Mittwochshelden #02.12.15 # Ihr schreibt eigene Geschichten oder habt Geschichten gelesen, die nicht veröffentlicht wurden oder Fanfiction? Wer sind darin eure Top 3 Helden

oh, ich liebe das heutige Thema. Das ist doch eins für alle Schreiberlinge, oder?

Ich weiß, man soll sich nicht zu sehr selbst loben, aber ich hab da schon einige tolle Charaktere entworfen in „Die Zauberfeen“. Eine Top 3 ist da schon fast zu wenig.

1.) Leinar

Leinar ist für mich ein absoult toller Junge. Ruhig, etwas schüchtern und er hat einen heftigen Verlust erlitten. Aber er ist immer wieder augestanden und bodenständig. Ich mag Leinar so gern. Natürlich muss er für mich an erster Stelle kommen.

2.) Mianna

auch sie ist eine tolle Heldin. Ich mag ihre Natürlichkeit und wie sie sich um ihre Freunde sorgt und auch sie ist immer auf den Teppich geblieben. Mir ist Mianna eine sympatische Heldin. Aber ich als Erfinderin von Mianna muss das ja auch irgendwie sagen, oder?

3.) Cameron, Tiljan, John

Hier kann ich mich echt nicht entscheiden. Cameron ist einfach toll. So ruhig und anständig und immer für alle da. Er ist einer meiner absoluten Lieblinge.

Tiljan dagegen ist witzig und dennoch weiß er worauf es ankommt. Er ist schräg angezogen, aber ihn stört nicht was andere darüber sagen. Tiljan mag ich auch super gern.

John kommt in Teil 1 ja nur am Ende vor, also will ich noch nicht so viel über ihn verraten. Aber er wird euch noch wieder begegnen. So viel kann ich versprechen. Da mein Vorbild für ihn John aus The Tomorrow People war (Dass der Name der selbe ist, ist reiner Zufall. Am Ende von Teil 1 wusste ich das noch nicht, muss ich ihn einfach klasse finden).

 

Habt ihr auch solche Helden aus euren eigenen Geschichten oder falls ihr die Zauberfeen gelesen habt, vielleicht besondere Helden aus meiner Geschichte? Ich würde mich über eure Antworten sehr freuen.

Kapitel 69 Rückkehr ins Schloss

Kein schöner Land in dieser Zeit,
als hier das unsre weit und breit,

Kein schöner Land
Anton Wilhelm von Zuccalmaglio –
deutsches Volkslied

Ihr seid zurück?“, freute sich Linnie, sprang von ihrem Stuhl auf und nahm mich fest in ihre Arme. Ihre Augen leuchteten strahlend. „Gott sei Dank. Ich hab mir solche Sorgen um euch gemacht.“
„Brauchtest du gar nicht. Mia war großar-tig. Sie hat mir das Leben gerettet.“ Tiljan überschüttete mich geradezu mit Lob. Ich wurde sehr verlegen und befreite mich aus Linnies Umarmung. Ich stellte mich zu Leinar. Da fühlte ich mich immer noch am Wohlsten. Er schenkte mir ein aufmunterndes Lächeln.
„Das freut uns zu hören“, erklärte Lunar und klang stolz. Ich lächelte ihn an. Ich fühlte mich trotz allem immer noch unsicher in der Nähe meiner Eltern. Leinar schien das zu spü-ren und nahm meine Hand in seine. Dafür war ich ihm sehr dankbar.
„Wo sind Tedren und Feena?“, wollte Lu-nar nun verwirrt wissen. Er sah sich um als würde er erwarten, dass sie jeden Moment zu uns in die Höhle kämen.
„Tedren ist verschwunden nachdem er Feena in Eis verwandelt hat. Ihr Körper ist verloren, aber ihre Seele ist noch da“, erzählte Tiljan nicht ohne Bitterkeit in der Stimme.
„Das sind schlimme Neuigkeiten. Es wird wohl viele Jahre dauern bis sie wieder kommt“, überlegte Lunar nun und klang sehr besorgt.
„Ja Vermutlich. Aber das können wir nicht mit Sicherheit sagen. So etwas ist noch nie passiert“, stimmte Tiljan meinen Vater mehr oder weniger zu und wechselte dann das Thema. „Wie ist es euch denn ergangen? Wo sind Felicitas und Alexis?“
„Felicitas wurde gefangen genommen. Sie ist unten. Du weißt schon wo. Dort wird sie wohl auch erst mal bleiben. Alexis ist tot.“
Das mit Alexis waren schlimme Neuigkeiten. Aber wo bitte war unten? Sprachen sie von einem Gefängnis? Immerhin würde sie uns nicht mehr gefährlich werden. Das war das Wichtigste.
Nun schluchzte Fiann Nike bitterlich. Kenian und Nelson trösteten sie liebevoll. Es war bestimmt schwer für sie Alexis Verlust zu akzeptieren. Er war so lange an ihrer Seite gewesen und der Älteste der drei Brüder.
„Das tut mir sehr leid, Fiann Nike. Wie ist das passiert?“, fragte Tiljan sanft. Auch er schien sich vorstellen zu können wie sehr Fiann Nike das traf.
Statt Fiann Nike antwortete ihm Kenian. „Mein Bruder wurde mit dem schlimmsten Fluch belegt, den es in unserer Welt gibt. Kurz danach konnten wir Felicitas gefangen neh-men.“
„Das ist schlimm“, fand Tiljan bestürzt. Er sah richtig entsetzt aus. Während Kenian sich für Tiljans Worte Anteilnahme bedankte, fragte ich mich, was wohl der schlimmste Fluch unserer Welt war. Ich hatte nicht die geringste Vorstellung davon.
„Wird Tedren zu den Zwergen gehen?“, wollte Kenian nun wissen.
„Ich glaub nicht. Miron hat nicht mit ihm zusammen gekämpft. Ich denke er ist kein Verbündeter mehr von Tedren“, antwortete Lunar und klang ziemlich sicher.
„Aber Miron lebt nicht in der Zwergenwelt. Ein anderer übernimmt in seiner Abwesenheit seinen Königsposten. Ich weiß nicht, wer es ist. Aber was ist, wenn Tedren sich an den wendet?“, merkte ich an.
„Kann ich mir nicht vorstellen. Das wäre zu riskant“, gab Lunar zu bedenken, erläuterte das aber nicht weiter.
„Wir sollten langsam zurückkehren“, unter-brach Linnie uns. „Wir haben hier alles erledigt.“ Offenbar fühlte sie sich unwohl an diesem Ort. Ich verstand sie gut. Obwohl der See wunderschön war, waren hier doch schreckliche Dinge passiert.
„Dad, eigentlich wollten wir ja mit euch kommen, aber jetzt fehlen zu viele Wächter und die Schutzzauber müssen erneuert und verstärkt werden“, wandte sich Lilien traurig an ihren Vater.
„Ich weiß, und deswegen habe ich beschlossen, bei euch zu bleiben. Ins Schloss könnte Tedren jederzeit kommen, aber hier wird er wohl eher nicht wieder auftauchen“, verkündete Cameron.
Was? Cameron würde nicht mit ins Schloss kommen?
„Bist du dir auch wirklich sicher, dass du das möchtest?“, hakte Lilien nach. Offenbar wusste sie wie viel ihrem Vater die Schule bedeutete.
„Ja, bin ich“, antwortete er fest. Er blieb nicht wegen Tedren sondern wegen seiner Tochter. So viel war klar. Ich verstand das, aber trotzdem wünschte ich, er würde mit-kommen. Cameron war mir inzwischen ver-trauter als mein eigener leiblicher Vater.
„Aber was ist mit deinem ganzen Unterricht?“, platzte ich heraus. Ich wusste schon, dass ich ihn nicht umstimmen konnte, aber ich musste es wenigstens versuchen. Jetzt kam er zu mir und sah mich entschuldigend an.
„Mia, du hast hier richtig Großartiges geleistet. Den Unterricht wird Tiljan sicher übernehmen. Ist es nicht so, Till?“ Nun wandte er sich an seinen alten Freund.
„Allerdings.“ Tiljan schien sich sehr darüber zu freuen. Ich spürte die Vertrautheit zwischen den beiden überdeutlich. Ich freute mich auch Unterricht bei Tiljan zu haben, aber Cam würde mir eben fehlen.
„Ich werde ab und zu Kontakt zu dir auf-nehmen“, versprach Cameron. Er schien zu merken, dass ich nicht ganz glücklich mit seiner Entscheidung war.
„Okay“, nickte ich, aber wir wussten beide, dass das nicht dasselbe war. Die Gespräche mit Cameron waren einzigartig gewesen.
