Ideenbild 2: Oktober 2016: Der Prinz in der Blume

Das Ideenbild vom Oktober ist nicht ganz so leicht, weil es nicht so viel hergibt. Mal sehen, was sich daraus machen lässt.

2016 Oktober Ideenbild

Von Blumen und Prinzen

Mitten im herbstlichen Wald fand ich einen Strauß mit weißen Rosen und Vergissmeinicht zwischendrin. Er war verwelkt und lag wohl schon länger hier. Ich hob ihn auf und betrachtete ihn argwöhnisch. Was hatte der hier zu suchen? Ich betrachtete ihn von allen Seiten und entdeckte ein kleines rosafarbendes Tier da drin. So ein Tier hatte ich noch nie gesehen. Es war wirklich winzig und wirkte nur wie ein kleiner Punkt, ein Stecknadelkopf vielleicht. Doch es bewegte sich und zischte.

Und dann öffnete sich das Tier und formte eine wunderschöne orangene Blume. Das verwelkte fiel zu Boden und die Herbstblume blieb in meiner Hand. Das seltsame war, dass die Blume ein Gesicht hatte und mich anlächelte und dann auch noch mit mir sprach.

„Hallo“, sagte es. „Wenn du mich streichelst, verspreche ich dir einen Wunsch zu erfüllen.“

Das allein war schon seltsam genug. Solche Blumen gab es doch gar nicht. Aber ich hatte definitiv eine in meiner Hand. Eigentlich glaubte ich es nicht, aber ich streichelte die Blume trotzdem und wünschte mir, dass ich die Geheimnisse dieser Blume kennen würde.

Die Blume strahlte mich bei dem Wunsch an und verwandelte sich urplötzlich in einen buchstäblich orangebraunen Mann. Er trug die seltsamste Kleidung, die ich je gesehen hatte. Eine Mischung aus Ästen und Blättern. Sein Haar war wild und braun und von bunten Blättern verziert.

„Vielen Dank dafür. Ihr Wunsch hat mich sehr gefreut. Natürlich erzähle ich ihnen wieso sie mich als Blume in der Hand hatten dekoriert mit einem normalen verwelkten Blumenstrauß. Ich wurde verflucht von einer bösen Hexe, die einen Groll gegen mich hegte.

Nur wenige Menschen kommen überhaupt in den Wald und noch weniger Menschen achten auf einen verwelkten Blumenstrauß. Sie taten es. Dafür danke ich ihnen, denn ohne Sie hätte ich hier vielleicht noch 100 Jahre festgesessen.

Ich bekam alles um mich rum mit was so passierte, aber es passierte nicht viel mehr, als dass ein paar Kinder auf mich drauftrampelten oder irgendwelche riesigen Menschen. Das ist kein schönes Gefühl, kann ich Ihnen sagen.

Jedenfalls sollte ich zum Fluch zurückkommen. Nur wer mich wirklich aufhebt und streichelt wird die wahre Schönheit der Blume erkennen und nur wer sie mehr beachtet als nur flüchtig, kann den Fluch beheben.

Etwa dreizig Jahre hing ich hier fest und erst jetzt bin ich erlöst. Ich bin ihnen zu großen Dank verpflichtet. Natürlich dürfen Sie sich noch etwas anderes wünschen. Ihren ersten Wunsch hätte ich ihnen sowieso erzählt. Das war ich Ihnen schuldig.“

„Wer sind Sie?“, fragte ich nur verwirrt statt auf irgendetwas von dem zu antworten was er gesagt hatte.

„Oh, natürlich. Ich bin Jan, der Herbstprinz vom Blätterschloss und Fine wird begeistert sein zu hören, dass es mir gut geht“, stellte er sich vor.

„Ähm …“ Was ich dazu sagen sollte wusste ich nicht.

„Solche Reaktionen bin ich gewohnt. Aber es ist wirklich wahr was ich sage“, beteuerte er mir.

Doch ich sah, dass das was mir passiert war, nicht alltäglich war. Es grenzte an Magie und wie konnte ich ihm da nicht glauben, dass es nicht auch irgendwo ein Land gibt, den der Herbst bestimmt?

„Also, wie lautet dein Wunsch? Wählen Sie gut. Sie haben nur einen?“, fragte er erneut.

„Darf ich das Herbstland sehen? Ich möchte mir mit eigenen Augen ein Bild davon machen“, bat ich ihn hoffnungsvoll. Ich war neugierig geworden.

