Bloggeschichte: Die geheimnisvolle Stadt (Teil 16)

Einen weiteren Teil meiner Bloggeschichte gibts heute auch wieder und er wird auch etwas länger. Ich hab ihn gestern schon vorgeschrieben.

Die geheimnisvolle Stadt (Teil 16)

Ich hatte Glück, dass ich Kyle auf der Straße begegnete. Mittlerweile kannte ich mich so gut aus, dass ich immer öfter alleine unterwegs war. Kyle stand dort und begutachtete misstrauisch die Ware. Ich überraschte ihn, indem ich mich von hinten an ihn heranschlich und rief: „Hey!“
Er zuckte zusammen und drehte sich zu mir um. „Gott, Jileen, hast du mich erschreckt. Tu das nie wieder.“
„Entschuldige.“ Aber konnte ein Grinsen trotzdem nicht verkneifen.
„Was machst du hier?“, fragte er verwirrt.
„Einkaufen.“ Ich zuckte mit den Achseln. „Aber eigentlich wollte ich sowieso mit dir reden. Können wir irgendwo hin, wo wir ungestört sind?“
„Was solls? Hier gibts sowieso nichts brauchbares. Hast du die Lärchenmuscheln gesehen? Furchtbare Qualität.“ Er verzog sein Gesicht und ich lachte. Er warf mir einen missbilligenden Blick zu.
Deswegen sagte ich schon wieder: „Tut mir leid.“ Das andere, was mir im Kopf herum spukte, konnte ich ihm nicht sagen. Jedenfalls noch nicht.
„Schon gut. Ich habe übrigens mit meinem Vater über die Filmsache gesprochen. Er war zunächst skeptisch, aber ich denke jetzt ist er nicht mehr ganz so abgeneigt von der Idee wie früher.“, erzählte er mir.
„Danke.“ Eigentlich wollte ich gerade nicht mit ihm über Henry reden. Nicht jetzt. Dann würde ich das, was ich vorhatte noch weniger hinkriegen. Ich war sowieso schon nervös genug.
Ich merkte schnell, dass Kyle mich zum Schloss führte, aber nicht direkt dorthin. Eher zu einem Gebäude daneben. Das war mir bisher nie aufgefallen. Es wirkte hübsch und hatte rote Mauern. Es war nicht groß, aber machte einen gemütlichen Eindruck. Kyle zog einen Schlüssel heraus. Er war recht klein und irgendwie seltsam verziert. Er steckte ihn ins Schloss und führte mich dann ins Haus hinein. Ich staunte nicht schlecht. Hier war alles so anders, so normal. Ich stand in einem kleinen, gemütlichen Wohnzimmer mit Kamin.
„Wo sind wir?“, fragte ich ihn.
„In meinem zu Hause“, antwortete er schlicht und beobachtete mich.
„Deinem …?“ Einen Moment stockte ich. „… Aber ich dachte, du wohnst im Schloss.“
„Ist nicht so mein Ding“, erwiederte er. Als er ein paar eingekaufte Sachen abgelegt hatte, drehte er sich zu mir um. „Also, worüber wolltest du mit mir reden?“
Plötzlich wurde ich noch nervöser als ich ohnehin schon war. „Eigentlich wollte ich eher was ausprobieren.“
„Und was?“, fragte er völlig ahnungslos.
„Wenn ich dir das sage wirst du es sowieso ablehnen“, gab ich traurig zu bedenken.
„Vielleicht sollte ich dann grundsätzlich ablehnen“, gab er zurück.
Mein Mut sang und ich sagte kleinlaut: „Vielleicht.“
Aber ohne noch weiter darüber nachzudenkenging ich zu ihm und holte einmal tief Luft. Was hatte ich schon zu verlieren? Mehr als wegstoßen konnte er mich nicht. Also küsste ich ihn. Einfach so. Ohne jede Romantik und ohne Vorwarnung. Trotzdem war es total romantisch für mich. Es war der beste Kuss, den ich je bekommen hatte. Was nicht weiter schwer war, da es auch mein erster Kuss war. Umso mehr freute ich mich darüber, dass Kyle ihn erwiederte. Ziemlich heftig sogar. Doch dann löste er sich sanft von mir und drehte sich weg. Der Zauber des Augenblicks verging damit.
„Kyle …“, begann ich zaghaft, aber ich wusste nicht weiter.
„Das hättest du nicht tun sollen. Was ist mit Henry? Was sollte das?“Er schien ziemlich verwirrt zu sein Das konnte ich ihm nicht mal übel nehmen.