„Ich werde auch hier bleiben“, verkündete Fiann Nike plötzlich. „Es fehlen Wächter und ich möchte eine Lücke füllen.“
„Aber Mutter!“, rief Nelson schockiert. „Was ist denn dann mit Kenian und mir?“
„Das ist schon alles geregelt. Als wir auf die Übrigen warteten, hab ich zu Carlina Kontakt aufgenommen.“
Die Jungs sahen unglücklich aus und ich konnte sie verstehen. Offenbar waren sie dort ja nicht erwünscht. Außerdem hatten sie schon ihren Bruder verloren. Sie wollten nicht auch noch ihre Mutter verlieren. Aber sie beschwer-ten sich nicht.
Zurück reisten also nur meine Eltern, Keni-an und Nelson, Leinar und ich, Renn, Corly und Lim. Wir verabschiedeten uns mit Umarmungen von unseren Freunden, fassten uns an die Hände und dachten ganz fest an das magi-sche Schloss. Wir landeten sanft auf dem Schlossgelände vorm Schlossgarten, ließen unsere Hände los und Tiljan grinste uns fröh-lich an. „Endlich! Ich schlage euch vor: Ruht euch aus und trefft eure Freunde oder so was in der Art. Ich werde Carlina berichten, was passiert ist. Kenian und Nelson, würdet ihr mich begleiten?“
Die Jungs nickten und Tiljan verschwand mit ihnen. Auch Corly, Renn und Lim verab-schiedeten sich von uns, nachdem Renn Linnie umarmt hatte.
„Du musst ihn irgendwann mal richtig kennen lernen“, riet Linnie mir. „Er ist echt toll. Aber jetzt solltet ihr euch wirklich etwas ausruhen.“ Sie sah mich besorgt an.
„Und was werdet ihr machen?“, erkundigte ich mich.
„Einen langen Spaziergang“, verkündete Lunar grinsend, „und entspannen.“
„Ok, na dann viel Spaß“, wünschte ich den beiden. Das schien nach so anstrengenden Tagen zwar seltsam erscheinen, aber es würde ihnen sicherlich gut tun.
„Euch auch.“ Lunar zwinkerte mir zu und wir verabschiedeten uns voneinander. Leinar und ich gingen zunächst in unsere Suite. Es war total schön mit ihm wieder ganz allein zu sein und es war auch schön wieder bei meinen Büchern zu sein. Ich hatte das Lesen vermisst. Wir kuschelten uns auf unser Sofa und genos-sen unsere Zweisamkeit. Leinar gab mir einen langen leidenschaftlichen Kuss.
„Ich hab dich vermisst.“
„Aber ich war doch die ganze Zeit bei dir.“ Ich musste trotzdem glücklich grinsen. Ich wusste genau, was er meinte.
„Ja da hast du wohl Recht.“ Er strich mir sanft über die Wange und sah mir tief in die Augen.
„Wie fühlst du dich jetzt?“, fragte ich ihn. Unsere Gesichter waren sehr nah beieinander.
„Du meinst gerade jetzt? Ich fühl mich unglaublich großartig. Allerdings nicht gerade bei dem Gedanken daran auf dem Fest Schuhe tragen zu müssen.“ Er verzog sein hübsches Gesicht.
Ich lachte. „Das meinte ich eigentlich gar nicht, aber falls es dich beruhigt, das Fest ist draußen. Da wirst du nicht unbedingt Schuhe tragen müssen. Ich meinte aber eigentlich eher, wie du dich fühlst, seit du das mit deinen Eltern und deinem früheren Leben erfahren hast.“
„Ach so. Ich weiß nicht recht. Seltsam denke ich. Die Vorstellung, dass Feena und Ted-ren irgendwann mal meine Eltern waren, ist doch irgendwie schräg“, überlegte er gedan-kenverloren.
„Interessant ist ja auch, dass Corentin dein Halbbruder war und Tiljan dein Onkel, und die leben noch“, erinnerte ich ihn.
„Stimmt, das ist noch viel schräger“, entschied er. „Müsste ich mich nicht an irgendet-was aus meinem früheren Leben erinnern?“
„Nicht unbedingt. Du warst noch ein Kind.“
„Stimmt auch wieder.“ Leinar zuckte mit den Achseln und ich kuschelte mich noch enger an ihn und stahl ihm einen süßen Kuss.
Wir verbrachten noch eine Zeit lang so, aber dann zog es mich in den großen Gemein-schaftsraum im Hauptgebäude. Ich wollte meine Freunde sehen. Leinar blieb lieber allein in unserer Suite zurück. Er hasste es im Mittelpunkt zu stehen und das würde er unweigerlich, wenn er nach unten ging. Ich übri-gens auch, aber ich ging trotzdem.
Im Gemeinschaftsraum war es recht leer und meine Freunde saßen in ihrer gewohnten Ecke am Fenster. Zumindest Emma und Sophann. Lily war nirgends zu sehen. Dafür waren Kenian und Zac bei ihnen. Das wunder-te mich nun so gar nicht.
„Hey, wie schön. Du bist wieder da!“, freute sich Sophann, sprang auf und nahm mich überschwänglich in ihre Arme. „Ein wenig hat uns Ken ja schon erzählt, was da oben passiert ist, aber du musst uns auf jeden Fall noch mehr erzählen.“ Ach, Kenian war nun also schon zu Ken geworden? Das ging ja schnell. Ich sah ihn fragend an, aber er zuckte nur lässig mit den Achseln. Trotzdem entging mir sein trauriger Blick nicht. Die Erlebnisse am See hatten auch ihn geprägt.
Emma war mittlerweile auch aufgestanden und umarmte mich herzlich. Sogar Zac um-armte mich. Ich freute mich so sie zu sehen. In Kurzform erzählte ich ihnen von den wichtigs-ten Ereignissen. Aber erst, nachdem ich mich in den roten Sessel am Fenster gesetzt hatte.
„Und du hast wirklich mit Miron gesprochen? Das ist ja sowas von cool. Ich hab so viel von ihm gehört und für mich ist er so was wie der menschliche Orlando Bloom aus Der Herr der Ringe. Nur eben kleiner.“ Sophann sah mich erwartungsvoll an. Wie immer war sie aufgeregt, wenn sie von einem ihrer Lieb-lingsschauspieler redete. Zac, der neben ihr auf der breiten Fensterbank saß, stupste sie leicht an. Sie lächelte ihn entschuldigend an. Die beiden wirkten mittlerweile sehr vertraut miteinander.
„Na ja, ich würde ihn eher mit Ron Weasley aus Harry Potter vergleichen. Zumindest hat er mich irgendwie an Ron erinnert“, grinste ich.
„Ron ist auch gut.“ Sophann wirkte ziem-lich zufrieden damit. „Dann muss ich eben nur ein wenig umdenken.“
Ich lachte herzlich. „Jedenfalls ist er total nett, auch wenn er am Anfang etwas mürrisch wirkte.“
„Na hör mal, er ist ein Zwerg. Die sind nun mal irgendwie mürrisch“, verteidigte Sophann Miron überschwänglich. Zac blickte finster drein. Ich warf ihm einen beruhigenden Blick zu. Hoffte ich zumindest.
„Ich find das mit Tedren ziemlich beunruhigend“, mischte sich Zac in das Gespräch ein. „Ich musste mal ein Referat über ihn halten. Der Typ ist echt gruselig.“
„Durftest du dir das Thema aussuchen? Ich glaub Tedren hätte ich als letztes gewählt“, fragte Kenian neugierig.
„Na ja, ich hatte die Wahl zwischen Tedren, Felicitas und Ronar“, erklärte Zac. „Alles nicht besonders prickelnd, wenn du mich fragst.“
„Jedenfalls gebe ich dir Recht. Das mit Tedren ist wirklich beunruhigend. Ich hab ihn ja kennen gelernt. Er ist wirklich gruselig“, bestätigte ich. Bei der Erinnerung an ihn schauderte es in mir.
„Und du hast Feena wirklich getroffen?“, fragte Emma mich staunend. „Ich fand ihre Geschichte immer so cool.“
„Ja, Feena ist wirklich toll, obwohl ich den Eindruck hatte, dass sie bei Männern nicht so den besten Geschmack hat. Was sie an Tedren fand, kann ich beim besten Willen nicht ver-stehen.“ Ich musste an Leinar denken, der in seinem früheren Leben sein Sohn war.
„Vielleicht sollten wir diese gruseligen Dinge vorerst nicht mehr besprechen. Schließ-lich ist Morgen das Königsfest. Wir haben allen Grund zu feiern.“, schlug Sophann vor.
Wir stimmten ihr nur zu gern zu und in den nächsten Tagen unterhielten wir überwiegend über das Fest.

