Das alte Herrenhaus (Teil 4)

Dann will ich mich mal wieder mit meiner Geschichte zum Herrenhaus beschäftigen. Ihr erinnert euch? Louise landete beim Laufen in der Vergangenheit und lernte dort Moritz kennen. Den Besitzer vom Herrenhaus. Jetzt wollen sie gemeinsam auf den Ball.

Das alte Herrenhaus Teil 4

Moritz führte mich wie es sich gehörte, indem er meinen Arm umschlungen hielt, zu dem luxirösen Haus. Obwohl man es kaum noch als Haus bezeichnen konnte. Villa war vermutlich das bessere Wort.
„Wer wohnt hier noch mal?“, fragte ich ihn ehrfürchtig. „Die Königin  persönlich?“
Er sah mich befremdlich an. „Äh,  nein. Da muss ich dich enttäuschen. Nur eine Fürstin. Isabelle von Goka mit ihrem Mann Arim.“
„Hm“, machte ich nur.
„Lass uns einfach reingehen“, lachte er. „Das wird toll.“
Das bezweifelte ich, aber ich folgte ihm trotzdem. Dass er an meiner Seite war gab mir etwas Sicherheit.
Das Haus/Die Villa war von außen noch viel glamouröser als von außen. Alles schick vekleidet mit Gold und verzierten selbst gemalten Bildern. Hier strahlte alles nach Macht und Geld aus. Es war schick, aber Moritz Herrenhaus gefiel mir trotzdem besser. Es war viel schlichter und gemütlicher.
Aber das allerschönste war der Ballsaal in den wir geführt wurden. Sowas kannte ich bisher nur auf Bildern. Sowas konnte man einfach nicht nachstellen. Egal, wie viel Mühe man sich gab. Es war einfach viel zu prachtvoll. Dabei wirkte er eigentlich recht schlicht.
Es war hell und der Raum wurde von vielen großen Fenstern belichtet, die oben rund abliefen. Lauter Kronleuchter hingen an der Decke und der Saal wirkte recht überfüllt.
Eine Frau, die ihr Speck an den richtigen Stellen abgelegt hatte kam auf uns zugeilt. Sie trug ein rotes Kleid, dass oben weit ausgeschnitten war und unten einen Reifenrock hatte. Ihr Gesicht zeigte leicht rose geschminkte Wangen und auch sonst war ihre Schminke eher dezent, was ihr Gesicht gut zu Geltung brachte. Ihr Busen allerdings quillte fast aus diesem Kleid.
„Moritz, wie schön dich zu sehen“, freute sie sich im besten Altaltaltdeutsch, was ich niemals so nachmachen könnte und küsste ihn auf beide Wangen. Dann fiel ihr Blick auf mich: „Wer ist denn deine Begleiterin?“
„Das ist eine Freundin von mir. Ich hab sie auf einen meinen Reisen kennen gelernt“, log Moritz ziemlich gekonnt. „Ihr Name ist Louisa.“
„Guten Tag, Madam Louisa. Ich bin Isabelle. Bitte, kommen Sie mit mir. Ich führe sie herum.“ Madam Isabelle bot mir ihren Arm da, den ich annahm. Allerdings nicht bevor ich nicht Moritz fragend ansah. Er ging viel auf Reisen. Er schüttelte nur unmerklich mit dem Kopf und deutete auf Isabelle. Ich seufzte. Das würde auf später verlegt werden müssen.
Isabelle führte mich wirklich rum. Durch die ganze große Anlage, einschließlich dem Garten.  Meine Füße taten danach so weh. Ich wollte eigentilch jetzt schon nur noch nach Hause. Die Leute aus dem Mittelalter waren wirklich trainierter als ich. Zumindest mit diesen Schuhen.
