Das 7. Wort 2017: Wald: Verloren im Märchenwald

Das 7. Wort ist da und heißt Wald. Ich bin wieder mit dabei und hier ist meine Geschichte dazu.

Verloren im Märchenwald

Ich streife fast jeden Tag durch den Wald. Besonders im Sommer ist hier immer jede Menge los. Der Wald gibt mir die Ruhe, die ich nach der Hektik des Tages brauche. Hier kann ich sein wer ich möchte, unabhängig von dem, wer ich bin. Der Wald und ich, wir verstehen uns einfach.
Heute wirkt der Wald besonders mystisch. Die Sonne strahlt durch die Bäume und gibt einen fantastischen Glanz ab. Ich gehe also mal wieder durch den Wald und lasse die Sonne auf mein Gesicht strahlen. Ich lächele und gehe gedankenverloren weiter.
Plötzlich erscheint vor mir ein Märchenpfad im wahrsten Sinne des Wortes. Richtige Märchenfiguren also. Nicht dieser Märchenpfad mit den Bildern und Figuren. Plötzlich stehe ich wirklich vor Schneewittchen, die gerade angeregt mit Dornröschen diskutiert. Mich bemerken sie erst mal gar nicht.
“Wieso muss hier immer alles so kompliziert sein? Hat Rumpelstielßchen schon wieder Die Schöne enführt?“, seufzte Schneewittchen genervt.
“Ja, er scheint sie zu mögen. Ich bin mir nicht sicher, ob man überhaupt von entführen reden kann. Ich glaube sie ist freiwillig mitgegangen“, überlegte Dornröschen nun.
“Das kann ich mir kaum vorstellen. Sympatisch ist er ja nicht gerade“, bermekte Schneewittchen abfällig.
“Ach komm, Schneewittchen. Sei doch nicht so“, rügte Dornröschen sie. „Er ist doch gar nicht so schlimm und die Schöne hatte schon immer einen extravaganten Geschmack.“ Dornröschen zwinkerte Schneewittchen keck zu.
“Stimmt auch wieder.“ Schneewittchen nickte vor sich hin. „Stimmt es eigentlich, dass Aschenputtel endlich ihren Prinzen bekommen hat?“
“Ja, hab ich auch gehhört. Wurde ja auch endlich mal Zeit. Das hat ja ewig gedauert. Die furchtbaren Stiefschwestern sollen sie die ganze Zeit tyrannisiert haben.“ Dornröschen lächelt nun.
“Ja, die haben echt verdient, was sie bekommen haben. Wir müssen Aschenputtel mal wieder besuchen.“ Nun fällt Schneewittchens Blick auf mich und sie starrt mich einfach nur an. Auch Dornröschen entdeckt mich dann.
“Hallo, wer bist du denn? Bist du neu hier?“, begrüßte sie mich freundlich. Auch hier waren wir im Wald. Dennoch war mein Outfit nicht gerade klassisch Märchenweltstil.
“Ja, ich bin geflüchtet und irgendwie hier gelandet“, antwortete ich unsicher.
“Kommst du aus dem fernen Moorland?“, fragte Schneewittchen und musterte mich ungeniert.
“Nein“, antwortete ich perplex. Redete ich wirklich gerade mit Märchenfiguren?
„Dann kommst du vielleicht aus dem Seeland. Da soll es so schön sein?“, schwärmte Dornröschen.
“Nein“, antwortete ich erneut.
“Vielleicht weiß sie nicht wo sie herkommt?“, überlegte Scheewittchen nun an Dornröschen gewandt.
“Ich weiß schon, wo ich herkomme, aber das ist weit weg und vermutlich würde mir eh keiner glauben“, gestand ich nun. Außerdem wusste ich nicht wie ich zurück kommen konnte.
“Versuch es doch einfach“, forderte mich Schneewittchen heraus. „Glaub mir. Wir haben hier schon so viel erlebt. Da kann uns so schnell nichts mehr schocken.“
“Ich komme aus einer anderen Welt und war im Wald und plötzlich landete ich hier“, erklärte ich also.
Und da standen Dornröschen und Schneewittchen und starrten mich nur an.
“Okay, das hatte ich jetzt nicht erwartet“, gestand Schneewittchen. „Ist wohl doch ein größeres Problem. Wen können wir da bloß ins Vertrauen ziehen um dir zu helfen?“
“Fragt doch einfach mich“, sagte da eine piepsige samtige Stimme und plötzlich flatterte eine winzig kleine gelbe Fee zu uns.
“Oh, nein. Tinker. Was machst du denn hier?“, stöhnte Dornröschen.
“Ich wohne hier. Ich bin immer hier“, antwortete sie und flatterte aufgeregt hin und her.
Dornröschen schüttelte nur genervt mit dem Kopf.
„Ähm, danke Tinker, aber wir kommen schon klar“, versuchte auch Schneewittchen sie abzuwimmeln.
„Ich kann wirklich helfen“, beharrte Tinker aber dennoch.
„Vielleicht ist es ja gar nicht so schlecht“, lenkte Dornröschen nun ein. „Wenn wir nicht weiter wissen könnte sie nützlich sein.“
„Na schön. Wir sollten zum Schloss gehen“, beschloss Schneewittchen dann. „Vielleicht können sie dir da helfen.“
Ich nickte und wir zogen gemeinsam los.