Kapitel 65 Brüder

Ganz egal was du tust
Und ganz egal, was du anfängst.
Lass sie einfach labern
Lass sie denken, was sie wolln.
Denn es zählt nur, dass Du weißt
worauf es Dir ankommt
Und was dein Gewissen erträgt.

Pur – Ganz egal

Dummerweise kam der nächste Angriff auf den Lebenssee mitten in der Nacht. Am Abend hatte ich den Eingeweihten von meinem Gespräch mit Miron erzählt. Selbst Cam hab ich es später erzählt, als ich ihn allein antraf. Ich fragte ihn auch, ob es stimmte, was Miron mir gesagt hatte. Er gestand mir, dass es ihm im Herzen wehgetan hatte, gegen Alrick kämpfen zu müssen. Schließlich war auch er ein Freund von ihm. Er hatte sogar noch versucht, es ihm auszureden. Ich hätte von Cam gern mehr über den Kampf zwischen den Sternen und Zwergen von damals erfahren, aber ich wusste, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt dafür war. Es gab Wichtigeres zu besprechen.
Leinar hatte sich übrigens darüber be-schwert, dass Miron ihn meinen flatternden Freund genannt hatte. Ich fand die Bezeich-nung eigentlich ganz passend, aber das sagte ich ihm natürlich nicht.
Jedenfalls wurden wir in dieser Nacht von einem Angriff geweckt. Zuerst wusste ich nicht, was los war. Dann hörten wir die Schreie der Wächter des Sees. Erst waren wir total erstarrt und dann wurden wir panisch. Wir liefen alle aus der Höhle und zum See hinüber. Dort sahen wir das Chaos. Einige Wächter lagen tot am Boden und einige Stel-len des Sees waren leer. Dort brannten keine Kerzen mehr. Irgendwie mussten Tedren und Felicitas den Schutzwall durchbrochen haben. Ich konnte mir nicht vorstellen wie, aber Miron hatte mich vor Tedrens Macht gewarnt.
„Mia, Leinar! Zu mir. Linnie, Lunar! Sucht Felicitas und schaltet sie aus. Corentin, Lilien! Bitte seid so nett und räumt die Leichen in die Höhle. Fia, kannst du mit deinen Söhnen nach den Kerzen auf dem See gucken?“, erteilte Feena ihre Befehle. Dann fiel ihr Blick auf Cameron und ihr Gesicht verfinsterte sich. „Was machst du hier, Cam? Du solltest sofort zurück in die Höhle gehen.“
„Auf keinen Fall.“ Cameron blieb stur. „Was soll ich da machen? Totenwache halten?“
„Du könntest versuchen Tiljan zu kontak-tieren. Er muss unbedingt herkommen. Viel-leicht kann er seinen Bruder ja noch zur Ver-nunft bringen, auch wenn ich nicht wirklich dran glaube. Ich habe im Schloss Sternenglanz versteckt mit dem er herkommen kann.“ Den Rest konnte ich nicht hören. Ich vermutete sie erzählte ihm in Gedanken, wo der Sternen-glanz versteckt war. Lunar und Linnie waren gerade erst aufgebrochen und deswegen konn-te sie es noch. „Bitte, Cam! Das ist wichtig.“
„Also gut“, gab er schließlich nach und ver-schwand genervt Richtung Höhle.
„Na endlich! Leinar, verwandle bitte dich und Mia in Glühwürmchen und folgt mir.“ Leinar fasste mich an der Hand und tat es.
Feena ging voran und wir flatterten leuch-tend hinterher. Als Glühwürmchen verwandelt zu sein fühlte sich anders an als sonst. Die Welt war viel größer und ich fühlte jede von Leinars Bewegungen viel stärker. Ich sah auch schärfer, obwohl ich auch als Fee schon ziemlich gut sah. Die Gerüche wirkten ebenfalls intensiver. Ich fühlte Leinar mit jeder Faser meines Körpers und ich fühlte, wie stark meine Magie war und wie stark seine. Ein Glühwürmchen zu sein fühlte sich seltsam an. Ob Leinar sich wohl auch so vorkam oder war er es einfach schon zu gewohnt sich in ein Glühwürmchen zu verwandeln?
Wir folgten Feena den Pfad am See entlang und bemerkten nichts Ungewöhnliches. Waren die Angreifer etwa schon weg? Anscheinend nicht. Denn nach einer ganzen Weile erschien Tedren einfach so vor uns.
„Tedren. Wie schön dich zu sehen. Es ist lange her“, begrüßte Feena ihn viel zu höflich. Eher wie einen alten Freund als einen Feind.
„Feena. Was für eine Überraschung und dann auch noch allein“, grinste Tedren fies. Er schien mich und Leinar nicht zu bemerken. So war es ja auch gedacht.
„Ich habe keine Angst vor dir“, stellte Feena klar. „Ich bin mächtig und das weißt du auch.“
„Ja ich weiß, dass du mächtig bist, aber ich bin mächtiger. Du kannst dich doch bestimmt noch an unser letztes Treffen erinnern, oder? Kurz vor der Pest war das und kurz vor dem geheimen Krieg zwischen den Sternen und den Zwergen. Du hast ein paar Fähigkeiten von dir auf mich übertragen und im Laufe der Jahre hab ich noch einige hinzugewonnen. Ein Vorteil ist auch, dass ich alle Fähigkeiten derer benutzen kann, die ich einmal lebend berührt hab“, prahlte er. Er klang so verdammt stolz.
Wovon redete er da? Was war zwischen Feena und ihm denn passiert? Wenn er wirklich diese Fähigkeit mit dem Berühren besaß, durfte er mich und besser auch Leinar niemals anfassen.
„Wenn du meinst.“ Feena klang bitter. „Aber das was du jetzt machst ist dumm, Ted-ren. Hör auf damit. Oder hat dir das zwischen uns nie was bedeutet?“
Ich kam nicht mehr wirklich mit. Was war zwischen den beiden gewesen?
„Doch Fee, es hat mir was bedeutet, aber manche Dinge sind wichtiger als das.“
„Wichtiger als Liebe?“, fragte Feena fast verzweifelt.
Liebe? Was war hier los? Das wurde ja immer verwirrender. Leinar wurde unruhig. Mit unserer Glühwürmchen Verbindung spürte ich das mehr als deutlich.
„Wichtiger als unsere Verbindung. Ich hab nur eine Frau je geliebt und das war Djana“, korrigierte Tedren sie kalt.
„Aber was ist mit Leinar? Er ist unser Sohn!“ Feena schien völlig vergessen zu haben, dass wir noch da waren.
Wieso sollte Leinar der Sohn der beiden sein? Er war doch Mion und Keenas Sohn. Außerdem ist war er erst nach der Pest geboren worden. Leinar zuckte heftig zusammen, als er diese Behauptung hörte und ich drückte seine Hand fester um ihn daran zu erinnern, dass ich bei ihm war. Dass er nicht allein war.
„Leinar ist nicht mein Sohn, er ist deiner“, wiedersprach Tedren ihr. „Er war nie wirklich mein Sohn.“
Feena seufzte. „Das ist traurig. Ich hatte geglaubt, es hätte dir etwas bedeutet.“
„Genug geredet. Endlich ist der Tag der Abrechnung gekommen. Wo ist Cam?“ Tedren sah genervt aus.
„Glaubst du wirklich wir bringen ihn hierher?“, fragte Feena ihn verächtlich. Offenbar hatte sie ihre Gefühle für Tedren augenblicklich vergessen oder hinten angestellt. Wie auch immer die aussahen. Davon wollte ich mir lieber gar kein Bild machen.
„Statt ihm bin ich hier“, erklang eine mir mittlerweile sehr vertraute Stimme. „Es ist lange her, Bruder!“ Tiljan stand nun neben Feena. Ich hatte ihn gar nicht kommen hören.
„Tiljan! Du hast dich überhaupt nicht verändert.“ Tedren zeigte wieder sein fieses Grinsen und betrachtete seinen Bruder abschätzend. „Willst du wirklich gegen mich kämpfen?“
„Wenn es sein muss. Sauer genug bin ich jedenfalls. Du verbreitest Lügen. Meine Frau ist also tot, ja? Das müsste ich ja wohl wissen, meinst du nicht? Wie kommst du dazu? Wie konntest du überhaupt überleben?“
Woher wusste Tiljan das mit Laja? Hatte Cam ihm davon erzählt?
„Es gibt einige Überlebende der Pest, nicht nur mich“, erinnerte Tedren seinen Bruder.
„Stimmt“, gab Tiljan zu. „aber du bist der einzige tot Geglaubte. Du bist einfach unterge-taucht, statt dich bei deiner Familie zu mel-den.“ Nun sah Tiljan Tedren böse und anklagend an. Ich hatte Tiljan noch nie so erlebt. Er machte mir fast irgendwie Angst. „Wo warst du?“
„Erst bei den Zwergen. Sie haben mich mit Freuden aufgenommen und gesund gepflegt. Ich war wirklich dem Tode nahe, aber ich konnte aus dem Elfenland fliehen. Später kam ich unbemerkt zurück und schloss mich Ma-jenna und Felicitas an.“
„Und hast alle im Stich gelassen“, warf Til-jan ihm vor. „Du warst ihr König.“
Auch ich konnte kaum glauben, was ich da hörte. Wie konnte man so herzlos sein?
„Und genau deswegen musste ich fliehen. Um eines Tages wieder zu euch als euer König kommen zu können“, sagte Tedren in einem Tonfall, als würde er das einem kleinen Schuljungen erklären.
„Du bist kein König mehr. Die Welt hat sich seit damals mehr als verändert. Wir haben ein neues Königspaar“, klärte Tiljan seinen Bruder auf. Er klang fast genauso herablassend wie sein Bruder. So kannte ich ihn gar nicht.
„Dann werde ich dieses neue Königspaar wohl töten müssen“, erklärte Tedren, als wäre das nur eine weitere lästige Angelegenheit. Nun war es an mir zusammen zu zucken und Leinar drückte meine Hand. Tedren musste unbedingt beseitigt werden.
„Wohl kaum“, höhnte auch Tiljan als hätte er meine Gedanken gelesen.
„Wie wäre es, wenn ich dir ein Angebot mache, Till? Ein Duell auf Leben und Tod. So wie damals bei Majenna und Ronar. Dann bist du mich für immer los“, schlug Tedren vor.
„Und was ist, wenn ich verliere?“, erkun-digte sich Tiljan. Er ließ sich nichts anmerken, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass es ihm behagte seinen Bruder töten zu müssen. Familie war immerhin Familie, egal wer dazu gehörte.
„Dann gehört das Königreich mir und alle sind meine Untertanen.“ Oh nein. Tiljan würde sich nicht auf das Angebot einlassen, oder?
„Wann bist du so böse geworden, dass du bereit bist deinen eigenen Bruder zu töten?“, fragte Tiljan ihn bitter.
„Dank deinem Freund Cam dafür. Wäre er nicht gewesen, hätte Corentin den Weg gewählt, den ich mir für ihn gewünscht habe mit einer vernünftigen adeligen Elfe an seiner Seite.“
„Das ist Irrsinn, Tedren. Corentin hätte niemals eine andere geliebt als Lilien. Und sie ist zwar nur zur Hälfte eine Elfe, aber adelig, anständig und auch zur Hälfte ein Stern. Cam war mal dein Freund, Tedren. Ich versteh dich einfach nicht mehr.“ Tiljan wirkte immer verzweifelter. Er schien sich zu wünschen, Tedren würde wie durch ein Wunder seine Meinung ändern.
„Eben! Sie ist ein Stern. Unsere Völker hät-ten sich niemals verbinden dürfen. Auch daran ist dein Freund Cam gewissermaßen Schuld. Selbst die Zwerge haben das irgendwann be-griffen. Was meinst du wieso sie sonst gegen die Sterne gekämpft hätten?“
„Du hast sie dazu getrieben?“, riet Tiljan. „Mittlerweile wundert mich wirklich gar nichts mehr.“
„Also, bist du nun bereit zu dem Duell, o-der nicht? Denn wenn nicht, werde ich vielleicht alle anderen angreifen müssen. Ansonsten könnte ich die Meisten verschonen.“ Das glaubte Tiljan doch nicht wirklich, oder?
„Aber Cam wirst du nicht verschonen?“, vermutete Tiljan missmutig.
„Nein, und das Königspaar auch nicht“, bestätigte Tedren ohne Mitleid in der Stimme.
Tiljan warf mir und Leinar einen entschuldigenden Blick zu. Dann beschloss er: „Mir gefällt das nicht, aber mir wird wohl nichts anderes übrig bleiben. Also kämpfen wir.“
Oh nein. Das durfte nicht wahr sein. Wenn Tedren nicht in dem Duell starb, würde ich ihn töten müssen oder am besten schon während des Duells. Doch ich betete, dass Tiljan überlebte. Wir brauchten ihn doch. Genauso wie Cam.

Kapitel 59 Der vierte Angreifer

Sie werden dich nicht mögen.
Du kannst nicht wegrennen,
sie werden dich finden.
Bete für Antworten was du tun sollst.
Mache Entscheidungen wo du hingehen sollst.
Nehm die Kreuzung und geh mit dem Strohm.