„Kyle …“ Erneut versuchte ich es mit einem Ansatz. „Ich wollte es aber tun. Jetzt weiß ich wenigstens, was du fühlst.“
„Wegen einem Kuss?“ Jetzt drehte er sich zu mir um. Der Schmerz in seinen Augen brach mir das Herz. „Du hättest ihn wählen sollen. Was war daran so schwer? Er ist ein wahrer Sonnenschein. Ich habe alles dafür getan, um deine Aufmerksamkeit auf in zu lenken.“
„Und was ist mit dir und deinen Gefühlen?“, fuhr ich ihn an. „Ich glaube, ich hab wirklich zuerst vor allem an Henry gedacht, aber stille Wasser sind tief, Kyle.“
„Ich bin Niemand, den man lieben kann.“ In seiner Stimme lag so viel Schmerz. Er musste was schreckliches erlebt haben. Ich ging zu ihm und schlang meine Arme von hinten um ihn. Er bewegte sich nicht, stieß mich aber auch nicht von sich weg. Ich konnte seine Muskeln unter meinen Händen spüren.
„Du bist es Wert geliebt zu werden, Kyle“, flüsterte ich ihm zu.
„Du hättest das nicht tun dürfen. Solange ich dich auf Abstand hielt war es okay, aber jetzt …“ Er zitterte am ganzen Körper.
Ich drehte ihn zu mir um und legte meine Hand an seine Wange. „Nein, es war nicht okay, Kyle. Es war nie okay.“
Er sagte nichts mehr, sondern schloss mich nur in seine Arme.
„Was ist mit Henry?“, fragte er erneut, aber weniger aufsässig.
„Er bekommt seinen Film, aber mehr kann ich nicht für ihn tun“, erklärte ich ihm bestimmt.
„Ich weiß nicht, ob ich das zulassen kann …“, wehrte er sich halbherzig. Gequält sah er mich an.
„Du wirst keine andere Wahl haben. Ich werde dich nach heute bestimmt nicht mehr in Ruhe lassen“, warnte ich ihn.
„Du hattest ein so schönes Date mit Henry. Du warst danach so glücklich. Ich war mir ziemlich sicher, dass du dich da bereits entschieden hattest.“ Immer noch leicht verwirrt zog er mich auf sein Sofa.
„Ja, vielleicht dachte ich das auch erst. Aber erinnerst du dich noch daran wie wir allein auf Romys Balkon waren? Ich glaube, da war ich schon längst verloren. Doch ich wurde unsicher als du mich abgegewiesen hast. Also wendete ich mich zunächst deinem Bruder zu.“
„Du wirst mit Henry reden müssen“, forderte er.
„Ich weiß.“ Erleichtert sah ich ihn an. „Dann stößt du mich nicht mehr von dir weg?“
„Ich bin mir nicht sicher, ob ich das noch könnte“, gestand er mir.
„Gott sei Dank.“ Ich ließ mich gegen ihn sinken und streichelte zärtlich über seinen Arm. Sanft sangte ich: „Irgendwann wirst du mir erzählen müssen, wieso du mich zuerst weggestoßen hast. Aber jetzt will ich einfach nur mit dir zusammen sein.“
Er schwieg und zog mich noch enger an sich, wenn das überhaupt noch möglich war. MIr war das nur recht so. Ich kontte ihm plötzlich gar nicht mehr nah genug sein. Ich wollte diesen schönen Moment auskosten und an nichts anderes mehr denken als an ihn. Offensichtlich war es wohl an der Zeit mich bei Romy zu bedanken. Ohne sie hätte ich nicht den Mut dazu gehabt Kyle zu testen.

Tja, da hat sich Jileen wohl entschieden. Aber was ist denn da bitte wieder mit meinem Kopf geschehen? Am Anfang war ich felsenfest davon überzeugt, sie würde sich für Henry entscheiden. Oder vielleicht sogar noch für jemand anderen. Ich spielte sogar mit der Idee Avin aus meiner neuen Geschichte mit einzubinden. Und jetzt das. Aber Kyle hatte einfach zu viel Potential um ihn verpuffen zu lassen.

Wie findet ihr Jileens Entscheidung? Hättet ihr auch so entschieden?

Wie es mit Kyle und Jileen dann weiter geht erfahrt ihr morgen oder die Tage.

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2 Gedanken zu “Bloggeschichte: Die geheimnisvolle Stadt (Teil 16)

Ich freu mich über jeden Zauberkommentar von euch.

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