Writing Friday: Das magische Tintenfass

Heute bin ich auch wieder beim Writing Friday dabei mit dieser Geschichte:

 

Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Geschenk, Pinguin, Tintenfass, ruhig, zart

Das magische Tintenfass

Ich irrte schon seit Tagen durch diese Gegend. Ich hatte mich eindeutig verlaufen. Es war warm und trocken. Ich hatte Durst und war verzweifelt. Ich sah schon lauter Pinguine vor mir herlaufen. Moment mal, da waren ja wirklich mehr als ein Pinguin vor mir. Was machten die denn hier? Sollten sie nicht eigentlich am Nordpol ihr Unwesen treiben?
Sie schlenderten an mir vorbei, als gehörten sie hierher. Sie beachteten mich gar nicht. Doch dann blieb einer vor mir stehen. Er war so winzig und hatte ein Tintenfass in der Hand. Er überreichte es mir als wäre es ein Geschenk. Dann war der Pinguin so schnell weg, wie er gekommen war. Und was sollte ich jetzt mit dem Tintenfass. Verwirrt sah ich den Pinguinen hinterher.
Langsam ging ich weiter. Erstmal behielt ich das Tintenfass in meiner Hand. Dann steckte ich es in meine Tasche. Plötzlich fiel mir das Gehen viel leichter. Auch die Trockenheit machte mir weniger zu schaffen.
Und dann kam ich plötzlich an einen Hafen. Er war einfach aufgetaucht. Hier waren lauter Schiffe vor Ort. Verwundert sah ich mich um. Hier pulsierte das pure Leben und Stimmengewirr tönte von überall her. Und dann sah ich sie. Das schönste Mädchen der ganzen Welt. Sie hatte engelblondes, langes, seidiges Haar, ein ebenmäßiges Gesicht und glich dem Geschöpf einer Elfe. Ihr langes blaues Kleid wehte in der leichten Brise. Ich war fasziniert von ihr. Ich konnte den Blick gar nicht mehr von ihr abwenden.
Und dann fiel ihr Blick auf mich. Sie sah mich fast fragend an. Ich erwiderte ihren Blick. Dann kam sie auf mich zu und hielt den Atem an. Sie wirkte so ruhig und zart. Und dann stand sie direkt vor mir.
„Hallo, wo kommst du denn her?“, fragte sie. „Bist du neu hier? Ich kenne dich gar nicht.“
„Kennst du denn jeden hier?“, fragte ich sie.
„Nein, aber normalerweise kommt niemand aus der Richtung“, erklärte sie.
„Wie meinst du das?“, wollte ich wissen.
„Die Wüste ist gefährlich. Da geht niemand rein“, erklärte sie weiter.
„Ich komme aus der Wüste heraus“, gestand ich ihr. „Ich habe mich verirrt und dann kam ich hierher. Wo bin ich hier?“
„Du bist in meinem Land. Also gehörst du nun mir. Willst du mich auf meinem Schiff begleiten?“, fragte sie mich.
Ich wollte niemanden gehören, aber ich war neugierig. Also stimmte ich zu. Außerdem war sie echt hübsch. Aber vor allem war ich neugierig.
Und so landete ich auf der Papapgeienfähre. So wurde sie von allen genannt. Ein prächtiges Schiff mit allem, was man sich vorstellen kann. Ein Segelschiff.
Als wir gemeinsam an der Reling standen, fragte sie mich: „Wie heißt du eigentlich?“
„Kale“, antwortete ich. „Und du?“
„Marise“, antwortete sie.

