Ideenbild 2: Oktober 2016: Der Prinz in der Blume

Das Ideenbild vom Oktober ist nicht ganz so leicht, weil es nicht so viel hergibt. Mal sehen, was sich daraus machen lässt.

2016 Oktober Ideenbild

Von Blumen und Prinzen

Mitten im herbstlichen Wald fand ich einen Strauß mit weißen Rosen und Vergissmeinicht zwischendrin. Er war verwelkt und lag wohl schon länger hier. Ich hob ihn auf und betrachtete ihn argwöhnisch. Was hatte der hier zu suchen? Ich betrachtete ihn von allen Seiten und entdeckte ein kleines rosafarbendes Tier da drin. So ein Tier hatte ich noch nie gesehen. Es war wirklich winzig und wirkte nur wie ein kleiner Punkt, ein Stecknadelkopf vielleicht. Doch es bewegte sich und zischte.

Und dann öffnete sich das Tier und formte eine wunderschöne orangene Blume. Das verwelkte fiel zu Boden und die Herbstblume blieb in meiner Hand. Das seltsame war, dass die Blume ein Gesicht hatte und mich anlächelte und dann auch noch mit mir sprach.

„Hallo“, sagte es. „Wenn du mich streichelst, verspreche ich dir einen Wunsch zu erfüllen.“

Das allein war schon seltsam genug. Solche Blumen gab es doch gar nicht. Aber ich hatte definitiv eine in meiner Hand. Eigentlich glaubte ich es nicht, aber ich streichelte die Blume trotzdem und wünschte mir, dass ich die Geheimnisse dieser Blume kennen würde.

Die Blume strahlte mich bei dem Wunsch an und verwandelte sich urplötzlich in einen buchstäblich orangebraunen Mann. Er trug die seltsamste Kleidung, die ich je gesehen hatte. Eine Mischung aus Ästen und Blättern. Sein Haar war wild und braun und von bunten Blättern verziert.

„Vielen Dank dafür. Ihr Wunsch hat mich sehr gefreut. Natürlich erzähle ich ihnen wieso sie mich als Blume in der Hand hatten dekoriert mit einem normalen verwelkten Blumenstrauß. Ich wurde verflucht von einer bösen Hexe, die einen Groll gegen mich hegte.

Nur wenige Menschen kommen überhaupt in den Wald und noch weniger Menschen achten auf einen verwelkten Blumenstrauß. Sie taten es. Dafür danke ich ihnen, denn ohne Sie hätte ich hier vielleicht noch 100 Jahre festgesessen.

Ich bekam alles um mich rum mit was so passierte, aber es passierte nicht viel mehr, als dass ein paar Kinder auf mich drauftrampelten oder irgendwelche riesigen Menschen. Das ist kein schönes Gefühl, kann ich Ihnen sagen.

Jedenfalls sollte ich zum Fluch zurückkommen. Nur wer mich wirklich aufhebt und streichelt wird die wahre Schönheit der Blume erkennen und nur wer sie mehr beachtet als nur flüchtig, kann den Fluch beheben.

Etwa dreizig Jahre hing ich hier fest und erst jetzt bin ich erlöst. Ich bin ihnen zu großen Dank verpflichtet. Natürlich dürfen Sie sich noch etwas anderes wünschen. Ihren ersten Wunsch hätte ich ihnen sowieso erzählt. Das war ich Ihnen schuldig.“

„Wer sind Sie?“, fragte ich nur verwirrt statt auf irgendetwas von dem zu antworten was er gesagt hatte.

„Oh, natürlich. Ich bin Jan, der Herbstprinz vom Blätterschloss und Fine wird begeistert sein zu hören, dass es mir gut geht“, stellte er sich vor.

„Ähm …“ Was ich dazu sagen sollte wusste ich nicht.

„Solche Reaktionen bin ich gewohnt. Aber es ist wirklich wahr was ich sage“, beteuerte er mir.

Doch ich sah, dass das was mir passiert war, nicht alltäglich war. Es grenzte an Magie und wie konnte ich ihm da nicht glauben, dass es nicht auch irgendwo ein Land gibt, den der Herbst bestimmt?

„Also, wie lautet dein Wunsch? Wählen Sie gut. Sie haben nur einen?“, fragte er erneut.

„Darf ich das Herbstland sehen? Ich möchte mir mit eigenen Augen ein Bild davon machen“, bat ich ihn hoffnungsvoll. Ich war neugierig geworden.

