Die Sache mit dem Rentier Teil 2

Und hier kommt schon der zweite Teil.

Die Sache mit dem Rentier Teil 2

Ich kam also bei den Weihnachtsleuten nicht so gut an. Trotzdem nahmen sie mich bei sich auf und gaben mir ein Zimmer. Ich war endlich allein. Allerdings war auch das Zimmer nichts besonders. Ein bisschen enttäuscht war ich schon. Dennoch war ich froh über ein Bett in das ich mich kuscheln konnte. Ich schlief sofort ein und dann träumte ich.
Ich träumte merkwürdige Sachen vom Weihnachtsdorf. Vor dem Haus waren viele Weihnachtsbäume aufgestellt. Dazwischen hindurch liefen die Rentiere und klingelten mit ihren Glocken. Darüber flogen die Engel. Es sah wahrhaft weihnachtlich aus. Sah so das Weihnachtsdorf wirklich aus? Wieso konnte ich es nicht im Wachzustand sehen? Es sah so wunderschön aus. Ich wollte es auch sehen. Ich wollte hierbleiben. Was war das denn für ein Traum?
Schweißgebadet wachte ich am nächsten Morgen auf. Was hatte ich noch mal geträumt? Ich konnte mich nicht mehr erinnern. Das war frustrierend, weil ich wusste, dass es ein schöner Traum war.
Wo war ich eigenltich? Ich lag in einem fremden Bett. So viel wusste ich. Aber was machte ich hier? Am besten ich stand auf um das heraus zu finden. Also rappelte ich mich hoch, ging ins Bad und machte mich fertig. Dann verließ ich mein Zimmer.
Auf dem Gang begegnete ich niemanden. Mittlerweile dämmerte mir aber wo ich war. Hier hing Weihnachtsdko im Gang herum. Hing die da gestern schon? Aber immerhin wusste ich wieder wo ich war. In dem Weihnachtsdorf. Ich hatte offenbar nicht geträumt. Es war wirklich wahr, dass ich auf einem Rehntier namens Rudi geflogen bin. Oh man. Ich dachte wirklich das sei nur ein Traum gewesen.
Fehlanzeige.
Deswegen ging ich ins Wohnzimmer. Den einzigen Ort, den ich von gestern her kannte. Allerdings machte ich mich damit nicht gerade beliebt. Alle sahen mich an. Alle waren da. Santa, Las und das Christkind und noch einige andere. Na toll. Mal wieder ins Fettnäppfchen getreten.
„Ähm, Guten morgen“, begrüßte ich die Sippschaft. Sie starrten mich alle nur an.
Es war Las, der mich schließlich angrinste. „Guten Morgen. Setzt dich doch.“
„Danke.“
„Hier bei uns gibts feste Zeiten“, donnerte Santa gleich los. „Frühstück um halb 8, Mittag um 12, Abendbrot um 18 Uhr. Morgens ist von 9 – 11 Unterricht, Nachmittags von 13 – 17 Uhr. Abend sitzen wir meist noch in Gesellschaft zusammen bis etwa 22 Uhr.“
„Santa, lass dem Jungen doch etwas Zeit. Er ist gerade erst angekommen“, mahnte Las ihn.
Santa schwieg daraufhin. Ich mampfte nur an dem Brot, dass ich mir gerade geschmiert hatte.
Chrissi sah mich lange an. Dann lächelte sie. „Aber Veränderungen gibt es schon.“
„Was meinst du?“, fragte ich sie.
„Waren die Bilder an der Wand gestern schon da?“, fragte sie mich zurück.
„Vermutlich nicht“, räumte ich ein.
„Nein“, stimmte sie mir zu.
„Und was bedeutet das?“, fragte ich sie.
„Sag du es mir“, forderte sie.
„Keine Ahnung. Ich habe von diesem Dorf geträumt. Es sah anders aus als jetzt“, gestand ich.
Jetzt sah Chrissi Santa an als wollte sie sagen: Hab ich dir doch gesagt. Jetzt wurde auch der wieder lebhafter und musterte mich genauer.
„Schildere mir von dem Traum“, forderte er.
Also erzählte ich ihnen, was ich gesehen hatte. Von dem Weihnachtsdorf, wie es wirklich aussah mit all seiner Schönheit.
Jetzt lächelte Santa sogar. „Vielleicht gibt es doch noch Hoffnung. Probier doch mal das Zimtbrot. Vielleicht hilft es deiner Vorstellungskraft deinen Glauben anzuregen.“
Okay, das war schräg, aber vom Zimtbrot war ich nicht abgeneigt. Also nahm ich mir eins. Ich strich mir Butter und ein wenig milden Käse darauf. Es war lecker. Auch der Saft, den ich trank war lecker. Apfelzimtsaft.
Als alle das Mahl beendet hatten, gab Santa den Aufbruchsbefehl. Alle standen gleichzeitig aus. Ausser ich, der sich nicht auskannte.
Chrissi half mir aus. „Wir werden jetzt alle noch mal jeder was für sich machen. Um neun Treffen wir uns dann draußen vor der Tür.“
