So, dann kümmere ich mich heute mal um das 2. Wort 2017.

Nachtmenschen

Liz

Ich war ein Nachtmensch. Jede Nacht wanderte ich durch die Stadt. Zumindest für ein paar Stunden, aber das machte nichts. Wir waren eine Kleinstadt. Da kam eh nie Jemand Fremdes her. Wir blieben meist unter uns. Das gefiel mir so an unserer Stadt.
Ich liebte die Nacht. Die Einsamkeit. Die dunklen Häuser und der sternenklarer Himmel. Wenn es regnete schaute ich meist bei Juri vorbei. Er hatte ein Restaurante in der Sesamstraße (die heißt wirklich so, keine Ahnung, wer sich das ausgedacht hat). Jedenfalls war es immer wieder nett bei Juri. Er hatte lange offen. Als Einziger. Eigentlich hatte er auch nur Nachts geöffnet.
„Für die Vampire“, sagte er immer. Juri war ein bisschen merkwürdig, aber ich mochte ihn.
Heute war jedenfalls eine sehr schöne Nacht. Es war warm und klar. Und wie ich da so durch die Straßen wanderte rempelte mich plötzlich Jemand an. Er entschuldigte sich nicht mal sondern wollte weiter gehen.
„He!“, rief ich ihm hinterher. „Ein Tut mir leid wäre schön. Das macht man so bei uns in der Stadt.“
Der Mann drehte sich um und starrte mich an. Er starrte und starrte, aber ich konnte sein Gesichtsausdruck dabei nicht sehen. Er war schon zu weit weg. Doch dann kam er wieder zu mir und musterte mich eingehen.
„Liz?“, fragte er. „Bist du das?“
Und da erkannte ich seine Stimme. Das konnte ich nicht glauben. Das konnte er doch nicht sein.
„Jannik?“, fragte ich fassungslos. „Wo warst du?“
„Du bist es wirklich, oder?“, fragte er.
„Wer sollte ich denn sonst sein?“, fragte ich zurück.
„Wir müssen reden“, bemerkte er.
„Was du nicht sagst.“ Ich rollte mit den Augen. Der hatte Nerven. Nächtelang hatte ich mir die Augen wegen ihm ausgeweint und jetzt kreuzte er hier einfach so wieder auf, als wäre nichts gewesen. Jannik war verschwunden. Sowas merkte man hier in der Stadt natürlich sofort. Aber ich besonders, denn Jannik und ich waren beste Freunde gewesen. Wir hatten immer alles zusammen gemacht. Wir waren zusammen aufgewachsen, zusammen zur selben Schule gegangen, zusammen auf den Spielplatz und später durch die Nacht gestreift. Wir hatten zusammen gehört. Schon immer. Dachte ich zumindest. Aber dann war er plötzlich verschwunden. Mein Jannik. Für immer fort.
„Können wir irgendwo hingehen, wo wir in Ruhe reden können?“, fragte er. Was dachte er? Hatte er mich vermisst? Wieso war er fort gewesen? Ich wollte Antworten. Ich brauchte sie. Er hatte mir so gefehlt.
„Klar, komm mit.“ Natürlich führte ich ihn zu Juri. Wohin sonst? Juri sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen an als ich mit Jannik hineinkam. Ein Mann in der Stadt, den er nicht kannte. Das war ungewöhnlich. Er war erst nach Janniks Verschwinden zu uns gezogen. Auch wieder so ne Geschichte. In unsere Stadt kam sonst nie ein Fremder. Außer Juri.
„Hey, Juri!“, begrüßte ich ihn. „Ähm, das ist Jannik. Ein früherer Freund von mir.“
„Hallo Jannik“, sagte Juri höflich.
„Hallo“, sagte Jannik nur.
„Was darf ich euch bringen?“, erkundigte er sich.
„Für mich wie immer.“ Also eine große Apfelschorle mit viel Zitrone drin.
„Für mich eine Cola“, bestellte Jannik und dann setzten wir uns in eine der Nische.
„Also, wo bist du gewesen?“, fragte ich ihn und dann erzählte er es mir.