Das Schloss war genauso wie ich mir ein Märchenschloss schon immer vorgestellt hatte. Edel und alt. Die goldenen Mauern umrahmten diesen Eindruck noch und die Brücke über den Fluss ebenfalls. Es sah wunderschön aus. Auch von innen änderte sich da nichts. Die alten Mauern und die wunderschönen Fliesen sowie die Bilder an den Wänden erzählten ihre ganz eigenen Geschichten. Die Bilder zeigten verschiedene Märchenfiguren und ihre Epochen.
Die zwei Märchenfiguren führten mich in einen großen Saal, wo schon einige Personen waren und auf dem Thron ganz vorne auf der Bühne zwei Menschen saßen. Wir gingen direkt auf sie zu und blieben vor ihnen stehen. Erwartungsvoll sah der Mann zu Schneewittchen.
„Wen hast du da mitgebracht, Schneewittchen?“, fragte er neugierig.
„Wir haben sie im Wald getroffen. Sie hat sich verlaufen“, erzählte diese.
„Wie heißt du?“, fragte der Mann mich.
„Alice“, antwortete ich.
„Ah“, machte es im Sal und die Märchenfiguren lächelten einander an. „Wir haben schon von Alice im Wunderland gehört. Dann wissen wir wo du hingehörst.“
„Nein“, stöhnte ich nur. „Ich heiße nicht El-liss sondern A-ließ“, korrigierte ich die Märchenwelt.
„Das Mädchen scheint echt verwirrt zu sein“, flüsterte eine Frau mittleren Alters in einem langen blauen Kleid. „Soll Alice nicht immer so verträumt sein?“
Eine andere Frau nickte. „Verträumt ist wohl das richtige Wort.“
„Ich bin aber nicht aus Alice im Wunderland. Ich bin überhaupt keine Märchenfigur“, brauste ich sofort auf.
„Märchenfigur? Was redest du da, Liebes?“, fragte die Frau neben dem Mann auf dem Thron während er fragte: „Was ist ein Märchen?“
„Das versuche ich euch schon seit Jahren zu sagen“, meldete sich nun Tinker zu Wort. „Wir sind alle aus Märchen. Das weiß ich seit ich dieses Märchenbuch gefunden habe. Ihr wisst schon. Ich bin aus Peter Pan.“ Dann zeigte sie nacheinander auf Schneewittchen und Dörnröschen. „Du aus Schneewittchen und du aus Dornröschen.“
„Nicht schon wieder“, stöhnte Dörnröschen.
„Aber sie hat recht“, verteidigte sich Tinker. „Ihr seid wirklich Märchenfiguren.“
„Papperlapapp! Ich glaube nicht an Märchen. Das ist doch albern. “ Der König hatte sich erhoben und sah aufgebracht zwischen Tinker und mir her. „Wenn wir Märchenfiguren sind wer bist du denn?“ Er schüttelte nur ungläubig mit dem Kopf und murmelte anschließend etwas, was klang wie: „Wo ist nur Kel, wenn man ihn braucht.“
„Du brauchst Kel nicht. Du kommst auch so zurecht“, wandte sich nun die Frau neben ihm an ihn, die die Königin sein musste.
„Ich bin ausserdem schon hier“, meldete sich dann eine Jungenstimme zu Wort. Wir drehten uns alle zu ihm um. Er war eine beeindruckende Märchenfigur und kam mir ausserdem bekannt vor. War er überhaupt aus einem Märchen?
„Hallo Alice. Ich wusste, dass du es bist, die kommt und mich rettet.“ Er strahlte mich an und plötzlich erkannte ich ihn. Das war Kelvin. Mein bester Freund Kelvin. Er war vor Ewigkeiten entführt worden und der Erste, der meinen Namen hier richtig aussprach. Nämlich deutsch und nicht englisch.
„Was machst du hier?“ Ich starrte ihn einfach nur an und konnte ihn nur anstarren, aber er zog mich nur in eine Umarmung.
„Dich mitnehmen“, antwortete er nur. Dann drehte ers ich zu Tinker um und fragte lächelnd: „Bereit?“
Diese nickte nur. Kel schnappte sich meine Hand, Tinker fasste ihn an und dann schwebten wir aus dem Saal durch die Fenster in den Himmel hinein und dann landeten wir plötzlich wieder zu Hause auf meinem Fenstersims.
Sprachlos starrte ich Kel an: „Wieso konntest du nicht allein zurück kommen?“
„Weil ich ohne dich nicht vollständig bin.“
Doch da unterbrach uns Tinker, die wütend mit ihren kleinen Füßen aufstampfte. „Diese blöden Märchenfiguren. Wieso sind sie bloß so engstirnig?“
„Reg dich ab Tinker. Das wird sich wohl nicht mehr ändern“, grinste Kel sie an.
„Ich bin froh, dass du wieder hier bist“, sagte Tinker schließlich.
„Und bin noch viel froher darüber“, schloss ich mich dem an.
„Froher? Gibts das Wort überhaupt?“ Kel kam aus dem Grinsen gar nicht mehr heraus.
„Ach du“, sagte ich nur und lehnte ich an. Doch dann bedankte ich mich anständig bei Tinker und sagte: „Wir sollten jetzt den anderen mitteilen, dass du wieder da bist. Sie machen sich alle Sorgen um dich.“
„Okay, sagte er. Tinker flog davon und wir machten uns auf den Weg nach unten zu meinen Eltern. Seitdem hegten wir eine enge Freundschaft zu Tinker.

Ende

Juhu, geschafft. Erst fiel mir nicht so richtig was ein und dann ganz viel. Ich hoffe es gefällt euch.

 

Bloggeschichte: Das alte Herrenhaus Teil 9

Endlich, endlich, endlich ist es so weit. Der nächste Teil vom Herrenhaus gibts nun von mir. Der letzte ist ja schon ewig lange her, aber ich bin nie dazu gekommen was neues zu schreiben, aber jetzt gehts weiter mit Moritz und Louisa, denn diese Geschichte liegt mir irgendwie am Herzen.