„Also gut. Wieso nicht? Immerhin bin ich Ihnen mein Leben schuldig und kann dank ihnen, die wiedersehen, die ich liebe. Seien Sie sich aber bewusst, dass es selten ist, dass jemand Aussenstehenden unser Herbstland gezeigt wird.“ Er sah sehnsüchtig in die Ferne als könnte er es kaum erwarten es wieder zu sehen.

„Aber das ist schon passiert?“, fragte ich.

„Oh, ja. Das ist es. Ich erinnere mich gern daran zurück“, sagte er unbestimmt und dann nahm er meine Hand und führte mich in eine Welt voller herbstlichen Farben. Von der goldenen Abensonne bis hin zu den bunten Blättern oder dem herbstlichen Nebel war alles mit dabei. Es war traumhaft schön. Aber ich sollte noch mehr staunen und noch mehr sehen. Das Herbstland war wirklich wunderschön und Jan passte sich einfach der Umgebung an. Wurde eins mit den Blättern, eins mit dem Wald und eins mit dem Herbst. Er blühte wieder auf.

Kleine Anmerkung von mir:

So, hier höre ich mal auf, sonst wird es noch länger. Hab mich mal wieder langgeschrieben. Die Idee zu der Geschichte existierte mehr oder weniger schon. Ich schrieb letzten Herbst schon mal über den Herbstmenschen Jan. Ein bisschen passt dieses Verwelken und neu geboren auch zu meinem Herbstmenschen vom Letzten Jahr, denn das les ich gerade noch mal nach bevor ich mich vielleicht mal wieder daran begebe und hab gerade etwas ähnliches gelesen. Meinen Herbstmenschen gibts bei mir auf dem Blog auch nachzulesen. Vielleicht schreib ich ja dieses Jahr weiter. Hätte schon Lust dazu.

Anfangs wusste ich nur, dass es herbstlich sein sollte und magisch. Dass es mit meinem Herbstmenschen zu tun hatte wusste ich noch nicht. Aber parrallel zu diesem Schreiben las ich Absätze vom alten Herbstmenschen und da kam mir diese Idee. Letzendlich hat diese Geschichte nicht mehr so viel mit dem Ideenbild zu tun, aber es fing halt alles damit an.

Ich hoffe, es hat euch gefallen. Vielleicht kommt ja demnächst wieder mehr vom Herbstmenschen.

Charlotte Inden – Anna und Anna

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Ich habe ihn feste geküsst und gesagt:
„Wir haben den selben Namen, kleine Anna Bloom,
warum sollen wir uns nicht auch beide einbeinig fühlen?“

Meine Meinung:

Es ist ein süßes Buch für zwischendurch, aber eben nicht mehr. Und ich find es eher für jüngere Jugendliche geeignet, aber sicherlich können Erwachsene auch ihren Spass dran haben.

Zum größten Teil wird es in Briefform geschrieben. Die große Anna und die kleine Anna schreiben an verschiedenden Leuten oder sich selbst. Der Rest wird von der großen Anna (Also Oma Anna erzählt.)

Ich fand es dennoch recht kindlich gehalten. Obwohl die kleine Anna am Ende schon 16 war, wirkte sie oft noch viel jünger und dachte immer noch an Piraten und so ein Kram. Ich glaub das liegt daran, dass die Autorin die Geschichte anfing als Anna 11 war und es schwer ist eine Geschichte nicht kindlich zu lassen, wenn sie so kurz ist und sich auf so viele Jahre ersteckt. Nur hätte sie das Augenmark nicht so auf diese Piratensache versteift, wäre es wohl weniger kindlich rüber gekommen. Wobei das ja schon teilweise auch was hatte. Selbst die Oma wirkte oft als wäre sie in ihrer Erzählweise eher auf Annas Niveau. Besonders, wenn sie über Anna sprach. Mich störte das jetzt nicht direkt, aber weniger kindlich wäre vermutlich doch besser und überzeugender gewesen.

Auch die Sache mit Jan kam für mich zu kurz, dafür dass es sich über Jahre erstreckte. So war es ein großes Hin und Her und Jans Verhalten hätte ich gern mehr erklärt gehabt und auch dass er Anna dann gar nicht mehr schrieb. Da fehlte mir irgendwie was. Irgendwie passte das mit diesen Tussis auch gar nicht zu ihm. Aber sonst mochte ich ihn.

Das Hauptthema war aber die Beziehung zu der Oma Anna und der Enkelin Anna und die war ja schon ziemlich eng. Ich fand sie ganz süß, aber teilweise auch etwas mehrkwürdig.

Wie gesagt, was süßes für zwischendurch, aber nach Elfenschwestern hatte ich etwas mehr erwartet.