Blazin Squad – Crossroads

Der Angriff fand etwa an der Mitte des Sees statt. Diese Stelle bewachten eine Fee und ein Stern. Wir mussten durch den Schutzwall, wenn wir die Angreifer erreichen wollten. Der Schutzwall war zwar in gewisser Weise durchsichtig, aber auch umgeben von blassblauem Licht. Es wirkte fast so als hätte der Himmel all seine Farbe verloren.
Die Angreifer sahen wir aber trotzdem nicht. Jedenfalls nicht sofort. Der Moment, in dem wir durch den Schutzwall kamen, wirkte auf mich ziemlich unheimlich. Als wir sie dann endlich entdeckten, merkte ich an Camerons Gesichtsausdruck, dass er sie wiedererkannt hatte. Noch hatten sie uns nicht bemerkt, aber das konnte sicher nicht mehr lange dauern.
Am besten wäre es, wenn wir jetzt angreifen würden. Allerdings schien Cameron nun auch den vierten Angreifer erkannt zu haben, denn er fragte nicht gerade leise und ungläubig: „Tedren?“
Der Angesprochene drehte sich sofort zu uns um und grinste schief, was sehr böse wirkte. „Cameron! Sieh an, du bist also doch noch gekommen. Majenna hatte es schon fast aufgegeben.“
„Aber was machst du hier?“ Cam konnte nicht glauben was er da sah. „Du bist umgekommen, als die Pest über uns kam.“
„Ach ja? Gab es dafür einen Beweis?“, höhnte Tedren. „Ich bin einfach nur untergetaucht und nach einiger Zeit hab ich mich Fe-licitas und Majenna angeschlossen.“
„Aber wieso greifst du uns an?“, wollte Cam wissen. Er begriff es nicht und ich auch nicht. Das war Tedren? Tiljans Bruder und Corentins Vater? Ich konnte es kaum glauben. Doch dann sah ich die Ähnlichkeit zu Corentin und dessen Söhnen. Das gleiche Haar (in schwarz bei ihm) und die gleichen Augen. Dennoch wirkte er härter und verbitterter und das ließ ihn unheimlich wirken.
„Oh, wir wollten doch gar nicht euch an-greifen, also nicht wirklich den See. Wir woll-ten nur dich vernichten, Cameron. Hätten wir dem See schaden wollen, hätten wir es längst getan.“
„Und wieso mich?“, fragte Cam verwirrt. „Was habe ich dir getan? Wir waren mal Freunde.“ Freunde? Hatte ich das richtig gehört?
Tedren lachte bitter. „Eben, wir waren mal Freunde trifft es richtig. Du hast mir meinen Sohn weggenommen. Ich war niemals mit Lilien einverstanden. Auch nicht, als sie plötz-lich adelig wurde.“ Er warf Lilien einen gifti-gen Blick zu.
Diese zuckte heftig zusammen und Coren-tin sah seinen Vater fassungslos an. „Aber Vater, Cam hat mich dir doch gar nicht weg genommen. Ich habe Lilien schon geliebt, bevor heraus kam, dass sie adelig wurde.“
„Ach, sei still, Corentin. Sie hat dich geblendet. Natürlich hast du gedacht, du liebst sie“, höhnte Tedren.
„Das war vor etwa fünfhundert Jahren, Va-ter, und wie du siehst, bin ich immer noch an ihrer Seite. Das war nicht nur irgendeine blöde Liebelei, wie du es so schön nennst“, wehrte sich Corentin heftig.
Tedren erwiderte etwas, aber ich bekam es gar nicht mehr richtig mit. Ich fasste Leinar an der Hand und er verwandelte uns in das kleine Glühwürmchen, dass ich von ihm schon kannte. Niemand schien auf uns zu achten und plötzlich erschien noch in Leinars Hand ein kleines Schwert. Was er damit ausrichten wollte blieb mir ein Rätsel. Es war einfach viel zu winzig um wirklichen Schaden anrichten zu können.
Majenna und Felicitas hatten bisher nur ziemlich unbeweglich dagestanden und schie-nen sich auf Tedren zu konzentrieren. Wir sollten etwas tun, bevor sich dieser Zustand änderte.
Also flogen wir auf sie zu und ich flüsterte: „Feuer!“, und ein Feuerball, der etwa so groß wie meine Hand war, erschien plötzlich da-rauf. Ich schleuderte den brennenden Ball auf eine der Elfen. Ich wusste nicht, ob sie Majen-na oder Felicitas war. Jedenfalls fing ihr Haar an zu brennen und sie schrie panisch auf. Leinar und ich flogen schnell außer Reichweite und Tedren drehte sich alarmiert zu den Elfenfrauen um. Als er das Feuer am Haar der Elfe entdeckte, schrie er entsetzt: „Nein!“
„Hilfe!“, schrie dagegen die brennende Elfe. „So helft mir doch.“ Aber Niemand kam ihr zu Hilfe. Bevor sie am lebendigen Leib verbrennen konnte, sprach Jemand einen Zau-ber aus und sie fiel einfach so leblos um. Die Angreifer konnten nicht so richtig begreifen, was da passiert war, und waren abgelenkt. Leinar verwandelte uns wieder in unsere normale Größe zurück, aber er hielt weiterhin meine Hand. Das war etwas umständlich, da er nun mit dem Schwert die andere Elfe fixierte.
„Los! Wir müssen sie vernichten“, rief Tedren seinen Leuten über das plötzliche Chaos hinweg zu.
Mir kam eine Idee und so schickte ich Leinar magische Wärme in sein Schwert. Das Schwert ging sofort in Flammen auf und wirk-te magischer und gefährlicher denn je.
Unsere Gegner begriffen wohl, dass wir ei-ne ernste Gefahr für sie darstellten und zogen sich zurück. Wir versuchten wieder an sie ran-zukommen, aber sie bauten einen magischen Schutzwall um sich herum auf.
Feena rief durch die Menge: „Lasst sie, wir kommen jetzt nicht an sie ran!“ Und in unseren Köpfen sagte sie: „Gönnen wir uns ein wenig Ruhe, aber es ist noch nicht vorbei.“
Also zogen wir uns hinter den Schutzwall zurück und gelangten dann wieder durch den Sternentunnel in die Höhle.
„Das war gut Mianna, ich bin sehr stolz auf dich“, lobte Feena mich. „Ich wusste doch, dass du das kannst. Nur leider wird es beim nächsten Angriff nicht mehr so leicht sein, denn sie werden dann vorbereitet sein. Ande-rerseits sind sie jetzt nur noch zu dritt und das ging schneller als ich dachte.“
„Ich hab Jemanden getötet“, stellte ich mit zitternder Stimme fest. „Ich bin doch nicht so. Ich bin Niemand, der einfach so tötet.“ Und dann auch noch auf so grausame Weise.
Leinar zog mich vor all den anderen sanft in seine Arme. „Es war notwendig und das weißt du auch. Du darfst dir da nicht solche Gedanken drüber machen.“
„Der Junge hat Recht“, sprach nun auch Feenas Stimme in meinem Kopf beruhigend auf mich ein. „Du hast alles richtig gemacht und wir leben noch, auch Cameron.“
Ja, Cameron lebte noch, aber Feena hatte selbst gesagt, dass es noch nicht vorbei war. Er konnte also immer noch sterben.
„Aber ich habe getötet und sie hat nicht mal was gemacht“, wiedersprach ich immer noch geschockt.
„Das stimmt nicht“, redete Leinar mir gut zu. „Sie war böse. Sie hätte versucht uns zu töten, hättest du sie nicht gestoppt.“
Ich war trotzdem noch geschockt, doch wir hatten wichtigere Dinge zu bereden. Das sah ich ein. Also schwieg ich. Sie hatten ja Recht. Ich war wirklich kindisch, aber ich hatte vor-her noch nie getötet. Ich wusste einfach nicht, wie ich damit umgehen sollte.
„Ich denke wir sollten uns gleich eine Weile ausruhen. Cam, du wirst an den anderen Angriffen nicht mehr teilnehmen. Das ist viel zu gefährlich für dich, und das ist auch keine Bitte, es ist ein Befehl“, ordnete Feena an.
„Ernsthaft, Feena?“, fragte Cameron un-gläubig. „Du willst dich ausruhen? Können wir uns das überhaupt leisten?“ Cam war alles andere als begeistert von der Anordnung. Das hatte er vorher schon mehr als deutlich ge-macht.
„Es ist vor allem nötig, damit wir fit für den nächsten Angriff sind, und der wird deutlich schwieriger als der Erste. Jetzt werden sie vorbereitet sein“, erklärte Feena geduldig. „Wir müssen einen Plan haben und äußerst konzentriert sein.“
„Die eigentliche Frage ist, wieso sie ausge-rechnet dich wollen, Dad! Ich meine bei Feli-citas ist der Grund klar. Sie will garantiert Rache dafür, dass du sie hast fallen lassen.

Du weißt das selbst am besten. Bei Majenna kann ich es mir nur teilweise denken. Vermutlich will sie Rache für Ronars Niedergang. Nur dass Mathilda ihn beseitigt hat und nicht du. Also wieso will sie an dir Rache nehmen? Und dann ist da noch Miron. Hast du den Zwergen je etwas getan?“, überlegte Lilien laut.
„Majenna und ich waren nie beste Freunde. Einen Hass auf Mathilda hatte sie schon immer und ich habe Mathilda schon immer un-terstützt. Andererseits hat Tiljan das unter anderem auch. Vielleicht ist das aber der Auslö-ser. Vielleicht ist Felicitas nach ihrem Ver-schwinden auch einfach zu Majenna gegangen und hat mit ihr gemeinsame Sache gemacht. Ich weiß es nicht genau und ich wüsste auch nicht, was Miron gegen mich hat. Ich hab den Zwergen nie etwas getan und Mathilda war eine Freundin der Zwerge. Ich sehe den Zu-sammenhang einfach nicht“ Cameron zuckte mit den Achseln und es wirkte fast so, als wä-re es ihm eigentlich auch ziemlich egal.
„Vielleicht ist auch einfach Felicitas die lei-tende Hand. Aber wieso unterstützt Miron sie dann?“ Auch Lilien wusste keine Lösung auf die unbeantworteten Fragen.
„Tedren dagegen hat ja deutlich gemacht, dass er Cam verabscheut“, rief Fiann Nike uns in Erinnerung.
„Wir sollten eine Nacht darüber schlafen und morgen
dann mit der Planung anfangen. Vielleicht fällt dir ja noch etwas ein“, schlug Feena vor.
„Ich möchte trotzdem nicht, dass ihr für mich sterben müsst“, fand Cameron stur.
„Wir sollten morgen darüber reden“, be-stimmte Feena und wie aus dem Nichts ver-wandelten sich die Stühle, auf denen wir sa-ßen, in Betten und unsere Kleider in Schlafanzüge, sodass wir alle sofort schlafen konnten, nachdem wir uns eine Gute Nacht gewünscht hatten. Da ich neben Leinar und Linnie geses-sen hatte schlief ich jetzt auch neben den bei-den. Obwohl Leinar genau neben mir lag, fühlte es sich anders an als in unserer Suite. Er wirkte plötzlich so weit weg und ich konnte mich nicht an ihn kuscheln.

Kapitel 58 Bedrohlich

Leinar

Das klang alles sehr beunruhigend. Der Lebenssee hatte so eine große Aufgabe. Auf ihm lasteten so viele Leben und wir mussten ihn retten. Erst jetzt wurde mir klar was das wirklich für uns bedeutete.
Cameron hätte wirklich alles überwachen sollen. Er konnte doch seiner Familie nicht solche Sorgen bereiten. Aber wenn man alt war, sah man das wohl anders. Doch wie alt war er für Feenverhältnisse wirklich? Fühlte er sich eher alt oder wollte er einfach nur seine Nike endlich wieder sehen?
Und was bedeutete das alles für uns? Mussten wir jetzt alle ein Auge auf ihn haben? Dabei wollte ich doch ein Auge auf Mianna haben oder besser zwei. Sie brauchte auf jeden Fall Jemanden, der sie im Auge behielt. Sie war die vielleicht wichtigste Person dieser Mission.
Ich hatte keine Ahnung, was wirklich auf uns zukommen würde, aber wir mussten es schaffen zu gewinnen. Ansonsten waren wir alle verloren.

Kapitel 57 Vermutungen

Ein Licht weist den Weg,
der zur Hoffnung führt,
erfüllt den Tag, dass es jeder spürt.