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Was bisher geschah:

Louisa und Moritz suchten gemeinsam nach einer Möglichkeit Louisa in ihre Zeit zurück zu bringen. Dazu besuchten sie Moritz Freund Richard, der möglicher Weise eine Idee haben könnte sie zurück zu schicken. Danach besuchen sie den Markt von dem Louisa fasziniert ist. Dort wird Moritz von Jemanden angesprochen, der ihn überrascht hat …

Und so gehts weiter:

„Moritz, was machst du denn hier? Du gehst doch sonst nich raus“, wunderte sich der Mann. Er war ziemlich fein gekleidet und trug eine Perrücke.
„Ich habe eine Freundin zu Besuch und wollte ihr die Stadt zeigen“, erklärte Moritz ihm, doch ich spürte auch, dass sich alles in ihm versteifte.
Der Mann musterte mich interessiert und lange, was mir unangenehm war.
„Entschuldigen Sie, Miss. „Wie unhöflich von mir. Ich sollte mich vorstellen. Mein Name ist Thomas Ernst. Mit wem habe ich das Vergnügen?“ Er reichte mir galant seine Hand.
„Ich bin Louisa“, antwortete sie schlicht.
„Wenn du uns entschuldigen würdest“, beeilte sich Moritz zu sagen. „Wir wollten gerade eigentlich weiter.“
„Aber, aber Moritz. Ich bitte dich. Wir können uns doch nicht treffen und dann nicht auf alte Zeiten trinken“, beschwerte sich Thomas lächelnd und viel zu zuckersüß.
„Alte Zeiten sind vergänglich“, beahuptete Moritz nun weise. „Außerdem ist die Schenke ja wohl kaum der richtige Ort für Louisa.
„Wer sagt denn was von der Schenke?“, lachte Thomas. „Dann gehen wir doch lieber zu mir nach Hause. Dort ist es viel gemütlicher.“ Wieder warf er mir einen anzüglichen Blick zu. Ich drückte mich näher an Moritz, was dieser natürlich bemerkte.
„Tut mir wirklich Leid, aber wir müssen nun los“, wehrte Moritz ab.
„Na gut“, gab dieser schließlich doch nach. „Da kann man nichts machen.“ An mich gewandt sagte er: „Es hat mich gefreut, Sie kennen zu lernen.“
„Mich auch“, gab ich zurück, obwohl das gelogen war. Er war mir einfach unangenehm.
„Dann auf Wiedersehen.“ Er zog sich endlich zurück und ich war wieder mit Moritz allein. Er führte mich schnell zur Kutsche zurück.
„Der Typ war unheimlich“, merkte ich an.
„Ist er auch. Er ist ein Schleimer. Thomas hat viel Geld und gibt gern damit an“, erklärte Moritz mir, während die Kutsche uns nach Hause brachte.
„Woher kennst du ihn?“, wollte ich wissen.
„Er kommt aus der Stadt. Er ist so gut wie auf jeder feinen Veranstaltung der Gesellschaft. Moritz schien sich langsam wieder zu entspannen, jetzt da wir in der Sicherheit der Kutsche waren. „Vertrau ihm nicht. Er ist ein übler Kerl.“
„Ich werde es mir merken“, versprach ich ihm. Und das meinte ich auch so. Ich wollte nichts näheres mit dem Typen zu tun haben.

Als wir wieder zu Hause waren verstaute ich meine Sachen und machte mich frisch so gut es in diesem Jahrhundert ging. Dann ging ich runter zu Moritz und wir bereiteten das Abendessen zu. Als es fertig war setzten wir uns in die Küche und aßen schweigend. Moritz beobachtete mich immerzu.
„Was ist?“, fragte ich ihn schließlich lächelnd und nervös.
„Nichts. Ich hatte mich nur gerade gefragt, was wir die nächsten Tage machen. Was möchtest du machen?“ Abwartend sah er mich an.
„Ich weiß nicht. Ich kenne mich in diesem Jahrhundert zu wenig aus“, gab ich zu. „Was können wir denn machen?“
„Ach, da gibt es viele Möglichkeiten“, überlegte er. „Aber ich glaube am liebsten würde ich mit dir hier bleiben.“
„Und ich soll mir die Welt hier entgehen lassen?“, grinste ich. „Dabei ist sie doch so interessant.“
„Dafür kannst du mich haben“, bot er sich großzügig lächelnd an.
„Klingt verlockend. Ich werde darüber nachdenken“, versprach ich.
„Was gibts denn da drüber nachzudenken? Das ist ein verdammt verlockendes Angebot“, scherzte Moritz.
„Na gut, du hast gewonnen“, gab ich viel zu schnell nach.

Am Abend legten wir uns auf die mittelalterliche Couch und genossen unsere Zweisamkeit. Ich dachte schon, Moritz wäre eingeschlafen, aber dann fragte er mich: „Was machst du, wenn du wieder in deiner Welt bist?“ Er klang dabei sehr traurig.
„Ich werde zunächst mal gucken wie viel Zeit vergangen ist. Dann werde ich meine Wohnung aufsuchen und meine Freunde und …“ Ich zögerte weiter zu sprechen. „… mein Leben weiter leben.“
„Das klingt gut“, fand er nur.
„Moritz, ich kann nicht bleiben.“versuchte ich es noch einmal.
„Ich weiß“, sagte er nur.  „aber wünschen darf ich es mir doch.“ Und dann drehten wir uns zueinander und kuschelten uns aneinander und küssten uns. So schliefen wir dann auf der Couch ein.

Fortzsetzung folgt …

Und was sagt ihr zu diesem Teil des Herrenhauses?

Schreibklick 2: Kommt mit mir ins Perlenland

Abkühlung war eine Herausforderung, weil es auch so nah an Hitze ist. Deswegen ist diese Geschichte wohl etwas konfus ausgegangen.