„Also gut. Wieso nicht? Immerhin bin ich Ihnen mein Leben schuldig und kann dank ihnen, die wiedersehen, die ich liebe. Seien Sie sich aber bewusst, dass es selten ist, dass jemand Aussenstehenden unser Herbstland gezeigt wird.“ Er sah sehnsüchtig in die Ferne als könnte er es kaum erwarten es wieder zu sehen.

„Aber das ist schon passiert?“, fragte ich.

„Oh, ja. Das ist es. Ich erinnere mich gern daran zurück“, sagte er unbestimmt und dann nahm er meine Hand und führte mich in eine Welt voller herbstlichen Farben. Von der goldenen Abensonne bis hin zu den bunten Blättern oder dem herbstlichen Nebel war alles mit dabei. Es war traumhaft schön. Aber ich sollte noch mehr staunen und noch mehr sehen. Das Herbstland war wirklich wunderschön und Jan passte sich einfach der Umgebung an. Wurde eins mit den Blättern, eins mit dem Wald und eins mit dem Herbst. Er blühte wieder auf.

Kleine Anmerkung von mir:

So, hier höre ich mal auf, sonst wird es noch länger. Hab mich mal wieder langgeschrieben. Die Idee zu der Geschichte existierte mehr oder weniger schon. Ich schrieb letzten Herbst schon mal über den Herbstmenschen Jan. Ein bisschen passt dieses Verwelken und neu geboren auch zu meinem Herbstmenschen vom Letzten Jahr, denn das les ich gerade noch mal nach bevor ich mich vielleicht mal wieder daran begebe und hab gerade etwas ähnliches gelesen. Meinen Herbstmenschen gibts bei mir auf dem Blog auch nachzulesen. Vielleicht schreib ich ja dieses Jahr weiter. Hätte schon Lust dazu.

Anfangs wusste ich nur, dass es herbstlich sein sollte und magisch. Dass es mit meinem Herbstmenschen zu tun hatte wusste ich noch nicht. Aber parrallel zu diesem Schreiben las ich Absätze vom alten Herbstmenschen und da kam mir diese Idee. Letzendlich hat diese Geschichte nicht mehr so viel mit dem Ideenbild zu tun, aber es fing halt alles damit an.

Ich hoffe, es hat euch gefallen. Vielleicht kommt ja demnächst wieder mehr vom Herbstmenschen.

