Das alte Herrenhaus Teil 6

Ich denke, es wird mal wieder Zeit für einen weiteren Teil Herrenhaus.

Ihr erinnert euch noch, was beim letzten Mal passierte?

Moritz und Louisa haben den Ball hinter sich gelassen und sind zu Fuß zu Moritz gelaufen. Dort haben sie sich eine Weile auf die Bank gesetzt und dann kam es zum Kuss. Moritz will Louisa jetzt gern begleiten, aber sie glaubt nicht, dass er sich in ihrer Welt zurechtfindet.

Das alte Herrenhaus (Teil 6)

Am nächsten Morgen wachte ich müde auf. Es war ein verwirrender anstrengender Abend gewesen, überschattet von einem wundervollen Kuss, der mich durcheinander brachte. Auch jetzt dachte ich an Moritz, der irgendwo hier im Haus war. Mir war klar, dass ich hier nicht bleiben konnte und wieder nach Hause musste und dass er eigentlich in diese Welt gehörte, aber trotzdem wäre es schön, ihn wirklich mitnehmen zu können. Dabei machten mir meine starken Gefühle für ihn in so kurzer Zeit wahnsinnige Angst. Ich kannte ihn kaum und kam noch dazu aus einer anderen Zeit.
Ich zog mich an. Auf einmal wollte ich keine Sekunde mit ihm zusammen verpassen. Ich beeilte mich nach unten zu kommen und da saß er in der großen Küche. Einen Moment stand ich nur in der Tür und beobachtete ihn. Er wirkte etwas verloren und irgendwie auf eine ganz ungewöhnliche Weise attraktiv. Schließlich gab ich mir einen Ruck und trat in die Küche.
„Guten Morgen“, begrüßte ich ihn und er zuckte leicht zusammen.
Doch dann sah er mich lächelnd an. „Hunger?“ Er deutete auf das Essen auf dem Tisch.
Ich setzte mich zu ihm und fing an mir mein Brot zu schmieren. Die Messer waren noch nicht so gut wie bei uns, aber es ging. Es gab Stuten mit Honig für mich und ein Glas Milch.
„Wie hast du geschlafen, hier in der Vergangenheit?“, fragte er mich und schmunzelte leicht.
„Sehr gut. Hier ist es so schön ruhig“, schwärmte ich. „Und du?“
„Das freut mich. Ich habe auch gut geschlafen“, antwortete er. Er schien gut gelaunt zu sein.
Heute strahlte die Sonne in diesem Jahundert geradezu und schien schon ins Küchenfenster herein.
„Was liegt heute an?“, fragte ich ihn.
„Ich dachte wir wollten den Freund von mir besuchen“, sagte er und wirkte schon weniger euphorisch.
„Ja, stimmt“, antwortete ich nur.
Daraufhin schwiegen wir wieder eine Weile.
„Was denkst du gerade?“, fragte ich ihn schließlich.
„Was soll ich schon denken? Ich bin traurig, dass du mich verlässt. Ich fand die kurze Zeit, die ich mit dir hatte sehr schön“, gab er traurig zu.
„Moritz, ich …“ Ich wusste nicht, wie ich ihm sagen konnte, was ich fühlte.
„Schon gut. Ich versteh das. Du gehörts in deine Welt und ich gehöre in meine Welt.“ Er sah mich mit einem undurchdringlichen Blick an.
„Ich wünschte, es wäre anders“, flüsterte ich kleinlaut.
Da stand er auf, kam zu mir, reichte mir seine Hand und zog mich hoch. Dann zog er mich in seine Arme.
„Ich weiß. Aber das geht nicht. Das habe ich jetzt eingesehen.“ Und dann küsste er mich erneut. Und wie. Er erfachte ein unbeschreibbares Feuer in mir. Ich kostete diesen Kuss voll und ganz aus in dem Wissen, es könnte jederzeit der letzte sein obwohl wir uns gestern erst zum ersten Mal geküsst hatten. Selbst als er sich zurück ziehen wollte. Zog ich ihn wieder an mich.
„Das ist so unfair“, murmelte ich.
„Ich weiß“, stimmte er mir zu und zog mich noch mal in seine Arme.
