Da es diesmal beim Story-Samstag doch keine Geschichte von mir gab, schaffe ich sogar noch einen Teil von meiner Islandstory.

Weihnachten in Island bei Tim und Elida (Teil 11)

31.12.

Der letzte Tag im Jahr war angebrochen und ich gerade aufgewacht. Heute gabs das große Feuerwerk auf dem Markplatz, aber bis dahin hatten wir noch ewig Zeit. Erst mal würden wir den Tag zu dritt verbringen. Ryk konnte seine Großeltern heute nicht alleine lassen. Deswegen würde ich ihn nicht sehen. Aber morgen.
Heute sollte noch mal ein Familientag sein. Erstmal stand ich allerdings auf und machte mich fertig. Roter Pullover und Jeans reichten völlig aus. Die Haare toupierte ich mir zu einem Knoten auf den Kopf. Fertig war ich.
Lächelnd dachte ich an die letzten Tage zurück. Ich hatte viel Zeit mit Ryk verbracht und es war wunderschön gewesen. Wir hatten Karten gespielt, uns aneinander gekuschelt, weitere Spaziergänge gemacht und viel geredet. Er war einfach wunderbar. Ich war gern mit ihm zusammen.
Aber die Gedanken schüttelte ich jetzt von mir ab. Heute wollte ich mal nicht an Ryk denken, denn die Gedanken an ihn taten weh. Heute wollte ich fröhlich sein. Es war immerhin Sylvester.
Summend ging ich hinunter und schnupperte. Elida hatte irgendwas gebacken. Was das wohl war? Es roch nach Berliner. Berliner hier in Island? Konnte das sein? Und wieso so früh am Morgen?
Ich achtete gar nicht auf Tim, der mal wieder am Klavier saß sondern ging sofort zu Elida in die Küche.
„Hm, das duftet aber himmlisch“, fand ich.
„Lass bloß die Finger davon“, warnte Elida mich. „Die sind erst für heute Nachmittag.“
„Ich wollte ja nur schnuppern“, lachte ich und meine Tante lachte mit.
„Da du nun auf bist können wir ja frühstücken.“ Elida nahm die letzten Sachen mit ins Wohnzimmer und dann saßen wir zusammen, aßen und redeten.

