Zwölftes Wort: Mittlerweile: Weihnachten in Island bei Tim und Elida (Teil 2)

Das zwölfte Wort ist

Da kannst du mal sehen was du angerichtet hast, Tarlucy 🙂 🙂 🙂

Statt an meiner Geschichte auf dem Block zu konzentrieren hab ich nämlich zweieinhalb Seiten von dieser Geschichte vorgeschrieben und ich muss sagen: Sie hat schon wieder viel zu viel Potential. Brr … Leider werde ich aber auch noch ein wenig rumgooglen müssen.

Weihnachten in Island bei Tim und Elida (Teil 2)

(Achtung! Ich weiß nicht ob das mit der Sache mit dem Frühstück stimmt. Hab da nur mal ein Bild gesehen, was mich dazu inspiriert hat. Es ist aber eher meine eigene Interpretation. Keine Ahnung, ob man das in Island wirklich so macht).

24. Dezember

Ich erwachte am frühen Morgen. Es war noch dunkel. Erst sieben Uhr. Im Winter war es in Island nicht so lange hell wie bei uns in Deutschland. Die Sonne ging erst zwischen 11 und 12 Uhr auf und am Nachmittag um zwischen vier und halb fünf wieder unter. (Quelle). Dafür war es aber auch im Sommer recht lange hell und nur für ein paar Stunden dunkel.
Als ich mich angezogen hatte und gewaschen hatte ging ich runter. Elida hatte schon einen Korb zusammen gepackt. Es wirkte wie bei einem Picknick.
„Essen wir denn nicht hier?“, wunderte ich mich.
„Wir brechen mittlerweile so früh auf, dass wir lieber am Grab unserer Toten frühstücken“, erzählte Elida mir knapp während sie die letzten Sachen zusammen packte.
„Ihr esst am Grab?“, wunderte ich mich.
„Das tun natürlich nicht alle Isländer. Manche kommen auch nur wegen der Lichter her, aber bei uns auf dem Friedhof hat sich das so eingebürgert.“
„Und du sagst unser Christkind sei seltsam“, murmelte ich. „Das ist irgendwie gruselig.“
„Nicht wirklich“, wehrte Elida meine Kritik ab. „Wir haben uns wohl schon zu sehr daran gewöhnt. Aber du wirst den Zauber unseres Brauches ja selbst sehen.“
„Lasst uns endlich aufbrechen“, fand Tim. „Wir sind spät dran.“
„Bist du warm genug angezogen?“, fragte mich meine Tante besorgt. „Es ist heute morgen sehr kalt draußen.“
„Ja“, nickte ich. Tatsächlich hatte ich an eine Strumpfhose und ein Unterziehshirt gedacht und darüber zog ich meinen warmen Mantel an und trug meinen Wickelschal um den Hals.
„Mütze fehlt“, fand Elida und leihte mir ihre. Sie selbst trug eine Art Monsterstirnband. Dann ging es auch schon los. Der Friedhof lag zwei Ortsschaften weiter. In der Nachtg hatte es geschneit und so zierte weißer Puderzucker die Straßen.
Auf dem Friedhof angekommen brachte ich nur ein heiseres „Wow“ zustande. Schon der halbe Friedhof war voller Lichter. Einige wurden noch angesteckt oder angeschlossen. Die Kreuze leuchteten meist in einem sanften gelb, aber auch hier und da war ein rot zu sehen und einmal sogar ein blauer Lichtschein.
„Oh nein, der Gunnar steht ja auf diese blauen Lichter. Das hatte ich fast vergessen“, stöhnte Tim genervt.
„Das vergisst du jedes Jahr“, erinnerte ihn Elida liebevoll. „Ich find das nicht schlimm und ich bin eine einheimische Isländerin.“
„Ich mag die einfach nicht, diese blauen Lichter“, sagte Tim entschieden.
Wir gingen ans Grab von Elidas Eltern. Sie waren beide schon tot. Sie hatten ein schlichtes Kreuz bekommen mit einer Eingravierung auf isländisch dabei.
„Was steht da?“, fragte ich. Ich brauchte nicht zu flüstern. Heute sprachen hier alle laut.
Hier ruhen Ryka und Baltasar in ewiger Liebe und ewigen Frieden„, las Elida mir vor.
„Das klingt schön“, fand ich. Elida nicke nur und fing an eine Decke neben das Grab auszubreiten. Sie hatte eine Stelle gefunden, die der Schnee noch nicht erreicht hatte und die Decke war dick genug um nicht gleich durchzuweichen. Außerdem packte sie ihren Korb aus. Ich fragte sie: „Waren deine Eltern beide Isländer?“
„Nein. Meien Mutter war Litaurin. Sie kam früh hierher um die Geschichte Islands besser zu verstehen. Ihre Mutter war nämlich Litauerin. Dabei lernte sie meinen Vater kennen“, erzählte Elida.