Es war als wollten wir beide nicht, dass dies endete. Wir wollten uns nicht voneinander trennen, mussten es aber doch tun.
„Wollen wir noch etwas vor dem Haus sitzen bevor wir los fahren?“, fragte er.
„Gerne“, nickte ich zustimmend.
„Erzähl mir was von dir“, forderte er mich auf.
„Was denn?“, wollte ich wissen.
„Was machst du so den ganzen Tag über?“, fragte er mich.
„Ich studiere an der Uni, ich lese viel und treffe mich mit Freunden. Ich gehe viel raus und ich sitze auch an einem technischen Gerät mit dem man schreiben kann und mit anderen Personen kommunizieren kann“, erzählte ich ihm.
Er sah mich an als würde er nur Bahnhof verstehen. „Was ist eine Uni und was ist das für ein Gerät von dem du sprichst?“
„Die Uni ist ein Ort zum Lernen. Sowas wie eine Schule nur für Erwachsene, die sich spezialisieren wollen. Das Gerät ist ähnlich wie das hier. Nur größer und man kann mehr damit machen.“ Ich zog mein Handy heraus, dass hier völlig nutzlos war.
„Komisches Ding“, fand er.
„Bei uns haben das Viele. Es ist modern und eher untypisch, dass keiner sowas hat. Die Technik wird mit der Zeit immer besser und moderner“, erzählte ich ihm.
„Klingt interessant“, fand er, konnte es sich aber offenbar nicht ganz vorstellen.
„Es ist einfach nur anders.“ Ich zuckte mit den Achseln.
„Mag sein, aber für  mich ist es ganz neu. Du bist wirklich interessant. Hier sind die Frauen so anders. Sie kennen kaum was von der Welt. Nur von den Menschen, die hier wohnen. Sie interessieren sich überwiegend um Luxus und Glanz“, überlegte er.
„Bei uns sind die Mädchen allgemein interessierter. Nicht alle, aber unsere Welt ist moderner. Frauen haben bei uns einfach einen anderen Stand als bei euch hier.“
„Hm“, machte er nur und dachte über irgendetwas nach.
Wir schwiegen wieder eine Weile, aber es war ein angenehmes Schweigen. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Ich lehnte mich an ihn, genoss seine Nähe und die Sonne in meinem Gesicht. Es war zu schön um wahr zu sein.
„Wollen wir uns auf den Weg machen?“, fragte er mich dann.
„Ja, wieso nicht?“, fragte ich, doch keiner von uns beiden stand auf. Wir sahen uns einfach nur an. Keiner sagte etwas, aber unsere Blicke sprachen Bände. Plötzlich fing er an zu lächeln.
„Was ist?“, fragte ich ihn verwirrt.
„Weiß nicht. Du hast mich gerade nur an jemanden erinnert, aber ich möchte nicht darüber sprechen. Lass uns lieber gehen“, wich er mir aus.
„Na gut“, willigte ich ein. Wir standen auf und verließen sein Grundstück. Wir stiegen in die Kutsche.  Sie brachte uns zu Moritz Freund und hoffentlich in mein altes Leben zurück.

Fortsetzung folgt …

Das  war ein weiterer Teil meiner Geschichte. Was sagt ihr dazu? Wie es dann mit Moritz und Louisa weiter geht erfahrt ihr im nächsten Teil.

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4 Gedanken zu “Das alte Herrenhaus Teil 6

  1. Hm – wenn man die Beschreibung so liest – will man doch irgendwie wieder in seine eigene Welt. Selbst wenn es bei Moritz echt schön ist (Wir haben ja beide einen Moritz – den hab ich bestimmt geklaut – in meiner Gruselgeschichte. Ist mir eben erst aufgefallen. – So ist das wenn einem Namen einfallen..hihihi) Aber die Stellung der Frau und auch die Technik. Würde mir vielleicht auf Dauer auch fehlen. Aber dafür hat man auch Zeit für anderes…Hm…gut geworden…LG

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