Perlenland

Im Sommer ist es bei uns im Perlenland immer ziemlich heiß. Dann spielt sich unser Leben am Abend oder in der Nacht ab. Wir ändern unseren Schlafrhytmus um uns der Hitze anzupassen. Nachts ist es ganz angenehm und wir können auch im Dunkeln sehr gut sehen. Hitze können wir dagegen gar nicht gut ab.
Ich bin zwar keine Einheimische, wohne im Perlenland jetzt aber schon seit Jahren. Alles ist hier aus Perlen gemacht. Unsere Häuser, unsere Straßen, unsere Möbel, die Straßen, einfach alles. Eine Welt voller Perlen. Es war wirklich faszinierend. Vor allem lief die Zeit hier auch ganz anders. Hier lebten wir einfach ganz anders. Wir tun hier was wir wollen und sind glücklich dabei.
Mittlerweile zähle ich mich sogar mit zu den Perlenmenschen. Solange lebe ich nun schon hier.
Gerade sitzen wir am Lagerfeuer, was ziemlich das Einzige war, was nicht aus Perlen bestand. Aber einge Perlen tanzen darin herum. Leise Musik spielt im Hintergrund und wir sind fröhlich gesinnt.
„Hey Lora, du siehst toll heute aus!“, ruft mir Clay von der anderen Seite des Feuers aus zu. Eigentlich ist es ja seltsam, dass wir der Hitze aus dem Weg gehen, aber noch am Feuer sitzen. Allerdings finde ich diese Stimmung wunderbar romantisch.
Ich grinse Clay nur an. Er macht mir ständig Komplimente. „Danke, Clay. Du auch.“
„Willst du nicht endlich doch mit mir ausgehen?“, fragt er vor allen Leuten nicht das erste Mal.
„Ach, Clay. Nicht schon wieder. Das hatten wir doch schon“, seufze ich nur. Er ist süß, aber nicht wirklich mein Typ.
„Gib dir einen Ruck, Lora. Tus für mich“, bettelt er ungerührt weiter.
„Wo würdest du denn mit ihr hin wollen?“, fragt Sorn Clay nun. Er ist ein Freund von Clay und immer an Clays Leben interessiert. Manchmal sogar mehr als an sein eigenes.
„Nach draußen natürlich“, antwortet Clay, als sei es das Selbstverständlichstse auf der Welt.
„Nach draußen?“, frage ich entsetzt. „“Das ist doch nicht dein Ernst! Es heißt mittlerweile dort sei nichts als Hitze. Auch in der Nacht. Ich bin einst von dort hierher geflüchtet. Wie ein paar andere auch. Da draußen ist nichts mehr.
„Bist du nicht neugierig auf die Welt außerhalb dieser Mauern?“, fragt Clay mich. Er tut so als seien die anderen gar nicht da.
„Nein. Ich weiß, was mich dort erwartet. Und zwar Nichts“, antworte ich. „Nichts als Hitze. Hier sind wir sicher davor. Dort draußen nicht.“
„Das kannst du doch nicht wissen. Seit du hier bist sind Jahre vergangen“, beharrt Clay weiterhin. „Komm mit mir da raus.“
„Tus nicht“, ruf Sol mir noch zu, doch ich habe mich längst entschieden. Clay hat recht. Es ist Jahre her. „Na gut, gehen wir raus …“

Am Morgen starten wir einen Versuch. Ich bin immer noch unsicher und liebe eigentlich die Perlenwelt, aber mal wieder was anderes zu sehen reizt mich einfach.
„Bist du sicher, dass du das willst?“, frage ich ihn noch einmal.
„Kneifst du jetzt etwa?“, neckt er mich.
„Nein“, antworte ich schlicht.
Also nimmt Clay meine Hand und wir setzten gemeinsam einen Fuß hinter die Perlenwelt. Und dann noch einen und noch einen und immer weiter. Vor uns liegt die Wüste, die Ödnis. Es wird immer heißer, je weiter wir gehen.
„Vielleicht hatte ich doch recht“, sage ich gerade als sich etwas verändert. Es schimmert um uns herum und dann blidet sich eine Stadt direkt vor unseren Augen als wäre sie gearde neu geboren worden. Eine Stadt, in der es offenbar nicht glühend heiß ist, sondern eher tropisch. Zumindest weht tropischer Wind auf uns zu.
„Wow, und das lag die ganze Zeit vor unserer Nase“, staunt Clay und reißt die Augen auf.
„Wenn das die anderen erfahren. Hier gibts mehr Abkühlung als bei uns“, schließe ich mich dem Wunder an.
Doch dann verschluckt uns die Stadt. Wir werden praktisch reingezogen.
Plötzlich erklingt eine Stimme über uns. „Willkommen in Waver City. Bitte melden Sie sich in Gebäude A 7 in unserem Rathaus. Wir werden Ihnen eine Wohnung und eine Aufgabe zuteilen.“
Clay und ich sehen uns beide verwirrt an. Clay fragt mich: „Was machen wir denn jetzt? Sind wir hier gefangen?“
„Keine Ahnung.“ Ich zucke ratlos mit den Achseln.
„Lass es uns herausfinden“, rät Clay.
„Können wir nicht einfach zurück gehen?“, frage ich Clay, aber als er es versucht kommt er nur in die nächste Straße.
„Offenbar nicht“; bemerkte er trocken.
„So ein Mist!“, stöhnte ich. „Na ja. Dann lass uns erst mal sehen, was das für eine Stadt ist. Vielelicht ist es gar nicht so übel hier. Auf jeden Fall ist es bestimmt kühler und angenehmer als bei uns.“
Also machen wir uns auf den Weg ins Innere der Stadt. Worauf habe ich mich da bloß eingelassen? Wenigstens bin ich nicht allein. Clay ist bei mir. Das beruhigt mich etwas. Also auf in die Abkühlung. Kann nur schief gehen …

Ende

Erst dachte ich die Geschichte sei total konfus, aber irgendwie hat sie auch was. Ich mag sie. Jetzt bin ich gespannt. Was sagt ihr dazu?

Die kleine Spielzeugfigur Teil 7

Ich bin leider ewig nicht mehr dazu gekommen meine Spielzeugfigur weiter zu schreiben, aber ich möchte es unbedingt machen, denn es soll ja weiter gehen. Also seid gespannt was Dennis und Sim noch so zusammen erleben.

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Was zuletzt geschah:

Sim und Dennis treffen auf einem Kirmes andere Spielzeugfiguren. Rebellen, die für ihre Rechte kämpfen. Sie wollen Dennis und Sim mit einbeziehen, aber erst mal wollen sie sie kennen lernen und besonders Dennis sind sie misstrauisch gegenüber.