(Anmerkung von mir: Litauen passte für mich so gut, weil ich da wenigstens schon mal gewesen bin)

„Oh! Da hat sie aber eine weite Reise gemacht“, bemerkte ich.
Elida sagte nichts weiter dazu sondern begann zusammen mit Tim die Kerzen anzuzünden und stellten sie ums Grab herum auf. Außerdem schalteten sie auf einen Knopf und Lichter am Kreuz erleuchteten. Es sah wunderschön aus.

Plötzlich fiel mein Blick auf das Nahcbarsgrab. Dort saß ein einsamer Junge umgeben von vielen Lichtern. Er war blond und breitschultrig und soweit ich das an dem spärlichen Licht sehen konnte sah er ziemlich gut aus.
„Wer ist das?“, fragte ich meine Tante flüsternd.
„Du meinst Ryk? Er kommt jedes Jahr alleine hierher. Seine Eltern sind gestorben als er noch ganz klein war. Er lebt bei seinen Großeltern, aber er wird bald volljährig“, erzählte sie mir.
„Aber sie feiern doch mit ihm zusammen Weihnachten, oder?“, wollte ich wissen. Er tat mir irgendwie leid.
„Ich kenne seine Großeltern nicht so gut, aber ich habe gehört, dass sie kaum noch aus dem Bett rauskommen. Er versorgt sie.“ Wir sprachen beide leise, damit er nicht mitbekam, dass wir über ihn redeten.
„Das ist aber traurig“, fand ich. Ich hatte wirklich Mitleid mit ihm. Niemand sollte so Weihnachten feiern. Also fragte ich meine Verwandten: „Könnt ihr ihn denn nicht einladen?“
„Das steht uns wohl kaum zu. Wer soll dann seine Großeltern verorgen? Ich glaube, das würde er auch gar nicht annehmen.“ Elida fühlte sich bei dem Gedanken sichtlich unwohl.
Ich seufzte traurig: „Kann ich mich mit ihm unterhalten?“
„Er kann kein Deutsch“, erwiederte Onkel Tim prompt.
„Das weißt du doch gar nicht. Vielleicht hatte er es als dritte Fremdsprache in der Schule. So wie unsere Emma“, wiedersprach Elida ihm.
„Emma hatte es nur, weil sie einen deutschen Vater hat“, erklärte Tim seiner Frau. „Du weißt doch selbst, dass gerade bei uns auf den Dörfern dritte Fremdsprachen nicht so beliebt ist.“
„Aber es könnte sein“, sagte Elida bestimmt.
„Du kannst es versuchen“, lenkte Tim schließlich ein.
„Aber erst sollten wir frühstücken“, beschloss Elida.
„Für mich bitte nur Tee“, bat ich. „Ich fürchte, ich kriege hier keinen Bissen runter. Ich frühstücke zu Hause.“
Elida sah mich missbilligend an, reichte mir aber die Tasse mit dem Weihnachtstee. Dann ging ich zu Ryk und begrüßte ihn mit einem isländischen „halló“.
Er sah mich überrascht an und ich fragte ihn: „Kannst du englisch oder deutsch?“
„Ein wenig von beidem“, nickte er auf englisch und so kamen wir ins Gespräch …

Fortsetzung folgt …

Anmerkungen:

owei, owei. Da hab ich doch gestern abend eigentlich schlafen gehen wollen und da kam die zündende Idee für die Friedhofsszene und ich schrieb gleich noch etwa zweieinhalb Seiten auf dem Blog und diese Idee hat auch noch richtig Potential.

