Schreib mit mir Teil 34/1: Flucht mit Freund

Einen weiteren Teil Schreib mit mir gibts von mir wieder. Der ist schon eine Weile her, aber ich mach natürlich trotzdem noch mit.

Setting:

Die Menschen dürfen von 24 – 5 Uhr nicht aus dem Fenster sehen. Kinder haben oft fensterlose Zimmer, damit sie gar nicht erst auf den Gedanen kommen. Dein/e Protagonist/in lebt in dieser Welt. Er/sie geht immer vor 24 Uhr ins Bett. Auf diese Weise kommt er/sie nicht in Versuchung. Doch in dieser Nacht ist etwas anders. Schaut er/sie in der verbotenen Zeit aus dem Fenster? Wenn ja, was ist da draußen? Wird es sein/ihr Leben verändern?

Gegenstände:

Vorhänge, Fußmatte, Kerze

Wortgrenze:

10.000 Worte

Flucht mit Freund

Mein Leben ist eingeschrenkt. Anders kann man das nicht sagen. Die Leben aller sind eingeschrenkt. Unsere Welt ist eingeschrenkt. Doch das bin ich gewöhnt. Wir leben eben so. Ich kenne gar nichts anderes.
Vor meinem Fenster ist ab 22 Uhr Abends immer eine Jalousie vor. Die geht automatisch runter, damit wir nicht nach 24 Uhr aus dem Fenster sehen. Das dürfen wir nämlich nicht. Wir sind da immer ganz pingelig. Ich bin trotzdem oft noch nach 24 Uhr wach. Die Jalousien sind ja da. Ich werde also gar nicht aus dem Fenster gucken. Ich lese ein Buch und plötzlich höre ich Geräusche. Was ist da los? Aber ich darf nicht raussehen. Das ist verboten. Was ist passiert? Ich werde unruhig.
Ich höre genauer an. Die Geräusche kommen von nebenan. Dort wohnt Mia. Meine beste Freundin. Steckt sie in Schwierigkeiten? Ich muss nachsehen. Die Versuchung ist groß. Doch dann wird unsere Tür aufgestoßen. Leise, vorsichtig, aber ich habe gute Ohren. Ich höre es trotzdem. Was ist los? Ich habe doch gar nicht aus dem Fenster gesehen.
Ich schleiche zum Wohnsimmer und stoße mit jemanden zusammen. Jemand großen. Es ist Kilian. Gott sei Dank. Ich sinke gegen ihn und er zieht mich in seine Arme.
„Kili, was ist los?“, frage ich bedrückt. „Ich habe bei Mia Geräusche gehört.“
„Es ist eine Razzia. Mia können wir nicht mehr helfen, aber wir müssen fliehen“, erklärte er mir.
„Und meine Eltern?“, wollte ich wissen. „Sie liegen doch in ihren Betten, oder?“
„Sie sind schon in der Stadt“, antwortete er nur knapp. „Na komm!“
„Woher weißt du das?“, wunderte ich mich.
„Vertraust du mir?“
Ich nickte. Natürlich vertraue ich ihm. Schon immer.
„Dann komm mit“, forderte er mich auf, nahm meine Hand und ich folgte ihm.
Er führte mich durch die Stadt. In der Stadt war viel mehr los als ich angenommen hatte. Wieso war hier so viel los? Aber ich traute mich nicht, Kilian jetzt danach zu fragen. Das musste warten. Er führte mich in eine Art Tunnel und von dort aus ging es in eine Höhle. Nur Kilians Anwesenheit hielt mich davon ab Angst zu haben. Was war hier los?
Wir gingen durch eine Art Vorhang und kamen dann in eine Art riesige Wohnung. Menschen waren hier und Kerzen brannten überall. Irrsinniger Weise fragte ich mich gerade jetzt wieso es keine Fußmatte gab.
Er brachte mich in eine ruhigere Matte und zog mich in seine Arme. Ich lehnte mich an ihn.
„Deine Eltern werden auch bald hier sein“, versprach er mir flüsternd.
