So, es wird mal Zeit mit der Fortsetzung zum Story-Samstag. Irgendwie bin ich dazu noch überhaupt nicht gekommen.

Hier gehts übrigens zu Teil 1: Klick.

Das alte Herrenhaus (Teil 2)

Im Haus führte er mich in die Küche. Es überraschte mich, dass es offensichtlich keine Hausangestellte gab. Er machte alles allein. So gab er mir ein Glas Wasser und forderte mich auf es zu trinken.
„Was trinkt man denn sonst so hier?“, fragte ich ihn.
„Es gibt viele Obstsäfte, die hergestellt werden und natürlich auch viel alkholische Getränke hier, aber ich habe leider nur Wasser.“ Entschuldigend sah er mich an. An seine altmodische Sprache hatte ich mich mittlerweile gewöhnt. Man sprach eben im 17. Jahrhundert anders als 2016.
„Wir müssen herausfinden wie ich in meine Zeit zurück kann“, wechselte ich dann das Thema. Er setzte mich zu mir an den altmodischen Küchentisch.
„Allerdings. Ich kenne da vielleicht jemanden, der uns helfen kann, aber vor morgen erreichen wir da nichts.“ Nachdenklich betrachtete er mich. Er war jung und schien einsam zu sein.
„Und wer ist das?“, fragte ich ihn.
„Ein Freund. Er wirkt auf den ersten Blick etwas verrückt, ist aber ein Genie. Allerdings kommt er erst morgen wieder zurück. Er ist gerade in der Nachbarstadt und stellt dort sein neuestes Projekt vor“, erzählte Moritz und schien ganz begeistert von der Arbeit seines Freundes zu sein.
„Was macht er denn so?“, fragte ich sekptisch.
„Er ist Erfinder. Glaub mir, wenn er dich nicht zurück schicken kann, kann es keiner.“ Das klang ziemlich geheimnisvoll, fand ich.
„Okay“, sagte ich gedehnt und er lachte sich halb schlapp.
„Was ist?“, wollte ich wissen.
„Du redest so komisch“, lachte er.
„Ich rede komisch?“ Der hatte nerven. „Im 21. Jahrhundert reden wir eben so.“
„21. Jahrhundert. Ha, ha, ha.“ Jetzt wurde er ziemlich albern, aber er konnte gar nicht mehr aufhören zu lachen.
„Du redest auch komisch.“ Ich stimmte in mein Lachen mit ein. „Und so förmlich.“
„Na hör, mal. Ich bin adelig.“ Er versuchte jetzt aber ernster zu sein. „So reden wir nun mal.“
„Du benimmst dich aber sonst nicht wie ein Adeliger“, erklärte ich ihm überzeugt. Ich merkte erst jetzt, dass wir nach unserem Lachanfall ins DU gefallen waren.
„Wie benimmt sich denn ein Adeliger?“, fragte er mit herausfordernden Blick.
„Du hast keine Hausangestellen, du wohnst hier ganz allein“, zählte ich auf. „Soll ich weitermachen?“
„Adeligen müssen Hausangestellte haben?“, fragte er irritiert.
„Na ja, in meiner Vorstellung schon.“ Jetzt wurde ich unsicher, fügte aber noch hinzu. „Buttler und so.“
„Buttler, ha, ha, ha. Du redest nicht nur komisch. Auch deine Ansichten sind komisch.“ Jetzt fing sein Lachanfall wieder an.
„Na, vielen Dank auch.“ Aber ich grinste ja selber. Er sah süß aus, wenn er lachte. Oh, wo kam dieser Gedanke denn jetzt her?“
Als er sich wieder eingekriegt hatte, meinte er: „Hör mal, ich bin heute Abend auf einem Ball eingeladen. Würdest du mich begleiten?“
„Ähm, auf einem Ball?“, fragte ich verblüfft. „Aber du hast doch bestimmt eine Begleitung?“
„Nein, leider nicht. Normalerweise nicht. Die Frauen laufen eher weg vor mir“, gestand er mir, aber ich war mir nicht sicher, ob das eher als Scherz gemeint war.
„Kann ich mir gar nicht vorstellen“, meinte ich. Oh, hatte ich das gerade laut gesagt? Verdammt!
Er schmunzelte mich geradezu an. „Das nehme ich jetzt mal als Kompliment. Vielleicht habe ich etwas übertrieben, aber ich habe wirklich keine Begleitung.“
„Du nimmst mich die ganze Zeit schon auf den Arm, oder? War das die ganze Zeit deine Absicht seit du mich entdeckt hast?“