„Ist es bei Ihnen zu Hause auch so schön?“, hakte Isabelle nach als wir unseren Rundgang beendet hatten und endlich wieder zum Ballsaal zurück kamen.
„Ähm, so ähnlich“, druckste ich drum herum. Na ja, eigentlich nicht mal annährend. Aber viel gemütlicher.
Die Musik war klassisch und die Tanzschritte merkwürdig. Eigentlich hatte ich keine Lust zu tanzen. Ich wollte zu Moritz. Das hier war mir viel zu fremd. Aber offenbar war Moritz einfach verschwunden. Na toll.
„Wissen Sie, Sie müssen etwas Besonderes sein“, bemerkte Isabelle nun und musterte mich nachdenklich. „Gott, sind Sie dünn.“
Den letzten Kommentar übersah ich einfach mal. Stattdessen versuchte ich sie von meiner Figur abzulenken. „Wie meinen Sie das, dass ich wer Besonders sein muss?“
„Schätzchen, er nimmt sonst nie jemanden auf solche Veranstaltungen mit. Eigentlich meidet er sie eher. Er sagt ab, wenn es nur geht. Dass er heute da ist, grenzt an ein Wunder.“
Das war ja interessant. Gut zu wissen.
„Kommen Sie. Ich stelle Ihnen ein paar Gäste vor“, schlug Isabelle mir vor. Das hatte ich befürchtet. Aber ich hatte wohl kaum eine Wahl.
Ich schüttelte Hände, vergaß viele Namen und wurde sogar zum Tanzen gezwungen, was gründlich misslang. Meine Partner waren höflich und beschwerten sich nicht, dass ich ständig aus dem Takt kam oder ihnen auf die Füße trat. Endlich hatte sich Moritz offenbar daran erinnert, dass es mich noch gab und mich auf der Tanzfläche entdeckt.
„Darf ich?“, fragte er meinen aktuellen Tanzpartner, der ihm mich nur zu gern überreichte.
„Nett, dass du dich noch an mich erinnerst“, brummte ich.
„Ach, komm! Du warst doch beschäftigt“, lachte er.
„Und hätte dich gebraucht“, ergänzte ich.
„Ich find, du hast dich ganz gut gehalten. Glaub ja nicht, ich hätte nicht ein Auge auf dich gehabt“, lobte er mich.
„Können wir bitte einfach, gehen?“, fragte ich ihn. „Ich kann die Schritte nicht und dieser Ball ist nichts für mich.“
„Das heißt, du bist gar nicht neugierig auf das Buffet?“, neckte er mich.
„Ich kanns kaum erwarten“, meinte ich ironisch.
„Du weißt ja nicht, was du verpassen wirst“, warnte er mich.
Ich rollte nur mit den Augen. Dann fiel mir wieder seine Bemerkung mit den Reisen ein.
„Was war das eigentlich mit dem vielen reisen? Machst du das wirklich?“, fragte ich ihn.
„Manchmal.“ Er wich mir eindeutig aus. Ich beschloss ihn gewähren zu lassen.
Schließlich hatte er Erbarmen mit mir und führte mich von der Tanzfläche zum Buffett.
Das Essen war viel besser und reicher als ich gedacht hatte. Es stimmte, schon es gab viel Fleisch, aber auch Obst und Gemüse und sogar Fisch und Bohnen. Ich konnte sogar Tomaten erkennen. Daraus ließ sich was machen. Ich füllte mir einen Teller auf und wählte wirklich überwiegend Obst und Gemüse. Aber ich war zufrieden.
Wir setzten uns an eine Tisch, an dem schon ein jüngeres Pärchen saß und schlugen ordentlich zu.
Weder Moritz noch ich hatten große Lust uns in die Unterhaltung einzubringen. Wir genossen einfach das herrliche Essen. Moritz hatte recht gehabt. Wegen dem Essen hier zu bleiben, hatte sich gelohnt.