Und das Problem ist die Weihnachtstradition von Island hat auch richtig Potential. Je mehr ich darüber lese desto besser gefällt sie mir.

Aber wie gesagt. Vieles ist einfach freie Interpretation. Im Internet ist ja auch nicht immer alles richtig und ich hab keine eigenen Erfahrungen zu Island.

Und was sagt ihr bisher so?

Das elfte Wort: November: Fingerspitzengefühl Weihnachten bei Tim und Elida in Island (Teil 1)

Dann will ich mich heute mal noch um das 11. Wort bei Dominik kümmern. Da hinke ich ja immer noch hinterher.

txt11-2016-blog

Mal sehen. Tarlucy hat mir ja schon Anregungen für diese Geschichte gegeben. Mal sehen wie das so klappt.

Weihnachten bei Tim und Elida in Island (Teil 1)

23. Dezember

Dieses Jahr Weihnachten hab ich mir überlegt zu meinem Onkel Tim und seiner Frau Elida zu verbringen. Ich war noch nie da, aber Tim war mein Patenonkel und meine Oma war gerade gestorben. Hier würde Weihnachten sehr traurig werden und da Tim nicht zu ihrer Beerdigung kommen konnte, wollte ich ihm ein bisschen deutsche Gesellschaft leisten.

Die beiden wohnten Mitten im Land in einem kleinen sehr unbekannten Dorf. Sie mussten mich also vom Flughafen in Akureyri abholen und bis zu ihrem zu Hause waren es dann noch etwa zwei Stunden Fahrt.

Onkel Tim wollte viel von Deutschland erfahren, aber momentan reichte mein Fingerspitzengefühl dafür nicht aus, denn ich war vollkommen fasziniert von der traumhaften Landschaft Islands. Wir kamen an Felsenlandschaften genauso vorbei wie am Meer mit superschönen Klippen. Von Aber bog Tim noch weiter in die Einöde ab und ich fragte mich wie viele Einwohner das Dorf eigentlich hatte, indem Tim und Elida lebten.

Als wir dann ankamen entdeckte ich, dass meine Verwandtschaft in einem wunderschönen Haus lebte, dass über das Dach rüber mit Moos bewachsen war. Es war etwas abseits vom nächsten Dorf und stand einsam und verlassen im Nirgendwo. Ich hatte sogar Häuser gesehen, die fast in die Hügel eingwachsen zu sein schienen. Von innen war es schick und hell und sehr gemütlich eingerichtet.

Da ich einen Tag vor Heiligabend angereist war, hatte ich auch noch den Morgen vor mir, wo die Isländer ihre Toten auf den Friedhöfen gedachten. Das stellte ich mir ähnlich vor wie wir unser Allerheiligen haben. Nur eben an Weihnachten. Aber sicher war ich mir natürlich nicht.

Am Abend kochten wir allerdings erst mal zusammen und ich genoss den Familienabend mit Tante und Onkel. Sie hatten zwei Kinder Emma und Jarle, aber die waren beide schon aus dem Haus raus. Jarle lebte mittlerweile in Australien und würde Weihnachten wohl nicht kommen, aber Emma würde ich sehen. Ich freute mich schon drauf.

Heute Abend aßen wir Lachs, was ich wenigstens kannte. Das gabs aber manchmal auch in Island zu Weihnachten. Jetzt war ich auch bereit meiner Tante und meinem Onkel von Deutschland zu erzählen. Ich erzählte Elida von unserem Weihnachten, was Tim natürlich kannte, aber Elida war erst zwei mal in Deutschland gewesen und das nicht zu Weihnachten.

