Story – Samstag 8: Träume von der Zukunft

Bevor es mit meinen Jahresrückblicken weiter geht widme ich mich erst mal dem Story-Samstag. Da sollen wir ja was über Vorsätze schreiben. Mal sehen was mir so einfällt.

Träume von der  Zukunft

Die drei Kinder Julian, Tya, Kim und Luke waren die allerbesten Freunde. Sie waren erst acht Jahre alt, aber jedes Jahr zu Silvester sahen sie sich Dinner for one an und überlegten was sie nächstes Jahr so alles machen wollten. Dieses Jahr war das allerdings ein wenig anders. Dieses Jahr  nahmen sie sich vor wie sie sein wollten, wenn sie groß waren.
Julian erklärte seinen Freunden: „Ich möchte mal Astronaut werden und mit dem Raumschiff ins All fliegen.“
Tya fand das albern, erklärte aber: „Ich möchte Autorin werden und mein eigenes Buch schreiben.“
„Worum soll es gehen?“, wollte Kim neugierig wissen, die den Vorsatz toll fand.
„Um uns und unsere magischen Abenteuer“, erklärte Tya voller Überzeugung.
„Klingt gut“, fand Kim und die Jungs verdrehten die Augen.
„Und was ist mit dir Kim?“, fragte Julian nun.
Kim war zwar erst acht Jahre alt fand aber Liebesgeschichten richtig romantisch. Deswegen antwortete sie: „Ich möchte verliebt sein.“
Die Jungs schüttelten nur mit dem Kopf. Wie albern!
„Und ich möchte auf jeden Fall Polizist werden und ein eigenes Haus haben“, erklärte Luke stolz. Das wunderte die Freunde nicht, denn Lukes Vater war Polizist und mit acht fand man diesen Beruf sowieso oft cool.
„Ich wette, wenn wir in zehn Jahren auf unsere Wünsche zurückblicken lachen wir darüber“, bemerkte Tya nachdenklich. „Ich glaub Erwachsene denken nicht wie wir.“
„Vielleicht sollten wir unsere Wünsche aufschreiben“, überlegte Julian nun.
Gesagt, getan. Sie schrieben ihre Wünsche auf und verstauten sie in eine Kiste. Julian packte sie in seinem Zimmer in ein loses Dielenbrett. Nun warteten sie auf das Feuerwerk, dass sie an Silvster besonders liebten.