Fortsetzung folgt ….

Und wie gefällt euch dieser Teil?

Bloggeschichte: Das alte Herrenhaus (Teil 3)

Und nun gehts weiter mit meinem Herrenhaus. Schon nach dem Schreiben hatte ich Ideen im Kopf. Mal sehen, was da tatsächlich bei rauskommt. Da es wohl doch mehrere Teile hiervon geben wird werde ich es  zur Bloggeschichte umfunktionieren.

Hier gehts zu Teil 1: Klick und Teil 2: Klick.

Das alte Herrenhaus (Teil 3)

Als ich abends in dem Kleid von Moritz Schwester die Treppe herunterkam wusste ich wie sich die ganzen Mädchen aus diesen Filmen wie Eine wie Keine oder auch Twilight fühlen müssen. Diese Mädchen, die in einem tollen Kleid verwandelt die Treppe runterkamen und der Mann im Film start sie an als hätte er sie noch nie gesehen. So ging es mir jetzt ebenso. Ich hatte mich richtig ins Zeug gelebt, auch mit meiner Frisur und ich fühlte  mich ein bisschen wie Cinderella oder zumindest glaubte ich, dass sie sich so gefühlt haben musste.
Moritz stand tatsächlich am Fuß der Treppe und starrte mich einfach nur an. Er selbst trug einen anderen Anzug und hatte sich seine Haare gestylt (vermutlich mit Fett oder ähnlichen Hilfsmittel) und sah tatsächlich schicker aus als zuvor. Er sah sogar richtig gut aus. Er war nicht so schön wie ein Model oder ein Schauspieler. Aber ich fand ihn trotzdem schön. Er hatte sowas verwegenes an sich.
Als er merkte, dass er nur starrte nahm er sich zusammen und reichte mir galant seinen Arm als ich unten an der Treppe angekommen war.
„Wow!“, hauchte er. „Du siehst sehr schön aus. Wie eine Dame.“
„Du klingst so überrascht, aber ich werte das mal als Kompliment“, grinste ich.
„Solltest du auch, denn genau so war es gemeint.“ Er sah mir herausfordernd in die Augen.
„Dann hab ich ja Glück.“ Ich zwinkerte ihm zu und überspülte meine Nervosität mit Witz. „Wie läuft das jetzt hier? Bleiben wir einfach hier stehen und machen einen Starrwettbewerb oder brechen wir auf?“
Er lachte. „Wir brechen auf.“ Er führte mich nach draußen und vor seinem Anwesen wartete eine Kutsche auf uns.
„Du hast an alles gedacht, was?“, neckte ich ihn.
„Das brauchte ich gar nicht. Die steht hier immer“, behauptete er und ich beließ es dabei.
Er half mir mit dem aufwendigen Kleid in die Kutsche und stieg dann selbst ein. Der Kutscher fuhr los. Die Kutsche ruckele und rucke bei den unebenen Wegen und mir wurde fast schlecht. Moritz machte das natürlich nichts aus. Er war das gewohnt.
„Alles in Ordnung?“, fragte er mich besorgt als er merkte, dass etwas mit mir nicht stimmte.
„Ja, geht schon. Aber in unseren Fahrzeugen ist es so viel ruhiger. Lenk mich ab. Erzähl mir etwas“, forderte ich ihn auf. Ich konnte mich nicht mal auf die wunderschöne Gegend konzentrieren. Alles war so schön grün hier, trotz der Häuser. Und lange nich so dicht bevölkert. Ganz anders als bei uns. Allerdings stank es auch stärker je näher wir der Stadt kamen. Das war nicht gut, gar nicht gut. Das und das Ruckeln zusammen konnten böse enden.
„Was soll ich dir denn erzählen?“, fragte er ratlos.
„Keine Ahnung, was über das Fest oder so. Was mich erwartet zum Beispiel“, schlug ich vor.
