte er weiter.

„Wie lange ist Ihre Frau denn tot?“, fragte ich. Keine Ahnung, ob das unsensibel war, aber den alten Mann störte es offenbar nicht.

„Seit 30 Jahren“, verkündete er traurig. Das machte mich nun auch traurig. Sowas musste Liebe sein.

Doch als es schon dämmerte und die Sonne fast untergegangen war verließ auch er mich. Ich blieb dennoch sitzen, weil ich gerne Abends am Meer war.

Das Mer verbindet, das Meer erzählt ungeahnte Geschichten. Wie viele Menschen hier wohl schon gesessen haben? Verliebt, einsam, glücklich, lachend, träumerisch … Jeden Tag kommen hier zig Menschen her. Ich bin nicht die Einzige, die den Sonnenuntergang und die Schiffe auf der See liebt. Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte.

Was wird wohl aus dem jungen Mann, der Angst vor Wasser hat? Was aus dem alten, der seine Frau vermisst? Zwei unterschiedliche Geschichten, die beide das selbe Wollen vom Meer. Trost. Die Sehnsucht stillen. Was wird aus ihnen werden?

Seufzend stehe ich auf als ich angesprochen werde: „Saßen sie eben auch schon hier?“

Es war der Mann, der Angst vor Wasser hat.

„Ja“, sagte ich schlicht.

„Oh Gott, tut mir leid, wenn ich wirres Zeug geredet habe. Ich wollte sie nicht belästigen“

Wieso entschuldigte er sich? Das musste er nun wirklich nicht, auch wenn es süß war.

„Das macht nichts. Ich fand es irgendwie traurig.“

„Darf ich sie als Entschädigung auf ein Eis einladen? Verraten Sie mir, wie Sie heißen?“, bot er mir an.

„Gerne. Und ich heiße Lena“, nickte ich.

„Freut  mich. Ich bin Lennart“, stellte er sich vor. Wir gingen Eis essen und trafen uns später häufiger. Er berührte mich. Ich erfuhr, dass er Angst vor Wasser hatte, seit er klein war und einmal fast ertrunken worden wäre. Ich half ihm diese Angst zu überwinden und verliebte mich in ihn. Noch heute denken wir gerne an diesen ersten Abend zurück. Und ich denke auch oft an den alten Mann, der seine Frau verloren hat.

Hach, bin ich diese Woche aber kreativ. Ich glaub ich muss mal Den Herbstmensch weiter schreiben den ich letztes Jahr angefangen hab. Kp ob der Text jetzt hundertprozentig zu dem Bild passt, aber er gefällt mir irgendwie.

10 Gedanken zu “Ideenbild für September 2016: Das Meer und die verlorenen Seelen

  1. Danke für deinen Beitrag 🙂
    Der Text passt auf jeden Fall, denn es ist der Text, der dir in den Sonn kam, als du das Bild gesehen hast. Selbst wenn in der Geschichte weder ein Boot noch Wasser vorgekommen wäre, hätte er gepasst.
    Das ist ja das schöne, es gibt nichts, was nicht passt 😉

    LG Lexa

    Gefällt 1 Person

Ich freu mich über jeden Zauberkommentar von euch.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s