Bewertung: 4/5 Punkten

Der Herbstmensch Teil 3

Wie immer unbearbeitet. Ich hoffe ihr kommt trotzdem klar. Das sind aber nur meine ersten Ideen.

Es dauerte eine Weile bis ich Jan wieder sehen sollte. Die Grenzen von Herbst zu Winter verschwammen langsam. Lebte Jan eigentlich nur im Herbst und schlief den Rest des Jahres? Dieser Gedanke machte mir zu schaffen.
Doch an einem kalten regnerischen Tag Ende November stand er plötzlich in meinem Zimmer. Er wirkte nicht verwelkt, aber blass. So unendlich blass und so furchtbar traurig und kalt. Was stimmte nicht mit ihm. War es das Ende des Herbsts? Seine Augen waren voller Eiszapfen, was irgendwie beunruhigend war.
„Jan, was ist los?“, fragte ich entsetzt und stand von meinem Bett auf. Hoffentlich kamen meine Eltern jetzt nicht rein. Wie sollte ich Jan denn sonst bloß erklären und dann auch noch sein Aussehen.
„Der Winter naht. Ich spüre es in meinen Knochen. Eigentlich bleibe ich im Winter im Blätterschloss bis es wieder Herbst ist, aber ich wollte dich vorher noch einmal sehen. Der nahe Winter schwächt mich“, erklärte er mir.
„Dann sehen wir uns in der Zeit gar nicht?“, fragte ich enttäuscht.
„Du kannst mich besuchen kommen“, erklärte er. „Ich kann Fine wegen dem Winter nicht schicken, aber ein anderes Tier was winterfester ist. Vielleicht das Eichhörnchen Flo.“
„Flo? Fine? Was gebt ihr den Tieren eigentlich für Namen?“, fragte ich kompfschüttelnd.
„Tun wir gar nicht. Sie geben sie sich die selbst. Vorher haben sie keine Namen.“
„Kann Flo auch sprechen?“, fragte ich nur.
„Klar. Sonst könnte er dir ja nicht weiter helfen.“
„Das ist gut zu wissen.“
„Heißt das du willst mich wiedersehen?“, fragte er hoffnungsvoll. Irgendwie wirkte er verloren wie er da im Raum stand.
Statt ihm zu antworten fragte ich ihn: „Willst du dich nicht setzen?“
„Nicht so gut“, antwortete er. „Da wird’s etwas eisig wo ich mich hinsetzte.“ Er schaffte es sogar noch schief zu grinsen.
„Du bist mir einer.“ Dann ging ich auf ihn zu. Ich zog ihn in meine Arme und lehnte mich an ihn. Er wurde gleich etwas wärmer. Seine Haut war nämlich eiskalt.
„Na nu, was ist denn das? Geht’s dir gut?“, fragte er überrascht.
„Eine Eingebung. Irgendwie war mir gerade nach Körpernähe und du warst gerade da“, erwiederte ich nur verschlagen.
„Interessan“, war sein Urteil. Doch er erwiderte meine Umarmung und zog mich fester an sich. Ich spürte plötzlich, dass wir zusammen gehörten. Total irrational eigentlich. Aber es war so. Als würde der Herbst plötzlich in mir blühen.
„Du spürst es?“, fragte er auch sogleich hoffnungsvoll.
„Ja“, gab ich zu. Es hatte keinen Sinn es zu verheimlichen. Nun schmiegte er sich noch enger an mich und ich genoss seine Nähe. Ich fühlte den Herbst immer stärker in mir und er wurde langsam aufgetaut.
„Du scheinst mir Wärme und Stärke zu spenden. Das ist gut. Aber ich sollte es nicht riskieren im Winter hierher zu kommen. Besser du besuchst mich“, strahlte er.
„Ich komme dich gern besuchen. Du musst mir nur Flo schicken“, versicherte ich ihm.
Jan seufzte frustriert. „Vielleicht sollte ich dich vorwarnen. Flo ist sehr eigen. Ohne mindestens eine Nuss als Belohnung wirst du bei ihm nicht weit kommen.“
„Ach, wenns mehr nicht ist“, winkte ich ab.