„Hm, lass mal sehen. Es wird prächtig und du wirst dich bestimmt amüsieren. Es gibt Tänze und Musik und gutes Essen.“
„Essen ist kein gutes Thema“, bemerkte ich. „Euer gutes Essen ist sicherlich ganz anders als das, was ich gewohnt bin. Und was die Tänze angeht. Ich kann die doch überhaupt nicht.“ Je mehr er mir erzählte, desto panischer wurde ich. Vielleicht war das doch keine so gute Idee gewesen.
Zerknirscht sah er mich an. „Du musst nichts tun, was du nicht willst. Ich werde auf dich aufpassen.“
„Schon gut“, seufzte ich. „Du kannst ja nichts dafür.“ Na ja, eigentlich konnte er es doch, weil er mich auf dieses Fest mitschleppte und ich nicht wusste, was mich erwartete.
„Du wirst ganz grün im Gesicht“, bemerkte Moritz plötzlich und rief nach vorn: „Thomas, würden sie kurz anhalten, bitte?“
Der Kutscher hielt sofort und Moritz stieg aus. Dann half er mir aus der Kutsche. Mit diesem Kleid allein auszusteigen war einfach völlig unmöglich.
„Die frische Luft wird dir gut tun“, überlege er.
„Was du so frische Luft nennst“, meine ich nur ironisch.
„Was meinst du damit?“, fragte er verwirrt.
„Ich will dir ja nicht zu nahe treten, aber es stinkt. Die Luft hier stinkt einfach. Das liegt am 17. Jahrhundert. Du kannst nichts dafür. Das ist hier einfach so“, belerhte ich ihn sanft. Aber er hatte trotzdem Recht. Die Luft tat gut.
„Du bist wirklich seltsam. Das ist doch normal.“ Er sah mich nur an und schüttele mit dem Kopf.
„Ja, für diese Welt. Nicht für meine“, stimmte ich ihn zu.
„Ist bei euch gut riechende Luft?“, staune er jetzt.
„Meistens. Zumindest im Grünen. Bei uns gibts auch dreckige Luft, aber der Geruch ist anders und es stinkt nicht so extrem“, erklärte ich so gut ich konnte. Ich war kein Experte für Luft in meiner Welt.
Ihm schien das allerdings auszureichen.
„Wir könnten zu Fuß weiter gehen, wenn du magst. Es ist nicht mehr so weit“, bot er mir an.
„Aber nur ohne diese Schuhe“, sagte ich. Er sah mich skeptisch an, sagte aber nichts und so zog ich meine Schuhe aus und trug sie.
Sicher fand er mich dadurch wieder seltsam. Sicherlich gehörte sich hier sowas nicht für eine Dame, aber das war mir egal. Bis wir auf dem Ball angekommen wären, wären meine Füße zu nichts mehr zu gebrauchen, wenn ich diese Schuhe anbehielt.
Also gingen wir zu Fuß weiter. Jetzt konnte ich meine Umgebung doch wahrnehmen und was ich sah gefiel mir. Es gab keine Autos, die Hektiv war nicht ganz so greifbar wie in meiner Welt. Die Natur wirkte noch magischer. Wie in unseren ländlichen Gegenden. Ich fühlte mich hier wohl. Irgendwie. Dieser Gestank war nichts für mich, aber abgesehen davon hatte diese Welt auch viele Vorteile. Wenn man mal von der Brutalität und den Kriegen und den ganzen Armen hier absah. Es war vielleicht etwas egoistisch, aber ich war froh nicht in einem Armenvierel gelandet zu sein. Da war das hier wesentlich angenehmer. Aber dann erinnerte ich mich an die ganzen Intrigen und lüsternden Blicken aus der Serie Outlander. Na ja, vielleicht war hier doch nicht alles so toll. Aber ich hatte Moritz an meiner Seite. Das gab mir etwas Sicherheit. Jetzt war ich auf diesen Ball gespannt.

