Bloggeschichte: Das alte Herrenhaus (Teil 3)

Und nun gehts weiter mit meinem Herrenhaus. Schon nach dem Schreiben hatte ich Ideen im Kopf. Mal sehen, was da tatsächlich bei rauskommt. Da es wohl doch mehrere Teile hiervon geben wird werde ich es  zur Bloggeschichte umfunktionieren.

Hier gehts zu Teil 1: Klick und Teil 2: Klick.

Das alte Herrenhaus (Teil 3)

Als ich abends in dem Kleid von Moritz Schwester die Treppe herunterkam wusste ich wie sich die ganzen Mädchen aus diesen Filmen wie Eine wie Keine oder auch Twilight fühlen müssen. Diese Mädchen, die in einem tollen Kleid verwandelt die Treppe runterkamen und der Mann im Film start sie an als hätte er sie noch nie gesehen. So ging es mir jetzt ebenso. Ich hatte mich richtig ins Zeug gelebt, auch mit meiner Frisur und ich fühlte  mich ein bisschen wie Cinderella oder zumindest glaubte ich, dass sie sich so gefühlt haben musste.
Moritz stand tatsächlich am Fuß der Treppe und starrte mich einfach nur an. Er selbst trug einen anderen Anzug und hatte sich seine Haare gestylt (vermutlich mit Fett oder ähnlichen Hilfsmittel) und sah tatsächlich schicker aus als zuvor. Er sah sogar richtig gut aus. Er war nicht so schön wie ein Model oder ein Schauspieler. Aber ich fand ihn trotzdem schön. Er hatte sowas verwegenes an sich.
Als er merkte, dass er nur starrte nahm er sich zusammen und reichte mir galant seinen Arm als ich unten an der Treppe angekommen war.
„Wow!“, hauchte er. „Du siehst sehr schön aus. Wie eine Dame.“
„Du klingst so überrascht, aber ich werte das mal als Kompliment“, grinste ich.
„Solltest du auch, denn genau so war es gemeint.“ Er sah mir herausfordernd in die Augen.
„Dann hab ich ja Glück.“ Ich zwinkerte ihm zu und überspülte meine Nervosität mit Witz. „Wie läuft das jetzt hier? Bleiben wir einfach hier stehen und machen einen Starrwettbewerb oder brechen wir auf?“
Er lachte. „Wir brechen auf.“ Er führte mich nach draußen und vor seinem Anwesen wartete eine Kutsche auf uns.
„Du hast an alles gedacht, was?“, neckte ich ihn.
„Das brauchte ich gar nicht. Die steht hier immer“, behauptete er und ich beließ es dabei.
Er half mir mit dem aufwendigen Kleid in die Kutsche und stieg dann selbst ein. Der Kutscher fuhr los. Die Kutsche ruckele und rucke bei den unebenen Wegen und mir wurde fast schlecht. Moritz machte das natürlich nichts aus. Er war das gewohnt.
„Alles in Ordnung?“, fragte er mich besorgt als er merkte, dass etwas mit mir nicht stimmte.
„Ja, geht schon. Aber in unseren Fahrzeugen ist es so viel ruhiger. Lenk mich ab. Erzähl mir etwas“, forderte ich ihn auf. Ich konnte mich nicht mal auf die wunderschöne Gegend konzentrieren. Alles war so schön grün hier, trotz der Häuser. Und lange nich so dicht bevölkert. Ganz anders als bei uns. Allerdings stank es auch stärker je näher wir der Stadt kamen. Das war nicht gut, gar nicht gut. Das und das Ruckeln zusammen konnten böse enden.
„Was soll ich dir denn erzählen?“, fragte er ratlos.
„Keine Ahnung, was über das Fest oder so. Was mich erwartet zum Beispiel“, schlug ich vor.
„Hm, lass mal sehen. Es wird prächtig und du wirst dich bestimmt amüsieren. Es gibt Tänze und Musik und gutes Essen.“
