Kapitel 38 Glühwürmchengeschichten

Leinar

Ich war schon lange kein Glühwürmchen mehr gewe-sen. Seit Evaniels Tot hatte ich es vermieden eins zu werden. Doch jetzt hatte es mir wieder Spaß gemacht.
Ein Leben als Glühwürmchen war so anders als das als Fee. Selbst die Gefühle waren anders, auch wenn ich mich erinnern konnte, wer ich als Fee war. Doch es fühlte nicht so stark wie die Fee in mir.
Nach Evaniels Tot war ich oft in die Welt der Glüh-würmchen geflüchtet, damit ich abschalten konnte. Ich flatterte umher, klein und leuchtend und war einfach nur glücklich. Fliegen machte mich glücklich.
Doch jetzt wollte ich wieder fühlen. Ich wollte fühlen wie Mianna mich berührte und wie sie mit mir zusammen lachte. Ich hatte noch nie solche Gefühle bei Mädchen ausgelöst. Nicht so wie bei ihr. Mit Mianna konnte ich glücklich sein und so lebte ich für die Momente, die ich mit Mianna zusammen hatte.
Wenn sie allerdings nicht bei mir war, fühlte ich mich teilweise wieder leer. Dann wollte ich gerne wieder das Glühwürmchen sein und flüchten. Doch es waren nicht so viele Momente wie früher, wo ich mich so fühlte. Mein Leben hatte sich verändert und trotzdem würde ich Evaniel immer und ewiglich vermissen.

Kapitel 37 Leinars Geheimnisse

Endlich schaffe ich es mal wieder Kapiel zu posten. Sorry bin diese Woche irgendwie nicht so zu gekommen.