„Unterschätz ihn nicht. Flo ist normalerweise vom Winter. Die können ganz schön gerissen sein.“
„Okay. Ich habe verstanden. Gerissene Eichhörnchen. Ich werde vorsichtig sein. Hauptsache Flo bringt mich zu dir.“
„Im Frühling wird es dann wieder Fine sein“
„Das ist gut. Fine mag ich. Sie hat was.“
„Fine ist ein Schmetterling. Schmetterlinge sind die sanftesten Wesen, die ich kenne.“ Er klang irgendwie stolz. Sie schien ihm besonders am Herzen gewachsen zu sein.
„Na dann“, kommentierte ich nur.
„Du wirst sie bestimmt noch kennen lernen. Dann wirst du schon sehen.“
„Und jetzt?“, fragte ich ihn. „Wirst du gleich wieder verschwinden?“
„Ein bisschen Zeit hätte ich noch“, räumte er ein.
„Sollen wir einen Spaziergang machen, oder ist das zu viel für dich?“, schlug ich vor.
„Nein, ein Spaziergang klingt toll. Und wenn du mich berührst, kann mir sowieso nichts passieren.“ Es klang wie ein Angebot oder ein Vorschlag.
„Dann los“, befand ich.
Er ging so hinaus wie er gekommen war. Ich wollte ihn nicht an meinen Eltern vorbeischleusen. Ich ging nach unten, zog mir Schuhe und Jacke über und verkündete, dass ich noch raus wollte.
Ich ging vor die Tür und genoss die frische kalte Luft. Es regnete nicht mehr und so ging ich hinters Haus in den Wald und Jan empfing mich dort und nahm meine Hand in seine. Er wirkte warm und kräftig. Nicht so wie er gekommen war.
„Herrlich wieder im Wald zu sein“, fand Jan strahlend.
„Aber du bist doch immer im Wald. Euer Blätterschloss liegt ja mehr oder weniger im Wald“, wunderte ich mich.
„Ja schon, aber das ist ganz anders als der menschliche Wald. Unser Wald geht eher ins bräunliche oder rötlicher. Eurer ist so schön bunt“, erklärte er mir, was er meinte. Das war mir noch gar nicht so aufgefallen. Da musse ich unbedingt das nächste mal drauf achten.
„Hm“, machte ich nur.
„Du Herbstbanause“, grinste er.
„Ach was, mittlerweile mag ich den Herbst“, behauptete ich.
„Und wie kommt das?“, fragte er und sah mich mit einem Blick an, den ich nicht deuten konnte. War er doppeldeutig oder einfach nur neugierig gemeint?
„Ach ich weiß auch nicht. Ich hab da so einen gewissen Herbstmensch kennen gelernt, der mir nach und nach die schönen Seiten des Herbst zeigt“, antwortete ich.
„Herbstmensch, ja?“ Er wirkte ämüsiert und sah mich mit blitzenden Augen an. Das reinste Herbstwetter tobte darin.
„Ich find das Wort passend“, fand ich.
Jetzt war er es der nur „Hm“ machte. Wir gingen eine Weile nebeneinander her und genossen den Herbst um uns rum. Dann meinte er unvermittelt: „Ich sollte jetzt wohl gehen. Dieses Wetter macht mich schnell müde.“
Spontan griff ich nach seine Hand. „Wann werden wir uns wiedersehen? Ich mag dieses Warten nicht.“
„Es tut mir Leid, dass es nicht anders geht. Ich würde es dir gern sagen, aber ich weiß es nicht, wann es möglich ist. Ich bin nicht immer auf der Höhe in anderen Jahreszeiten“, entschuldigte er sich bei mir und ich seufzte. Wollte ich dieses Leben wirklich?
„Vielleicht sollten wir uns nicht wiedersehen“, wagte ich mich vor.
„Sag so was nicht. Ich würde dich gern wieder sehen und ich werde dir Flo schicken“, versprach er mir. Dann gab er mir einen schnellen Kuss und war fort. Es war als würde ich ihn nie wieder sehen.