Die kleine Spielzeugfigur Teil 7

Wir waren wieder zu Hause endlich. Ich ging mit Sim auf mein Zimmer und begann mit meinen Hausaufgaben. Sim war immer noch ganz aufgeregt und hüpfte die ganze Zeit wild und ab. Ich konnte nicht behaupten, dass ich mich gut konzentrieren konnte.
„Es gibt noch mehr von uns, es gibt noch mehr von uns. Können wir morgen wieder dahin fahren und mehr erfahre?“ Sim saß auf meinem Schreibtisch auf meinem Lap Top und machte mich damit fast wahnsinnig.
„Sim, jetzt gibt endlich Ruhe. Ich muss mich konzentrieren. Dein Rumgehüpfe macht mich wahnsinnig“, schalt ich den kleinen Kerl.
„Können wir wieder dahin?“, fragte Sim unbeirrt weiter. „Bitte, bitte, bitte.“
„Du gibts ja doch keine Ruhe“, seufzte ich ergeben.
„Juhu, juhu, juhu“, jubelte Sim und hüpfte noch mehr auf und ab. Dann fragte er mich: „Und was machen wir heute noch so?“
„Wie meinst du das?“, fragte ich verwirrt, da ich gerade an einer schwierigen Matheaufgabe saß.
„Was wir jetzt machen. Können wir Kika gucken? Da kommt immer Robin Hood! Das ist toll“, fragte Sim mich begeistert.
„Ich denke, aus dem Alter bin ich mit Sicherheit raus“, teilte ich ihm nicht gerade begeistert mit.
„Na komm, tus für mich. Du machst doch sowieso noch Hausaufgaben“, versuchte Sim mich zu überreden.
„Na schön“, seufzte ich und machte ihm den Fernseher an. Den Ton stellte ich so leise wie möglich, aber das übertönte nicht Sims Geräusche, der bei der Serie richtig mitfieberte. Ich seufzte und versuchte mich auf meine Hausaufgaben zu konzentrieren. Ich war froh, als ich damit fertig war und die Schulsachen für den nächsten Tag einpacken konnte.
Ich setzte mich zu Sim und verfolgte die Serie ein wenig, die schon fast vorüber war.
Als sie zu Ende war fragte ich Sim: „Du weißt aber schon, dass der richtige Robin Hood Film viel cooler ist, oder?“
Sim sah mich geschockt an: „Aber das hier ist doch der richtige Robin Hood!“
„Ja, schon. Stimmte ich ihm zu. Aber es gibt noch andere Filme davon. Das hier ist eine Serie. Da gibts einen Film mit Kevin Costner. Der ist richtig gut“, klärte ich Sim auf.
„Wer ist Kevin Costner. Ich dachte, es geht um Robin Hood?“, fragte Sim verwundert.
„Das ist der Schauspieler, der Robin Hood spielt.“ Ich lachte über sein verdutztes Gesicht.
„Ach so.“ Sim schien kurz zu überlegen. Dann fragte er mich: „Können wir den gucken?“
Ich seufzte. „Erst muss ich noch mal runter. Ich habe meine Familie heute noch gar nicht gesehen. Aber solange kannst du gerne noch Fernsehen gucken.“
„Na klar“, nickte ich nur.
„Weiter Kika?“, strahlte er mich an.
„Von mir aus.“ Und somit ging ich runter.

Meine Eltern waren in der Küche und meine Mutter rührte in irgendeinem Topf. Meine Mutter sah auf als ich den Raum betrat. Sie schenkte mir ein Lächeln.
„Hallo Dennis, wie war dein Tag?“, fragte sie mich.
„Ganz gut und deiner?“, fragte ich zurück und stellte mich zu ihr an die Theke.
„Auch ganz gut. Das Essen dürfte bald fertig sein. Kannst du bitte den Tisch decken?“, bat sie mich.
Während ich den Tisch deckte kam meine Schwester in den Raum. Als sie mich sah fragte sie: „Hast du den Fernseher angelassen?“
„Oh ja, könnte sein. Manchmal passiert mir das“, gab ich zu.
„Dann schalt ihn bitte aus“, wurde ich gebeten. „Zu viel Strom.“
„Natürlich.“
Also ging ich noch mal nach oben zu Sim und machte den Fernseher leiser.
„Hey, was soll das?“, beschwerte er sich lautstark.
„Meine Familie stört der Fernseher. Er ist zu laut. Eigentlich sol ich ihn ausschalten. Also mach ich ihn einfach leiser“, erklärte ich Sim.
„Oh, man. Na gut“, gab Sim Gott sei Dank nach. „Aber bleib nicht so lange weg, okay?“
„Ich muss jetzt mit meiner Familie essen gehen. Dann komme ich wieder“, versprach ich. „Du hast doch Beschäftigung.“
„Na gut. Dann guck ich weiter Kika“, erklärte Sim und so ging ich nach unten zu meiner Familie. Es lief immer gleich ab. Unsere Eltern stellten uns Fragen über unseren Tag, dann ging es weiter zum Wetter und dann zur Familie. Das Essen war lecker, aber ich wollte zu Sim. Solange er Fernsehen guckte war es ziemlich sicher mit ihm, aber danach? Dafür konnte ich nicht garantieren.
Also verabschiedete ich mich ziemlich schnell mit der Begründung ich sei müde. Schlißlich gesellte ich mich wieder nach oben zu Sim.
„Willst du immer noch Robin Hood gucken?“, fragte ich ihn und warf ihm einen prüfenden Blick zu.
„Natürlich!“, sagte Sim, ohne groß zu überlegen.
„Na gut.“ Und so machte ich den DVD Player an und schmiss die DVD rein. Sim hing an Kevin Costner wie ein kleines Kind beim Öffnen von Weihnachtsgeschenkte. Offenbar hatte ich hier einen hausgemachten Robin Hood Fan vor mir sitzen. Das amüsierte mich. Wir guckten noch diesen Film, aber dann schickte ich uns beide ins Bett. Morgen war wieder Schule und wer wusste schon so genau, was Sim da alles anstellen würde. Sicherlich war genügend Schlaf da nur von Vorteil. Sim schlief in seiner Schublade sofort ein während ich mich lächelnd umdrehte. Auch ich war müde und brauchte nicht lange zum Einschlafen. Ich träumte von einer kleinen rebellischen Spielzeugarmee. Ich musste dringend an meinen Träumen arbeiten. So ging das nicht weiter.