10 Jahre später:

Kim ging mit Tya zusammen über die grüne Wiese. Es war Sommer und hier war ihr Lieblingsplatz. Sie trafen sich hier immer mit Julian und Luke. Ihre Eltern hatten sich mittlerweile heftig gestritten, doch die vier Freunde von früher waren nach wie vor unzertrennlich. Sie wohnten jetzt nicht mehr bei ihren Eltern sondern im Studentenwohnheim in einer größeren Stadt. Tya studierte Germanistik, Julian etwas technisches (die genaue Bezeichnung konnte sie sich nie merken) und Luke ging wie zu erwarten gewesen war auf die Polizeiakademie.
Kim selbst beobachtete gerade Julian wie er zu ihrer Wiese geschlendert kam. Er hatte den Kinderspeck abgelegt, den er mit acht Jahren noch hatte, und sehr drahtig geworden. Er sah gut aus mit seinen blonden Haaren, den grünen Augen und dem sanften Gesicht. Er trug lässige Jeans und ein blaues T-Shirt. Kim hatte Julian schon immer am liebsten gemocht, aber in den letzten Jahren hatte sich etwas verändert. Ihre Gefühle für ihn waren tiefer geworden. Für Julian war sie aber offenbar nach wie vor nur eine gute Freundin gewesen.
Als auch Luke schließlich eingetroffen war holte Julian eine alte Kiste aus seinem Rucksack.
„Du hast sie immer noch?“, staunte Kim.
„Klar!“, nickte Julian stolz. Er wirkte fast wieder wie ein Kind. Das hatte sie schon öfter bemerkt.
„Das ist doch albern“, fand Luke augenrollend. „Da waren wir acht.“
„Ich find es spannend. Mach sie auf“, forderte Tya Julian aufgeregt auf.
Julian öffnete die Dose und hielt den ersten Zettel hoch. Er gehörte ihm selbst. „Oh, ich wollte Astronaud werden. Hat wohl eher nicht geklappt.“ Er klang ein bisschen traurig, was mir leid tat, doch dann hellte sich sein Blick wieder auf. „Aber ich bin zufrieden mit dem, was ich bisher erreicht habe.“
Dann zog er Tyas Zettel raus und meinte: „Hm, Autorin bist du noch nicht.“
„Es dauert halt nur etwas länger, aber ich habe schon viel geschrieben und auch über Elfen“, hielt sie dagegen. Tya hatte wirklich schon viel geschrieben und ich hatte viel davon gelesen. Es waren gute fantastische Geschichten, die sie da schrieb.
„Tja, Lukes Zettel brauchen wir wohl gar nicht öffnen“, verkündete Julian dann. „Wir wissen alle, dass er der Überflieger in der Akademie ist und sein Ziel fast erreicht hat. Wir sind stolz auf dich, Luke.“
„Ich auch auf mich“, nickte er grinsend. Luke war schon immer besonders selbstbewusst gewesen.
„Und Kim?“ Julian sah mir tief in die Augen und mein Herz schlug mir bis zum Hals. „An deinen Wunsch kann ich mich noch genau erinnern.“
Kim wünschte, er würde sie nicht so intensiv ansehen, aber wenigstens las er ihren albernen Wunsch nicht laut vor. Stattdessen fragte er etwas viel heikleres: „Hat es geklappt?“
„Ich weiß nicht genau“, stammelte sie verlegen, konnte den Blick aber nicht von ihm wenden. Um seinen Mund herum bildete sich sein süßes Lächeln. Er wirkte als könnte er ihr bis in die Seele blicken.
„Wir werden sehen“, murmelte er und packte die Zettel wieder in die Dose. „Fasznierende Sache diese Vorsätze. Das war damals eine gute Idee es aufzuschreiben.“
„Aber was hat es denn gebracht?“, fragte Luke. „Auch ohne diese Vorsätze wäre etwas aus uns geworden.
„Ja, aber vielleicht wären sie in eine andere Richtung gegangen“, hielt Julien dagegen.
Daraufhin schwiegen wir und meine Gedanken drifteten ab. Diese Wiese hatte schon immer eine besondere Anziehungskraft auf uns gehabt. Sie lag ausserhalb der Stadt und es wirkte fast ländlich. Sie erinnerte uns an unsere Heimat. Während ich noch darüber nachdachte veränderte sich plötzlich etwas. Die Wiese schimmerte und mit ihr Julian und ich und ehe wir uns versahen waren unsere Freunde weg und es waren nur noch wir beide übrig.
„Was ist passiert?“, fragte ich Julian verwirrt, der genauso gelassen aussah wie vorher.
„Du würdest es mir sowieso nicht glauben, wenn ich es dir erklären würde“, sagte Julian nur und klang fast traurig.
„Julian …“ Ich ließ seinen Namen in der Luft klingen. Er wusste doch, dass er mir vertrauen konnte, oder? „Wieso sollte ich dir nicht glauben? Wie lange sind wir jetzt miteinander befreundet? Du weißt, dass ich dir glaube.“
„Na gut …“ Zögernd begann er zu erzählen. „Kannst du dich noch daran erinnern, dass ich mir mit acht Jahren gewünscht habe Astronaut zu werden? Ich habe es gerade vorgelesen.“
„Natürlich erinnere ich mich“, erwiederte ich augenrollend. „Es hat nicht geklappt.“
„Na ja, eigentlich hat es geklappt. Nur anders als ich es mir vorgestellt hatte“, gab er verlegen zu.
„Wie meinst du das?“, fragte ich leicht verwirrt.
„Ich war auf dem Mond, aber nicht als Astronaut. Ich … Ich wurde dort hingebeamt“, erklärte er mir.
„Julian …?“, fragte ich leicht zögernd und verwirrt. Was meinte er damit bloß. Etwas ratlos sah ich ihn an.
„Es stimmt, was ich sah. Ich war auf dem Mond. Es ist mehr oder weniger meine Heimat. Ich bin ein Mondkind, aber mit drei Jahren zu den Menschen auf die Erde geschickt worden. Heute bin ich ihr Botschafter. Ich weiß, es hört sich verrückt an, aber so ist es. Der Mond ist wunderschön. Von dort aus sieht man die Sterne viel besser.“ Verträumt und hoffnungsvoll sah er mich an. Ich wagte nicht irgendetwas zu sagen. Ich wollte ihn nicht verletzen, aber es fiel mir schwer das zu glauben.
„Du hast doch eben gesehen, was mit der Wiese und unseren Freunden passiert ist, oder?“, fragte Julian mich nun. Offenbar bemerkte er, dass ich ihm nicht glaubte.
„Ja“, hauchte ich unsicher.
„Das war ich. Das ist Mondmagie. Meine Magie. Guck, ich zeig dir was.“ Plötzlich strahlte er und dann zeigte er mir seine Magie tatsächlich. Ein wunderschöner Schmetterling kam wie aus dem Nichts auf seine Hand. Er war sehr bunt. Er blieb ungewöhnlich still und schimmerte leicht.
„Ein Mondflügel“, erklärte Julian und setzte das kleine Tier auf meine Hand. Staunend sah ich ihn an. Dann drang erst durch, was er zu mir gesagt hatte.
„Du warst wirklich auf dem Mond?“, fragte ich ihn.
„Ja“, nickte er. „Und so weit von dir entfernt ist mir etwas klar geworden.“
„Was denn?“, fragte ich neugierig.
„Ich möchte nicht mehr ohne dich sein“, erklärte er mir.
Das erstaunte mich wirklich. Damit hatte ich gar nicht gerechnet, aber bevor ich seine Worte realisieren konnte war er mir schon so nah, dass sein Gesicht meines fast berührte. Dann lagen seine Lippen auf meinen und er küsste mich. Und wie. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Konnte das wirklich wahr sein. Aber als er sich leicht von mir löste lächelte er mich glücklich an und ich schmiegte sich in seine Arme.
„Julian …“ Mehr brachte ich nicht zustande.
Er hielt mich ganz fest und meinte: „Dein Vorsatz sollte doch auch erfüllt werden und ich bin froh, dass ich dir das ermöglichen kann.“
„Julian …“, wiederholte ich und schmiegte mich in seine Arme. „Seit wann weißt du, dass ich so für dich empfinde?“
„Eine Weile“, sagte er wage und dann genossen wir einfach unsere Zweisamkeit. Die Frage war nur wann er auf dem Mond gewesen war und wann er seine Magie entdeckt hatte und natürlich seine Gefühle für mich. Da waren noch so viele Fragen offen, auf die ich gerne eine Antwort hätte, aber das hatte Zeit. Im Moment waren nur Julian und ich wichtig.