Weihnachtslied – Ein Licht geht uns auf

Wir gingen durch einen Tunnel, der im Sternenlicht hell erleuchtet war. Er wirkte schmal und lang und Corentin musste sogar den Kopf einziehen. Die Wände waren grau und trist, ähnlich wie Lehm. Aber sie schimmerten auch weiß durch das Sternen-licht. Es sah wirklich schön aus.
„Ich dachte ihr bewacht ständig den See und seid erstarrt. Wieso läufst du mit Lilien nun so herum? Ich hab bisher außer euch keinen einzigen Wächter gesehen“, fragte ich Corentin neugierig. Das beschäftigte mich schon seit ich hier angekommen war und Co-rentin saß direkt an der Quelle. Er konnte mir bestimmt mehr verraten.
„Die Wächter sind die meiste Zeit unsichtbar. Es sei denn sie wollen gesehen werden wie wir. Dann treten sie aus dem Licht, so wie wir es taten. Aber das kommt nur sehr selten vor, weil die Wächter sehr selten ihren Posten verlassen“, erklärte Corentin mir.
„Und wo gehen wir jetzt hin?“, fragte ich ihn dann.
„Wir haben so eine Art Versammlungsraum, wo sich einige Wächter manchmal treffen. Warts einfach ab“, erwiderte er sehr geheimnisvoll.
Den Rest des Weges schwiegen wir und es dauerte auch gar nicht mehr lange, bis wir zu dem Raum kamen und der Tunnel endete. Der Raum war einfach gigantisch. Eine riesige Höhle. So stellte ich mir die Zwergenhöhlen von damals vor, nur kleiner. Tische und Stühle standen überall quer im Raum bereit. Corentin ging zu Lilien und ich zu Leinar.
„Alles klar?“, fragte er mich besorgt. Ich nickte nur und suchte Cameron. Er sah gesund und munter aus, aber eigentlich hatte ich auch noch nichts anderes erwartet. Die Höhle war wie der Tunnel hell mit Sternenlicht erleuchtet.
Unter den Anwesenden waren auch einige Fremde, die wohl die Wächter des Sees sein mussten. Sie trugen alle himmelblaue Kleidung, wirkten aber sonst eher unscheinbar. Irgendwie blass. Fast leichenblass. Neben Lilien und Corentin standen jeweils zwei der fremden Wächter.
„Ich bin wirklich froh, dass ihr gekommen seid. Wir können eure Unterstützung gut ge-brauchen. Neben mir stehen Feena und Bryn. Zwei unserer Wächterinnen des Sees. Von Feena habt ihr bestimmt schon gehört“, stellte Lilien die beiden Frauen vor.
Das war Feena? Ich hatte mir sie wunder-schön vorgestellt und sie sah auch ganz hübsch aus, aber irgendwie auch etwas unförmig, als wäre sie noch nicht ganz fertig gestellt. Da fehlte auf einer Seite ein komplettes Ohr, ohne dass eine Narbe zu sehen wäre. Ein Auge war blau und ohne Umrandungen, wie es sonst üblich war. Die Farbe auf der einen Unterlippe war Hautfarben und nicht rot. Ihre Haare waren eine Mischung aus rot, schwarz, blond und einigen anderen Farben. Sie waren lang, glatt, wellig und seltsamerweise auch irgendwie kurz zugleich. Das sah ziemlich verrückt aus. Dies sollte also die erste Fee überhaupt sein? Aber andererseits machte es schon irgendwie Sinn. Wieso sollte die aller-erste Fee perfekt sein? Sie war eben die erste aller Feen.
Die andere Fee neben Feena, Bryn, war ziemlich klein, hatte kastanienbraunes, langes Haar und sanfte grüne Augen.
„Auch ich danke euch“, ergriff Feena das Wort. Ihre Stimme war weich und irgendwie lieblich, wirkte aber auch heiser. „Langsam wird es ernst. Die Angreifer kommen immer besser voran und wir müssen sie unbedingt stoppen.
„Dafür sind wir hier“, bemerkte Cameron trocken.
„Richtig“, nickte Feena. „Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass sowieso nur eine in diesem Raum den Angriff wirklich beenden kann.“ Feenas Blick wanderte vielsagend zu mir und ich zuckte leicht zusammen. Wie viel wusste sie? Was für Fähigkeiten hatte sie eigentlich? War sie allmächtig?
„Keine Angst, Mianna“, hörte ich plötzlich Feenas Stimme in meinem Kopf. „Ich kann jede Fähigkeiten von allen Anwesenden im Raum nutzen. Ich denke, du weißt wessen Fä-higkeit ich gerade gebrauche. Ich kann dir also helfen. Du musst das nicht allein machen. Allerdings bin ich alt und längst nicht mehr so mächtig wie früher. Meine Magie wird schwä-cher und das kann genauso gefährlich werden für unsere Welt, wie das Vernichten des Lebenssees. Deswegen darf ich meine Magie nur in äußerster Not anwenden, es sei denn ich beschütze den Lebenssee. Aber mit meiner und mit Leinars Hilfe wird es dir auf jeden Fall gelingen die Angreifer zu stoppen.“
Ich war unendlich erleichtert und dankbar. Feena war da und stand mir bei. Während ich Feenas Stimme gelauscht hatte, hatte Lilien offenbar das Reden übernommen. Die anderen hörten ihr aufmerksam zu.
„Und ich bin hier, weil ich die Geschichte des Lebenssees besser kenne als irgendwer sonst. Selbst besser als Feena“, erklärte Bryn uns dann.
„Das stimmt“, nickte Feena. „Bryn bewacht den See schon ziemlich lange. Ich zwar auch, aber ich war zwischendurch auch mal weg.“ Sie schien das etwas zu wurmen, aber sie lächelte Bryn herzlich zu.
Ich fragte mich, ob Bryn ein Stern war. Feen konnten theoretisch nicht länger den See bewachen als Feena. Würde mich einfach mal interessieren.
„Dies ist nicht der erste Angriff auf den See“, erklärte Bryn. „Auch wenn der letzte schon seit Jahrhunderten zurück liegt gab es noch einen und der war damals wesentlich schwächer als der heutige. Damals war er von Sternen angeführt worden, die einen Groll gegen Feen hegten.“
„Gibt es eigentlich noch andere Seen außer diesen?“, fragte Leinar nun. Das war durchaus eine interessante Frage. Doch wo sollten sie existieren?
„Nein, unser ist der Einzige“, beantwortete Feena seine Frage. „Die anderen Völker brauchen solche Seen nicht.“
Was immer das heißen mochte…
„Diesmal hab ich auch das Gefühl, dass die Angreifer keine Sterne sind“, bemerkte Coren-tin auf einmal.
„Nein, das sind sie wohl nicht“, stimmte Feena ihm zu. „Das zumindest können wir wirklich ausschließen.“
„Wie sollen wir jetzt weiter vorgehen?“, wollte Cameron nun wissen.
„Cam, ich find du solltest hierbleiben und alles überwachen“, schlug Feena ihm diplomatisch vor. Sie musste wissen, was Tiljan mir erzählt hatte. Wieso sonst sollte sie gerade diesen Vorschlag machen? Sie schien wohl Gedanken lesen zu können oder sie spüren zu können wie Corentin.
„Machst du Witze?“, fragte Cam Feena überrascht und auch gekränkt. „Du hast mir selbst gesagt, dass so viele wie möglich kom-men müssen um die Mission zu beenden.“
„Ja schon, aber Tiljan hatte eine beunruhigende Vision, was dich und die Mission be-trifft.“
„Gehts etwas genauer?“ Cameron wirkte wütend. Ich konnte es ihm nicht verübeln. Es musste ein schwerer Schlag für ihn sein zurückbleiben zu müssen.
„Es könnte dir etwas zustoßen“, wagte sich Feena vorsichtig weiter. Corentin und ich warfen uns einen Blick zu und Corentin zuckte leicht mit den Achseln, als wollte er mir sagen, dass er auch nicht wusste, was Feena vorhatte.
„Das kann mich nicht mehr schocken. Ich bin alt. Ich werde nicht als Einziger hier war-ten und Däumchen drehen“ Cameron ließ nicht so leicht locker.
„Und was ist mit deiner Familie?“, konterte Feena. „Sie werden sich nicht konzentrieren können, weil sie sich ständig um dich sorgen müssten.“
„Dann hättest du uns nicht von dieser Vision erzählen dürfen“, erwiderte Cameron ge-reizt. Ich bewunderte ihn, weil er sich Feena so entgegensetzte. Ich hätte das nicht gekonnt.
Feena seufzte tief. Ich dagegen musste Cameron da durchaus Recht geben.
„Dad!“ Lilien ging jetzt zu ihm und nahm seine Hand in ihre. „Tust du es wenigstens für mich? Ich weiß, es gefällt dir nicht, aber ich möchte dich in Sicherheit wissen.“
„Lil, ich weiß, dir fällt es schwer mich gehen zu lassen, aber ich bin alt. Für mich be-deutet der Tod was anderes als für dich. Das heißt jetzt aber nicht, dass ich mich dort in den Tod stürzen möchte, keine Sorge. Aber ich möchte hier dabei sein und wenn ich verletzt werde ist das eben so.“
„Ich kann es dir nicht ausreden, oder?“, fragte Lilien unendlich traurig.
„Nein, Liebes. Ich befürchte nicht“, stellte Cameron klar.
„Na gut, aber versprich mir, dass du gut auf dich aufpasst.“, bat Lilien ihn trotzdem.
„Versprochen!“ Cameron umarmte seine Tochter fest. Die Verantwortung für mich war zu groß. Ich sollte diesen Angriff beenden und ich musste dafür sorgen, dass Cameron auf keinen Fall verletzt wurde. Das durfte nie pas-sieren. Wieso musste er auch so stur sein?

Kapitel 53 Tiljans Visionen

Oh man diese Woche war auch so viel los, dass ich gar nicht dazu gekommen bin Kapitel zu posten.

Irgendwie irgendwo irgendwann
Im Sturz durch Zeit und Raum
erwacht aus einem Traum
nur ein kurzer Augenblick
dann kehrt die Nacht zurück
irgendwie fängt irgendwann
irgendwo die Zukunft an
ich warte nicht mehr lang

Nena – Irgendwie irgendwo irgendwann

Ich befürchtete ein Gespräch von Eltern zu Freund und darauf hatte ich absolut keinen Nerv, aber zu meiner Überraschung und meinem Glück hatte mein Vater etwas ganz anderes im Sinn.
„Ich möchte, dass ihr auf dieser Mission vorsichtig seid. Wir wissen nicht, wie gefährlich es wird und vermutlich kann ich euch nicht die ganze Zeit im Auge behalten“, warnte er uns besorgt und musterte uns ausgiebig. Ich fühlte mich irgendwie nackt, als könnte er durch uns hindurchsehen.
„Mach dir keine Sorgen um uns, Dad. Wir haben ein paar recht nützliche Fähigkeiten, versuchte ich Lunar zu beruhigen, auch wenn ich nicht wusste, ob uns das hierbei auch wirk-lich half. Aber mein Vater musste bei der Mis-sion voll konzentriert sein.
„Wir möchten trotzdem, dass ihr aufeinander Acht gebt. Besonders wenn wir es nicht können“, bat Lunar uns hartnäckig.
„Das ist doch selbstverständlich“, versi-cherte Leinar ihm schnell. Offenbar war ihm dieses Gespräch unangenehm. Das konnte ich verstehen. Er wollte es so schnell wie möglich hinter sich bringen.
Lunar nickte zufrieden. „Freut mich zu hören, denn es ist auch absolut notwendig.“
„Lunar, jetzt lass die beiden schon gehen.“ Linnie legte ihrem Mann ihre kleine Hand auf die Schulter und sah ihn mit einem Blick zur Tür an.
„Na gut, wir sehen uns dann bald, schätze ich“, verabschiedete er sich widerwillig von uns und wir verließen erleichtert den Raum.

