Das 12. Wort Kitsch: Der Brautladen

So, das 12. Wort ist KITSCH und da ich sowieso mal was kitschiges wollte passte es irgendwie perfekt.

 

Der Brautladen

Ich plante schon seit langen meine Hochzeit. Auch wenn mir noch der passende Partner fehlte. All meine Freundinnen hielten mich für verrückt. Besonders Davina musste darunter leiden, denn ich schleppte sie in jeden Brautladen mit, den ich finden konnte. Meine Zwillingsschwester ließ es über sich ergehen, verdrehte aber jedes mal die Augen.
„Wie wäre es denn, wenn du erst mal einen Partner findest?“, fragte sie mich jedes mal und sah mich dabei schräg an.
Meine Antwort war immer dieselbe. „Ich hatte einen Partner und der war perfekt.“
Davina seufzte nur: „Claire, Liebes. Er war alles andere als perfekt. Er hat dich für seinen Job sitzen lassen.“
„Er ist Verkäufer für Brautsachen und selbstständig. Er wollte immer schon Karriere machen. Das hat er nie verheimlicht“, verteidigte ich ihn wie immer.
„Trotzdem hat Lance dich verlassen“, beharrte Davina sturr. „Das ist nicht ehrenhaft. Gehst du deswegen in jeden Brautladen, den du finden kannst?“
Ich zuckte zusammen. Davina hatte mich schon immer zu gut gekannt. „Ich will meine Hochzeit nur schon mal planen. Zumindest grob.“
Und dann stand ich plötzlich vor meinem ultimativen Hochzeitskleid. Es hing in dem Schaufenster vor dem ich stand. Es war rose mit weitem Rock und Rüschchen. Es war mit blinkenden Pailetten besetzt. Es war aufdringlich und gleichzeitig schlicht und der pure Kitsch. Aber es musste unbedingt meins werden.
„Wir müssen da unbedingt rein“, verkündete ich meiner Schwester aufgegregt. Sie folgte mir schweigend. Das kannte sie von mir ja schon.
Wir betraten den Laden. Er war ungewöhnlich düster für einen Brautladen, aber das machte nichts. Ich sah mich um, aber es war niemand zu sehen.
„Hier ist keiner“, bemerkte Davina nur. „Und es ist so düster. Lass uns wieder gehen.“
„Hast du das Brautkleid im Schaufenster gesehen? Das ist mein Kleid. Unbedingt.“ Ich war ganz aufgeregt.
„Das hast du bei tausend anderen Kleidern auch schon gesagt“, erinnerte mich meine Schwester.
„Aber hier ist es anders“, behauptete ich. „Ich habe wirklich das Gefühl, dass es mein Kleid ist.“
„Ich dachte ich hätte Stimmen gehört. Da wollte ich mal nachsehen ob ich Kundschaft habe“, ertönte plötzlich eine allzu vertraute Stimme, die mir durch Mark und Bein ging.
Auch Davina drehte sich zu der Stimme um. „Lance. Na, sieh mal einer an. Ist das dein Laden?“
„Ja, das ist mein Laden.“
„Boomt aber nicht gerade, oder?“, fragte Davina nur skeptisch. „Ziemlich düster hier.“
„Das lässt sich ändern. Ich habe eigentlich erst um zehn geöffnet.“ Und dann schaltete er das Lichte ein und mir und Davina fiel die Kinnlade herunter. Wie viel Licht doch verändern konnte. Der Laden war einfach nur ein Traum. Überall hingen Brautkleider wie in Schaufenstern und die waren alle nicht weiß. Ich sah blaue, gelbe, silberne, grüne und rote. Zwischen den Reihen war weißer Teppich gelegt und an den Wänden hingen Ringe oder Schleier oder Brautschmuck. Auch Schuhe entdeckte ich hier und da.
„Wow, Lance“, staunte dann auch Davina aufrichtig. „So viel Geschmack hätte ich dir gar nicht zugetraut. Ein bisschen kitschig, aber hübsch.“
