Schreibklick Dezember: Zeitkapsel

Hier gibts die Dezembergeschichte für Schreibklick.

Zeitkapsel

Ich hatte mit meiner besten Freundin in unserer Schule eine Zeitkapsel versteckt. Meine Freundin und ich hatten nicht mehr viel Kontakt, aber an die Kapsel erinnerte ich mich. Wir wollten sie zusammen an unserem 30. Geburtstag öffnen. Zufällig hatten wir den gleichen Tag. Beide an Heiligabend. Jetzt war Heiligabend und ich war dreißig. Heute Abend würde ich mit meiner Familie wie jedes Jahr zusammen feiern. Aber jetzt war ich erst mal alleine in meiner Wohnung. Ich wohnte hier nur mit meiner Katze Flinki zusammen. Jetzt ging ich hinaus auf den Balkon, wo der Raureif in der Sonne glitzerte. Wirklichen Schnee gabs nicht, aber es war immerhin kalt. Ich suchte einen bestimmten Stein in der Backsteinmauer. Als ich wieder wusste welcher es war nahm ich ihn heraus. Er war schon immer lose gewesen. Hier hatten wir unsere Zeitkapsel versteckt. Ich holte die runde Dose heraus. Sie sah etwas mitgenommen aus. Sie steckte schon sehr lange da drin. Sie ging auch einigermaßen schwer auf. Doch dann schaffte ich es und sah herein.
Die Zettel waren gut erhalten geblieben. Ich faltete sie auseinander. An der Schrift erkannte ich wer welchen Zettel geschrieben hatte.

Beste Freundinnen bleiben für immer.

Traurig sah ich auf den Zettel. Das hatten wir beide geschrieben. Und dennoch war unsere Freundschaft zerbrochen. Wieso eigentlich? Hatten wir uns auseinander gelebt? Eigentlich nicht. War es die räumliche Trennung, denn sie wohnte jetzt weiter weg. Ich konnte es nicht sagen. Wir hatten einfach nicht mehr den Kontakt zueinander wie früher.

Ich sah mir den nächsten Zettel an. Da stand drauf:

Zusammen das World Trade Center erklimmen.

Tja, das war jetzt wohl gar nicht mehr möglich. Die Türme gab es nicht  mehr. Hatten wir diesen Traum wirklich gehabt? Die Türme waren schon interessant, aber wieso hatten wir diesen Traum gehabt? Jetzt fand ich es nicht mehr so wichtig. Es ging sowieso nicht mehr. Ich verdrängte diesen Gedanken und machte weiter. Der nächste Zettel.

Zusammen eine Geschichte schreiben.

Das hatten wir zumindest mal gemacht in der 9. Klasse. Ich konnte mich noch grob an diese Geschichte erinnern. Es ging um ein Pferd, dass geritten werden wollte, aber nur vernachlässigt wurde. Heute mochte ich Pferde nicht mal mehr. Mein Geschmack hatte sich sehr veärndert. Schreiben liebte ich allerdings noch immer. Vielleicht sollte ich die Geschichte mal wieder lesen. Ich hatte sie irgendwo. Da kamen bestimmt alte Erinnerungen wieder hoch.

Dann nahm ich mir den nächsten Zettel vor. Jeder Zettel war in einer anderen Farbe geschrieben. Wir hatten Leuchtfarben benutzt.

Olivia ist mit Roman zusammen und ich mit Marten.

Ich musste lachen. Oh, Gott. Manchmal waren wir damals echt kindisch. Roman! Ernsthaft? Ich erinnerte mich an Roman. Er war ein dünnner Junge gewesen, den alle gehänselt hatten. Er hatte mir leid getan und irgendwie war ich damals in ihn verliebt gewesen. Er war süß gewesen. Soweit ich wusste war er heute noch allein. Hochintelligent und Mathematiker oder so. Marten war das genaue gegenteil. Natürlich. Passend zu Zoe. Er war ein Schönling. Solche mochte ich eigenltich gar nicht. Er war der beliebteste Junge der Schule gewesen. Heute war Zoe auch mit einem Schönling zusammen, aber sie wechselte ihre Freunde immer mal wieder.

