Schreibklick: Der Farbenbrunnen

Heute gibts den Schreibklick und ich bin wieder mit dabei:

Der Farbenbrunnen

Ich stand auf dieser Wiese und war einfach nur fasziniert. Um mir herum befanden sich lauter glitzernde Regenbögen. In all ihrer Pracht faszinierte mich ihr Farbenspiel. Der Regen fiel um mich herum, aber ich wurde nicht nass. Hier im Farbenland war alles möglich.
Ich liebte besonders den Regenbogenplatz. Andere den, wo die Sonne unterging. Und wieder andere saßen stundenlang am türkisfarbenen Wasser. Die Farben hier waren kräftig und rein. In unserer Welt verirrte sich kaum jemand neues her.
Doch dann passierte es eines Tages. Plötzlich tauchte ein Fremder auf. Er stand plötzlich hinter den Regenbögen und sah sich um. Ich konnte ihn unbemerkt beobachten. Er sah interessant aus. Er trug eine graue Hose und ein schwarzes T-Shirt. Auch seine Haare waren schwarz. Er wirkte so blass.
Und dann kam er durch die Regenbögen zu mir. Ich hielt den Atem an.
Dann begegnete er meinen Blick. Und es war, als würde meine Welt stocken. Wir musterten uns interessiert und er sah mich fragend an.
„Hallo!“, begrüßte ich ihn schließlich.
„Hallo“, antwortete er zaghaft.
„Wer bist du und was machst du hier?“, fragte ich sofort.
Er sah mich nur verständnislos an. „Wieso, ich bin doch jeden Tag hier.“
„Das kann nicht sein. Dann hätte ich dich schon mal gesehen“, wiedersprach ich ihm.
„Bist du denn immer hier?“, fragte er nun auch verwirrt.
„Ja, immer“, antwortete ich.
„Vielleicht trennen uns die Farben voneinander“, überlegte er.
„Wie meinst du das?“, fragte ich verwirrt.
„Die Farben bestimmen über diese Welt“, erklärte er mir. „Sie sind eigensinnig und wild. Sie entscheiden wer hier sein darf und wer nicht. So können sie natürlich auch bestimmen, wer sich begegnen darf und wer nicht.“
„Okay.“ Mir war nicht alles neu, aber irgendwie hatte ich noch nie so genau darüber nachgedacht. Vielleicht hatte er Recht. „Und was bedeutet das jetzt?“
„Wir sollten uns begegnen“, antwortete er. Und dann schenkte er mir ein Lächeln. Einfach so. „Warst du schon mal beim Farbenbrunnen?“
„Ich bin nicht erst seit gestern in dieser Welt.“ Ich rollte mit den Augen.
„Aber warst du schon mal richtig dort?“, ließ er nicht locker.
Ich sah ihn verständnislos an und er seufzte. „Komm, ich führe dich hin.“
Und so verließen wir die Regenbögen. Er führte mich über die Wiese, die grün und herrlich war. Hier war alles so herrlich. Ich liebte diese Welt.
Der Weg war nicht weit. Der Brunnen befand sich praktisch nebenan. Es war wirklich ein ganz normaler Brunnen, aber das Wasser da drin spiegelte sich in allen Farben des Regenbogens. Ich hatte ihn nun schon so oft gesehen, aber ich hatte mich nie an diesen Anblick gewöhnt.
„Kennst du die Legende des Brunnens?“, fragte er mich.
„Nein“, antwortete ich wahrheitsgemäß. „Es gibt eine Legende?“
„Ja, und eigentlich kennt sie doch jeder. Aber nun gut, dann erzähle ich sie dir halt.“
Und so setzten wir uns auf die Wiese und er fing an zu erzählen. Die Legende war durchaus interessant.

Der Farbenbrunnen entstand durch Magie. Das war kein Geheimnis. Magische Farben wirbelten durch die Luft und so war der Brunnen plötzlich da. Aber was er mir erzählte, wusste ich bisher noch nicht.
In einer Nacht hatten zwei Liebenden den Brunnen besucht. Der Brunnen war noch nicht lange da und die Liebenden mit sich selbst beschäftigt. Den Brunnen nahmen sie kaum war. Deswegen konnte der Brunnen sie problemlos in sich hineinziehen. Seitdem leben sie in den Tiefen des Brunnes und vermischen die Farben unserer Welt. Sie mischten die Farben der magischen Welt und waren der Part, der alles zusammenbrachte.