„Ähm, gut.“ Wenn meine Uhr richtig ging war es jetzt viertel vor neun. Da lohnte es sich nicht mehr wirklich was zu machen. Aber ich wusste auch nicht, wo ich für die viertel Stunde noch hin sollte. Also sah ich mir die Weihnachtsbilder an der Wand im Flur an. Sie waren wirklich alle sehr weihnachtlich. Die meisten zeigten Tannenbäume. Aber auf manchen waren auch Rentiere zu sehen. Oder das Weihnachtsdorf in all ihrer Pracht. Das war immerhin etwas, oder?
Dann begab ich mich nach draußen vor die Tür und wartete auf das, was da kommen mochte. Erst mal tat sich gar nichts. Doch schließlich kam Santa hinaus.
„Ah, wenigstens bist du pünktlich“, bemerkte er nur. „Also gut. Zuerst mal musst du an uns glauben. Das ist kein einfacher Schritt. Der Glaube ist so eine Sache. Man kann ihn nicht erzwingen, aber ich kann dir dabei helfen.“
„Und wie?“, wollte ich wissen.
„Rudi kennst du ja bereits. Du konntest ihn mühelos sehen. Eigentlich sehen ihn Menschen nicht. Das heißt ein bisschen Glaube steckt auch in dir. Hier sind noch andere Rentiere. Sie stehen in diesem Moment auf dem Gelände herum. Siehst du wo?“
Ich strengte mich an. Wirklich. Aber ich sah nichts. Unsichtbare Rentiere? Ich hatte gedacht, ich würde Rudi sehen wie jeder andere auch. Doch da hinten im Wald? War da nicht ein Schmemen? Da hatte ich definitiv was gesehen.
„Ich glaube da hinten ist etwas“, teilte ich dem Weihnachtsmann mit.
„Ah, das klingt doch gut. Ru, kommst du bitte heraus?“
Und dann sah ich ein Rentier und noch eins und noch eins und noch eins. Eine ganze Reihe von Rentieren. Es waren so viele.
„Ich sehe sie“, staunte ich.
„Das ist gut. Sehr schön“, freute sich Santa neben mir. „Das ist ein Anfang.“
Dann sammelten sich die Rentiere um uns. Wie im Kreis. Fasziniert beobachtete ich sie. Sie scharrten sich um uns.
„Sie mögen dich“, stellte der Weihnachstmann fest.
Ich lächelte. Ich mochte die Rentiere und Rudi erkannte ich sofort.
„Hallo Fremder“, begrüßte Rudi mich.
„Hallo Rudi. Schön dich zu sehen“, grüßte ich zurück.
„Schön, schön“, unterbrach uns Santa. „Aber siehst du auch die Tannenbäume um uns herum?“
Sah ich die Tannenbäume? Ich war mir nicht sicher. Sollte es nicht einfach sein Tannenbäume zu sehen? Es waren doch nur Tannenbäume? Fehlanzeige. Die Rentiere waren einfacher gewesen. Was war an diesen Tannenbäumen so besonderes? Aber ich schaffte es nicht. Wieso sah ich die Tannenbäume nicht.
„Du willst es zu sehr“, erklärte Rudi mir. „Denk an deinen Traum. Was hast du da gesehen?“
Und das klappte irgendwie. Plötzlich sah ich die Tannenbäume. Sie standen genau dort, wo sie in meinem Traum gewesen waren. Ich lächelte, weil es mir gelungen war.
Auch Santa schien mit mir zufrieden zu sein. Er lächelte. „Doch kein hoffnungsloser Fall, was?“
„Also wirklich, Santa. Was glaubst du denn, wen ich mitbringe? Ich weiß schon, was ich tue“, regte sich Rudi auf.
„Ja, ja. Schon gut. Wir werden sehen. Das ist erst der Anfang. Wir haben noch einen langen Weg vor uns.“
„Immer so mürrisch der gute Herr Weihnachtsmann“, äußerte sich ein anderes Rentier.
„Na ja, was soll man sonst machen, wenn man so lange lebt wie ich“, meinte er  nur. „Ich denke jetzt widmen wir uns aber erst mal den theoretischen Teil. Hier können wir morgen weiter machen.“
Uff, das war ja so gar nicht meins, aber ich folgte dem Weihnachtsmann brav wieder ins Haus und auch hier hatte sich schon wieder etwas verändert.

Fortsetzung folgt …

Über Corly
Ich bin Bücherverliebt, Serienverrückt, eine Filmeliebhaberin, eine Geschichtenschreiberin, eine Patentante, eine Schwester, eine Cousine, eine Tochter, eine Tante, Blogschreiberin, Forengängerin, eine Kleindorfbewohnerin, eine Hobbyfotografierin, eine Buchsammlerin und eine Schwägerin in einer Person. :-)

2 Responses to Die Sache mit dem Rentier Teil 2

  1. Rina says:

    Die erste Nacht im fremden Bett – da gehen doch die Träume in Erfüllung. Gefällt mir das mit den nach und nach sichtbaren Dingen.

    Gefällt 1 Person

Ich freu mich über jeden Zauberkommentar von euch.

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