Ui, das ist jetzt wirklich lang geworden, aber ich wollte es vermeiden schon wieder einen Mehrteiler zu schreiben. Ich hoffe die Länge stört euch nicht. Ich mag die Idee ja irgendwie. Julian und Kim find ich süß zusammen. Hach, hätte schon wieder Potential für eine Fortsetzung, aber nein. Da ist noch viel zu viel offen.

Was sagt ihr zu meiner Geschichte?

Über Corly
Ich bin Bücherverliebt, Serienverrückt, eine Filmeliebhaberin, eine Geschichtenschreiberin, eine Patentante, eine Schwester, eine Cousine, eine Tochter, eine Tante, Blogschreiberin, Forengängerin, eine Kleindorfbewohnerin, eine Hobbyfotografierin, eine Buchsammlerin und eine Schwägerin in einer Person. :-)

7 Responses to Story – Samstag 8: Träume von der Zukunft

  1. tarlucy says:

    Hihihi. Ja eine schöne Idee. Und wiirklich fast hätte es ein Mehrteiler werden können. Aber so kann man den Schluss stehen lassen.

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    • Corly says:

      ja, stimmt. Das hab ich auch gemerkt mit dem Mehrteiler, aber ich hab jetzt noch Die geheimnisvolle Stadt, Noras Abenteuer und Weihnachten in Island offen was noch nicht weiter geschrieben ist. Das reicht erst mal an offenen Geschichten. Freut mich, dass dir die Idee gefällt und man den Schluss so lassen kann. Zu der Geschichte fiel mir leider so viel ein, dass ich noch viel mehr hätte schreiben können, aber irgendwann reicht es auch.

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    • tarlucy says:

      Das glaube ich, das artet dann eher in Stress aus und bremst einen, man verzettelt sich zu sehr. Lieber in die Schublade legen, vielleicht kann man es noch mal aufnehmen, wenn Lust darauf ist. Du kannst es so stehen lassen und auch jeder Zeit weiter schreiben.

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    • Corly says:

      genau so ist es. Und gerade mit die geheimnisvolle Stadt wird es wohl dauern bis ich weiterkomme, da ich mich im Januar und Februar wohl erst mal um die Weihnachtsgeschichten kümmern werde. Möchte damit ja auch mal weiter kommen. Aber vielleicht schaff ich es ja irgendwann mal den Faden bei der Geschichte wieder aufzunehmen.

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    • tarlucy says:

      Genau, wenn Du alles abgearbeitet hast und dir noch Ideen darum im Kopf schwirren, kannst Du es aufnehmen…:-)

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    • Corly says:

      eben, zumindest wenn ich dann noch daran denke.

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  2. Pingback: [Story-Samstag] Gefährliche Erde – Tante TeX textet

Ich freu mich über jeden Zauberkommentar von euch.

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