Der Herbstmensch Teil 2

Juhu, ich habs tatsächlich noch geschafft. Das zweite Treffen mit dem Herbstmensch ist beschrieben worden, aber noch nicht korrigiert. Es könnten also Fehler drin sein oder unstimmiges. Aber sonst viel Spass beim Lesen.

 

Ich hatte einige Zeit nichts von Jan gehört. Obwohl ich ihn kaum kannte, vermisste ich ihn irgendwie. Seine Nähe hatte mir auf unehrklärlicher Weise Trost gespendet. Ich fühlte mich bei ihm verborgen und das verstand ich nicht.
Der Herbst schritt voran. Der Wald wütete in seiner Blütezeit und ich hatte kaum noch Hoffnung, dass Jan mich noch mal besuchen kommen würde. Konnte er in anderen Jahreszeiten ausser dem Herbst eigentlich unsere Welt betreten?
Doch während ich auf meine Lichtung zuging, wie mittlerweile jeden Tag in der Hoffnung Jan zu sehen, entdeckte ich schon Fine, den Schmetterling. Sie sah mich traurig an und ich bekam Bauchschmerzen. Wieso war sie traurig?
Ich ging zu ihr und sie hüpfte aufgeregt vor mir auf und ab. „Endlich bist du da. Ich hab auf dich gewartet. Du musst mit mir kommen. Nur du kannst jetzt noch helfen.“
„Was ist los?“, fragte ich verwirrt und beunruhigt.
„Jan ist seit Wochen nicht wieder aufgewacht. Wir glauben, dass nur du ihn zum Aufwachen bringen kannst“, erzählte Fine.
„Moment mal. Was heißt nicht wieder aufgewacht?“ Ich wusste gar nichts mehr. Und wieso sollte ausgerechnet ich ihm helfen können?
„Das erklär ich dir alles später“, versprach Fine mir. „Kannst du mich begleiten?“
„Werde ich wieder kommen?“, fragte ich.
„Wenn du willst“, nickte sie.
„Okay“, stimmte ich schließlich zu.
Mein zweiter Übergang in das Herbstland war sanfter. Ich wusste, was mich erwartete. Nur war Jan diesmal nicht an meiner Seite. Er schlief in seinem Zimmer im Blätterschloss und wachte nicht mehr auf.
Als ich in seinem Zimmer ankam sah er sogar noch schlimmer aus als ich es mir vorgestellt hatte. Er lag da und wirkte als würde er verwelken wie Sommerblumen.
„Was ist mit ihm?“, fragte ich Fine.
„Genau das wonach es aussieht. Er verwelkt. Der Herbst verlässt ihn“, antwortete sie.
„Und was bedeutet das?“ Fine sprach einfach nur in Rätseln.
„Entweder stirbt er oder er gehört, wenn er aufwacht, zu einer anderen Jahreszeit.“
„Und wie kann ich ihm helfen?“, wollte ich nun verwirrt wissen.
„Küss ihn!“, forderte Fine mich auf.
“Was?“, fragte ich entsetzt. Nicht, weil er so abstoßend wäre, sondern weil ich ihn kaum kannte.
“Wenn du ihm helfen wilsst küsst du ihn besser“, beharrte Fine.
Ich beschloss, dass sprechende Schmetterlinge anstrengend waren, küsste ihn aber direkt auf den Mund. Ich schmeckte seine Herbstlichkeit und sein Mund fühlte sich wie goldenes Sonnenlicht an. Nicht gerade unangenhem. Zuerst passierte nichts, aber dann kehrte Wärme in seinen Körper zurück und er schien wieder wie der Herbst zu werden.
Einige Zeit später hauchte er heiser: „Danke.“ Er lag mit geschlossenen Augen da, aber er lächelte.
„Gerne“, antwortete ich.
“Du bist gekommen?“, wunderte er sich. „Einfach so? Wie?“
“Fine hat mich geholt“, antwortete ich.
„Wie klug Schmetterlinge doch waren“, fand er.
Ich war mir da nicht so sicher. Ich hatte Jan helfen wollen, aber was machte ich jetzt. Dieser Kuss hatte alles verändert. Ich liebte den puren Herbst. Ich grinste ihn an und er setzte sich auf und zog mich in seine Arme.
„Du bist es“, sagte er nur schlicht.
„Ich bin wer?“, fragte ich nur. Ich verstand kein Wort.
„Die Auserwählte. Die, die mich retten wird. Meine Seelengefährtin“, war seine Antwort darauf.
„Ach so. Na dann ist ja alles klar“, fand ich ironisch. Er grinste mich nur an.
“Du wieder. Das kenn ich mittlerweile ja schon von dir“, sagte er nur. Ich seufzte.
„Was soll ich denn sonst sagen? Du wirfst mir hier so eine Aussage hin, als hätte ich keine andere Wahl. Wir kennen uns doch kaum.“ Ich mochte das Herbstland und ich mochte Jan. Das musste ich zugeben. Aber ich wollte nicht, dass es etwas war, was ich nicht beeinflussen konnte. Ich wollte Selbstbestimmung.
„Dann sollten wir uns kennen lernen“, fand Jan. Er sah mich aus seinen Herbstaugen magisch an. „Ich möchte dich unbedingt kennen lernen. Was ist mit dir?“
Ich biss auf meiner Unterlippe herum. „Ja“, stimmte ich schlißlich zu. Er wirkte zufrieden.
„Okay, dann frag mich was?“, forderte er mich auf.
