Und weiter gehts mit Weihnachten in Island. Der zweite Weihnachtstag ruft.

Weihnachten in Island bei Tim und Elida (Teil 8)

Emma war noch nicht da und so ging ich erst mal hoch und duschte. Ich machte mich frisch und zog mir schicke Kleidung an. Es war schließlich Weihnachten. Ich wählte ein blaues schlichtes Kleid mit langen Ärmeln und etwas Ausschnitt. Dazu legte ich mir eine silberne Kette um den Hals. Mit Sandalen an den Füßen ging ich runter ins Wohnzimmer. Dort saß Tim mal wieder am Klavier und klimperte ein bisschen drauf rum, aber es hörte sich gut an.
Ich ging zu Elida, die mal wieder in der Küche war und den Kuchen verzirrte.
„Wann kommt Emma?“, fragte ich sie.
„Ich denke, das dürfte nicht mehr lange dauern. Sie hat eben angerufen, dass fast da ist.“ Elida freute sich auf ihre Tochter. Das merkte ich ihr an. Sie vermisste sie bestimmt.
Ich half Elida etwas in der Küche, doch sie schickte mich schnell wieder zu Tim ins Wohnzimmer.
„Hey, will Elida dich mal wieder nicht haben.“ Tim schenkte mir ein sanftes Lächeln und ich setzte mich zu ihm.
„Du kennst sie ja.“ Ich zuckte nur die Achseln. Dazu brauchte ich nichts weiter zu sagen. Elida arbeitete lieber allein.
Wenig später kam Emma dann doch und selbst Elida unterbrach ihre Arbeit und umarmte ihre Tochter. Emma hatte einen Koffer dabei und Geschenke unterm Arm, die sie erst mal abglegte. Auch mich umarmte sie und meinte: „Schön, dass du hier bist. Wir haben uns so lange nicht gesehen.“
„Ja, stimmt“, nickte ich nur.
Wir setzten uns zusammen und unterhielten uns angeregt bis Emma und Elida den Kaffetisch endgültig fertig machten und wir uns zum Essen daran setzten. Es gab Isländischen Weihnachtskuchen mit Kardamon und deutschen Christstollen, den Elida selbst gebacken hatte. Beides schmeckte sehr lecker und für uns vier reichte es locker. Zum Trinken gab es Tee und Kaffe und als unsere Bäucher voll waren blieben wir eine Weile am Tisch sitzen. Wir unterhielten uns, hörten nebenbei leise Weihnachtsmusik und genossen den Nachmittag bis Elida beschloss, dass es nun wirklich Zeit zum Abräumen war. Emma und ich halfen ihr und Tim schmiss Holz im Kamin nach.
Als wir in der Küche fertig waren setzten wir uns wieder an den Tisch und machten Spiele. Draußen war es schon längst dunkel und der Tannenbaum leuchtete im Schein der Lichterkette. Unter anderem spielten wir Forbidden Island. Ein Strategiespiel. Doch überraschender Weise hatte Tim auch noch ein paar deutsche Spiele da. Es wurde ein sehr lustiger und langer Weihnachtsabend.
Außerdem telefonierte ich noch mit meinen Eltern und reichte sie auch an die anderen drei weiter. Besonders Emma genoss es mal wieder ordentlich deutsch reden zu können.
Ich war froh als ich endlich spät abends in meinem Bett lag und über den Tag nachdachte. Was hatte Ryk wohl heute abend gemacht? Hatte er Spass gehabt? Ich hoffte es für ihn, denn er hatte es mehr als verdient und mit den Gedanken bei Ryk schlief ich ein.