Der Herbstmensch: Teil 4

Der Winter war mitten am Wüten. Unglaublich viel Schnee fiel. An einem Tag im Januar, wo der Schneesturm besonders stark war, erschien eine weiß leuchtende Frau in der Mitte meiner Lichtung. Trotz des Wetters kam ich jeden Tag hier her. Es war zwar unwahrscheinlich, aber Jan könnte ja auftauchen.
„Hallo Marleen, ich bin Alison, die Winterfee“, stellte sie sich mit lieblicher Stimme bei mir vor.
„Winterfee?“ fragte ich nur verständnislos.
„Ich bin aus dem selben Land wie Janjit. Nur vom Winter, nicht vom Herbst“, erklärte sie weiter.
„Janjit?“, fragte ich nun verwirrt. War das Jans richtiger Name?
„Jan“, berichtigte die Fee sich. Also war es wirklich sein richtiger Name.
„Und was willst du jetzt von mir?“, fragte ich sie.
„Janjit schickt mich. Er möchte dich sehen“, erklärte sie lächenld.
„Sollte nicht Flo kommen?“, fragte ich verwirrt.
„Ach Floh, der schafft es doch nicht mal eine Mücke rüber zu transportieren. Das hab ich Jan gleich ausgeredet“, winkte sie lässig ab. Das gefiel mir überhaupt nicht. Woher sollte ich wissen ob ich ihr trauen konnte?
„Und wieso sollte ich dir trauen?“ Ich musterte sie argwöhnisch.
„Weil Janjit mir eine Botschaft für dich mitgegeben hat. Wenn du nicht mit mir mitkommst, wirst du ihn niemals wieder sehen“, erklärte sie mir und zuckte nur mit den Achseln. „Wer die Wahl hat, hat die Qual.“
Ich konnte ihr nicht trauen. Was, wenn es eine Falle war. Dann tauchte plötzlich ein ziemlich benebeltes Eichhörchen neben der Winterfee auf.
„Also wirklich Alison. Vergiftete Nüsse. Da musst du schon früher aufstehen. Die Nummer zieht bei mir nicht“, schimpfte das und ich vermutete, dass das Floh war. Also konnte ich ihr offenbar nicht trauen.
„Floh, du lästiges Biest. Ich dachte ich sei dich los“, wütete Alison jetzt und sah dabei gar nicht mehr schön aus.
„Lauf!“, rief Floh mir zu und ich tat was er sagte. Ihn hatte Jan definitiv geschickt. Ihm konnte ich trauen.
Also rannte ich so schnell ich konnte, doch dann packte mich Jemand mit festen Griff am Arm. Ich wolle mich loslassen, aber dann flüsterte mir eine vertraute Stimme zu: „Pst, beruhige dich. Ich bins.“
Ich drehte mich um und Jan hielt mich tatsächlich in den Armen. Er sah blass aus und erschöpft, aber bevor ich was sagen konnte, beamte er uns praktisch ins Blätterschloss.
In seinem Zimmer angekommen legte er sich auf sein Bett und wirkte erschöpfter denn je. Ich legte mich neben ihn und kuschelte mich an ihn.
„Was ist mit Floh?“, fragte ich besorgt.
„Keine Sorge. Der kommt schon klar. Eichhörnchen sind zäher als sie aussehen“, beruhigte er mich. „Es ist nicht sein erster Kampf gegen die Winterfee. Sie schlagen eigentlich immer dann zu, wenn wir Herbstmenschen zu schwach sind um uns zu wehren. Ich hätte es wissen und dich warnen müssen.“ Seine Stimme klang schwach und es schien als würde er schon fast schlafen.
„Du hast doch gesagt du kannst gar nicht im Winter dein Reich verlassen“, erinnerte ich mich dann.
„Ja, schon. Aber ich hab geschlummert wie es im Winter so oft der Fall ist und irgendwie gespürt, dass du in Gefahr bist. Vermutlich ist unsere Verbindung doch stärker als ich dachte“, war seine Erklärung.
„Aber was passiert nun? Ich muss wieder nach Hause zurück.“ Ich konnte mich wohl kaum die ganze Zeit hier im Herbstland verstecken.
„Ich fürchte das geht vorerst nicht. Du bist dort nicht mehr in Sicherheit. Ich werde Floh noch mal zurückschicken, damit er die Erinnerungen aus deinem Umfeld für einige Zeit ändert. Vorerst solltest du hierbleiben. Wenn Alison erst mal hinter dir her ist lässt sie nicht mehr locker“ Er sah unglücklich aus wegen dieser Wendung, aber er blieb bei seiner Meinung.