Ich schwelgte in Erinnerungen. Das tat man unweigerlich mit Zeitkapseln, oder? Alte Schulerinnerungen. Zoe und ich hatten schon eine schöne Zeit gehabt. Aber ich wollte auch die anderen Zettel lesen. Es waren interessante Wünsche, Vorstellungen und Ideen. Auf einem Zettel stand:

Ich möchte ein Burghaus ersteigern.

Ja, sehr realistisch. Was hatten wir uns denn dabei gedacht? Ich schüttelte nur mit dem Kopf. Verrückt. Es gab noch weitere solche Wünsche. Wie viele hatten wir eigentlich aufgeschrieben? Und dann entdeckte ich etwas, dass mein Herz bluten ließ. Ein weiterer Wunsch von uns beiden. Das konnte nicht sein, oder? Das hatten wir nicht geschrieben, oder?

Wenn wir die Zeitkapseln nicht zusammen öffnen bringen wir dem anderen die Wünsche.

Oh, Gott. Im Ernst? Ich sollte Zoe aufsuchen? Das konnte doch nicht gut gehen. Konnte ich diesen Wunsch vielleicht igonrieren? Vermutlich nicht. Ich seufzte und packte die Zettel in die Zeitkapsel. Dann verschloss ich sie. Doch zunächst blieb ich noch unentschlossen auf dem Balkon. Doch dann ging ich rein, zog mich warm an und nahm meinen Schlüssel. Dann ging ich nach draußen. Zoe wohnte nicht weit weg. Doch ich war lange nicht mehr hier gewesen. Heute hatte sie auch noch Geburtstag. Da war bei ihr immer was los. Sollte ich mir das vielleicht doch noch mal überlegen? Aber dann ging ich entschlossen auf das Haus zu. Schließlich klingelte ich. Und dann wartete ich, denn es öffnete nicht sofort jemand. Doch dann kam wirklich jemand. Allerdings war er halb nackt und defintiv nicht Zoe.
„Kann ich dir helfen?“, fragte er und musterte mich.
„Ist Zoe da? Sie wohnt doch hier, oder?“, fragte ich nervös. „Ich bin eine alte Freundin von ihr.“
„Zoe, Schatz! Du hast Besuch!“, rief Mr. Halbnackt nach oben.
„Wer ist denn da?“, fragte sie von oben.
„Wie heißt du noch gleich?“, fragte er mich.
„Olivia“, antwortete ich.
„Olivia“rief er nach oben.
Dann war es erst mal eine ganze Weile still. Dann hörte man Schritte auf der Treppe und schließlich stand Zoe vor mir. Sie drehte sich zu dem Typen um. „Schatz, kannst du schon mal nach oben gehen? Ich komme gleich nach.“
„Hat mich gefreut Sie kennen zu lernen“, sagte er noch und dann ging er hoch.
„Was machst du hier?“, zischte sie mir zu. Offenbar war ich hier nicht erwünscht. Das nach all den Jahren hing im Raum herum.“
„Ich wollte dir zum Geburtstag gratulieren und ich bin wegen unserer Zeitkapsel hier.“ Ich hob das Ding hoch.
„Ach Gott die Zeitkapsel. Das alte Ding. Du hast es geöffnet?“ Sie nahm es mir aus der Hand.
„Ja, ich habe heute morgen dran gedacht“, sagte ich und dann öffnete sie es auch. Sie ging langsam hoch. Ich sah das als Aufforderung ihr zu folgen und schloss die Tür hinter mich. Und dann entdeckte sie den richtigen Zettel und las.
„Oh, deswegen bist du hier?“ Fragend sah sie mich an.
„Ja“, antwortete ich nur.
„Na, dann komm mit hoch.“ Und zusammen sahen wir uns die Zeitkapsel an. Unsere Freundschaft begann dadurch erneut.

Ende

Das war meine kleine Zeitreise in die Vergangenheit. Was sagt ihr?

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9 Gedanken zu “Schreibklick Dezember: Zeitkapsel

  1. Eine schöne Idee, das so zu erzählen. Gefällt mir. Und schön, dass es ein Happy End gibt. Vielleicht sollte man jetzt auch mal eine Zeitkapsel erstellen und in 20 Jahren öffnen, das ist bestimmt, als Erwachsene auch interessant.

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Ich freu mich über jeden Zauberkommentar von euch.

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