Writing Friday: Der Libellenjunge

Heute gibts wieder einen Writing Friday und ich bin mit dabei.

Schreibe eine Geschichte und flechte darin folgende Wörter mit ein: Gänsehaut, Libelle, rundherum, aufgeschrieben, 5 Jahre

Eine helle Sommerwiese breitete sich vor mir aus. Ich legte mich auf eine Decke und genoss die Sonne. Es war so schön hier. Ich liebte diese Zeit, wenn es ruhig war und ich erholen konnte. Das bereitete mir eine Gänsehaut.
Ich holte mein Buch aus der Tasche und fragte mich ob ich nicht zu entspannt zum Lesen war. Doch dann klappte ich es auf und versank in der Geschichte. Es ging um einen Jungen, der das Mädchen seiner Träume fand und es dann wieder verlor. Ich mochte den Jungen so sehr.
Plötzlich sah ich eine Libelle vor meinem Auge. Fasziniert betrachtete ich sie. Sie hatte kleine, zerbrechliche Flügel. Sie waren von einem sanften hellblau und sie zirpte. Es sah aus als wäre ein Flügel angeknackst.
„Oh, was ist denn mit dir passiert?“, fragte ich. Die Libelle setzte sich auf meinen Arm und fühlte sich ganz zart an. Es kribbelte ein wenig dort, wo sie saß. Und dann flog sie weg. Ich sah auf meinem Arm und bemerkte leichte, blaue Linien darauf.
Und dann stand plötzlich ein Junge vor mir. Verwundert starrte ich ihn an.
Er sah so unwirklich aus. Mit seinen blauen Haaren und dem wohlgeformten Körper wirkte er wie aus einer anderen Welt. Er sah mich die ganze Zeit nur an und ich starrte zurück.
„Hallo“, versuchte ich zaghaft eine Unterhaltung aufzubauen.
Er starrte mich nur weiterhin an.
„Wer bist du?“, fragte ich weiter.
Er reagierte immer noch nicht.
Ich seufzte frustriert. Wer war er?
Und dann kam er auf mich zu. Mir stockte der Atem. Plötzlich war er so nah. Er berührte mein Mal und nun drangen Bilder in mich ein. Ich sah ihn wie er mich schon länger beobachtete. Er zeigte mir wie ich auf der Wiese saß und las. Das machte ich so oft wie möglich. Und dann kam mir die Erkenntnis.
„Du bist die Libelle.“ Es war keine Frage sondern eine Feststellung.
Der Junge zeigte mir ein weiteres Bild von mir. Ich sah die Libelle. Die Szene war erst vor kurzen passiert. Ich hatte die Libelle entdeckt. Ich lächelte ihn an und dann nahm er meine Hand.
Und dann war ich plötzlich an einem anderen Ort. Ich stand auf einer Wiese. Um mich herum schwirrten Libellen. Neben mir stand der Junge und lächelte mir zu.
„Hi, ich bin Sam“, stellte er sich mir vor. „Und wie heißt du?“
„Sina“, antwortete ich überrascht. „Wo sind wir hier?“
„In meiner Welt“, antwortete er. „Eine besondere Welt.“
„Was bedeutet das?“, fragte ich.
„Komm, ich zeig es dir“, sagte er nur. Und dann liefen wir über die Wiese. Ich rannte wie ich nie zuvor gerannt war. Die Libellen folgten uns und überall, wo sie lang flogen, blühten bunte Blumen. Ich lachte und fühlte mich frei.
Der Junge beobachtete mich. Er warf mir ständig Blicke zu.
Als wir wieder bei unserem Ausgangspunkt angekommen waren, lachte ich.
„Das war toll“, fand ich.
„Und genau das ist meine Welt“, versuchte er zu erklären. „Hier ist alles möglich.“
Nun wurde ich traurig. „Aber ich gehöre nicht hierher.“
„Du könntest jederzeit wieder kommen“, schlug er hoffnungsvoll vor.
Dem stimmte ich zu. Das wollte ich unbedingt. Und so kam ich fast jeden Tag hier her. So oft wie möglich. Ich erlebte jeden Tag diese Magie voller Möglichkeiten.
An einem Tag wanderten wir durch die Berge und an einem anderen saßen wir an einem See und genossen die warme Sonne auf unseren Gesichtern. Mal reisten wir durch ferne Länder und mal wanderten wir durch die heiße Wüste. Ich erlebte viel mit Sam an meiner Seite. Rundherum waren es tolle Erlebnisse.
Doch irgendwann tauchte Sam nicht auf und ich blieb alleine. Ich kam immer noch jeden Tag zu der Wiese, aber Sam blieb verschwunden. Ich hatte Notizen für ihn aufgeschrieben, falls er doch noch kam, doch es tat sich nichts. Ich wurde einsam und zog mich in mich zurück. Doch dann lernte ich plötzlich einen Jungen kennen. Einen echten Jungen. Er erinnerte mich in vielerlei Hinsicht an Sam. Ich lebte glücklich, wenn auch kinderlos. Manchmal glaubte ich auf seinem Arm ein Schimmern zu erkennen. Es wirkte wie die Farben einer Libelle. Ein Lächeln huschte dann auf mein Gesicht, auch wenn wir nie darüber sprachen. Aber ich war mir sicher. Mein Mann war der Libellenjunge von vor fünf Jahren, und das machte mich glücklich.
Selbst in unserem Garten sammelten sich die Liebellen und er ging jeden Tag zu ihnen. Er war mein Leben und meine Freude. Für immer.

Ende

So, eine weitere Geschichte ist geschrieben. Was meint ihr?

2 Gedanken zu “Writing Friday: Der Libellenjunge

Ich freu mich über jeden Zauberkommentar von euch.

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