Die nächsten zwei Tage brauchten Leinar und ich nicht in den Unterricht. Wir sollten uns auf unsere Aufgabe konzentrieren. Den Extraunterricht bei Cameron nahm ich aber trotzdem wahr. Am zweiten Tag kam allerdings statt Cameron Tiljan in den Klassen-raum. Ich war ziemlich überrascht. Bei Tiljan hatte ich noch nie Unterricht gehabt. Er schüchterte mich irgendwie ein.
„Hi!“, begrüßte er mich fröhlich. „Cam kann leider nicht. Er hat mit den Vorbereitungen für die Mission zu tun. Ich hoffe es ist ok, wenn ich ihn vertrete.“
„Klar, kein Problem.“ Ich war gespannt, was ich bei Tiljan zu erwarten hatte.
„Gut. Morgen geht es los, was? Bist du aufgeregt?“, fragte er mich, während er sich auf einen Stuhl mir gegenüber an den Tisch setzte. Er sah mich abschätzend an und es war schwer seinen Blick zu deuten.
„Ja schon. Ich mache sowas immerhin nicht alle Tage“, gestand ich ihm. Eigentlich machte ich sowas nie.
„Nein, natürlich nicht. Aber es ist gar nicht so schlecht, dass du die Erfahrungen jetzt machst. Du wirst eines Tages Königin sein und ein ganzes Land regieren müssen. Nächstes Schuljahr bekommst du übrigens sowieso eine Unterrichtseinheit von Cameron bei mir. Königinnenunterricht.“
„Ok. Klingt sinnvoll“, fand ich. „Ich weiß aber ehrlich gesagt gar nicht, ob ich je dazu bereit sein werde, eines Tages Königin zu werden.“ Seit mein Vater das angesprochen hatte, machte ich mir darüber Gedanken. Momentan fühlte ich mich einfach zu jung für so einen enorme Verantwortung.
„Das ist verständlich, aber mit Hilfe meines Unterrichts wirst du es“, versprach er mir und klang sehr zuversichtlich.
„Na gut. Das wäre zumindest schön.“ Ich lächelte schüchtern.
„Außerdem bin ich mir ziemlich sicher, dass du dann nicht allein sein wirst. Ich denke Leinar wird an deiner Seite sein.“ Auch da klang er ziemlich sicher. Und ich fragte mich wieso. Wie sollte er das wissen können?
Ich sagte nur „Hm.“ und wusste, dass ich nicht wirklich überzeugt klang.
„Soll ich dir erzählen, woher ich das weiß?“ Tiljan beobachtete mich aufmerksam. Jeman-den wie ihn hatte ich noch nie gesehen. Seine blauschwarzen Haare waren schon ziemlich ungewöhnlich für einen Elf, aber auch so war einfach nichts normal an ihm. Weder sein bunt kariertes Hemd (Zauberwesen bevorzugten meist eher schlichte Kleidung), noch seine weiße Jeans mit den Peacezeichen drauf (kein Elf würde je so was tragen) oder seine blau-schwarzen Augen, die manchmal sogar zu leuchten schienen und immer alles um sich herum durchleuchten. Auf mich wirkten sie etwas unheimlich.
„Klar!“, nickte ich interessiert.
„Ich hab Visionen. Ziemlich oft sogar. Die meisten betreffen die Zukunft, aber manche auch die Vergangenheit. Ich habe gesehen, wie du mit Leinar unser Land regierst, und du wirst eine gute Königin sein. Du brauchst dir also keine Sorgen zu machen.“
Es überraschte mich, dass er so freizügig von seiner Fähigkeit sprach. Ich wusste nicht, was ich von diesen Visionen halten sollte, aber beruhigen tat mich das nur teilweise.
„Und hast du noch was gesehen in deinen Visionen, was mich betrifft?“, wollte ich wissen. Wenn wir schon mal dabei waren, konnte ich ja gleich noch mehr darüber in Erfahrung bringen.
„Ja schon, aber eigentlich darf ich nicht darüber reden. Aber ich möchte dir trotzdem einen Tipp geben. Pass gut auf Cameron auf. Er könnte bei der Mission schwer verletzt werden. Die Angreifer sind gefährlicher als ihr glaubt.“
„Was weißt du über die Angreifer?“, fragte ich nun. Seine Aussage beunruhigte mich zutiefst. Neben Leinar brauchte ich Cameron am meisten an meiner Seite.
„Eigentlich dürfte ich dir das auch gar nicht erzählen, aber wenigstens einer von euch sollte mehr darüber wissen. Zwei der Angreifer kennt Cameron. Es sind Elfen. Was mich aber beunruhigt ist, dass ein Zwerg dabei ist und wenn ich es richtig gesehen hab, ist es auch noch Alricks Sohn.“, erzählte Tiljan mir.
„Der Zwergenkönig Alrick?“, hakte ich überrascht nach. Das hatte ich überhaupt nicht erwartet.
„Genau der“, bestätigte Tiljan mir aber.
„Aber das ergibt keinen Sinn. Die Zwerge haben sich seit Ewigkeiten nicht mehr blicken lassen und ich hatte keine Ahnung, dass sie Krieg gegen uns führen“, wunderte ich mich verwirrt.
„Ja, genau. Aber ich vermute, dass im Zwergenreich irgendwas passiert ist, was Miron zu diesem Schritt veranlasst hat. Frag mich aber nicht was.“
Das gefiel mir alles ganz und gar nicht. „Hört sich nicht so gut an. Wieso sollte Cam eigentlich verletzt werden?“
„Die Angreifer haben eine Art Waffe ent-wickelt, die selbst den stärksten Elf töten kann. Wie sie auf Feen und Sterne reagiert weiß ich nicht, aber der Schutzzauber ist davon offensichtlich nicht betroffen.“
Das klang nun noch viel beunruhigender. Tiljans Visionen waren ziemlich nützlich und ich war vorbereitet, aber mir wäre es lieber gewesen, ich hätte das alles gar nicht gewusst. Jetzt machte ich mir nur noch viel mehr Sorgen.
„Und das hast du alles in deinen Visionen gesehen?“ Ich konnte mir das kaum vorstellen. Das waren doch recht viele Informationen auf einmal. Würden die auf mich prallen, würde ich sie vermutlich nicht mal auseinander halten können. Geschweige denn verstehen können.
„Ja und auch, dass du die Angreifer besiegen kannst“, ergänzte Tiljan.
„Ich?“, fragte ich erstaunt. „Wieso ausge-rechnet ich?“ Das hielt ich doch für unwahrscheinlich. Wie sollte ich das bitte anstellen? Doch auch darauf hatte er eine Antwort.
„Wegen deiner Feuermagie“, erkläre er.
„Aber ich kann doch gar nicht damit umge-hen“, protestierte ich.
„Mit Leinars Hilfe wirst du es können. Nur musst du es tun bevor Cameron verletzt wird.“ Er sah mich ernst an und das allein zeigte mir, wie knifflig die Sache mit Cameron war.
„Wie?“ Das war das Einzige, was aus meinem Mund herauspurzelte.
„Das wirst du spüren, wenn es so weit ist.“ Tiljan klang sehr geheimnisvoll. Ich wusste nicht, was ich mit dieser Aussage anfangen sollte.
„Na toll“, seufzte ich extra dramatisch. „Du bist mir ja eine große Hilfe!“
„Mehr kann ich dir dazu wirklich nicht sagen“, entschuldigte sich Tiljan und wirkte tatsächlich zerknirscht. „Du musst mir versprechen, dass du mit Niemanden über das redest, was ich dir erzählt hab.“
„Na gut, ich weiß nur nicht wie ich das hinkriegen soll.“
„Du wirst es hinbekommen, Mianna. Ich hab es in meiner Vision gesehen und die Visionen können nicht lügen.“
„Verändern sie sich denn?“
Er funkelte mich frustriert an. „Manchmal, aber wirklich nur sehr selten. Nur du kannst diese Mission erfolgreich abschließen.“
„Na super. Klingt doch sehr beruhigend.“ Noch eine Last mehr auf meinen Schultern. Als hätte ich nicht schon so genug davon.
„Du solltest jetzt gehen und dich ausruhen. Ich wünsche dir viel Glück“, beendete Tiljan abrupt unser Gespräch.
„Danke, das werde ich wohl gebrauchen. Danke, dass du mir das alles erzählt hast.“ Ich wunderte mich über den Abbruch von Tiljan aus, aber zwingen konnte ich ihn schließlich nicht, mir mehr zu verraten. Er hatte mir schon so viel erzählt und dafür war ich ihm dankbar.
Also verabschiedeten wir uns voneinander und ich verließ bedrückt den Klassenraum. Das Schwerste war mit Niemanden darüber reden zu dürfen. Nicht mal mit Leinar. Ich hatte nicht gern vor Leinar Geheimnisse.

Kapitel 51 Die Versammlung

Die Welt von der du immer wieder runter fällst
Und wenn du denkst du kannst nicht mehr
Ist der nächste Schritt oft nicht so schwer
Es ist oft leichter als du denkst
Wenn du nur an deinem Willen hängst

Revolverheld – Beste Zeit deines Lebens

Als ich abends in unsere Suite kam, schlief Leinar schon auf dem Sofa. Ich lächelte. Es war erst einundzwanzig Uhr, aber er schlief schon! Vermutlich hatte er einen anstrengenden Tag hinter sich. Ich hatte ihn heute kaum zu Gesicht bekommen. Er fehlte mir. Seine bloße Anwesenheit schaffte es mich zu beruhigen, wie Niemand sonst es konnte.
Ich setzte mich neben ihn auf das Sofa – das groß genug für zwei liegende Feen war – und streichelte sanft über sein Gesicht. Er rührte sich leicht und zuckte zusammen, wachte aber nicht auf. Ich grinste und betrachtete seinen schönen Körper. So ebenmäßig und rein wirkte er.
Plötzlich schlug er die Augen auf und sah mich aus seinen schönen sanften Augen ver-trauensvoll an. Dann grinste er ebenfalls.
„Hab ich geschlafen?“, fragte er.
„Ja, sieht so aus.“ Ich musste einfach lä-cheln. Wieder mal. Er sah so süß aus mit sei-nen zerzausten Haaren und dem Hundeblick.
„Wie war das Treffen mit deinen Eltern?“, wollte er wissen und setzte sich auf. Da wirk-ten seine Haare dann nur noch zerzauster. Mir gefiel das sehr. Es ließ ihn jünger wirken. Gelöster.
„Wirklich schön. Sie sind total nett“, schwärmte ich glücklich.
„Das freut mich. Wusste ich doch, dass du dich ganz umsonst gesorgt hast“
Ich setzte mich zu ihm und er nahm mich in seine Arme und drückte mich fest an sich. Ich kuschelte mich glücklich an ihn und genoss seine Nähe in unserem gemütlichen Wohn-raum. Das Feuer knisterte im Kamin und das Licht war runtergedimmt.
„Ich hab dich vermisst“, gestand ich ihm und streichelte erneut sanft seine Wange.
„Ich dich auch.“ Er küsste meinen Hals. Ich erschauderte leicht und löste mich dann etwas von ihm, um ihn ansehen zu können. Er war so schön. Selbst jetzt, so verschlafen, wie er mich aus seinen dunklen Augen ansah.
„Was hast du so den ganzen Tag getrie-ben?“ Ich wollte nicht nur über meine Eltern reden. Ich wusste, dass Leinar neugierig war und wissen wollte, wie es mit ihnen gelaufen ist. Aber ich wollte stattdessen lieber hören, wie es ihm heute ergangen war.
„Erst hatte ich Unterricht und dann war ich in der Bibliothek“, erzählte er nur kurz.
„Was hast du denn da gemacht?“, wollte ich überrascht wissen. Er mochte doch Bücher gar nicht. Die Bibliothek mied er doch eigent-lich.
„Recherchiert und die Zeit ohne dich ver-trieben“, erzählte er achselzuckend.
Ich lächelte wieder in mich hinein. Dann küssten wir uns und kuschelten uns zusammen auf das Sofa. Alles Weitere konnten wir mor-gen besprechen. Heute kuschelten wir lieber und genossen unsere Zweisamkeit.