Fortsetzung folgt ….

Endlich, endlich, endlich ist ein weiterer Teil meiner Spielzeugfigur fertig. Ich freu mich schon auf den nächsten Teil. Aber vorher schaffe ich hoffentlich einen weiteren Teil meiner Herrenhausgeschichte. Ich hoffe dieser Teil hat euch gefallen und ihr habt nach der langen Zeit Pause wieder reingefunden.

Das Splitterkabinett Teil 2

Und hier kommt der zweite Teil meiner Spiegelsplittergesellschaft. Dann mal los.

Das Splitterkabinett Teil 2

In der nächsten Woche sahen wir uns das Splitterkabinett nun wirklich mal an. Das war auch gut so, weil Leo praktisch von nichts anderen mehr redete. Es war in einem großen Gebäude mit Klinkersteinen. Es wirkte hübsch, aber nicht besonders. Als wir eintrafen betraten wir eine Eingangshalle mit vielen Spiegeln drin. Am Empfang saß eine ältere Dame, die uns interessiert musterte.
„Wir möchten uns gerne das Splitterkabinett ansehen. Samt Splitterwesen“, sagte Leo freundlich.
„Einen Moment, bitte.“ Die Empfangsdame drückte auf einen Knopf und wenig später kam eine Gestalt zu uns. Er war halb Mann, halb Spiegelsplitterwesen.
„Sie wollen sich also unser Kabinett ansehen?“, fragte er und musterte uns ebenso neugierig wie die Empfangsdame eben.
„Allerdings“, bestätigte Leo ihm.
„Dann folgt mir, bitte.“ Wir werden durch einen langen Gang geführt, an dessen Ende sich Fahrstühle befanden. Wir stiegen ein und begeneten weiteren Spiegeln. Sofort veränderte sich der Mann und passte sich den Spiegeln vollkommen an. Das einzige, was ihn von den Spiegeln unterschied waren die Splitter und der Schimmer, der ihn umgab.
„Wie funktioniert das so?“, fragte Leo unseren Gegenüber. „Wie werdet ihr zu den Splitterwesen?“
„Ihr müsst eins werden mit der Magie“, erklärte er uns als wären wir seine Kinder.
„Der Magie?“, fragte Leo verblüfft.
„Die Magie der Spiegel. Verinnerlicht sie und werdet wie sie.“ Er deutete auf die Spiegel an der Wand. „Ihr müsst die Spiegel spüren.“
Okay. Das war krass. Magie? Das konnte doch nicht sein.
Die restliche Fahrt velief schweigend bis wir schließlich oben ankamen und die Türen aufgingen. Da staunten wir nicht schlecht. Wir gelangten in eine vollkommene Spiegelwelt.
„Willkommen in unserem Spiegelkabinett“, verkündete der Mann. „Mein Name ist Kab und dass sind meine Freunde.“ Eine Reihe von Spiegelwesen starrte uns entgegen.
„Wow“, hauchte ich nur.
Es sah wirklich beeindruckend aus. Diese vielen Spiegelsplitter auf einem Haufen.
„Versucht es selbst“, forderte der Mann uns auf und plötzlich merkte ich den Spiegelsplitter, den ich aufbewahrt hatte, aufgeregt in seinem Kästchen zappeln, ohne mich zu verletzten.
„Oh, du bist Splitter.“
„Was? Woher kennst du meinen Spitznamen?“
Kab deutete auf Leo und ich sah ihn fragend an.
„Als der Spiegelsplitter dich erreichte hast du dich mit dem Spiegelkabinett verbunden. Du bist der Anfang!“
„Woher weißt du das?“, fragte ich ihn staunend.
„Kab hat mich aufgespürt nachdem er dich gesucht hat. Er wollte, dass ich dich hierher bringe“, gestand er mir.
Bevor ich weiter nachfragen konnte forderte mich Kab auf: „Denk an das, zu dem du werden willst. Du gehörst zu uns.“
Also dachte ich an die Spiegel und Splitterwesen, die ich gesehen hatte und wurde einer von ihnen. Ich verband mich mit ihnen und war plötzlich wie Kab.
„Willkommen zu Hause“, grinste Kab und von da an geriet ich in eine vollkommen neue und wunderbare Welt, aber Leonard blieb immer an meiner Seite. Auch er bekam einen Spiegelsplitter geschenkt.

Ende

Und was sagt ihr zu den Spiegelsplitterwesen und dem Ende. Etwas kürzer diese beiden Teile, aber immerhin.

Das 6. Wort 2017: Splitter: Das Spiegelkabinett

Das sechste Wort ist an der Reihe und ich bin gerne mit dabei, denn ich habe eine Geschichte zum Wort Splitter erfunden.

Das Splitterkabinett Teil 1

„Splitter!“, rief Leonard mir zu. Er stand ein paar Meter von mir entfernt und grinst mich an. „Komm, trau dich!“
„Du weißt, dass ich diesen Kirmes hasse. Muss das sein?“, fragte ich ihn nur.
„Du kannst dich nicht ewig davor drücken. Na komm schon, Splitter. Das wird lustig.“
Ich hasste es, wenn er mich so nannte. Den Beinamen hatte ich bekommen als ich den Splitter eines Spiegels fand. Winzig klein. Seitdem steckte er immer in einem Kasten, den ich mit mir in meiner Hosenstasche rumtrug. Manchmal holte ich den Splitter raus und dann fing er oft in allen Farben an zu schimmern. Eigentlich hieß ich Clementine, aber so nannte mich in meinem Freundeskreis kaum noch Jemand.
„Na los, Splitter“, lockte mich Leonard weiter. „Tu es für mich.“
Mist! Aus der Sache kam ich nicht mehr raus. Wenn er mir so kam gewann er immer. Das wusste er auch ganz genau.
„Na schön“, gab ich also auch nach. „Aber nenn mich nicht Splitter.“
„Wie denn dann?“, neckte er mich. „“Clemmi, Split oder doch lieber Clem?“
Ich seufzte und antwortete nur: „Clem ist schon in Orndung.“
„Okay Clem. Dann lass uns loslegen.“ Er griff nach meiner Hand und zog mich Richtung Kirmes. Ich ließ mich jedes Jahr aufs neue dazu überreden. Sowas Dummes aber auch.
Ich hielt mich dicht an Leos Seite. „Aber wehe der blöde Clown ist wieder da“, warnte ich ihn. „Der ist wirklich gruselig. Demnächst verfolgt er uns noch mit einer Drohne.“
„Ach komm schon!“ Leo lachte nur. „Der ist doch harmlos. Ich wette der hat nicht mal eine Drohne.“
Und so war mein Schicksal besiedelt. Wir giengen auf den Kirmes. Wie jedes Jahr.