Hierbleiben? Leute aus meinem Umfeld was anderes ins Gedächtnis zaubern? Das gefiel mir alles gar nicht, aber ich musste einsehen, dass es so besser war. Wenn ich nach Hause zurück kehren würde, würde ich nur meine Freunde und Familie in Gefahr bringen. Das wollte ich auf keinen Fall.
„Das gefällt mir nicht, aber wenn ich hier sicherer bin und meine Familie nicht dadurch gefährdet ist, bin ich eiferstanden“, erklärte ich schließlich.
„Das ist gut“, seufzte er erleichtert und dann schloss er einfach so die Augen und rührte sich nicht mehr. Als hätte er darauf gewartet, dass das geklärt war, nur damit er schlafen konnte. Seine Schwäche machte mir Sorgen. Im Herbst war er so stark und voller Energie gewesen.
Wie lange sollte ich eigentlich hierbleiben?
Eine Weile lang war es einfach nur still und ich sah Jan beim Schlafen zu. Er wirkte blass, aber friedlich. Es wurde draußen vor den Fenstern langsam dunkel. Was war wohl mit Floh passiert. Er hatte für mich gekämpft. Ich machte mir Sorgen um das kleine Wesen.
Nach einer weiteren Weile klopfte es vor dem Fenster. Ich sah nach. Da saß das Eichhörnchen und wirkte zufrieden und gut gelaunt. Also öffnete ich das Fenster und es schlüpfte herein.
„Huhu, da bin ich wieder. So leicht wie sie glaubt kriegt Alison mich nicht. Ich bin flink und schlau.“ Stolz stellte es mich auf sich und sah mich erwartungsvoll an.
„Vielen Dank, dass du mich gerettet hast“, bedankte ich mich artig bei ihm. „Ich wäre fast mit ihr mitgegangen.“
„Kriege ich jetzt endlich meine Nüsse?“, beschwerte er sich nur statt auf mein Dankeschön einzugehen.
Ich lachte: „Wenn ich wüsste wo sie sind. Ich kenn mich hier doch gar nicht aus.“
„Oh, ich schon“, meinte das Eichhörnchen und hüpfte flink zu eine Schulade und deutete darauf.
Ich ging also dorthin und zog sie auf. Dort war eine Schale mit Nüssen und ich stellte sie auf den Schreibtisch. Das Eichhörnchen setzte sich davor und mampfte fröhlich vor sich hin.
Nachdem es eine Weile gegessen hatte, sah es satt und zufrieden aus und sah mich aus großen braunen Augen an.
„Hat Jan dir schon offenbart, dass du hierbleiben wirst?“, fragte er mich dann ernst.
„Ja, hat er“, antwortete ich.
„Gut, du wirst nebenan schlafen. Ich zeig dir dein Zimmer gleich. Jan wird jetzt bestimmt erst mal drei Tage schalfen. Du darfst dich im Schloss umsehen, aber bestimmte Bereiche sind für dich tabu. Vor allem ist wichtig, dass du dich nur im Herbstbereich aufhälst. Alles andere ist zu gefährlich. Ich werde gleich noch eine Führung mit dir machen. Im Winter ist hier im Herbstbereich wenig los, aber verlasse Niemals ohne Begleitung das Schloss. Wenn du raus möchtest, ruf einfach meinen Namen. Ich werde da sein.“ Das alles erklärte Floh in einem so schnellen Tempo, dass ich kaum mitkam. Aber es rührte mich, dass er so auf mich Acht gab. Auch wenn die Anweisung wohl eher von Jan kam.
„Ach, und stör Jan niemals im Schlaf. Wenn er wach wird, wird er sich schon bei dir melden“, wies das kleine Eichhörnchen mich an.
„Na klar, mach ich nicht“, versprach ich ihn. „Darf ich dich denn dann als Kopfkissen verwenden? Ich sah es so unschuldig an wie ich konnte. Es war so schön braun uns süß und warum und flauschig. Einfach das perfekte Kopfkissen.
„Wohl kaum.“ Strafend sah es mich an. „Ich bin ein Tier. Mich benutzt man nicht als Kopfkissen. Lass uns einfach mit der Führung beginnen.“
„Okay“, gab ich nach.