– Alle Menschen sind Würmer,
aber ich bin wenigstens ein Glühwurm.-

Winston Spencer Churchill britischer Staatsmann

Etwa zehn Minuten später war er fertig geduscht und mit leicht strubbeligen Haaren, einem blauen T-Shirt und einer Jeans bekleidet, stand Leinar im Wohnraum.
Nachdem er mir einen hauchzarten Kuss auf die Lip-pen gedrückt hatte, gingen wir durch einen Seitenaus-gang hinaus in Richtung Schlossgarten. Der sollte traum-haft schön sein. Zumindest hatten uns das Zac und Leo-nie erzählt.
Es war herrlich warm und zumindest wo wir hergin-gen, schien die Sonne. Überall anders tobten Unwetter und leuchteten Regenbögen am Himmel. Eine der Feen musste das Wetter beeinflussen können. Vermutlich ein Lehrer oder eine Lehrerin. Es sah jedenfalls sehr faszinie-rend aus. An den Wettermisch um das Schloss herum hatte ich mich immer noch nicht gewöhnt.
Leinar und ich gingen Hand in Hand die Wiese ent-lang, die bald gesperrt sein würde, weil sie der Haupt-platz für das Königsfest werden sollte. Leinar zu berüh-ren, machte mich jedes Mal sehr glücklich. Ich war über-haupt wahnsinnig gern in seiner Nähe. Er gab mir das Gefühl von Ruhe und Sicherheit.
„Darf ich dich was fragen, Leinar?“, versuchte ich mich zaghaft an das heikle Thema heran, dass mich be-schäftigte. Ich hatte hin und her überlegt, ob ich es an-sprechen sollte, aber ich war einfach zu neugierig und wollte einfach alles von ihm wissen.
Leinar genoss es anscheinend keine Schuhe tragen zu müssen und dann auch noch das Gras unter seinen Füßen spüren zu können. Für ihn musste das der siebte Himmel sein.
„Ja klar“, antwortete Leinar und sah mich erwartungs-voll aus seinen schönen Augen an.
„Na ja, ich hab mich gefragt, was deine magischen Fähigkeiten sind. Du hast zwei im Unterricht nicht er-wähnt und das mit den Haaren kannte ich ja schon.“ So eine Frage war immer heikel, aber wir waren doch jetzt Seelenliebende, oder? Ausserdem kannte er meine Fä-higkeiten ja schließlich auch.
„Einmal bin ich ein sehr begabter magischer Schwert-kämpfer. Das ist auch der Grund warum ich ausnahms-weise, obwohl ich so jung bin, an den Rittertunieren teil-nehmen darf“, gestand er mir dann. Er hatte mich nur gefährlich angezwinkert, doch er hatte es mir erzählt und das war die Hauptsache. Er vertraute mir.
Doch dann bemerkte ich, was er da gerade gesagt hat-te. Abrupt blieb ich stehen und sah ihn entsetzt an. „Du nimmst am Ritterturnier teil?“
„Ja, keine Sorge. Mir passiert schon nichts. Ich kann dabei nicht sterben und ausserdem ist Cam der Leiter des Turniers. Er wird nicht zulassen, dass einem seiner Schü-ler was passiert und die Regeln wurden im Gegensatz zu einem richtigen Tournier etwas entschärft“, verteidigte Leinar sich. Für meinen Geschmack sprach er ein bisschen zu schnell, als wollte er unbedingt alle Zweifel aus dem Weg räumen. Doch das konnte er gar nicht. Ich würde mir so oder so Sorgen um ihn machen.
„Wieso? Wieso willst du das machen, Leinar?“, wollte ich dennoch wissen. Seine Erklärungen beruhigten mich nicht im Geringsten. Vielleicht konnte er nicht verletzt werden, aber er würde trotzdem in Gefahr sein. Sowas konnte unbeabsichtigt passieren.
„Weil es mir Spaß macht und ich habe vor zu gewin-nen“, erklärte Leinar mir. Er sagte das mit so einer Über-zeugung, dass es schwer war, ihm Vorwürfe zu machen. Ich zuckte trotzdem leicht zusammen. Er streichelte sanft und beruhigend meine Wange. Ich wollte das nicht, aber ich merkte wie sehr er es wollte.
„Hey, keine Sorge. Ich bin wirklich gut. Das Tournier ist wirklich ungefährlich.“ Das bezweifelte ich zwar, aber ich behielt meine Meinung für mich. Ich konnte ihn so-wieso nicht umstimmen.
„Aber behalt das bitte für dich. Es soll eine Art Über-raschung sein, dass ich da mitmache“, bat Leinar mich.
„Ok“, nickte ich mechanisch. Ich glaubte eigentlich nicht, dass das lange geheim gehalten werden konnte. Doch ich fragte nur: „Und deine zweite Fähigkeit?“
„Ich kann fliegen“, erklärte er, als sei es das Natür-lichste auf der Welt und vermutlich war es das auch. Zu-mindest für ihn.
Ich dagegen sah ihn völlig entgeistert an. „Aber Lein-ar! Die Feen fliegen schon seit hunderten von Jahren nicht mehr.“
„Ich weiß. Es ist ja auch meine besondere Fähigkeit. Die anderen Feen können nicht fliegen, aber ich schon. Willst du es sehen?“ Er wirkte jetzt fast kindlich aufge-regt.
„Solltest du das nicht geheim halten? Es könnte dich Jemand sehen“, gab ich zu Bedenken.
„Hier ist doch Niemand“, hielt Leinar dagegen. Er wirkte wirklich ziemlich aufgeregt.
Zugegeben, ich war neugierig wie eine fliegende Fee aussah. Natürlich hatte ich noch nie eine gesehen. Wie schon gesagt: Sie gab es eigentlich nicht mehr. Früher konnten wir fliegen, aber jetzt nicht mehr.
Leinar hüpfte in die Luft und verwandelte sich augen-blicklich in ein kleines grünes Glühwürmchen. Er flog auf meine Hand und ich streichelte den kleinen Rücken des leuchtenden Leinar-Glühwürmchens. Dabei war sein Rücken wirklich nur so groß wie mein kleiner Finger. Er war winzig. Verstörenderweise hatte das Leinar-Glühwürmchen die gleichen dunklen Augen wie der gro-ße Leinar. Ich war fasziniert von dem Glühwürmchen.
Das Leinar was Besonderes war, war mir ja von An-fang an klar gewesen. Vielleicht sogar ziemlich besonders in vielerlei Hinsicht. Aber dass er so besonders war, hatte ich doch nicht gewusst. Die meisten Feen hatten mindestens eine besonders nützliche Fähigkeit, aber zwei gab es so gut wie nie. Dagegen kam ich mir reichlich langweilig vor.
Leinar ließ sich meine Streicheleinheiten eine Weile gefallen, dann hüpfte er auf den Boden zurück und ver-wandelte sich sofort wieder in seine volle Größe zurück. Er schüttelte sich Feenstaub aus seinem Haar und schüt-telte sich dann noch mal richtig. Der Feenstaub glitzerte dabei in der Sonne.
„Brr … Die Verwandlung kribbelt immer so.“
Ich starrte Leinar nur an und das einzige, was über meine Lippen kam war: „Du warst so winzig klein.“
„Ach, mach dir keine Sorgen. Ich kann mir vor der Verwandlung aussuchen, wie groß ich sein möchte. Aber ich hab es genossen, so klein zu sein, und auf deiner Hand sitzen zu können.“ Er strahlte übers ganze Gesicht und sah dabei so jung und so unglaublich gut aus.
„Wirst du immer zu einem Glühwürmchen?“, fragte ich nun.
„Ja, aber das Leuchten kann ich dabei beeinflussen, aber ich mag es so wie ich eben war“, erklärte er. „Du bist übrigens die Erste, die das sehen durfte. Ausserhalb meiner Familie.“ Er lächelte immer noch und wirkte sehr zufrieden mit sich. So sah ich ihn selten, doch es freute mich, wenn er so war. „Aber jetzt komm. Lass uns zum Schlossgarten gehen.“
Ich war immer noch benommen von dem, was ich ge-rade gesehen hatte. Es war einfach unglaublich gewesen.