Der Kirmes war voller Leute. Menschenmengen mochte ich nicht. Ich drängte mich eng an  Leo und er nahm wie so oft, wenn ich mich unwohl fühlte, meine Hand in seine. Er war wie immer mein Anker. Wir waren zwar nur Freunde, aber es fühlte sich viel zu oft nach mehr an.
Clowns sahen wir Gott sei Dank erst mal nicht, wobei bestimmt welche unterwegs waren. Dafür gab es viele Süßigkeitenbuden, Karusells, ein Riesenrat (mit dem Leo nachher bestimmt fahren würde) und ein Autoscooter, ich sah eine Geisterbahn und noch viel mehr.
Plötzlich wurde es dunkel am Himmel und gewitterartige Wolken zogen an uns vorbei. Eine männliche Stimme dröhnte über die Besucher. Sie war tief und klangvoll.
„Meine lieben Besucher. Heute wollen wir euch und Ihnen ganz neu unser Spiegelkabintt präsentieren. Viel Spass dabei.“
Leo grinste mich an. Vermutlich wegen dem Begriff „Splitter“ darin. Meinem Spitznamen.
Es wurde langsam heller und durch die Menschenmassen kamen die seltsamsten Figuren, die ich je gesehen hatte. Sie schienen aus Glas zu sein, waren aber voller Spiegelsplitter, als wären sie kürzlich zerbrochen worden. Sie bewegten sich komisch. Als wären sie unförmig. Und sie machten seltsame Verrenkungen, weswegen sie ständig reflektiert wurden und sich spiegelten. Sie schlichen durch die Straßen, während die Menge ihnen Platz machte. Dann fing alles an zu summen und zu klirren, was irgendwie faszinierend klang, aber auch gruselig.
Als nächstes flogen leuchtende Wesen, die Glühwürmchen nicht unähnlich waren, aber doch anders. Sie setzten sich auf die Köpfe der Splitterwesen oder schwirrten um uns herum. Das ganze Spektakel dauerte etwa zehn Minuten. Dann zog das Splitterkabinett an uns vorüber.
Nun erklang erneut die Stimme des erzählenden Mannes: „Liebe Gäste. Bitte besuchen Sie unser Splitterkabinett am Norddeiweg, auch außerhalb dieses Kirmes. Sie werden es bestimmt nicht bereuen.“ Und dann war alles vorbei.
„Oh wow!“, hauchte Leo neben mir. „Wir müssen unbedingt in dieses Kabinett. Ich will wissen wie die Wesen funktionieren.“
War ja klar. Typisch Leo eben. Aber auch ich war neugierig auf dieses Spiegelkabinett. Das ist bestimt einen Blick wert.
Erst mal schleppte Leo mich allerdings weiter über den Kirmes und natürlich fuhren wir Riesenrat.

Fortsetzung folgt ….

Das war mein erster Teil des Spiegelkabinetts. Und was sagt ihr dazu?

Schreibkick 2: Heiße Begegnungen

Diesen Monat gehts bei ums Thema Hitze und hier ist meine Geschichte dazu.