„Bist du geboren worden?“, fragte ich. Es war eine seltsame Frage, aber mir fiel nichts anderes ein.
„Hm, nicht so wie du. Ich bin aus Blättern entstanden. Der Vorgang ist ziemlich kompliziert, aber es hat was mit Magie zu tun“, erzählte er mir.
Okay, was also war er?
„Hm“, machte ich nur verwirrt.
Er sah mich musternd an. „Klingt seltsam, oder?“
„Allerdings“, bestätigte ich.
„So seltsam ist es gar nicht. Jedenfalls nicht aus meiner Sicht. Es ist einfach nur Magie. Blättermagie nennen wir es. Die Blätter wirbeln durch die Luft, Jemand murmelt Zauberworte und nach einiger Zeit entsteht ein neuer Herbstmensch“, erklärte er schlicht.
„Klingt faszierend“, entgegnete ich.
„Es ist auch interessant es mit anzusehen“, bestätigte er.
„Und was tust du, wenn du nicht gerade auf der Suche nach der Richtigen bist?“, wollte ich jetzt wissen. Ich wusste so gar nichts über ihn.
„Ich jage Herbthasser“, erklärte er.
„Herbsthasser?“, fragte ich verständnislos nach. Hatte ich natürlich noch nie gehört und so wirklich konnte ich mir auch nichts drunter vorstellen.
„Das sind jene magische Wesen, die den Herbst zerstören. Meist in der Menschenwelt. Bäume abhaken, Blätter abreißen, Nebel produzieren, wo keiner ist. So was in der Art. Sie bringen die Umwelt in Unordnung“, erklärte er weiter.
„Okay, ich dachte das wären einfach Straßenarbeiter oder so was“, kommentierte ich diese Beschreibung trocken.
„Sind sie meist auch“, bestätigte er. „Aber einige wenige nicht und die müssen zur Rechenschaft gezogen werden.“
“Und das ist die Aufgabe eines Prinzen?“
„Nein, eigentlich nicht, aber es lenkt mich von meinen eigentlichen Aufgaben ab und macht mir Spass“, gab er zu.
„Und was sind dann deine eigentlichen Aufgaben?“, ließ ich nicht locker.
„Hm, regieren schätze ich. Krieg vermeiden. Was ein König oder Prinz eben tut. Das Land ruhig halten. Frieden bewahren“, zählte er gelangweilt auf. Vermutlich war er nicht begeistert von seinen täglichen Pflichten. Doch dann fügte er strahlend hinzu: „Und die Richtige finden, die eines Tages an meiner Seite regieren wird.“
Na dann. Ich war nicht sicher was ich davon halten sollte. Konnte ich mir ein Leben hier in dieser Welt vorstellen? Wie sah das überhaupt aus. Die andere Frage war, ob ich mir je ein Leben mit Jan vorstellen konnte. Um das zu beurteilen kannte ich ihn wohl noch zu wenig.
„Und was ist mit dir? Was tust du in der Menschenwelt?“, drehte er nun den Spieß um.
Mittlerweile stand er wieder aufrecht im Zimmer mir gegenüber und sah mich neugierig an.
„Ach, ich geh noch zur Schule. Letztes Jahr Abi und danach will ich studieren“, erzählte ich nur.
Offenbar kannte er sich etwas in der Menschenwelt aus, denn er fragte mich interessiert: „Und was willst du studieren?“
„Literaturwissenschaften und Germanistik“, erklärte ich.
„Klingt schwierig“, fand er.
„Hm, nicht wenn man es kann“, erwieder ich nur.
„Und danach? Welchen Beruf möchtest du ausüben?“, fragte er weiter.
„Keine Ahnung. Vielleicht in einer Bücherrei arbeiten oder einer Buchhandlung oder einfach als Lehrerin oder professionelle Bücher schreiben.“ Ich hatte wirklich noch keine Ahnung was ich mit meinem Leben anfangen wollte.
„Hört sich interessant an.“
„Ist es auch“
Wir lächelten uns an und wussten nicht mehr was wir sagen sollten. Ich hatte noch so viele Fragen, aber heute war ich ausgelaugt. Es brauchte einfach mehr Zeit um sich kennen zu lernen.
Jan schien zu spüren, dass mir die Luft ausging und bot mir an: „Soll ich dich zurück bringen? Wir können ein andermal weiter machen.“
“Wird es wieder so lange dauern bis du dich meldest?“, fragte ich.
„Nein“, versprach er mir.
„Also gut. Ich bin müde und das Gespräch hier hat mich erschöpft.“
„Okay, dann lass uns gehen.“
Er nahm meine Hand und ich schloss die Augen. Im nächsten Moment standen wir auf meiner Lichtung. Er ließ mich aber nicht los sondern zog mich näher an sich. Die Sonne ging gerade unter. Und dann küsste er mich. Und wie! Der Kuss war sanft und ruhig zugleich. Geradezu federhaft leicht. Doch anderseits war er auch so intensiv, dass er mir durch Mark und Bein ging. Alles in mir kribbelte und ich reagierte definitiv auf ihn. Das schien ihn zu freuen.
Er flüsterte mir ins Ohr. „Damit du mich beim Nächsten Mal an mich erinnerst.“ Und dann war er verschwunden und ich blieb einsam zurück.