„Wo sind wir hier?“, verlangte ich zu wissen.
„Bei den Rebellen“, antwortete er. „Ich gehöre zu ihnen. Ich habe deine Eltern gewarnt.“
„Und wieso hast du nicht Mia und ihre Eltern gewarnt?“ Ich konnte meine Bitterheit in meiner Stimme nicht verbergen. Er zuckte zusammen.
„Es war zu spät. Sie waren schon da“, antwortete er.
„Wer war schon da?“ Ich verstand überhaupt nichts.
„Die Aupasser. Sie trommeln alle zusammen, die keine Vorhänge haben und werfen ihnen vor, dass sie verbotener Weise aus den Fenstern gucken“, sagte er.
„Aber wir haben Vorhänge. Sogar Jalousien“, wunderte ich mich weiter.
„Ich weiß, aber ich wollte sicher gehen.“ Er zog mich noch näher an sich. „Ich wollte nicht, dass dir etwas passiert.“
„Was machen meine Eltern gerade?“, fragte ich.
„Sie helfen Flüchtlingen. Aber keine Sorge. Sie werden bald hier sein.“ Seine Nähe gab mir Halt. Diese Nacht war anders als alle anderen Nächte. Ich war nie länger als bis zehn von zu Hause weg.
Ich fragte nicht, wieso er mir nicht eher was davon erzählt hatte. Ich fragte auch nicht wieso er nicht Mia hatte helfen wollen. Ich fragte nicht mehr wann meinen Eltern kamen. Ich kuschelte mich an ihn und schlief ein.
Die Nacht verging und der Tag kam. Ich wachte auf und lag noch immer in Kilians Armen. Er halb sitzend und ich den Kopf auf seinen Schoß gebettet. So erwachte ich am nächsten Morgen zum ersten Mal nicht in meinem eigenen Bett und mit einem anderen Menschen an meiner Seite. Ich sah ihm verschlafen in die Augen und lächelte seelig.
Und dann kamen meine Eltern mit anderen Flüchtlingen. Sie erzählten mir alles. Dass es Unruhen in den letzten Nächten gegeben hatte und in der Nacht immer mehr Aktivitäten gegeben hatte. Sie waren Aufpasser, die für die Rebellen spionierten. Sie arbeiteten mit Kilian und seinen Freunden zusammen und so konnten wir vor Verhaftungen fliehen. Ein paar Tage konnten wir hier in der Höhle bleiben. Dann mussten wir weiterziehen. Aber es reichte um genügend Vorräte zu sammeln.
„Und was passiert mit den Leuten, die nicht aus der Stadt fliehen können?“, wollte ich nun wissen.
„Wenn sie nicht aus dem Fenster sehen nichts schlimmes“, versicherte meine Mutter mir mit einem Lächeln auf dem Gesicht.
„Warum dürfen wir nachts nicht aus dem Fenster sehen?“, wollte ich nun wissen. Das hatte ich schon immer wissen wollen, aber niemand wollte es mir sagen.
„Weil die Leute dann sehen würden, dass die Aufpasser nicht immer alles unter Kontrolle haben und das soll auf jeden Fall vermieden werden“, erklärte mein Vater.
So simpel war die Erklärung? Ein bisschen enttäuscht war ich schon. Ich hatte mir etwas aufregenderes erhofft. Aber jetzt war ich frei. Ich musste nur noch meine Freundin Mia retten. Würde Kilian mir dabei Helfen. Dann konnten wir alle aus der Stadt fliehen und hatten ein schönes Leben.

Ende

Das wars von dieser Idee. Ich fand die sehr cool. Was sagt ihr zu dieser Geschichte?

 

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14 Gedanken zu “Schreib mit mir Teil 34/1: Flucht mit Freund

Ich freu mich über jeden Zauberkommentar von euch.

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