Die Pappageienfähre war kein gewöhnliches Boot. Im Gegenteil. Es war voller Musik und Tanz. Musik erfüllte von überall her die See. Sogar die Fische im Wasser schienen zu tanzen.
„Wow!“, staunte ich.
„Schön, nicht?“, grinste Marise neben mir.
„Auf jeden Fall“, gab ich ihr Recht.
Ich verbrachte viele Wochen auf hoher See. Wir hielten nur selten an. Die Luft war klar und das Wasser immer blau. Ich erlebte viel und ich hörte viel. Einmal sahen wir einen Fischreiher ganz alleine auf dem Wasser schwimmen. Ein anderes mal schwamm ein einsamer Delphin an uns vorbei. Es war einfach zauberhaft.
Doch es war auch einsam und ruhig. Wir bereisten die schönsten Orte und entdeckten neue Welten.
Nach vielen Jahren fiel mir eines Tages das Tintenfass wieder ein, dass ich geschenkt bekommen hatte. Er hatte es mittlerweile auf seinem Schreibtisch stehen, aber er beachtete es gar nicht mehr. Doch plötzlich fiel sein Blick wieder darauf. Es leuchtete irgendwie auf. Verwirrt betrachtete er es. Was war das doch für ein seltsames Tintenfass? Und dann wollte er es entsorgen, aber es ging nicht. Es blieb einfach am Schreibtisch pecken. Verwundert sah ich es an.  Und dann sprang ein kleiner Pinguin aus dem Glas. Überall spritzte Tinte umher. Dabei hatte ich das Glas gar nicht aufgemacht.
Der Pinguin starrte mich an und grinste dann. Ich starrte zurück. Das Blickduell hielt ein bisschen an. Dann seufzte der Pinguin. Er seufzte wirklich.
„Also wirklich. Man könnte meinen du hast noch nie einen Pinguin gesehen“, tadelte er mich.
Ich schüttelte verdutzt den Kopf. Dann antwortete ich doch tatsächlich. „Doch, aber keinen sprechenden.“
„Immer wieder das Selbe bei euch Menschen. Mehr Fantasie würde euch gut tun.“ Er rollte mit den Augen, wenn man das so nennen konnte. „Natürlich kann ich reden. Was glaubst du, wie wir uns verständigen?“
„Per Tiersprache?“, schlug ich vor.
„Okay, lassen wir das“, gab der Pinguin schließlich auf.
„Warum bist du überhaupt hier?“, wollte ich dann wissen.
„Ich habe all die Jahre auf dich aufgepasst. Ich war an deiner Seite“, antwortete er.
„Und warum?“, fragte ich nur verwirrt. Ich verstand es einfach nicht.
„Weil du das sonst alles nicht erlebt hättest. Du bist im Besitz des magischen Tintenfasses“, erklärte er.
„Aha“, war meine einzige Antwort darauf und der Pinguin seufzte wieder.
„Das magische Tintenfass sorgt dafür, dass du magische Dinge erlebst und siehst“, führte er aus. „Doch das geht nur, wenn du im Besitz davon bist.“
„Und was heißt das jetzt?“, wollte ich jetzt wissen.
„Du kannst dich jetzt entscheiden. Es sind zehn Jahre um. Entweder du behältst das Tintenfass und diese Welt oder du entsorgst es.“ Er deutete vorwurfsvoll auf den Mülleimer.
„Oh, deswegen hast du dich aus deinem Versteck getraut.“ Endlich ging mir ein Licht auf.
„Genau.“ Erwartungsvoll sah er mich an.
Ich dachte darüber nach. „Wenn ich das Tintenfass abgebe, verliere ich alles, richtig?“
„Genau“, stimmte er mir zu. „Und du landest wieder in der Wüste.“
„Ich möchte hier bleiben. Also bleibt das Tintenfass auch hier“, entschied ich mich ziemlich schnell.
Und so verschwand der Pinguin wieder und ich lebte mein Leben weiter. Es war die richtige Entscheidung gewesen. Ich bereute es nie. Es war mein Leben und ich liebte es.

ENDE

So, es ist etwas verrückt geworden und ich habe mich irgendwie verzettelt, aber ich habe es geschafft. Was meint ihr zu dieser eher etwas crazy Geschichte?

8 Gedanken zu „Writing Friday: Das magische Tintenfass

  1. Eine wirklich schöne Geschichte. Ich mag das Fantastische und mir gefällt die Vorstellung einer magischen, farbenfrohen Welt immer sehr. In der Mitte des Textes bist Du übrigens kurzzeitig vom ´ich´ ins ´er´ übergegangen. Das tut der Geschichte aber rein gar keinen Abbruch, wollts Dich nur wissen lassen :- )

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    • Schön, dass es dir gefällt. Ich liebe ja auch Magie. Oh, ist mir gar nicht aufgefallen. Das passiert mir hin und wieder. Wobei es eigentlich eher andersrum ist, da ich eher in der Ich-Form schreibe.

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    • Danke. Schön, dass es dir gefällt. So soll es ja auch eigentlich sein. Schön, dass es mir doch halbwegs gut gelungen ist. Ja, mir fiel erst während des Schreibens ein, was ich daraus machen wollte.

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Ich freu mich über jeden Zauberkommentar von euch.

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