Der Herbstmensch Teil 1 Die erste Reise

Ich hab mir überlegt, dass ich eine Geschichte zum Thema Herbst schreiben möchte. Hier hab ich am Wochenende nun schon mal ein bisschen was verpasst. Ich denke ich werde es in mehreren Teilen schreiben. Mal sehen, wann ich das nächste mal dazu komme. Vermutlich am Wochenende. Ich lag letzte Woche mal Abends im Bett und da viel mir die Idee dazu ein. Jetzt bin ich gespannt, was ihr zu meinem ersten Entwurf sagt. Was gefällt euch, was nicht? Wie findet ihr es überhaupt und welche Ideen gefallen euch besonders? Der heutige Text entspricht etwas über drei Wordseiten.

Ich wünsche euch viel Spass beim Lesen und freu mich über jeden Kommentar.

 

Der Herbst ist da. Spürt ihr es auch?

Es ist Herbst. Die Sonne scheint durch die Bäume und ich bin im Wald. Der Wald hat mich schon immer angezogen. Ich bin gern und oft hier. Einsam. Das ist das Wort, was mir hierzu einfällt. Im Wald kann ich allein und kann nachdenken. Hier stören mich nur die Vögel, die ihre wunderschönen Lieder zwitschern. Wobei mich das gar nicht stört. Ich liebte das. Bald ziehen sie alledings schon wieder weiter in ihr Winterquartier.
Ich hatte mir einen besonderen Platz in meinem Wald gesucht. Eine kleine Lichtung mit einer grünen Fläche, auf die ich mich setzte, um zu lesen und die Ruhe zu genießen. Das war mein Ding.
Und dann kam er plötzlich aus dem Wald. Ein wunderschöner Junge, der aussah, als wäre er in Blätter gehüllt. Er wirkte wie der Herbst selbst. Braunrote halblange Haare, sein Gesicht kantig und sein Hals wirkte wie ein Baumstamm an einem Menschen. Seine Augen waren von einem leuchtenden grün und er war groß und schlacksig. Seine Haut wirkte blass und er trug einen grünes T-Shirt und eine rote Hose. Seine Beine waren so dünn, dass es fast ein Pflanzenstil hätte sein können. Na ja. Aber nur fast.
Er hatte mich noch nicht entdeckt. Etwas im Himmel hatte seine Aufmerksamkeit erregt, aber was? Was könnte ihn mehr interessieren als das Mädchen hier unten auf der Wiese? Also ich. Ich blickte selbst nach oben, sah aber nur Vögel, die nach Süden zogen. Der Sommer war nun wohl endgültig vorrüber.
Dann wandte er sich von den Vögeln ab und sah mir direkt ins Gesicht. Selbst aus der Ferne konnte ich seine Schönheit sehen. Seine Haare leuchteten in der Sonne und wehtem in der kühlen Herbstbriese. Er war wirklich sehr schön und kam auch noch auf mich zu. Oh mein Gott. Wer war dieser Mann? Ich hatte ihn noch nie gesehen.
Er blieb direkt vor mir stehen. Wir sagten beide überhaupt nichts. Er musterte mich gründlich und ich fühlte mich nackt, obwohl ich durchaus Kleidung trug. Dann grinste er übers ganze Gesicht und es schien, als wäre er die goldene Sonne selbst, vermischt mit einem ganzen Sternenhimmel.
„Wer bist du?“, fragte er mit einer pfeiffenden Stimme, die sich anhörte wie ein heftiger Herbststurm.
„Das gleiche könnte ich dich fragen“, sagte ich und sah ihm standhaft in die Augen.
Er lächelte wieder und gleich kam die Sonne wieder. Wenn er damit aufhörte, bildeten sich lange Schatten.
„Du hast Recht. Ich bin einfach nur neugierig. Du kommst mir einfach so bekannt vor.“ Er stand nun direkt vor mir und ich konnte den Herbstduft an ihm riechen. Ein bisschen eine Mischung aus Regen und Gras.
„Ich kenne dich aber nicht“, erklärte ich bestimmt. Ich hatte ihn noch nie gesehen.
„Ich weiß, aber das ändert nichts daran, dass du mir bekannt vorkommst“, sagte er nur.
„Machts du das mit allen Mädchen so?“, fragte ich.
„Was mache ich denn?“, fragte er zurück.
„Diese Masche mit: „Ich kenne dich.“