Fortsetzung folgt …

Wieder ein Teil vom Herrenhaus geschrieben. Irgendwie macht mir die Geschichte sehr viel Spass. Ich mag die Charaktere. Mal sehen, was da alles noch so kommt. Was sagt ihr zu diesem Teil?

Story Samstag 11: Das alte Herrenhaus Teil 2

So, es wird mal Zeit mit der Fortsetzung zum Story-Samstag. Irgendwie bin ich dazu noch überhaupt nicht gekommen.

Hier gehts übrigens zu Teil 1: Klick.

Das alte Herrenhaus (Teil 2)

Im Haus führte er mich in die Küche. Es überraschte mich, dass es offensichtlich keine Hausangestellte gab. Er machte alles allein. So gab er mir ein Glas Wasser und forderte mich auf es zu trinken.
„Was trinkt man denn sonst so hier?“, fragte ich ihn.
„Es gibt viele Obstsäfte, die hergestellt werden und natürlich auch viel alkholische Getränke hier, aber ich habe leider nur Wasser.“ Entschuldigend sah er mich an. An seine altmodische Sprache hatte ich mich mittlerweile gewöhnt. Man sprach eben im 17. Jahrhundert anders als 2016.
„Wir müssen herausfinden wie ich in meine Zeit zurück kann“, wechselte ich dann das Thema. Er setzte mich zu mir an den altmodischen Küchentisch.
„Allerdings. Ich kenne da vielleicht jemanden, der uns helfen kann, aber vor morgen erreichen wir da nichts.“ Nachdenklich betrachtete er mich. Er war jung und schien einsam zu sein.
„Und wer ist das?“, fragte ich ihn.
„Ein Freund. Er wirkt auf den ersten Blick etwas verrückt, ist aber ein Genie. Allerdings kommt er erst morgen wieder zurück. Er ist gerade in der Nachbarstadt und stellt dort sein neuestes Projekt vor“, erzählte Moritz und schien ganz begeistert von der Arbeit seines Freundes zu sein.
„Was macht er denn so?“, fragte ich sekptisch.
„Er ist Erfinder. Glaub mir, wenn er dich nicht zurück schicken kann, kann es keiner.“ Das klang ziemlich geheimnisvoll, fand ich.
„Okay“, sagte ich gedehnt und er lachte sich halb schlapp.
„Was ist?“, wollte ich wissen.
„Du redest so komisch“, lachte er.
„Ich rede komisch?“ Der hatte nerven. „Im 21. Jahrhundert reden wir eben so.“
„21. Jahrhundert. Ha, ha, ha.“ Jetzt wurde er ziemlich albern, aber er konnte gar nicht mehr aufhören zu lachen.
„Du redest auch komisch.“ Ich stimmte in mein Lachen mit ein. „Und so förmlich.“
„Na hör, mal. Ich bin adelig.“ Er versuchte jetzt aber ernster zu sein. „So reden wir nun mal.“
„Du benimmst dich aber sonst nicht wie ein Adeliger“, erklärte ich ihm überzeugt. Ich merkte erst jetzt, dass wir nach unserem Lachanfall ins DU gefallen waren.
„Wie benimmt sich denn ein Adeliger?“, fragte er mit herausfordernden Blick.
„Du hast keine Hausangestellen, du wohnst hier ganz allein“, zählte ich auf. „Soll ich weitermachen?“
„Adeligen müssen Hausangestellte haben?“, fragte er irritiert.
„Na ja, in meiner Vorstellung schon.“ Jetzt wurde ich unsicher, fügte aber noch hinzu. „Buttler und so.“
„Buttler, ha, ha, ha. Du redest nicht nur komisch. Auch deine Ansichten sind komisch.“ Jetzt fing sein Lachanfall wieder an.
„Na, vielen Dank auch.“ Aber ich grinste ja selber. Er sah süß aus, wenn er lachte. Oh, wo kam dieser Gedanke denn jetzt her?“
Als er sich wieder eingekriegt hatte, meinte er: „Hör mal, ich bin heute Abend auf einem Ball eingeladen. Würdest du mich begleiten?“
„Ähm, auf einem Ball?“, fragte ich verblüfft. „Aber du hast doch bestimmt eine Begleitung?“
„Nein, leider nicht. Normalerweise nicht. Die Frauen laufen eher weg vor mir“, gestand er mir, aber ich war mir nicht sicher, ob das eher als Scherz gemeint war.
„Kann ich mir gar nicht vorstellen“, meinte ich. Oh, hatte ich das gerade laut gesagt? Verdammt!