Der Herbstmensch Teil 2

Juhu, ich habs tatsächlich noch geschafft. Das zweite Treffen mit dem Herbstmensch ist beschrieben worden, aber noch nicht korrigiert. Es könnten also Fehler drin sein oder unstimmiges. Aber sonst viel Spass beim Lesen.

 

Ich hatte einige Zeit nichts von Jan gehört. Obwohl ich ihn kaum kannte, vermisste ich ihn irgendwie. Seine Nähe hatte mir auf unehrklärlicher Weise Trost gespendet. Ich fühlte mich bei ihm verborgen und das verstand ich nicht.
Der Herbst schritt voran. Der Wald wütete in seiner Blütezeit und ich hatte kaum noch Hoffnung, dass Jan mich noch mal besuchen kommen würde. Konnte er in anderen Jahreszeiten ausser dem Herbst eigentlich unsere Welt betreten?
Doch während ich auf meine Lichtung zuging, wie mittlerweile jeden Tag in der Hoffnung Jan zu sehen, entdeckte ich schon Fine, den Schmetterling. Sie sah mich traurig an und ich bekam Bauchschmerzen. Wieso war sie traurig?
Ich ging zu ihr und sie hüpfte aufgeregt vor mir auf und ab. „Endlich bist du da. Ich hab auf dich gewartet. Du musst mit mir kommen. Nur du kannst jetzt noch helfen.“
„Was ist los?“, fragte ich verwirrt und beunruhigt.
„Jan ist seit Wochen nicht wieder aufgewacht. Wir glauben, dass nur du ihn zum Aufwachen bringen kannst“, erzählte Fine.
„Moment mal. Was heißt nicht wieder aufgewacht?“ Ich wusste gar nichts mehr. Und wieso sollte ausgerechnet ich ihm helfen können?
„Das erklär ich dir alles später“, versprach Fine mir. „Kannst du mich begleiten?“
„Werde ich wieder kommen?“, fragte ich.
„Wenn du willst“, nickte sie.
„Okay“, stimmte ich schließlich zu.
Mein zweiter Übergang in das Herbstland war sanfter. Ich wusste, was mich erwartete. Nur war Jan diesmal nicht an meiner Seite. Er schlief in seinem Zimmer im Blätterschloss und wachte nicht mehr auf.
Als ich in seinem Zimmer ankam sah er sogar noch schlimmer aus als ich es mir vorgestellt hatte. Er lag da und wirkte als würde er verwelken wie Sommerblumen.
„Was ist mit ihm?“, fragte ich Fine.
„Genau das wonach es aussieht. Er verwelkt. Der Herbst verlässt ihn“, antwortete sie.
„Und was bedeutet das?“ Fine sprach einfach nur in Rätseln.
„Entweder stirbt er oder er gehört, wenn er aufwacht, zu einer anderen Jahreszeit.“
„Und wie kann ich ihm helfen?“, wollte ich nun verwirrt wissen.
„Küss ihn!“, forderte Fine mich auf.
“Was?“, fragte ich entsetzt. Nicht, weil er so abstoßend wäre, sondern weil ich ihn kaum kannte.
“Wenn du ihm helfen wilsst küsst du ihn besser“, beharrte Fine.
Ich beschloss, dass sprechende Schmetterlinge anstrengend waren, küsste ihn aber direkt auf den Mund. Ich schmeckte seine Herbstlichkeit und sein Mund fühlte sich wie goldenes Sonnenlicht an. Nicht gerade unangenhem. Zuerst passierte nichts, aber dann kehrte Wärme in seinen Körper zurück und er schien wieder wie der Herbst zu werden.
Einige Zeit später hauchte er heiser: „Danke.“ Er lag mit geschlossenen Augen da, aber er lächelte.
„Gerne“, antwortete ich.
“Du bist gekommen?“, wunderte er sich. „Einfach so? Wie?“
“Fine hat mich geholt“, antwortete ich.
„Wie klug Schmetterlinge doch waren“, fand er.
Ich war mir da nicht so sicher. Ich hatte Jan helfen wollen, aber was machte ich jetzt. Dieser Kuss hatte alles verändert. Ich liebte den puren Herbst. Ich grinste ihn an und er setzte sich auf und zog mich in seine Arme.
„Du bist es“, sagte er nur schlicht.
„Ich bin wer?“, fragte ich nur. Ich verstand kein Wort.
„Die Auserwählte. Die, die mich retten wird. Meine Seelengefährtin“, war seine Antwort darauf.
„Ach so. Na dann ist ja alles klar“, fand ich ironisch. Er grinste mich nur an.
“Du wieder. Das kenn ich mittlerweile ja schon von dir“, sagte er nur. Ich seufzte.
„Was soll ich denn sonst sagen? Du wirfst mir hier so eine Aussage hin, als hätte ich keine andere Wahl. Wir kennen uns doch kaum.“ Ich mochte das Herbstland und ich mochte Jan. Das musste ich zugeben. Aber ich wollte nicht, dass es etwas war, was ich nicht beeinflussen konnte. Ich wollte Selbstbestimmung.
„Dann sollten wir uns kennen lernen“, fand Jan. Er sah mich aus seinen Herbstaugen magisch an. „Ich möchte dich unbedingt kennen lernen. Was ist mit dir?“
Ich biss auf meiner Unterlippe herum. „Ja“, stimmte ich schlißlich zu. Er wirkte zufrieden.
„Okay, dann frag mich was?“, forderte er mich auf.