Am nächsten Morgen war dann die Ver-sammlung. Selbst Fiann Nike und ihre Söhne waren schon da. Wer von denen war wohl Kenian? Sie sahen alle drei ziemlich gut aus, wenn auch irgendwie auf verwegene Art.
Der eine war blond und groß, braunge-brannt und ziemlich breitschultrig. Er hatte eine spitze Nase und Augen, die wirkten, als tobe darin ein Wirbelsturm.
Der nächste war blass, rothaarig, groß und etwas schlaksig irgendwie. Er wirkte zu groß für seinen Körper und guckte etwas gelang-weilt drein. Ein wenig erinnerte er mich an Pumuckl aus der Menschenwelt. Der Junge, der bei Meister Eder lebt, seit er in einen Leimtopf gefallen ist, und der ihn sehen konn-te. Ich wusste gar nicht, wieso. Eigentlich passte dieser Vergleich nicht.
Der dritte war kleiner und etwas stämmiger, was ihm aber gut stand. Es ließ ihn merk-würdig elegant wirken. Er hatte schwarzes halblanges Haar und lebhafte, blaue Augen, die alles genau mitbekommen zu schienen. Er wirkte am gefährlichsten und zog eine feine Spur Sternenstaub hinter sich her. Was hatte das wohl zu bedeuten?
Ich tippte darauf, dass der Blonde Kenian war. Er passte irgendwie zu Emma und wirkte so, als könnte er Emma gefallen.
Fiann Nike sah Corly sehr ähnlich und auch der Frau auf dem Portrait, dass in Cams Wohnraum hing. Sie war so schön, dass es den Augen seltsam wehtat. Sie wirkte wie ein golden-roter Engel. Vielleicht ein Feuerengel. Das lag sicherlich an ihren kupferroten Haaren und der blassgoldenen Haut sowie dem goldenen Kleid, dass sie trug.
Meine Eltern standen in der Mitte vor der großen Tafel. Sie verblassten fast beim An-blick von Nike. Auch sie waren schön, aber nicht so engelhaft. Eher raubtierhaft.
Rechts neben ihnen stand Lady Meisold mit ihren schwarzen wehenden Haaren und links daneben Cam mit seinem einfühlsamen wachsamen Blick, der alles fixierte.
Wir trafen uns in einem Versammlungsraum im siebten Stock, der keine Stühle hatte. Er war nicht so groß und rund. Er hatte keine Fenster, aber trotzdem schien Sonnenlicht in den Raum. Zumindest wirkte es so dank der magischen Kerze, die den Raum erhellte.
„Vielen Dank für euer Kommen“, begrüßte mein Vater uns mit seiner kräftigen Stimme, die den ganzen Raum erfüllte. „Wie ihr alle wisst, geht es um die Mission zur Rettung des Lebenssees. Cam hat mir erzählt, dass er ges-tern Nacht noch mal Lilien erreicht hat. Sie hatte Kontakt zu der Fee, die unmittelbar vor den Angreifern den See bewachte. Sie berich-tete, dass insgesamt vier ihr unbekannte An-greifer für die Gefahr verantwortlich sind. Also der Wächterin unbekannt.
Die Zahl ist geradezu lächerlich klein. Ich hab keine Ahnung, was sie sich von diesem Angriff versprechen, aber offensichtlich ist er ja zumindest so wirksam, dass wir besorgt deswegen sind. Gegen die Feen und Sterne, die sie bewachen, scheinen sie allerdings keine so große Gefahr dazustellen. Nur müssen wir wachsam bleiben und handeln, bevor es zu spät ist.“
„Also müssen wir gar nicht zum See auf-brechen?“, wollte Fiann Nike nun wissen. Sie hatte eine ähnliche Singsang Stimme wie mei-ne Mutter. Doch sie klang viel lieblicher. Ir-gendwie kindlicher. Die meiner Mutter wirkte klangvoller.
„Doch, denn wenn die Schutzzauber am See erst mal gebrochen sind, würde es ewig dauern sie wieder so herzustellen, wie sie jetzt sind. Wir müssen verhindern, dass sie über-haupt gebrochen werden“, erklärte Cameron und schlug damit offensichtlich ihre Hoffnung aus, sich überhaupt nicht in Gefahr begeben zu müssen. „Außerdem müssen wir uns selbst ein Bild davon machen, wie groß das Dilemma wirklich ist.“
„Und wie kommen wir überhaupt zum See?“, wollte der rothaarige Sohn von Nike wissen. Er hatte eine angenehme Stimme, die sehr männlich klang. Er war mir irgendwie auf Anhieb sympathisch, obwohl ich noch nie mit ihm gesprochen hatte. Seine Stimme reichte dazu schon aus und ich versuchte wirklich, ihn in Gedanken nicht Pumuckel zu nennen. „Gibt es ein Raumschiff oder so?“
„Nicht direkt. Es ist eher so, dass wir mit Hilfe von Gedanken dahin gelangen. Indem wir uns alle an die Hände fassen und selbst an den Ort denken“, erklärte Cameron ihm. „Mit Lunars Hilfe dürfte es eigentlich ziemlich leicht werden. Ihr werdet es selbst erleben, wenn es so weit ist.“
„Die eigentliche Frage ist, wer die Angrei-fer sind. Sie sind zumindest so stark, dass sie ohne einen Funken Sternenblut dort überleben können“, teilte er den anderen nun unsere Vermutungen mit. „Momentan tappen wir da noch ziemlich im Dunkeln. Besonders wichtig ist natürlich, welche Gründe hinter dem Angriff stecken. Will Jemand alle Feen auslö-schen? Das wäre ziemlich beunruhigend. Und auch beunruhigend ist, wieso es so lange gedauert hat, bis uns davon berichtet wurde. Anscheinend dauert der Angriff schon ca. ein halbes Jahr.“ Cam schien das alles gar nicht zu gefallen und ich konnte ihn verstehen. Das schien definitiv nicht normal zu sein. Ein Wunder, dass in dem Zeitraum bisher noch nichts Schlimmes am See passiert war.
„Wir vermuten, dass irgendetwas die Wächter des Sees blockiert hat. Die Schutz-zauber sind davon bisher nicht betroffen, auch nicht die Wächter“, erklärte Lunar weiter. „Aber sonst wissen wir momentan auch nicht weiter. Wir müssen uns wohl einfach wirklich selbst ein Bild davon machen.“
„Unsere Aufgabe besteht darin, unbemerkt zu den Angreifern zu gelangen und sie auszu-schalten“, ergriff nun Lady Meisold das Wort und sah nach und nach die Anwesenden an. Fiann Nike warf sie dabei einen besonders gehässigen Blick zu. Ich fühlte beinahe die Kälte, die sie ihr gedanklich entgegenschleu-dern musste. „Ich kann euch nicht begleiten, aber ich werde euch so gut es geht von hier aus unterstützen.“ Was ihr offensichtlich gar nicht gefiel.
Wie auch immer das gehen sollte. Ich konnte mir das gerade noch nicht vorstellen. Vielleicht so ähnlich wie Cameron mit Lilien Kontakt aufnahm.
„Ist es nicht eigentlich zu gefährlich euch mitzunehmen?“, fragte Fiann Nike meine Eltern. „Ihr seid das Königspaar. Wenn euch etwas passiert, ist hier und in der Feenwelt die Hölle los. Wer soll euer Nachfolger sein?“
„Wir haben keine andere Wahl“, erklärte Lunar ihr bestimmt. „Gäbe es eine andere Möglichkeit, würde ich weder meine Frau noch meine Tochter so in Gefahr bringen. Aber wir müssen alle gehen. Nur so haben wir eine Chance. Wenn ich sterbe, wird Linnie weiter regieren und andersrum. Wenn wir beide sterben, wird vorerst Carlina regieren, bis meine Tochter soweit ist selbst zu es selbst zu tun.“ Er zeigte dabei seine Gefühle nicht, aber er musste sich schrecklich dabei fühlen, das überhaupt sagen zu müssen.
Mir gefiel das alles jedenfalls gar nicht. Ich hatte mitbekommen, wie Carlina sein konnte. Sie würde das Schloss an sich reißen. Meine Eltern mussten unbedingt überleben, aber nicht nur deswegen. Ich hatte sie doch gerade erst gefunden. Wie konnte ich sie da schon wieder verlieren? Ich durfte am besten gar nicht erst daran denken.
Lady Meisold lächelte jedenfalls ziemlich zufrieden, was mir auch nicht gerade gefiel. Sie schien sich fast schon vorzustellen, wie sie das Schloss übernehmen würde.
Ich war aber auch überrascht von der Nach-richt, die mein Vater da gerade verbreitet hatte. Mir war klar, dass ich eine Prinzessin war, aber wollte ich wirklich Königin sein und hatte ich da überhaupt eine Wahl? Es war öde einfach wo hineingeboren zu werden. Egal, ob man wollte oder nicht.
„Ich habe all meine Wünsche schriftlich festgehalten und Linnie, Cameron sowie die Bibliothekarin Lea Rei wissen, wo sie zu fin-den sind“, fuhr mein Vater fort und warf mir einen seltsamen Blick zu.
Kurz schwiegen alle. Dann fand Lunar noch: „Ich denke, das ist vorerst alles. In zwei Tagen brechen wir auf.“
Er entließ die anderen und hielt Leinar und mich zurück. „Könntet ihr noch kurz bleiben?“
Ich fühlte mich nicht ganz Wohl in meiner Haut, aber ich nickte während sich der Raum langsam leerte. Der Gedanke, dass zwei Tage zu schnell rum gehen würden, ging mir nicht aus dem Kopf.

Fragerunde Nr. 5 Kapitel 41 – 50

Eine neue Fragerunde beginnt.

1.) Wie fandet ihr die Beschreibungen vom Lebenssee?
2.) Mögt ihr die Charaktere weiterhin und welche am Liebsten?
3.) Was haltet ihr insbesondere von Cameron?
4.) Was sagt ihr momentan zu der Story?
5.) Welche Ideen findet ihr besonders?
6.) Was sagt ihr zu Linnie und Lunar?7.) Was sagt ihr zum magischen Schloss?
8.) Habt ihr noch Fragen an mich?