Er schmunzelte mich geradezu an. „Das nehme ich jetzt mal als Kompliment. Vielleicht habe ich etwas übertrieben, aber ich habe wirklich keine Begleitung.“
„Du nimmst mich die ganze Zeit schon auf den Arm, oder? War das die ganze Zeit deine Absicht seit du mich entdeckt hast?“
„Na klar, was glaubst du denn. Das war meine einzige Absicht.“ Er schmunzelte wieder. „Ich hatte überhaupt keine Lust auf dieses seltsame kleine Mädchen, dass da pltözlich vor meinen Toren stand und ziemlich verloren aussah. Die war mir total egal. Für mich zählte nur, dass ich für den Ball eine Begleitung habe.“ Er konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.
„Na schön, ich habe verstanden.“ Sein Lachen steckte an. Trotzdem hatte ich Bedenken. „Aber ich habe doch gar nichts anzuziehen und ich weiß auch gar nicht wie man sich auf so einem Ball verhält. Ich meine, ich habe ein paar Filme gesehen, aber das hat mir ja offensichtlich auch nicht weiter geholfen.“
„Filme?“, fragte er verwirrt.
„Äh, sowas wie ein Theaterstück“, erklärte ich.
„Okay. Na, wenn du sowas für echt hälst kann das ja nicht werden“, fand er. „aber keine Sorge. Das kriegen wir schon hin. Ich glaube, mit dem Anziehproblem kann ich dir auch aushelfen. Komm mit.“
„Ich soll was von dir anziehen?“, fragte ich ihn.
Er lachte wieder. „Das wäre bestimmt amüsant, aber besser nicht. Du wirst es nicht glauben, aber ein bisschen Köpfchen habe ich auch.“
„Was du nicht sagst.“
Er führte mich in die obere Etage. Die sah fast noch eleganter aus als die Untere. Auch hier oben hingen Bilder. Eines zeigte ihn mit eine eleganten Frau an seiner Seite. Ich zeigte darauf und fragte ihn: „Wer ist das?“
„Von ihr wirst du dir deine Kleider ausleihen“, erklärte er mir.
„War sie eine Freundin?“, fragte ich ihn.
„Freundin?“, fragte er verständnislose zurück. „Was ist das denn nun wieder für ein Wort?“
„Du bist wirklich altmodisch“, versuchte ich es erneut. „Ähm, Geliebte, Gemahlin. Was weiß ich.“
„Ach so. Nein. Sie war meine Schwester“, erklärte er und klang traurig dabei.
„Und wo ist sie jetzt?“, fragte ich sanft.
„Sie ist gestorben. Vor drei Jahren.“ Das erklärte die Traurigkeit.
„Das tut mir sehr leid.“
„Schon gut. Ist lange her. Komm einfach weg.“ Offenbar wollte er nicht darüber reden und das konnte ich gut verstehen.
Ich folgte ihm in ein Traumzimmer, dass wirklich wie aus sehr alten Zeiten aussah. Moritz öffnete einen Schrank und erklärte: „Such dir eins aus.“
„Moritz, ich …“, begann ich, aber er unterbrach mich sofort.
„Such dir bitte eins aus. Bitte. Ich möchte es so.“ In seinem Blick lag plötzlich so viel Schmerz, dass es weh tat. Am liebsten hätte ich ihn umarmt und getröstet, aber das stand mir wohl nicht zu.
„Wann soll ich fertig sein?“, fragte ich nur noch.
„Wenn die Sonne untergeganen ist“, antwortete er.
Ich nickte und er ließ mich allein. Diese Welt war mir so fremd. Dieses Haus war so fremd. Nie hatte ich etwas vergleichbares gesehen. Und dennoch berührte mich Moritz auf eine Weise, wie es noch kein Mann vor ihm geschafft hatte. Aber das war nicht gut. Das war überhaupt  nicht gut. Ich wollte wieder zurück in meine Welt. Ich wusste nicht mal, ob er etwas ähnliches für mich empfand. Es war viel zu früh. Und er würde mir in meine Welt sowieso nicht folgen können. Oh, Gott! Was dachte ich denn da? Ich kannte ihn doch kaum. Was war bloß los mit mir. Diese Welt war vollkommen zurück. Am besten ich versuchte so schnell wie möglich zurückzukommen bevor ich meinen Kopf verlor und vielleicht auch noch mein Herz.