„Und du meinst, sie haben uns zusammengebracht?“, fragte ich den Jungen. Ich wusste nicht, ob ich das glauben sollte. Legenden waren doch auch nichts anderes als Geschichten.
„Warum nicht?“, fragte er nur und zuckte die Achseln.
„Und was sollen wir jetzt deiner Meinung nach tun?“, wollte ich von ihm wissen.
„Zusammen die Welt erkunden“, fand er. Dabei sah er mich fast verführerisch an. Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte. Ich kannte ihn doch kaum.
Er schien mein Unbehagen zu spüren.
„Komm, ich zeig es dir. Bitte vertrau mir.“
Ich zögerte, aber schließlich siegte die Neugierde. Er nahm meine Hand und führte mich zum Brunnen. Wir beugten uns darüber und dann wurden wir hineingezogen. Ich spürte die Kraft des Brunnens in mir.
Im Brunnen wirbelten wir in einem Meer aus Farben hin und her. Als er uns wieder ausspuckte hatte sich irgendwas verändert. Ich sah ihn mit anderen Augen. Plötzlich kannte ich ihn und wusste wer er war. Ich wusste, dass er sich von Farben ernährte und ein Part der Liebenden aus dem Brunnen war.
„Was ist mit deiner Partnerin geworden?“, fragte ich betrübt.
Er sah mich nur vielsagend an.
„Nein, dass kann nicht sein.“ Ich schüttelte heftig mit dem Kopf. Daran würde ich mich doch erinnern.
„Doch“, nickte er. „Du bist es.“
Und dann fiel mir alles wieder ein. Die Legende, er, unser Leben, die Zeit im Brunnen. Wir gehörten zusammen. Wir waren die Liebenden vom Farbenbrunnen.
Und so sprangen wir wieder in den Brunnen. Wir führten die Legende fort und die Farben blieben erhalten. Jedes Jahr kamen wir einmal aus dem Brunnen heraus und wanderten zum Regenbogenplatz rüber. So sah unser Leben aus. Aber immerhin waren wir zusammen.

Ende

Was meint ihr?

Etüden 21: Der Blätterjunge

Heute gibts wieder die Etüden und ich bin wieder mit dabei.

abc.etüden 2019 47+48 | 365tageasatzaday

Unbehaustheit
schwermütig
haschen.

Der Blätterjunge

Ich stand vor einem leeren Brunnen. Als ich hineinsah fühlte ich etwas Unbehausheit in mir. Irgendwas schimmerte darin. Ein seltsames Licht. Was war das bloß? Ich konnte nichts genaueres feststellen. Auf einmal kam etwas aus dem Brunnen herausgeschossen. Ich sah ihm hinterher. War das ein Blatt?

Es wirbelte durch die Luft und schien gar nicht mehr aufzuhören. Dann kamen noch mehr Blätter aus dem Brunnen. Verwirrt und fasziniert folgte ich dem Wirbel. Die Blätter wurden immer schneller. Und dann wurden die Blätter dichter. Sie wurden jetzt schwermütig.

Und dann hielten sie Mitten in der Luft an. Sie wurden dunkler und dunkler. Und dann stand da plötzlich ein Mann. Er hatte rote Haare und sanfte grüne Augen und starrte mich an.

„Wer bist du?“, fragte ich verwirrt.
„Ich bin der Herbst“, antwortete er.
„Der Herbst?“, fragte ich verwirrt zurück.
„Ja, ich komme um dich zu holen.“
„Mich zu holen?“, wiederholte ich skeptisch. „Wieso?“
„Ja, du bist mein Wintermädchen. Du gehörst zu mir“, antwortete er.

Und so begleitete ich den Herbst als Wintermädchen in sein Schloss und blieb bei ihm. Wir lebten glücklich dort. Ich war der Ausgleich für den Herbst. Er hatte mich schon lange gesucht und doch gefunden. Ich liebte es einen Blick auf ihn zu haschen und sei es nur für kurz, denn er war sehr beschäftigt und ich oft alleine. Doch ich war glücklich bei ihm zu sein, denn dort gehörte ich hin. Für immer und ewig.

Ende

Irgendwie wollte mir zu den nicht gerade einfachen Wörtern nichts richtiges einfallen und somit ist das beiweg gekommen. Was meint ihr?