„Danke.“ Lance strahlte übers ganze Gesicht und musterte uns dann neugierig. Er sah immer noch verdammt gut aus mit seinem schwarzen Haar, den blauen Augen und dem schönen Gesicht. Sein Körper war schon immer sehr elegant gewesen. „Was treibt euch hier her? Braucht ihr Brautkleider?“
„Ich habe mich in das rosa Kleid im Schaufenster verliebt“, gestand ich ihm nun. „Aber dieses blaue ist auch toll.“
„Das rosa Kleid, ja“, murmelte er vor sich hin. „Es ist wahrlich ein Traum. Es würde dir ausgezeichnet stehen.“
„Bescheiden wie immer“, bemerkte Davina, doch Lance ignorierte sie gekonnt.
„Also bist du verlobt?“, fragte er mich. Ich konnte nicht heraushören ob ihn das enttäuschte.
„Nicht direkt“, mischte sich da wieder Davina ein. „Sie plant nur schon seit Jahren ihre Hochzeit.“
„Planst du denn gerne Hochzeiten?“ Lance schien wirklich interessiert zu sein.
„Nur ihre eigene“, war Davinas Kommentar dazu.
Oh, Gott. Ich musste unbedingt was sagen. Ich konnte nicht die ganze Zeit über meine Schwester reden lassen. Aber bevor ich dazu kam übernahm Lance schon wieder das Wort.
„Du könntest bei mir einsteigen“, schlug er vor. „Ich leite den Laden und du übernimmst Kunden für die Hochzeitsplanung.“
„Oh nein, Lance“ währte Davina sofort ab. „Das wird sie nicht tun.“
„Ich kann auch für  mich selbst sprechen, danke.“ Endlich hatte ich meine Stimme wieder gefunden. „Ich habe eigentlich einen Job, aber ich denke darüber nach.“
„Claire!“ Davinsas warnenden Ton konnte ich kaum überhören.
„Das ist meine Chance, Davina“, klärte ich sie auf. „Ich bräuchte nicht mehr meine eigene Hochzeit planen. Ich könnte andere planen.“
„Aber wir sprechen hier über eine Zusammenarbeit mit Lance“, erinnerte Davina mich. „Der, der dich wegen seinem Job verlassen hat. Schon vergessen?“
„Das tut mir auch echt total leid“, fing Lance gleich an sich zu entschuldigen. „Ich liebe meine Arbeit, aber ich vermisse dich in meinem Leben. Würdest du vielleicht mal wieder mit mir ausgehen?“
„Ach Gott, das kann nicht dein Ernst sein“, stöhnte Davina.
„Wenn ich hier anfange wird es nur um die Arbeit gehen“, machte ich ihm klar. Zumindest am Anfang. Ich musste erst mal sehen wie es läuft. „Du hast mich verletzt, Lance. Aber dieser Job würde mich schon reizen.“
„Alles klar. Bedinung akzeptiert. Das muss für den Anfang reichen“, willigte Lance überraschend schnell ein. „Wann kannst du anfangen?“
„Kriege ich denn keine Bedenkzeit“, fragte ich ihn.
„Dann sehe ich dich nie wieder, weil Davina dich solange bequatscht, dass du doch nicht annehmen wirst“, befürchtete er.
Da könnte er Recht haben. „Okay. Kann ich Montag anfangen?“ Heute war Freitag.
„Ausgezeichnet“, freute er sich und strahlte. Von Davina kam ein kollektives Stöhnen.
„Eine Bedingung habe ich noch“, stellte ich dann noch klar. „Wenn ich heirate will ich genauso ein Kleid wie das rosane im Schaufenster. Egal wen ich heirate.“
Er zuckte kurz zusammen, nickte aber. „Geht klar.“
„Gut, dann bis Montag. Ich freue mich.“
Und damit verließ ich mit einem guten Gefühl den Laden. Davina trabte neben mir her. Sie war nicht begeistert. Das wusste ich, aber ich musste es wenigstens versuchen  mit der Arbeit und mit Lance.

Ende

So, das war meine Geschichte zum Kitsch. Wie findet ihr sie?