Kapitel 47 Antworten

Rescue me
Show me who I am
Cause I can’t believe
This is how the story ends
Kerry Roberts – Rescue me

Titelsong der Serie „Once upon a time“

„Was denkst du über den Streit zwischen Cam und deiner Oma?“, fragte ich Leinar, als wir alleine in unserer Suite auf dem Sofa lagen. Ich hatte mein Buch in der Hand und da wir Feen schnelle Leser waren, war ich jetzt schon an der Stelle, wo Wanda in dem Höhlensystem in ihr „Gefängnis“ kam. Jedenfalls konnte ich mich nicht wirklich auf das Buch konzentrieren, denn mir schwirrte immer noch der Kopf von dem Gespräch im Kaminzimmer.
„Keine Ahnung“, antwortete mir Leinar achselzuckend. Er guckte gerade die Feensendung Jannina und die blaue Fee. Es lief Werbung. Ein Spot für Feenhand-creme mit einer Fee. „irgendwie war das ziemlich verwirrend und traurig.“
„Traurig?“, hakte ich nach. Ich wusste nicht genau, was er damit meinte.
„Na ja. Offenbar hat meine Oma diesen Rivial ja mal geliebt und diese Fiann Nike hat ihn ihr weggenommen. Meine Oma scheint einen ziemlichen Hass auf die Sternenprinzessin zu haben“, überlegte Leinar.
„Fiann Nike ist ja Cams Nichte“, erinnerte ich ihn. Nur für den Fall, dass er das vergessen haben sollte.
„Für mich klang das eher so, als hätte er deine Oma nie geliebt oder er hat sie geliebt und dann ist was passiert, was das geändert hat. Und dann hat Rivial Fiann Nike kennen gelernt und sich in sie verliebt.“
„Ja kann sein“, gab Leinar mir Recht, aber er klang nicht wirklich überzeugt. Vielleicht wollte er das auch einfach nicht.
„Ich hab dir doch erzählt, dass mir der Name Kenian bekannt vorkam. Jetzt weiß ich wieder woher“, wechselte ich nun das Thema. Ich sah ja, dass Leinar nicht darüber reden wollte.
„Und woher?“
„Emma kennt ihn. Sie ist oder war mit ihm befreundet“, erzählte ich.
„Und weiß sie, wer er wirklich ist?“, wollte Leinar wissen.
„Keine Ahnung.“ Diesmal zuckte ich ratlos mit den Achseln.

Am nächsten Tag nach dem Frühstück nahm ich Zac bei Seite. Immerhin hatte ich Sophann versprochen ihn zu fragen, was mit ihm los war. Wir gingen ein wenig draußen über die Wiese vorm Schloss spazieren. Bis zum Unterricht hatte ich noch eine halbe Stunde Zeit.
„Was gibt’s?“, erkundigte sich Zac etwas verwirrt bei mir.
„Na ja. Sophann hat mir von eurem Date erzählt und ich wollte einfach mal fragen, was du darüber denkst.“
Er sah mich skeptisch mit seinen dunklen Augen an und ich fügte schnell hinzu: „Wenn du nicht darüber reden willst, kann ich das verstehen. Wir kennen uns ja auch kaum.“
„Nein, schon ok.“ Er wurde etwas nervös. „Bestimmt wundert sie sich, warum ich ihr jetzt aus dem Weg gehe.“
Offenbar hatte er Sophann schon besser kennen gelernt, als ich angenommen hatte.
„Allerdings“, bestätigte ich ihm nur.
„Hm, ich bin mir selbst nicht ganz sicher. Ich mag Sophann, ehrlich. Ich hab wohl einfach Angst vor einer festen Beziehung“, gestand er mir, während er lässig ne-ben mir her schlenderte.
Ich runzelte die Stirn. „Ich denk das ist normal, oder? Das geht bestimmt den Meisten so. Aber es ist gegenüber Sophann nicht fair, sie einfach so zu ignorieren.“
Zac schien sie wirklich zu mögen und das freute mich. Aber er musste dabei doch auch an Sophanns Gefühle denken, die er mit seinem Verhalten verletzte.
„Ich weiß“, seufzte er traurig. „Ich denke, ich brauche einfach etwas Zeit, aber ich werde mit ihr reden.“
„Das ist schön“, fand ich. „Aber du brauchst wirklich keine Angst zu haben. Sophann ist super.“ Ich wollte ihm Mut machen, damit er mit Sophann redete.
„Ich weiß.“ Ich spürte geradezu, wie sich Zacs Nervo-sität legte und er lächelte sogar leicht. Das war gut. Of-fenbar konnte ich Andere doch positiv beeinflussen. Vielleicht war es auch meine Gefühlsfähigkeit, die das bei ihm bewirkte.
Wir gingen noch ein Stück weiter, bevor wir uns wie-der dem Schloss zuwandten. Wir hatten schließlich beide einen langen Unterrichtstag vor uns.

Der Schultag bei Sena ging schneller um las gedacht. Danach hatte ich endlich Unterricht bei Cam. Darauf hatte ich schon den ganzen Tag gewartet. Als er in den Klassenraum kam, wirkte er ziemlich gestresst.
„Können wir den Unterricht vielleicht verschieben?“, fragte er gehetzt. „Es ist ziemlich viel los heute.“
„Aber ich will Antworten“, erklärte ich bestimmt. Vielleicht war das egoistisch von mir, aber ich konnte nicht anders. „Was war zwischen Lady Meisold und Fiann Nike?“
„Bestimmt hast du dir doch das Meiste jetzt selbst zu-sammen gereimt“, vermutete Cam statt einer wirklichen Antwort. Er klang erschöpft und er tat mir Leid. Sein Leben war sicher oft eine große Last, doch er meisterte es gut.
„Ja, aber eben nur so halb“, erwiderte ich. „Ich kenne ja nicht alle Fakten.“ Ich gab trotzdem nicht auf.
„Also gut“, gab Cam sich geschlagen. Er setzte sich hinter den Schreibtisch und so setzte ich mich auf dem Platz vor ihm.
„Dass Carlina ein Verhältnis mit Fiann Nikes Mann Rivial hatte weißt du inzwischen, oder?“
Ich nickte.
„Das Problem war, dass Carlina damals schwanger war. Sie hat ihr Kind verloren. Rivial und sie haben sich dann böse verkracht. Weswegen weiß ich auch nicht. Etwas später lernte er Fia kennen. Wer Fia kennt, weiß, dass man sich als junger Mann – zumindest für Feenver-hältnisse jung – einfach in sie verlieben musste. Doch bei Rivial war das noch was anderes als bei den üblichen Exemplaren, die an Fia interessiert waren. Sie war näm-lich auch in ihn verliebt.
Jedenfalls hasst Carlina sie seitdem. Meiner Meinung nach passt Jemand wie Rivial einfach nicht zu ihr. Teil-weise hatte er den Charakter von Robin Hood. Du weißt doch, wer Robin Hood ist, oder?“
Wieder nickte ich und antwortete: „Eine Märchenge-stalt aus der Menschenwelt. Ich liebe die Serie Once up-on a time, auch wenn die ursprünglichen Märchen dort oft etwas abgeändert sind. Ein Robin Hood kam da auch mal drin vor, aber mein Liebling war ja immer Bae bzw. Beaelfire. Es kommt sogar auch im Feenfernsehen. Ich habe jede Folge gesehen.“
Cameron deutete ein leichtes Grinsen an. Sein rechter Mundwinkel zuckte leicht nach oben. „Ja, von der Serie hab ich auch schon mal gehört. Ok. Wir kommen vom Thema ab. Jedenfalls herrschte zwischen Fiann Nike und Carlina seitdem immer gewisse Spannungen.“
„Wie stehst du denn zu Carlina?“, fragte ich ihn neu-gierig. Ich hatte den Eindruck, dass Cameron sie schätzte, aber nicht immer unbedingt auch mochte.
„Eigentlich ist sie sehr sympathisch, aber manchmal eben auch schwierig. Besonders, wenn es um Fiann Nike geht oder um das Sternenschloss“, erklärte Cameron mir. „Du hast ja gehört, dass sie glaubt, das Schloss gehöre ihr, aber das stimmt nicht. Sie ist eben nur die Schulleite-rin.“
„Ja und ich hab auch gemerkt, dass dir diese Behaup-tung nicht gefiel“, entgegnete ich.
„Die Sterne sind seit Jahrhunderten meine Freunde. Eigentlich sogar schon lange meine Familie. Ohne Lim würde Carlina familiär gar nicht zu den Sternen gehören, aber ohne meine Tochter gäbe es Lim wiederum nicht.“ Er klang nun ziemlich wütend und das war schon, wie im Kaminzimmer, ziemlich beängstigend. Eigentlich war er harmlos, aber ich vermutete, dass in ihm eine große Macht schlummerte. Wenn er gewollt hätte, hätte er wohl die ganze Welt vernichten können.
„Ich hätte gar nicht gedacht, dass sie so sein kann“, gestand ich ihm.
„Ja, Carlina ist immer zuerst freundlich, aber wenn ihr etwas nicht gefällt kann sie auch ganz anders.“
„War es schwer damals für dich, als du Lilien wegge-geben hast?“, traute ich mich nun zu fragen. Die Frage beschäftigte mich schon länger.
„Sehr schwer“, nickte Cam. „aber ich hatte keine Wahl. Deswegen versteh ich auch deine Eltern so gut in Bezug auf dich.“
„Habt ihr meine Eltern erreicht?“, wollte ich nun wis-sen.
„Ja, sie kommen Morgen Nacht“, berichtete Cam.
„Morgen schon?“, fragte ich überrascht.
„Ja, und übermorgen findet eine große Versammlung statt für diejenigen, die an der Mission teilnehmen.“
„Kann ich meine Eltern davor schon kennen lernen?“, fragte ich. Die Vorstellung, sie zum ersten Mal in einem Raum mit möglicherweise fremden Menschen zu treffen, jagte mir Angst ein.
„Ich muss noch mal mit Carlina darüber sprechen, aber ich denke das wird gehen.“
„Ich denke, ich hab jetzt auch genug deiner Zeit bean-sprucht“, bemerkte ich schuldbewusst. Cam hatte dieses Gespräch doch erst gar nicht führen wollen. Wieso hatte ich ihn so lange auf die Zeit gehalten?
„Ach, das ist schon in Ordnung“, versicherte Cam mir. Es wirkte fast, als wäre ihm die Ablenkung ganz recht. „Möchtest du eigentlich, dass Jemand dabei ist, wenn du deine Eltern kennen lernst? Neal oder ich zum Beispiel.“
„Ja, gerne. Das wäre toll.“ Allerdings konnte ich mir nicht vorstellen Leinar dabei zu haben. Ich denke, ich wäre total überfordert, wenn ich meinen Freund meinen Eltern vorstellen müsste, die ich selbst gerade erst kennen lernte.
„Ich kenne deine Eltern sehr gut. Ich kann gern dabei sein, wenn du magst“, als hätte er meine Gedanken gele-sen.
Ich war ihm dankbar, dass er mir das anbot und freute mich darüber: „Ja, das wäre toll.“
„Na gut, ich werde sehen, was sich machen lässt“, ver-sprach er mir. „Ich wünsche dir noch einen schönen Abend.“
„Danke. Ich dir auch. Bis morgen dann.“
Ich verließ den Klassenraum. Cam war mir richtig sym-pathisch. Irgendwie war er für mich ja wie ein Opa, auch wenn er nicht mein Opa in dem Sinne war. Aber meinen richtigen, Renn, hatte ich ja noch nicht kennen gelernt. Hoffentlich würde ich das bald. Ich war ziemlich gespannt auf ihn.