Je näher es zum Abend ging desto nervöser wurde ich. Die Berliner hatten köstlich geschmeckt und erinnerte mich an zu Hause. Langsam bekam ich Heimweh. Bei Tim und Elida war es schön, aber so lange von zu Hause weg zu sein war ich nicht gewöhnt. Trotzdem wollte ich gerade auch nicht an zu Hause denken.
Abends spielten wir ein paar Spiele und machten es uns gemütlich bis es Zeit fürs Feuerwerk war. Wir zogen uns mal wieder warm an und machten uns auf den Weg. Die Straßen waren ziemlich voll, denn der Himmel war ziemlich klar und niemand wollte das Feuerwerk verpassen. Die Isländer liebten Feuerwerke. Je näher wir der Stadt kamen desto voller wurde es. Ich hakte mich bei Elida ein um sie nicht zu verlieren. Sie führten mich zu einer Tribüne mit ganz vielen Treppen. Wir setzten uns ziemlich weit oben hin, sodass es wirkte als wären wir dem Himmel greifbar nahe. Das Pärchen neben uns nickte uns kurz zu und überließ uns dann wieder uns selbst.
Pünkltlich eine halbe Stunde vor Mitternacht ging das besagte Feuerwerk dann los. Zuerst rech langsam mit ganz normalen gelben Feuerwerksspiralen. Dann wurden die gelben Lichter zu bunten, die ineinander übergingen. Diese Lichter wurden dann zu Feuerwerksblumen, die auseinandersprangen und uns beleuchteten. Es sah traumhaft schön aus. Die Blumen wurden schließlich zu Schmetterlingen und es sah aus als würden sie in der Luft fliegen, aber schließlich lösten sie sich auf.
Als nächstes erschienen bunte Fackeln am Himmel, die immer heller wurden und immer weiter auseinander fackelten. Leise Musik erklang dazu. Die Fackeln fackelten schneller und schneller und drehten sich schließlich so schnell im Kreis, dass sie wie Spiralen wirkten. Auch das Summen der Musik wurde immer schneller und begleiteten die Fackeln.
Als nächstes blitzten meherere Lichter über den Himmel. Es wirkte etwas wie Gewitter, aber es war viel explosiver. Es sah atemberaubend aus. Ich hielt den Atem an.
Weitere Feuerwerkskörper bildeten verschiedene Bilder und Formen, manchmal schnell, manchmal langsam, manchmal wirkte es fast Romantisch.
Doch erst kurz vor Mitternacht kam das Finale. Feuerwerkskörpermenschen tanzten über den Himmel und ihr Tanz wirkte spielerisch und emotionsvoll. Ich konnte meinen Blick kaum von ihnen lösen. Sie waren so schön. Die Musik begleitete sie je nachdem mal schnell, mal langsam, mal romantisch zu ihrem Tanz. Zehn Minuten vor Mitternacht wurden sie dann zu Zahlen aufblickend rückwertszählten und schließlich war es 00:00 Uhr und das Feuerwerk sprühte noch ein letztes Mal richtige Funken auf und erlisch dann gleich.
Dann riefen alle: „Frohes neues Jahr“ auf Isländisch und ich umarmte meine Tante und mein Onkel und ganz viele andere mir völlig fremde Menschen.
„Und, hat es dir gefallen?“, wollte Tim von mir wissen.
„Es war wunderschön. So ein schönes Feuerwerk habe ich noch nie gesehen.“, gestand ich.
„Das freut mich. Dann lasst uns nach Hause fahren. Es ist kalt, findet ihr nicht.“ Onkel Tim lächelte zufrieden und stand auf. Wir schlossen uns ihm an. Er hatte recht. Es war kalt.

Wieder zu Hause angekommen kuschelten wir uns in die Sessel. Leise Musik lief im Hintergrund und wir spielten das Spiel weiter, dass wir abgebrochen hatten. Nur noch wenige Tage, dann würde ich nach Hause fahren. Nicht dran denken.
„Ha, gewonnen!“, triumphierte Tim mal wieder. Er war einfach gut in dem Spiel.
„Ich glaube, ich gehe jetzt ins Bett. Ich bin müde“, verkündete ich.
„In Orndung. Gute Nacht, Jana. Wir sehen uns morgen.“ Tim lächelte mich an und Elida gab mir einen Kuss auf die Wange. Danach ging ich nach oben.
Ich putzte meine Zähne, zog meinen Schlafanzug aus und kuschelte mich ins Bett. Dann holte ich mein Smartphone raus und schrieb Ryk eine Whats App.
Bist du noch wach?
Ja, kam seine Antwort schnell zurück.
Ich wünsche dir ein frohes neues Jahr, schrieb ich nun.
Danke, wünsch ich dir auch.
Hattest du einen schönen Tag?, fragte ich
Na klar, ich hoffe du auch?
Ja, sehen wir uns morgen? Das war der eigentliche Grund meines Schreibens. Ich wollte ihn morgen sehen. Ich wartete seine Antwort gespannt ab.
Natürlich, ich freu mich drauf, schrieb er. Das machte mich glücklich. So einfache Worte.
Dann bis morgen.
Ja, bis morgen. Gute Nacht. Schlaf schön, kam von ihm zurück.
Das wünsch ich dir auch, schrieb ich, legte mein Handy weg und schlief mit einem Lächeln auf meinem Gesicht ein. Ich würde morgen Ryk sehen.

Fortsetzung folgt …

Das war der vorletzte Teil. Ich hoffe, er hat euch noch mal gefallen. Bald werde ich Island dann wirklich abschließen. Jana hatte bisher auf jeden Fall einen wirklich tollen Urlaub. Wie immer ist das freie Interpretation. Ich weiß nicht wie so ein Feuerwerk in Island ist.

Advertisements