Das 6. Wort 2017: Splitter: Das Spiegelkabinett

Das sechste Wort ist an der Reihe und ich bin gerne mit dabei, denn ich habe eine Geschichte zum Wort Splitter erfunden.

Das Splitterkabinett Teil 1

„Splitter!“, rief Leonard mir zu. Er stand ein paar Meter von mir entfernt und grinst mich an. „Komm, trau dich!“
„Du weißt, dass ich diesen Kirmes hasse. Muss das sein?“, fragte ich ihn nur.
„Du kannst dich nicht ewig davor drücken. Na komm schon, Splitter. Das wird lustig.“
Ich hasste es, wenn er mich so nannte. Den Beinamen hatte ich bekommen als ich den Splitter eines Spiegels fand. Winzig klein. Seitdem steckte er immer in einem Kasten, den ich mit mir in meiner Hosenstasche rumtrug. Manchmal holte ich den Splitter raus und dann fing er oft in allen Farben an zu schimmern. Eigentlich hieß ich Clementine, aber so nannte mich in meinem Freundeskreis kaum noch Jemand.
„Na los, Splitter“, lockte mich Leonard weiter. „Tu es für mich.“
Mist! Aus der Sache kam ich nicht mehr raus. Wenn er mir so kam gewann er immer. Das wusste er auch ganz genau.
„Na schön“, gab ich also auch nach. „Aber nenn mich nicht Splitter.“
„Wie denn dann?“, neckte er mich. „“Clemmi, Split oder doch lieber Clem?“
Ich seufzte und antwortete nur: „Clem ist schon in Orndung.“
„Okay Clem. Dann lass uns loslegen.“ Er griff nach meiner Hand und zog mich Richtung Kirmes. Ich ließ mich jedes Jahr aufs neue dazu überreden. Sowas Dummes aber auch.
Ich hielt mich dicht an Leos Seite. „Aber wehe der blöde Clown ist wieder da“, warnte ich ihn. „Der ist wirklich gruselig. Demnächst verfolgt er uns noch mit einer Drohne.“
„Ach komm schon!“ Leo lachte nur. „Der ist doch harmlos. Ich wette der hat nicht mal eine Drohne.“
Und so war mein Schicksal besiedelt. Wir giengen auf den Kirmes. Wie jedes Jahr.

Der Kirmes war voller Leute. Menschenmengen mochte ich nicht. Ich drängte mich eng an  Leo und er nahm wie so oft, wenn ich mich unwohl fühlte, meine Hand in seine. Er war wie immer mein Anker. Wir waren zwar nur Freunde, aber es fühlte sich viel zu oft nach mehr an.
Clowns sahen wir Gott sei Dank erst mal nicht, wobei bestimmt welche unterwegs waren. Dafür gab es viele Süßigkeitenbuden, Karusells, ein Riesenrat (mit dem Leo nachher bestimmt fahren würde) und ein Autoscooter, ich sah eine Geisterbahn und noch viel mehr.
Plötzlich wurde es dunkel am Himmel und gewitterartige Wolken zogen an uns vorbei. Eine männliche Stimme dröhnte über die Besucher. Sie war tief und klangvoll.
„Meine lieben Besucher. Heute wollen wir euch und Ihnen ganz neu unser Spiegelkabintt präsentieren. Viel Spass dabei.“
Leo grinste mich an. Vermutlich wegen dem Begriff „Splitter“ darin. Meinem Spitznamen.
Es wurde langsam heller und durch die Menschenmassen kamen die seltsamsten Figuren, die ich je gesehen hatte. Sie schienen aus Glas zu sein, waren aber voller Spiegelsplitter, als wären sie kürzlich zerbrochen worden. Sie bewegten sich komisch. Als wären sie unförmig. Und sie machten seltsame Verrenkungen, weswegen sie ständig reflektiert wurden und sich spiegelten. Sie schlichen durch die Straßen, während die Menge ihnen Platz machte. Dann fing alles an zu summen und zu klirren, was irgendwie faszinierend klang, aber auch gruselig.
Als nächstes flogen leuchtende Wesen, die Glühwürmchen nicht unähnlich waren, aber doch anders. Sie setzten sich auf die Köpfe der Splitterwesen oder schwirrten um uns herum. Das ganze Spektakel dauerte etwa zehn Minuten. Dann zog das Splitterkabinett an uns vorüber.
Nun erklang erneut die Stimme des erzählenden Mannes: „Liebe Gäste. Bitte besuchen Sie unser Splitterkabinett am Norddeiweg, auch außerhalb dieses Kirmes. Sie werden es bestimmt nicht bereuen.“ Und dann war alles vorbei.
„Oh wow!“, hauchte Leo neben mir. „Wir müssen unbedingt in dieses Kabinett. Ich will wissen wie die Wesen funktionieren.“
War ja klar. Typisch Leo eben. Aber auch ich war neugierig auf dieses Spiegelkabinett. Das ist bestimt einen Blick wert.
Erst mal schleppte Leo mich allerdings weiter über den Kirmes und natürlich fuhren wir Riesenrat.

Fortsetzung folgt ….

Das war mein erster Teil des Spiegelkabinetts. Und was sagt ihr dazu?

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4 Gedanken zu “Das 6. Wort 2017: Splitter: Das Spiegelkabinett

Ich freu mich über jeden Zauberkommentar von euch.

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