Kapitel 68 Bruderliebe

Leinar

Jetzt konnte ich es bestätigen. Tedren war wirklich gruselig und es gefiel mir überhaupt nicht, dass er in einem anderen Leben mein Vater gewesen sein sollte. Ich hatte so überhaupt nichts von ihm und wollte auch nichts von ihm haben. Dass ich dagegen von der allerersten Fee überhaupt abstammen soll-te, verwunderte mich. So besonders war ich doch gar nicht. Und was war eigentlich mit Evaniel? War er auch wiedergeboren worden? Das würde ich wohl nie erfahren.
Tiljan tat mir irgendwie Leid. Trotz seiner lustigen Art und trotz dass er schon so lange gelebt hatte, schien er doch sehr sensibel zu sein. Er hatte seinen Bruder geliebt. Ich konnte gut nachvollziehen was das für ihn bedeuten musste. Er vermisste denjenigen, der er einst gewesen war. Tiljan hatte laut Mianna schon oft zurück stecken müssen. Konnte er nicht auch mal einfach nur Glück haben? Aber bei einem so langen Leben war Glück wohl nicht immer drin. Na ja, vermutlich nicht mal in einer normalen Zeitspanne. Aber immerhin hatte er Laja. Hoffentlich würde er bald kom-men und ihm zur Seite stehen. Das konnte er jetzt mit Sicherheit gebrauchen um klar zu kommen.
Ich hatte noch nie wen anders in ein Glühwürmchen verwandelt. Es war eine ganz neue Erfahrung für mich. Aber mit Mianna zusammen ein Glühwürmchen zu sein war toll gewesen. Ich hatte mich noch stärker mit ihr verbunden gefühlt und wusste jetzt definitiv, wie ernst es ihr mit mir war. Nicht, dass ich da vorher Zweifel hatte, aber mit der Verbindung war es einfach noch deutlicher.

Kapitel 62 Traumgeschichten

Leinar

Ich träumte in dieser Nacht von meinem Bruder. Evaniel stand quicklebendig vor mir. Er sah fast genauso aus wie ich, nur seine Frisur war anders. Er mochte meine nicht so. Das hatte er mir immer gesagt. Er sagte, die andere würde ihm besser stehen. Doch machte das wirklich einen Unterschied? Wir waren immerhin Zwillinge.
„Bruderherz, du musst auf dich aufpassen. Das kann gefährlich werden, was du da vorhast. Und pass auf jeden Fall auch auf deine Mianna auf. Sie ist zu kostbar als das du es dir leisten könntest, sie zu verlieren.“
Ich war verwirrt. Mein Traumevaniel und ich, wir hatten schon viel miteinander erlebt, aber er hatte mich noch nie im Traum gewarnt. Es war sonst immer klar gewesen, dass die Träume einfach nur Träume waren, aber war es auch diesmal so? Was, wenn nicht? Aber es konnte nicht anders sein. Evaniel war tot. Er würde nicht mehr wieder kommen. Egal was ich davon hielt.
„Was du nicht sagst. Erzähl mir mal was Neues.“ Ich rollte mit den Augen.
„Na schön, was anderes habe ich nicht zu sagen. Pass einfach nur auf dich auf.“
Und dann verschwand er und der Rest der Nacht hatte ich keine Träume mehr. Als hätte Evaniel sie verscheucht.

Kapitel 26 Evaniel

Evaniel und ich waren ein Dreamteam. Wir hatten einfach alles zusammen gemacht. Egal was. Wir waren unzertrennlich. Mit ihm zusammen fühlte ich mich wie ein richtiger Mensch. Alleine war ich verloren. Bevor ich Mianna kennen gelernt hatte, war ich immer noch alleine verloren gewesen. Ich vermisste Evaniel immer noch schmerzlich, aber mit Mianna an meiner Seite war es erträglicher geworden.
Evaniels Tot hatte mich so dermaßen erschüttert. Es war als wäre der größte Teil meines Lebens von mir ge-rissen worden. Ich musste immer daran denken, dass vieles hätte anders sein können, wenn ich ihn an jenem Tag zum See begleitet hätte, wo er ertrunken ist. Doch an dem Tag hatte ich keine Lust gehabt nach draußen zu gehen. Nicht mal mit Evaniel. Ich wollte einfach nur al-lein sein. Zwei Tage vorher war Ariella zu Besuch gewe-sen und wenn sie da war, hatte Evaniel für mich keine Zeit. Dann zählte nur sie. Das nahm ich ihm immer noch übel, auch wenn es dumm war. Deswegen war ich nicht mitgekommen. Aus Sturheit. Tatsächlich war ich es gewesen, der so verdammt dumm gewesen war. Evaniel könnte noch leben. Und das würde ich mir nie verzeihen.
Die Schuldgefühle lähmten mich. Nicht mal mit Mianna konnte ich darüber reden. Das behielt ich lieber für mich. Vielleicht würde sie mich mit anderen Augen se-hen, wenn sie die Wahrheit kennen würde.
Ich hatte meinen Bruder im Stich gelassen, als er mich am nötigsten gebraucht hatte. Ich war ein armseliger Bruder. Das durfte mir niemals bei Mianna geschehen.

Die Brüder

Es waren ein mal zwei Brüder.

Der eine Bruder war der Bruder des Mädchens. Das Mädchen erfuhr erst in der Zauberschule von ihm. Eigentlich war er auch nur ihr Halbbruder, aber sie war trotzdem überrascht, dass sie einen hatte. Sie verstand sich von Anfang an gut mit ihm. Der Bruder war ehrlich, lieb und ein guter Schwertkämpfer. Er verliebte sich in eine Freundin von ihr und wurde später König des Feenlandes.

Der zweite Bruder war der Zwillingsbruder des Jungen. Alle dachten, er sei tot. Doch später kam die Wahrheit ans Licht. Der Junge litt sehr unter dem vermeintlichen Todes seines Bruders und zog sich sehr zurück. Doch als er das Mädchen kennen lernte, wurde es besser. Dennoch vermisste er seinen Bruder noch immer. Er hatte immer alles mit ihm geteilt. Das Mädchen holte den Jungen erst in die Welt und das Leben zurück. Doch was war aus dem Bruder geworden? War er wirklich tot?

Wie geagt, ohne Spoiler geht diese Erzählform nicht. Ich hab schon versucht nicht alles über den Bruder des Jungen zu schreiben.