„Na klar, was glaubst du denn. Das war meine einzige Absicht.“ Er schmunzelte wieder. „Ich hatte überhaupt keine Lust auf dieses seltsame kleine Mädchen, dass da pltözlich vor meinen Toren stand und ziemlich verloren aussah. Die war mir total egal. Für mich zählte nur, dass ich für den Ball eine Begleitung habe.“ Er konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.
„Na schön, ich habe verstanden.“ Sein Lachen steckte an. Trotzdem hatte ich Bedenken. „Aber ich habe doch gar nichts anzuziehen und ich weiß auch gar nicht wie man sich auf so einem Ball verhält. Ich meine, ich habe ein paar Filme gesehen, aber das hat mir ja offensichtlich auch nicht weiter geholfen.“
„Filme?“, fragte er verwirrt.
„Äh, sowas wie ein Theaterstück“, erklärte ich.
„Okay. Na, wenn du sowas für echt hälst kann das ja nicht werden“, fand er. „aber keine Sorge. Das kriegen wir schon hin. Ich glaube, mit dem Anziehproblem kann ich dir auch aushelfen. Komm mit.“
„Ich soll was von dir anziehen?“, fragte ich ihn.
Er lachte wieder. „Das wäre bestimmt amüsant, aber besser nicht. Du wirst es nicht glauben, aber ein bisschen Köpfchen habe ich auch.“
„Was du nicht sagst.“
Er führte mich in die obere Etage. Die sah fast noch eleganter aus als die Untere. Auch hier oben hingen Bilder. Eines zeigte ihn mit eine eleganten Frau an seiner Seite. Ich zeigte darauf und fragte ihn: „Wer ist das?“
„Von ihr wirst du dir deine Kleider ausleihen“, erklärte er mir.
„War sie eine Freundin?“, fragte ich ihn.
„Freundin?“, fragte er verständnislose zurück. „Was ist das denn nun wieder für ein Wort?“
„Du bist wirklich altmodisch“, versuchte ich es erneut. „Ähm, Geliebte, Gemahlin. Was weiß ich.“
„Ach so. Nein. Sie war meine Schwester“, erklärte er und klang traurig dabei.
„Und wo ist sie jetzt?“, fragte ich sanft.
„Sie ist gestorben. Vor drei Jahren.“ Das erklärte die Traurigkeit.
„Das tut mir sehr leid.“
„Schon gut. Ist lange her. Komm einfach weg.“ Offenbar wollte er nicht darüber reden und das konnte ich gut verstehen.
Ich folgte ihm in ein Traumzimmer, dass wirklich wie aus sehr alten Zeiten aussah. Moritz öffnete einen Schrank und erklärte: „Such dir eins aus.“
„Moritz, ich …“, begann ich, aber er unterbrach mich sofort.
„Such dir bitte eins aus. Bitte. Ich möchte es so.“ In seinem Blick lag plötzlich so viel Schmerz, dass es weh tat. Am liebsten hätte ich ihn umarmt und getröstet, aber das stand mir wohl nicht zu.
„Wann soll ich fertig sein?“, fragte ich nur noch.
„Wenn die Sonne untergeganen ist“, antwortete er.
Ich nickte und er ließ mich allein. Diese Welt war mir so fremd. Dieses Haus war so fremd. Nie hatte ich etwas vergleichbares gesehen. Und dennoch berührte mich Moritz auf eine Weise, wie es noch kein Mann vor ihm geschafft hatte. Aber das war nicht gut. Das war überhaupt  nicht gut. Ich wollte wieder zurück in meine Welt. Ich wusste nicht mal, ob er etwas ähnliches für mich empfand. Es war viel zu früh. Und er würde mir in meine Welt sowieso nicht folgen können. Oh, Gott! Was dachte ich denn da? Ich kannte ihn doch kaum. Was war bloß los mit mir. Diese Welt war vollkommen zurück. Am besten ich versuchte so schnell wie möglich zurückzukommen bevor ich meinen Kopf verlor und vielleicht auch noch mein Herz.

Fortsetzung: Klick

Tja, das wird wohl mal wiedereine längere Geschichte werden. Das hat so viel Potential. Die will ich nicht verkommen lassen.

Und was sagt ihr zu diesem Teil?

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