„Bist du geboren worden?“, fragte ich. Es war eine seltsame Frage, aber mir fiel nichts anderes ein.
„Hm, nicht so wie du. Ich bin aus Blättern entstanden. Der Vorgang ist ziemlich kompliziert, aber es hat was mit Magie zu tun“, erzählte er mir.
Okay, was also war er?
„Hm“, machte ich nur verwirrt.
Er sah mich musternd an. „Klingt seltsam, oder?“
„Allerdings“, bestätigte ich.
„So seltsam ist es gar nicht. Jedenfalls nicht aus meiner Sicht. Es ist einfach nur Magie. Blättermagie nennen wir es. Die Blätter wirbeln durch die Luft, Jemand murmelt Zauberworte und nach einiger Zeit entsteht ein neuer Herbstmensch“, erklärte er schlicht.
„Klingt faszierend“, entgegnete ich.
„Es ist auch interessant es mit anzusehen“, bestätigte er.
„Und was tust du, wenn du nicht gerade auf der Suche nach der Richtigen bist?“, wollte ich jetzt wissen. Ich wusste so gar nichts über ihn.
„Ich jage Herbthasser“, erklärte er.
„Herbsthasser?“, fragte ich verständnislos nach. Hatte ich natürlich noch nie gehört und so wirklich konnte ich mir auch nichts drunter vorstellen.
„Das sind jene magische Wesen, die den Herbst zerstören. Meist in der Menschenwelt. Bäume abhaken, Blätter abreißen, Nebel produzieren, wo keiner ist. So was in der Art. Sie bringen die Umwelt in Unordnung“, erklärte er weiter.
„Okay, ich dachte das wären einfach Straßenarbeiter oder so was“, kommentierte ich diese Beschreibung trocken.
„Sind sie meist auch“, bestätigte er. „Aber einige wenige nicht und die müssen zur Rechenschaft gezogen werden.“
“Und das ist die Aufgabe eines Prinzen?“
„Nein, eigentlich nicht, aber es lenkt mich von meinen eigentlichen Aufgaben ab und macht mir Spass“, gab er zu.
„Und was sind dann deine eigentlichen Aufgaben?“, ließ ich nicht locker.
„Hm, regieren schätze ich. Krieg vermeiden. Was ein König oder Prinz eben tut. Das Land ruhig halten. Frieden bewahren“, zählte er gelangweilt auf. Vermutlich war er nicht begeistert von seinen täglichen Pflichten. Doch dann fügte er strahlend hinzu: „Und die Richtige finden, die eines Tages an meiner Seite regieren wird.“
Na dann. Ich war nicht sicher was ich davon halten sollte. Konnte ich mir ein Leben hier in dieser Welt vorstellen? Wie sah das überhaupt aus. Die andere Frage war, ob ich mir je ein Leben mit Jan vorstellen konnte. Um das zu beurteilen kannte ich ihn wohl noch zu wenig.
„Und was ist mit dir? Was tust du in der Menschenwelt?“, drehte er nun den Spieß um.
Mittlerweile stand er wieder aufrecht im Zimmer mir gegenüber und sah mich neugierig an.
„Ach, ich geh noch zur Schule. Letztes Jahr Abi und danach will ich studieren“, erzählte ich nur.
Offenbar kannte er sich etwas in der Menschenwelt aus, denn er fragte mich interessiert: „Und was willst du studieren?“
„Literaturwissenschaften und Germanistik“, erklärte ich.
„Klingt schwierig“, fand er.
„Hm, nicht wenn man es kann“, erwieder ich nur.
„Und danach? Welchen Beruf möchtest du ausüben?“, fragte er weiter.
„Keine Ahnung. Vielleicht in einer Bücherrei arbeiten oder einer Buchhandlung oder einfach als Lehrerin oder professionelle Bücher schreiben.“ Ich hatte wirklich noch keine Ahnung was ich mit meinem Leben anfangen wollte.
„Hört sich interessant an.“
„Ist es auch“
Wir lächelten uns an und wussten nicht mehr was wir sagen sollten. Ich hatte noch so viele Fragen, aber heute war ich ausgelaugt. Es brauchte einfach mehr Zeit um sich kennen zu lernen.
Jan schien zu spüren, dass mir die Luft ausging und bot mir an: „Soll ich dich zurück bringen? Wir können ein andermal weiter machen.“
“Wird es wieder so lange dauern bis du dich meldest?“, fragte ich.
„Nein“, versprach er mir.
„Also gut. Ich bin müde und das Gespräch hier hat mich erschöpft.“
„Okay, dann lass uns gehen.“
Er nahm meine Hand und ich schloss die Augen. Im nächsten Moment standen wir auf meiner Lichtung. Er ließ mich aber nicht los sondern zog mich näher an sich. Die Sonne ging gerade unter. Und dann küsste er mich. Und wie! Der Kuss war sanft und ruhig zugleich. Geradezu federhaft leicht. Doch anderseits war er auch so intensiv, dass er mir durch Mark und Bein ging. Alles in mir kribbelte und ich reagierte definitiv auf ihn. Das schien ihn zu freuen.
Er flüsterte mir ins Ohr. „Damit du mich beim Nächsten Mal an mich erinnerst.“ Und dann war er verschwunden und ich blieb einsam zurück.