Fortsetzung: Klick

Tja, das wird wohl mal wiedereine längere Geschichte werden. Das hat so viel Potential. Die will ich nicht verkommen lassen.

Und was sagt ihr zu diesem Teil?

Story Samstag 11: Das alte Herrenhaus (Teil 1)

Interessantes Thema heute. Vergangenheitsreisen. Mal sehen, was sich da machen lässt.

Zeitreise in die Vergangenheit. Na, denn. Da muss ich erst mal sehen, wohin es geht.

Owei, das wird ein schwieriger Brocken, aber da hab ich schon die ein oder andere Idee.

Das alte Herrenhaus Teil 1

Ich lief durch einen Wald und konzentrierte mich nur aufs Laufen. Es war Herbst und die Blätter waren alle so schön grün. Morgens war es recht frisch, aber gegen Nachmittags konnte es auch noch richtig schön werden. Ich genoss das Zwitschern der Vögel und die ruhige Umgebung beim Laufen.

Doch plötzlich veränderte sich was. Die Luft flimmerte und der Wald war plötzlich gar nicht mehr bunt sondern grün wie im Frühling oder Sommer. Was war denn jetzt los? Der Wald war noch derselbe, aber verändert. Unsicher verlangsamte ich mein Tempo und setzte meinen Weg fort. Was genau hatte sich verändert.
Ich lief meinen Weg weiter. Am Ende des Weges sollte ich eigentlich wieder auf die Straße kommen, die zu meinen zu Hause führte, aber auch hier hatte sich etwas verändert. Und zwar gewaltig.
Ich stand vor einem schmucklosen Herrenhaus, dass dennoch ziemlich prächtig wirkte. Es war nicht verfallen sondern wunderschön verschnörkelt mit Winkeln und Ecken und kleinen Türmchen. Umgeben von einem wunderschönen riesigen Garten ragte das Haus aus dem Wald empor. Was war hier bloß passiert? Wo kam das Haus her? Das war vorher definitiv nicht dagewesen. War es wohl bewohnt? Vermutlich eher nicht. Solche Häuser standen doch heutzutage nur noch leer.