„Merkwürdig, eure Traditionen“, fand Elida. „Bei uns kommt ja nicht so ein komisches Christkind. Bei uns kommen die Jólasveinar. Das sind die 13 Söhne einer Riesin. Früher haben sie uns Streiche gespielt. Mittlerweile verteilen sie die Geschenke.“ Ich mochte immer in den Geschichten besonders Giljagaur, den Schluchtenkobold, aber Kertasníkir, der Kerzenschnorrer ist auch toll.“

„Kerzenschnorrer, Schlutkobold? Das sind ja seltsame Figuren für Weihnachtsgeschenke“, sagte ich nachdenklich. Und gleich 13 Söhne? Bei uns ist es nur ein Christkind. Na ja, und wer es glauben will vielleicht noch der Weihnachtsmann.

„Also das ist bei uns so. Ab dem 12. Dezember kommen die Riesen zu uns Menschen. Sie kommen aus den Bergen. Jeden Tag kommt einer hinzu bis zum Heiligen Abend. Das heißt bei uns aðfangadagskvöld (Anfangstagsabend). Danach geht jeden Abend wieder einer zurück bis zu den Heiligen drei Königen. Bei uns heißt das þrettándinn  (13. Weihnachtstag). Und das bis schließlich alle wieder verschwunden sind“, erzählte Elida mir. „Aber das ist nicht die einzige Version, die es in Island gibt. Bei manchen sind es nur neun Weihnachtsgesellen. Bei uns gibts auch 13-seitige Adventskalender, aber das ist noch eine ganz andere Geschichte. Wenn es dich interessiert kannst du mal im Internet googlen. Das zu erklären wäre alles zu kompliziert und alles darüber weiß ich auch nicht.

(Anmerkung von Corly an dieser Stelle: Wikipedia kann unter anderem helfen)

„Ich find es ja immer spannend wie alle so bei euch Weihnachten feiern und andere Länder überhaupt. Euer Weihnachtsbaum ist so schön und so voller Lichter“, schwärmte ich.
„Ja, wir Isländer lieben Lichter an Weihnachten“, stimmte Elida mir zu.
„Ich bin schon so gespannt auf morgen. Ich kann es kaum erwarten“, gestand ich.
„Dann sollten wir jetzt abräumen und dann schlafen gehen. Wir gehen recht früh zu den Gräbern. Dann möchtest du doch bestimmt fit sein“, mischte Tim sich in unserer Unterhaltung ein.
„Klar“, nickte ich eifrig.
„Okay, dann lass uns anfangen“, fand auch Elida und ich half ihr noch beim Abwasch.
„Jana, dein Zimmer ist oben. Komm, ich zeig es dir.
„Ist euers denn nicht oben?“, fragte ich neugierig.
„Doch klar, aber wir haben zwei Etagen oben.“ Also führte Tante Elida mich in mein Zimmer. Es war wunderschön und so gemütlich. Es hatte sogar einen eigenen funklenden Tannebaum.
Elida verabschiedete sich schnell von mir und ich zog mich noch schnell aus, ging in das kleine Bad und ließ mich dann in das weiche kuschelige Bett fallen. Ich schlief sofort ein und träumte meine eigene Version von den dreizehn Söhnen der Riesin.

Forsetzung folgt …

Man Tarlucy, was machst du nur mit mir? Schon wieder eine Fortsetzungsgeschichte, aber das kann man unmöglich in einen Teil schieben. Ausserdem war es gar nicht so einfach das zu schreiben, weil ich erstmal googlen musste. Ich hab keine Ahnung wie die in Island leben und wo. Aber ich hab gleich mal Lust auf Island bekommen.

Kleine Anmerkung am Rande.

Das ist meine Interpretation für Islands Weihnachten. Sicher hab ich ein bisschen gegoogelt, aber ob das in Island dann wirklich so ist wie ich es mir vorstelle weiß ich natürlich nicht. Und das gilt für alle noch kommenden Teile.

Vielleicht sollte ich Teil 2 gleich mit dem 12. Wort verbinden. Das würde ich doch hinkriegen. Ist nicht so ein schweres Wort.