Heiße Begegnungen

Es war 29 Grad und es sollte noch heißer werden. Solche heißen Tage waren nicht so meins. Meine Schwester liebte sie. Sie lebte dafür. Sie zerrte mich immer nach draußen in die Wüste an ihrem Lieblingsplatz im Schatten. Dort dachten wir uns entweder Geschichten aus oder lasen Bücher oder lachten zusammen.
Gerade waren es eher die Geschichten, die Susann reizte. Geschichten über Hitze und Fabelwesen. Sie hatte sehr viel Fanatasie.
„Okay, Lena“, begann sie dann immer. „Heute sind wir zwei Drachen, die über den Himmel fliegen und das ganze Land betrachten können. Wir sind gefährlich und willkürlich, aber wir können uns in Menschen verwandeln. Drachen passen doch super zur Hitze.“
„Und was machen diese Drachen?“, erkundigte ich mich bei ihr?
„Wir fliegen durch die Lüfte und wenn wir uns in der Nacht in Menschen verwandeln lernen wir unsere große Liebe kennen“, schwärmte Susann sofort drauf los.
Natürlich sie lernten ihre große Liebe kennen. Was auch sonst? Das ging ja gar nicht anders bei Susann.
„Und wie lernen sie ihre große Liebe kennen?“, fragte ich weiter. Dabei kannte ich die Antwort eigentlich schon.
„Du meine Liebe, kriegst einen ganz heißen Drachen ab und ich den eher ruhigeren nachdenklichen Typen, der nichts von Drachen weiß“, überlgete sie weiter.
Ich lachte. „Und wie heißt mein Angebeter?“
„Ron“, fiel ihr als erstes ein.
„Enrsthaft? So wie Harry Potters bester Freund?“, fragte ich entgeistert.
Susann stöhnte nur. „Hör doch mal auf alles mit Harry Potter zu vergleichen. Dieser Ron kennt Harry Potter überhaupt nicht, okay? Er ist da total unparteiisch. Er ist einfach nur heiß und heißt Ron.“
„Na, was für ein Glück“, meinte ich. „Und wie heißt dein Angebeteter?“
„Arno“, sagte sie lachend.
„Oh, mein Gott. Der Arme. Ich möchte nicht Arno heißen.“ Kopfschüttelnd sah ich meine Schwester an.
„Also Ron und Arno sind unsere Herzensmänner und wir verlieben uns in sie“, erzählte Susann weiter.
„Na, so ein Glück für uns“, meinte ich sarkastisch. „Und der arme Arno hat trotz seines Namens eine Freundin gefunden. Wie geht die Geschichte weiter?“
„Wir Drachen dürfen nur in Hitze sein. Sonst erfrieren wir. Wir dürfen nur in heißen Regionen bleiben. Das ist echt hart, weil wir gerne mal den Winter erleben würden. Wir haben schon so viel davon gehört.“
„Also gehen wir raus in die weite Welt und suchen den Schnee“, riet ich einfach. Ich kannte ja Susanns Geschichten langsam.
„Genau. Aber den Drachen bekam der Schnee natürlich überhaupt nicht. Würden Ron und Arno uns nicht retten wären wir verloren gewesen.“ Susann strahlte über das Ende ihrer Geschichte und war vollauf zufrieden damit.
„Oh, da kommt er übrigens gerade“, strahlte Susann und ich ahnte Böses.
„Und wer soll mein Ron sein?“, fragte ich verwirrt. Hier kam nie jemand her. Also der drehte ich mich um und der Mund blieb mir offen stehen. Es war so verdammt heiß. Ich drehte meinen Kopf ganz schnell wieder weg und fragte Susann: „Ist das dein Ernst? Lik Rieder?“
„Wieso nicht?“, fragte Susann nur schulterzuckend.
„Weil Lik Rieder ein Idiot ist, der nach seltsamen Käfern sucht“, erklärte ich und beobachtete wie Lik auf mich zu kam.
„Aber Lik ist ein sehr süßer Idiot und ein sehr kluger Kopf“, verteidigte meine Schwester ihn.
Ich stöhnte nur. Lik gesellte sich zu uns und grinste uns an. Der Schweiß lief ihm am Körper hinab.
„Hey, Mädels“, begrüßte er uns lässig. „Wie gehts.“ In einem hatte Susann jedenfalls Recht. Er sah gut aus. Zu gut.
„Hey Lik! Wie gehts?“ Susann lächelte ihn super freundlich an.
„Ganz gut und selbst?“, fragte er grinsend.
„Auch? Willst du dich zu uns setzten?“ Sie deutete auf den freien Platz neben ihr.
„Ich will nicht stören“, sagte er nur.
„Tust du nicht“, sagte Susann nur und ich warf ihr einen bösen Blick zu.
„Dann gerne“, sagte er.
„Glaubst du an Drachen, Lik?“, fragte ich ihn geradeheraus.
„Drachen?“, fragte er nur verwirrt und sah von mir zu Susann.
„Wir sprachen gerade über Drachen. Durch die Hitze kamen wir auf das Thema“, erklärte Susann ihm.
Überraschender Weise sagte er: „Ja, ich glaube an Drachen.“
„Du weißt aber schon, dass die seit Ewigkeiten ausgestorben sind?“, fragte ich ihn abfällig.
„Wer sagt das?“, konterte er. „Hast du Beweise?“
„Hast du Beweise?“, fragte ich.
Und dann stand er auf und lief durch die Wüste. Im Lauf verwandelte er sich vor unseren Augen in einen Drachen. Damit hätte ich nun gar nicht gerechnet. Mein erster Impuls sagte mir, wir sollten weglaufen, aber er näherte sich uns ganz langsam und vorsichtig. Dann stupste er mich mit der Nase an und ich streichelte vorsichtig über seine Schuppen. Er fühlte sich so echt und wirklich an.
„Wow“, hauchte Susann nur ehrfürchtig.
Dann verwandelte er sich wieder zurück und kam wieder zu uns. Allerdings nackt. Schnell kam er zu seinem Rucksack und suchte Wechselkleidung raus. Ich versuchte ihn nicht anzustarren.
Als er sich wieder angezogen hatte setzte er sich wieder zu uns und wir starrten ihn beide nur an. Er triumphierte: „Na, immer noch so überzeugt, dass es keine Drachen gibt?“
„Und das zeigst du uns einfach so? Ist das nicht geheim oder so? In Susanns Büchern ist sowas immer geheim“, war das erste, was ich wieder hervor brachte.
„Ich gehe davon aus, dass ihr es niemanden sagt und falls doch wird euch eh keiner glauben.“ Lik zuckte nur mit den Achseln.
„Kannst du das schon immer?“, fragte Susann ihn neugierig. Sie war total fasziniert von ihm.
„Jaha“, sagte er gedehnt.

Und so entstand eine wunderbare Freundschaft, die ich so nicht erwartet hatte. Immer wenn es heiß wurde, trafen wir uns mit Lik in der Wüste und sahen ihm zu wie er sich in einen Drachen verwandelte. Mittlerweile war ich den Anblick seines nackten Körper bei der Verwandlung mehr als gewöhnt. Ich war nämlich mit ihm zusammen. Das hätte ich niemals erwartet. Ich hatte ihn immer für einen Trottel gehalten. Aber war tota lieb und aufgeschlossen und erzählte uns alles über sein Drachenleben. Als wir zusammen gekommen waren hatte meine Schwester richtig triumphiert und immer nur gerufen: „Ich wusste es, ich wusste es, ich wusste es!“ Ich hatte sie einfach ignoriert. Unser Leben hatte sich seit der Begegnung mit Lik in der Wüste aber sehr verändert, denn sie war auch gefährlich. Es gab noch mehr Drachen wie Lik, aber wir lernten nur wenige bei einer Drachenversammlung kennen. Lik aber blieb mir ein Leben lang erhalten und darüber war ich sehr glücklich.

Ende

Und was meint ihr? Ich glaub da ist mir die Hitze auch etwas in Kopf gestiegen.