Jannik

An jenem Abend, als ich verschwand, geschah etwas merkwürdiges. Ich war auf dem Weg zu meinem Treffen mit Liz. Wie immer trafen wir uns mitten in der Nacht. Wir waren längst erwachsen und verliebt. Was sollten wir da anderes machen. Doch dann hielt ein Auto an und zerrte mich in den Wagen. Ich währte mich, aber der Typ war stärker. Das Auto hatte getönte Scheiben, sodass ich nicht sehen konnte, wo wir hinfuhren. Ich war noch nie aus unserer Stadt rausgekommen.
„Wer sind Sie?“, fragte ich den Typen panisch. Ich war 20 Jahre alt, aber das änderte nichts daran, dass das hier ganz und gar nicht normal ist. Liz würde auf mich warten und sich Sorgen machen. Ich musste zu ihr. Ich ging doch immer zu ihr.
„Du bist es nicht, der hier die Fragen stellt. Ich bin es. Du bist doch Jannik Schulz, oder?“, fragte der Mann.
„Ja“, sagte ich vorsichtig.
„Gut, du bist genau der Mann, den wir brauchen“, meinte er zufrieden.
„Wozu brauchten?“, fragte ich.
„Das hat dich jetzt noch nicht zu interessieren“, wich der Mann mir aus.
Sie brachten mich in ein bunkerartiges Gebäude und sperrten mich dort mit einem Computer im Raum ein. Sie gaben mir jeden Tag eine neue Aufgabe. Mal sollte ich spionieren. Mal sollte ich Daten von der Polizei crashen und ähnliches. Sie hatten sich über mich informiert und herausgefunden, dass der Computer und ich uns ziemlich gut verstanden. Seitdem versuchte ich jeden Tag zu fliehen. Ich wollte das nicht nicht tun. Ich wurde dazu gezwungen.
Vor ein paar Tagen gelang mir die Flucht. Es stellte sich heraus, dass ich gar nicht so weit von zu Hause entfernt war. Genau dort wollte ich hin. Zu Liz. Ich wollte einfach nur weg.
Jetzt erzählte ich Liz meine Geschichte und ihre Augen wurden immer größer und größer und Tränen sammelten sich darin.

Liz

„Oh, Jannik!“, schluchzte ich. Ich konnte es nicht fassen. Er war wieder da. Mein Jannik! Er war der Grund gewesen wieso ich nachts nicht schlafen konnte und ständig geweint hatte. Er war der Grund gewesen wieso ich jede Nacht auf war. Vielleicht wurde das jetzt besser. „Ich dachte, du lässt uns im Stich. Diese Stadt. Mich.“
„Niemals. Ich bin nicht freiwillig gegangen“, sagte er.
„Das weiß ich jetzt. Ich bin so froh, dass du wieder da bist. Ich habe dich so vermisst.“
„Ich habe dich auch vermisst.“
Und dann standen wir auf, umarmten uns und schließlich küssten wir uns. Ich küsste Jannik wieder. Das Kribblen war immer noch da. Er lächelte sogar. Von nun an wollte ich es zu meiner Aufgabe machen ihn wieder aufzuheiten. Ihn von seinen Taten abzuheitern. Es war nicht seine Schuld. Und ich würde aufpassen, dass man ihn mir nicht noch mal wegnahm. Ich wollte ihn nie wieder verlieren. Nie wieder!
Wir unterhielten uns die ganze Nacht und lachten und erinnerten uns an unsere Vergangenheit. Dann nahm ich Jannik mit in unser zu Hause. Seine Familie konnte er morgen sehen. Heute Nacht wollte ich ihn ganz für mich allein. Ich wollte endlich wieder richtig schlafen. Ich wollte wieder glücklich sein.

Ende!

Das wars von meinem 2. Wort. Ich hoffe es hat euch gefallen mich bei Liz und Janniks Wiedersehen zu begleiten.

Advertisements