„Essen ist kein gutes Thema“, bemerkte ich. „Euer gutes Essen ist sicherlich ganz anders als das, was ich gewohnt bin. Und was die Tänze angeht. Ich kann die doch überhaupt nicht.“ Je mehr er mir erzählte, desto panischer wurde ich. Vielleicht war das doch keine so gute Idee gewesen.
Zerknirscht sah er mich an. „Du musst nichts tun, was du nicht willst. Ich werde auf dich aufpassen.“
„Schon gut“, seufzte ich. „Du kannst ja nichts dafür.“ Na ja, eigentlich konnte er es doch, weil er mich auf dieses Fest mitschleppte und ich nicht wusste, was mich erwartete.
„Du wirst ganz grün im Gesicht“, bemerkte Moritz plötzlich und rief nach vorn: „Thomas, würden sie kurz anhalten, bitte?“
Der Kutscher hielt sofort und Moritz stieg aus. Dann half er mir aus der Kutsche. Mit diesem Kleid allein auszusteigen war einfach völlig unmöglich.
„Die frische Luft wird dir gut tun“, überlege er.
„Was du so frische Luft nennst“, meine ich nur ironisch.
„Was meinst du damit?“, fragte er verwirrt.
„Ich will dir ja nicht zu nahe treten, aber es stinkt. Die Luft hier stinkt einfach. Das liegt am 17. Jahrhundert. Du kannst nichts dafür. Das ist hier einfach so“, belerhte ich ihn sanft. Aber er hatte trotzdem Recht. Die Luft tat gut.
„Du bist wirklich seltsam. Das ist doch normal.“ Er sah mich nur an und schüttele mit dem Kopf.
„Ja, für diese Welt. Nicht für meine“, stimmte ich ihn zu.
„Ist bei euch gut riechende Luft?“, staune er jetzt.
„Meistens. Zumindest im Grünen. Bei uns gibts auch dreckige Luft, aber der Geruch ist anders und es stinkt nicht so extrem“, erklärte ich so gut ich konnte. Ich war kein Experte für Luft in meiner Welt.
Ihm schien das allerdings auszureichen.
„Wir könnten zu Fuß weiter gehen, wenn du magst. Es ist nicht mehr so weit“, bot er mir an.
„Aber nur ohne diese Schuhe“, sagte ich. Er sah mich skeptisch an, sagte aber nichts und so zog ich meine Schuhe aus und trug sie.
Sicher fand er mich dadurch wieder seltsam. Sicherlich gehörte sich hier sowas nicht für eine Dame, aber das war mir egal. Bis wir auf dem Ball angekommen wären, wären meine Füße zu nichts mehr zu gebrauchen, wenn ich diese Schuhe anbehielt.
Also gingen wir zu Fuß weiter. Jetzt konnte ich meine Umgebung doch wahrnehmen und was ich sah gefiel mir. Es gab keine Autos, die Hektiv war nicht ganz so greifbar wie in meiner Welt. Die Natur wirkte noch magischer. Wie in unseren ländlichen Gegenden. Ich fühlte mich hier wohl. Irgendwie. Dieser Gestank war nichts für mich, aber abgesehen davon hatte diese Welt auch viele Vorteile. Wenn man mal von der Brutalität und den Kriegen und den ganzen Armen hier absah. Es war vielleicht etwas egoistisch, aber ich war froh nicht in einem Armenvierel gelandet zu sein. Da war das hier wesentlich angenehmer. Aber dann erinnerte ich mich an die ganzen Intrigen und lüsternden Blicken aus der Serie Outlander. Na ja, vielleicht war hier doch nicht alles so toll. Aber ich hatte Moritz an meiner Seite. Das gab mir etwas Sicherheit. Jetzt war ich auf diesen Ball gespannt.

Fortsetzung folgt …

Wieder ein Teil vom Herrenhaus geschrieben. Irgendwie macht mir die Geschichte sehr viel Spass. Ich mag die Charaktere. Mal sehen, was da alles noch so kommt. Was sagt ihr zu diesem Teil?

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4 Gedanken zu “Bloggeschichte: Das alte Herrenhaus (Teil 3)

Ich freu mich über jeden Zauberkommentar von euch.

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