Das erste Wort 2017: Der Ruf des Hoffnungsschimmers

Da es das zweite Wort schon gibt sollte ich mich doch langsam an das erste Wort machen. Mal sehen, was mir so einfällt. Kommt dann eher spontan. Bisher hab ich noch gar keine Ideen.


Der Ruf des Hoffnungsschimmers

Niedergeschmettert lag ich auf meinem Bett in meinem Zimmer. Wie hatte es nur so weit kommen können? Es war doch alles ganz normal gewesen. Und jetzt? Was war bloß aus meinem Leben geworden? Ich brauchte dringend eine Pause davon. Wie wäre es mit Urlaub am Meer oder am besten gleich im All? Ja, das All wäre vermutlich wirklich das Beste.
Plötzlich erschien ein kleines seltsames Wesen in meinem Zimmer. „Ihr habt mich gerufen?“
Ich lachte mich erst mal schlapp bevor ich antworten konnte. Ha, ha, ha. Was war das denn für ein Wesen? Das sah echt komisch aus. So grün. Ihh … Jetzt war mein Leben eindeutig zu verrückt geworden oder ich war einfach verrückt geworden.
„Ich habe dich nicht gerufen“ erklärte ich ihm immer noch lachend. Einfach nur verrückt. Verrückt, verrückt, verrückt.
„Doch natürlich. Sonst wäre ich ja wohl nicht hier. Was ist das hier überhaupt für ein seltsamer Raum?“ Das Wesen war bitter ernst und sah sich um.
„Mein Zimmer“, erklärte ich ihm. „Ich wohne hier.“
„Hier soll man wohnen könnnen? Pah! Was für ein Loch.“ Abfällig rümpfte es die Nase. „Und was ist das da?“ Er zeigte auf meinen Schreibtisch samt Computer. Ich hatte den Bildschirm nicht aufgemacht. Da lief gerade Super Mario, was ich kurz zuvor gespielt hatte.
„Das ist ein Computer, auf dem ein Spiel läuft. Nur zu. Sieh dich ruhig um“, bot ich dem Wesen an. Es ging neugierig näher und betrachtete weiter misstrauisch den Bildschirm und dann die Tastatur. Und dann klimperte er wild auf die Tastatur rum und zwar so gekonnt, dass er alle Level gewann. Ich staunte nicht schlecht.
„Das ist ja megacool“, fand er strahlend.
„Oh, ja“, seufzte ich. Weniger cool war, dass ein grünes Etwas meine Levels durchspielte.
Dann fragte ich ihn: „Also, was willst du hier?“
„Du hast mich gerufen“, beharrte es und wandte sich mit sehnsüchtigen Blick von Super Mario ab. „Deswegen nehme ich an du willst was erleben.“
„Was genau meinst du mit erleben?“, hakte ich nach. „Sowas in der Art wie der Bastian aus Die unendliche Geschichte? Nur weil ich Bastian heiße, heißt das nicht, dass ich nach Fantasien möchte, weißt du?“
„Ich habe keine Ahnung was Die unendliche Geschichte sein soll oder dieses Fantasien.“ Er spie die Worte regelrecht aus als wären sie Gift für ihn. „aber im Weltall gibts sowas sicher nicht.“
„Weltall? Wieso sollte ich ins Weltall wollen?“, fragte ich nur. Hatte ich nicht gerade davon geträumt ins All zu reisen? Richtig, da war was. Offenbar hatte das irgendwer furchtbar falsch verstanden. Das war ironisch gemeint. Nicht mehr und nicht weniger.
„Weil du es tief in dir möchtest und ich kann dir die Möglichkeit dazu bieten?“, erklärte das Wesen.
„Wer bist du überhaupt?“, fragte ich halb genervt, halb belustigt und fügte noch hinzu: „und was bist du?“
„Ich bin Sain, der Regenleiter“, erklärte er stolz.
Aha, das sagte mir jetzt alles. Entgeistert sah ich ihn an.
Sain seufzte: „Ich komme vom Regenplaneten.“
Klang nicht gerade einladend, wenn man mich fragte. „Regnet es da die ganze Zeit?“
„Natürlich nicht“, antwortete Sain als sei ich total bescheuert. „Vor allem gibts bei uns Regenbögen. Unser Planet heißt Regenplanet, weil die Wasserperlen da so schön auf dem Boden glänzen.“
Aha, das klang schon besser.
„Und wie kommen wir zu diesem Planeten, sollte ich mich dazu entscheiden, mitzukommen?“, forschte ich nach. Wissen konnte ja nicht schaden.
„Wir beamen uns natürlich dorthin“, erklärte Sain mir als sei das das Selbstverständlichste auf der Welt. Natürlich! Was sonst?
„Und sehen da alle so aus wie du?“, fragte ich weiter. Ich würde nicht zu irgendeiner verrückten Welt gehen, über die ich überhaupt nichts wusste.“
„Na ja, es gibt noch mehr von deiner Sorte. Wir nennen sie die Neugierigen. Sie haben ein eigenes Haus gebaut. Dort wirst du vermutlich wohnen können.“
„Auch Frauen?“, hakte ich nach und konnte nicht verhindern, dass sich ein kleiner Hoffnungsschimmer in mir ausbreitete.
„Ich weiß nicht, was das sein soll.“ Sain zuckte nur mit den Achseln.
„Ich zum Beispiel bin ein Mann. Frauen sind eben weiblicher.“ Mir war klar, dass das eine blöde Erklärung war. Also zog ich meine zerlesene Lieblingsausgabe von Superman heraus und schlug die erste Seite auf, wo ich eine Frau fand und zeigte auf sie. Zwar die Comicfigur einer Frau, aber was solls.
„Ja, ich schätze schon“, nickte er schließlich und musterte die Comicfrau abschätzend. Schnell steckte ich das Heft wieder weg. Mein Hoffnungsschimmer ist gerade größer geworden. Vielleicht war ich ja doch bereit für ein kleines Abenteuer.
„Das hört sich doch schon besser an. Jetzt können wir verhandeln. Ich will nicht ewig dort bleiben, weißt du. Ich will mich nur etwas umsehen und wenn sich hier alles etwas beruhigt hat, komme ich mit meiner Traumfrau zurück hierher“, klärte ich Sain auf, doch er wirkte gar nicht begeistert.
„Das ist kein Wunschkonzert, weißt du.“ Er drohte mir sogar mit dem Finger. „Ich kann dir nicht versprechen, dass sich eine von denen für dich entscheiden und die meisten bleiben sowieso dort.“
„Wie viele sind es denn?“, fragte ich schelmisch.
„Du nervst, weißt du das“, teilte Sain mir wenig sachlich mit. „Kommst du jetzt mit oder nicht? Offenbar hatte er endgültig genug von mir und meinen Diskussionen.
„Oh, ja. Und ob ich mitkomme“, strahlte ich und schon schnappte mich Sain und alles wirbelte herum und dann sah ich einen anderen Planet geworden. Mein ganz persönlicher Hoffnungsschimmer.

Ein bisschen kürzer als gewöhnlich, aber ein Einteiler. Das ist ja auch schon mal was. War letztendlich gar nicht so schwer mir was einfallen zu lassen und ich wollte mal was, was etwas männlicher ist als das, was ich sonst so schreibe. Ich bin gespannt wie es euch gefallen hat.

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5 Gedanken zu “Das erste Wort 2017: Der Ruf des Hoffnungsschimmers

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