26. Dezember

Den Tag ließen wir ruhig angehen. Er lief ähnlich ab wie gestern. Wir aßen zusammen, spielten Spiele oder Tim spielte Klavir. Emma setzte sich zu ihm und spielte mit ihm zusammen.
Am Mittag machten wir alle zusammen draußen eine Schneeballschlacht und tobten uns so richtig aus. Danach gingen wir unter die Dusche und kuschelten uns in das Sofa ein.
Abends klingelte es dann überraschend an der Tür. Tim öffnete und unterhielt sich leise mit der Person, die draußen stand. Wer immer es war. Während Emma und ich Mau Mau spielten kam Tim mit jemanden in unser Wohnzimmer.
„Ich will aber wirklich nicht stören“, bemerkte eine mir vertraute Stimme vermutlich nicht zum ersten Mal. Da ich mit dem Rücken zum Gang saß drehte ich mich um und rief erfreut aus: „Ryk, was machst du denn hier?“
„Ich wollte nicht stören“, wiederholte er noch mal unsicher.
„Ach Quatsch, du störst doch nicht.“ Fröhlich stand ich auf, umarmte ihn vielleicht etwas zu stürmisch und wünschte ihm Fröhliche Weihnachten. Er erwiderte den Gruß etwas unsicher.
„Willst du dich setzten?“, fragte ich ihn als ich mich an meine Erziehung wieder erinnerte.
„Nein, danke. Ich wollte nur kurz mit dir sprechen. Allein“, bat er.
„Oh“, war mein einziger Kommentar dazu.
„Jana, willst du nicht mit ihm kurz in die Küche gehen?“, schlug Tim vor. „Da seid ihr ungestört.“
Also führte ich Ryk in die Küche und bot ihm was zu trinken an. Anschließend saßen wir uns am Küchentisch gegenüber und sahen uns minutenlang nur an. Es war seltsam, dass er so unerwartet hier aufgetaucht war. Außerdem bezweifelte ich nicht, dass meine Familie trotz unserer angeblichen Privatsphäre hemmungslos an der verschlossenen Tür lauschen würden.
„Ich kann nicht lange bleiben“, entschuldigte er sich sofort. Ich muss wieder zurück zu deinen Großeltern. Aber ich wollte dich fragen, ob …“ Er stockte kurz und holte tief Luft. „… Hast du Lust morgen mit mir einen Spaziergang zu machen, oder so?“
„Unheimlich gerne. Kannst du denn deine Großeltern da alleine lassen?“ Ich wollte mit ihm spazieren gehen, aber seine Großeltern sollten nicht darunter leiden.
„Vielleicht sollte ich jetzt auch wieder gehen“, sagte er und stand schon wieder auf. Wie? Das war es jetzt? Keine Ahnung, was ich erwartet hatte, aber er war definitiv viel zu kurz da.
„Ryk?“, fragte ich ihn deswegen.
„Ja?“ Er sah mich abwartend an.
„Wieso bist du hergekommen?“, fragte ich ihn.
„Was meinst du damit?“, wollte er verwirrt wissen.
„Du hättest auch anrufen können …“, antwortete ich. Wieso war er extra hergekommen, wenn er nur hätte er anrufen brauchen? Das verstand ich nicht.
„Ich wollte dich sehen“, sagte er schlicht. „Ich musste die ganze Zeit, die wir getrennt voneinander war an dich denken. Vielleicht wollte ich wissen ob du mich sehen willst.“
Das entlockte mir ein Lächeln auf meinem Gesicht. „Natürlich wollte ich dich auch sehen. Ich musste auch ständig an dich denken.“
„Dann freu ich mich umso mehr auf Morgen.“ Er wirkte erleichtert. Offenbar hatte ihm der Gedanke ich könnte mich nicht wirklich für sich interessieren wirklich zu schaffen gemacht.
„Ich mich auch.“ Mehr sagte ich vorerst nicht, obwohl ich noch so viel mehr zu sagen hätte. Aber ich wollte ihn nicht mit meiner Aufdringlichkeit vergraulen.
„Dann sehen wir uns morgen?“, fragte er noch mal.
Ich nickte: „Na klar.“
„Na gut, ich muss jetzt gehen.“ Unsicher sah er mich an.
„Natürlich.“ Ich begleitete ihn ins Wohnzimmer, wo er sich von meiner Familie verabschiedete, und dann in den Flur zu tür. Wir umarmten uns noch mal zum Abschied und er grinste schief.
„Ich freue mich sehr auf morgen.“
„Ich mich auch“, versicherte ich ihm und dann ging er und ließ mich mit meiner Familie zurück. Sein Besuch hatte mich irgendwie umgehauen. Ich war total gerührt, dass er persönlich gekommen war. Wie war er überhaupt hierher gekommen? Zu Fuß? Das war doch viel zu weit.
Zurück im Wohnzimmer belagerte mich meine Familie sofort und wollte wissen weswegen Ryk gekommen war und ich erzählte es ihnen.
„Dann habt ihr ein Date?“, fragte Emma grinsend.
„Wenn du einen Spaziergang als ein Date bezeichnest vermutlich ja“, entgegnete ich.
„Spaziergänge können märchenhafter sein als Essen gehen“, konterte Emma.
„Wenn du meinst“, ließ ich ihr ihren Willen.
Wir saßen noch ein bisschen zusammen. An diesem Tag ging ich etwas eher ins Bett, kuschelte mich etwas in die Decken ein und träumte noch mehr von Ryk als am Vortag. Ich freute mich so auf morgen.

Und damit endet dieser Teil und beim nächsten gibts dann hoffentlich den langerwarteten und hochromantischen Schneespaziergang. Na ja, warten wir es ab. Was sagt ihr zu diesem Teil, meine Islandfreunde?

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