Vorsichtig ging ich weiter vor und bemerkte die Wasserspränger, die auf den Wiesen aufgestellt wurde. Zumindest wurde dieses Haus offenbar gepflegt. Vielleicht war es also doch bewohnt. Durfte ich es betreten?
Vorsichtig ging ich näher und auf einmal kam ein Mann aus dem Haus. Er war schick gekleidet und sah sehr vornehm aus. Ich wollte mich zurück ziehen, aber er hatte mich bereits gesehen. Er kam auf mich zu.
“Guten Tag, Madam. Kann ich ihnen helfen? Was tragen sie denn da? Sie haben eine seltsame Art sich zu kleiden.“, begrüßte der Mann mich freundlich und schüchterte mich damit ziemlich ein.
“Ähm, Hallo. Meine Kleidung ist doch ganz normal?“ Fragend sah ich ihn an und fühlte mich gezwungen zu erklären. „Ich bin gelaufen.“
“Verzeihung? Ich verstehe nicht, was sie meinen“, entschuldigte sich der Mann bei mir.
“Ich bin gejoggt. Habe traniert“, versuchte ich ihm zu erklären, doch er schien mich nicht zu verstehen. „Egal. Ich bin verwirrt. Ist das Haus hier neu? Es sieht gar nicht so aus. Normalerweise führt dieser Weg doch auf die Straße.“
“Welche Straße?“, fragte er nun fast so verwirrt wie ich. „Ich sehe hier keine Straße. Hier war auch noch nie eins. Hier war immer nur dieses Haus.“
Verständnislos sah ich ihn an. Er lächelte nachsichtig.
“Kommen Sie doch erst mal rein“, bot er mir an. „Dann können Sie sich frischmachen und was trinken. Sie sehen, aus als könnten sie was zu trinken gebrauchen.“
Unsicher sah ich ihn an. Was, wenn er ein Mörder war und mich nur in sein Haus locken wollte? Sicher war es besser ihm nicht zu folgen.
“Ich tue ihnen nichts, versprochen. Ich bin ein ehrbarer Mann. Ich werde sie auf Händen tragen“, versprach er mir, als hätte er meine Gedanken gelesen.
“Verprechen das nicht alle Mörder am Anfang?“, fragte ich misstraurisch.
“Vermutlich“, lachte er. „Also wenn ich ein Mörder wäre, sicherlich, aber ich bin keiner.“ Als ich blieb wo ich war, seufzte ich. „Kommen Sie. Ich tu ihnen wirklich nichts und wenn Sie in die Stadt wollen kann ich sie anschließend dorthin begleiten. Wir sollten lieber eine Kutsche nehmen. Die Stadt ist recht weit entfernt von hier.“
“Kutsche?“ Jetzt war ich noch verwirrter. War das einer der Typen, die in der Zeit hängen geblieben waren? Verrückt. „Die Stadt ist aber nicht weit weg. Ich bin doch bis hierhin gelaufen. Das tu ich immer und die Strecke ist nicht weiter weg als etwa fünfzehn Minuten.“
Langsam wurde er ungeduldig: „Junge Dame, sind Sie etwa auf den Kopf gefallen. Selbst mit der Kutsche dauert es mindestens eine Stunde bis zur Stadt, wenn nicht gar eine dreiviertel Stunde.“
Plötzlich fiel mir mein Smartphone ein: „Ich könnte einfach meine Mutter anrufen.“
Bevor ich es rausholen konnte, fragte er verwirrt: „Anrufen?“
“Ja, natürlich. Sie haben doch bestimmt auch ein Telefon. Ich meine, sie haben eine mega Hütte. Jemand wie Sie hat bestimmt ein megateures Telefon. Vielleicht eins von Samsung oder Wiko. So ein Hightechding.“ So stellte ich mir den Typen jedenfalls vor.
“Verzeihung?“ Verständnislos sah er mich an.
Ich seufzte, holte mein Smartphone aus meiner Umhängetasche und wollte den Pin eingeben, aber es war überhaupt nicht an. Verwirrt versuchte ich es einzuschalten, aber es tat sich gar nichts.
“Was ist hier los? Selbst wenn wir in einem Funknetz wären müsste ich zuminest den Notruf wählen können.“ Mittlerweile geriet ich leicht in Panik.
“Notruf? Ich verstehe nicht was sie meinen? Wieso wollen sie einen Notruf abgeben? Was soll das sein?“, fragte der Mann und ein schrecklicher Gedanke kam mir. Er war offenbar recht wohlhabend, kannte sich aber nicht mit der Technik der Zukunft aus. Schien gar nichts über meine Welt zu wissen. Wer war er und wo war ich?
“Könnten sie mir sagen welcher Tag heute ist?“, fragte ich ihn.
“Natürlich“, kam er mir gern zur Hilfe. „Es ist der 16. August 1630.“
“Kann nicht sein“, sagte ich sofort.
“Gibt es ein Problem mit dem Datum“, fragte er nun nach. Mittlerweile klang er fast so unsicher wie ich zuvor.
“Und ob. Wenn man bedenkt, dass heute eigentlich der 16. Oktober 2016 sein sollte“, nickte ich heftig.
“Oh, meine Dame. Das ist aber noch lange hin. Sie sind wohl doch auf den Kopf gefallen. Kommen Sie lieber mit rein.“ Nun klang er wirklich besorgt.
“Ich sage die Wahrheit. Moment 1630. Irgenwas sagt mir das was. Irgendwas geschichtliches. Wann war noch gleich der 30-jährige Krieg? War das nicht um diese Zeit?“ Ich war in Geschichte ganz gut, aber die Zahlen wollten einfach nicht in meinem Kopf bleiben. Was wusste ich über den 30-jährigen Krieg.
“Ich weiß nichts über einen 30-jährigen Krieg, Madame.“ Ratlos sah er mich an. „Hier ist es sehr friedlich.
“Vielleicht sollte ich doch lieber mit reinkommen“, fand ich jetzt. Ich brauchte dringend was zu trinken.
“Weise Entscheidung“, stimmte er mir zu. „Etwas frisches zu Trinken. Danach wird es Ihnen besser gehen. Ich bin übrigens Moritz Friedrich. Angenehm.“
“Mein Name ist Louisa Niemann.“ Ich hoffe der Mann konnte mir helfen in meine Welt zurück zu kehren.

Fortsetzung folgt …

Das war der erste Teil. Mal sehen, wie viele ich brauche bis ich eine anständige Geschichte daraus gemacht hab. Ist gar nicht so leicht, wenn man sich geschichtlich nicht so auskennt, aber mal wieder was anderes.