„Hm, nein. Eigentlich nicht. Ich treff nicht so viele Mädchen.“
Das wiederum konnte ich mir nun so gar nicht vorstellen. Er war doch ein totaler Mädchenschwarm.
„Okay“, sagteich nur gedehnt.
„Zu Hause bin ich ziemlich allein. Das Schloss ist riesig und es sind viele Leute dort, aber ich fühl mich trotzdem eingeängt.“ Okay. Wieso gestand er mir das jetzt?
„Schloss?“, hakte ich nach, als ich dieses Wörtchen heraushörte.
„Das Schloss im Herbstland“, erklärte er. „Blättertraum heißt es.“
Ja klar. Wer war der Typ? War er einer Psychatrie entflohen? Aber so wirkte er gar nicht.
„Und du bist der König davon, oder wie?“ Er merkte nicht, dass ich das ironisch meinte und beantwortete meine Frage.
„Eigentlich bin ich der Herbstprinz. Das Blätterschloss ist mein zu Hause.“
„Aha“, war alles, was mir dazu einfiel.
„Du gehörst auch dahin, weißt du“, bemerkte er dann plötzlich.
„Ja natürlich. In dein Herbstland? Woher willst du das wissen? Du kennst mich doch gar nicht.“ Ich wehrte mich heftig gegen diese seltsame Aussage von ihm.
„Ja, in mein Herbstland. Ich weiß es, weil es eine Legende gibt. Die besagt, dass der zukünftige Herbstprinz ein besonderes Mädchen in der Welt der Menschen findet und sie mit zu sich nimmt“, erzählte er und klang dabei total gelassen und selbstbewusst. Ich hatte nicht vor mit ihm zu gehen, aber ich fand ihn durchaus interessant, gut aussehend und ich wollte ihn gerne näher kennen lernen.
„Na toll“, kommentierte ich das nur und er seufzte frustriert.
„Ich würde dir gerne was zeigen. Dazu müsstest du mich begleiten, aber ich bring dich wieder zurück, versprochen“ Er sah mich abwartend an, doch ich war misstraurisch. Was wollte er mir zeigen? Ich kannte ihn doch gar nicht. Er dagegen schien meine Unsicherheit zu spüren und rief daher einfach nur: „Fine!“
Ein Schmetterling kam herbeigeflatter. Er war wunderschön und in regenbogenfarben. Mit der dünnsten piepsigsten Stimme, die ich je gehört hatte, antwortete er: „Ja, Herr.“
„Ich hab dir doch gesagt, dass du mich nicht Herr nennen sollst. Jan ist mir lieber“, wies er den Schmetterling zurecht.
Moment! Der Schmetterling hatte gerade gesprochen, oder? Das war doch nicht möglich. Wie hatte er das gemacht? Halluzinierte ich? Doch da sprach der Schmetterling schon wieder.
„Ja, in Ordnung. Jan. Also, was gibt’s?“
“Die Dame möchte uns in unser Land begleiten. Kannst du uns helfen?“, fragte er sie.
„Moment mal, ich habe nicht zugestimmt“, protestierte ich etwas lahm.
„Es ist ein einmaliges Angebot“, erklärte er mir sachlich.
„Du wirst es nicht bereuen. Es ist so traumhaft. Glaub mir. Und du kannst ja wieder zurück“, versuchte nun auch der sprechende Schmetterling mich zu überreden.
Meine Entschlossenheit bröckelte nach und nach und schließlich gab ich ganz nach. „Also gut.“
Jan reichte mir seine Hand und ich nahm sie. Der Schmetterling setzte sich auf Jans Schulter. „Denk an den Herbst“, gab Jan mir noch einen hilfreichen Vorschlag und dann war der Wald schon um mich verschwunden und es war einfach überall bunt. Sogar in der Luft.
Ich sah mich um. Es roch nach Herbst. Regen und Wind. Und vor mir stand das gigantischste Schloss, dass ich jemals gesehehen hatte. Ein Blättermeer bedeckte es, dass wirkte, als würde es durch den Wind wehen. Das Schloss lag im Nebel, sodass es fast gespenstig wirkte und die Sonnenstrahlen schienen durch den Nebel. Darum herum war blauer Himmel mit Schleierwolken und die Luft war klar und kühl.
„Ist es nicht wunderschön?“, fragte Jan mich erfürchtig.
Ich nickte nur sprachlos.
„Möchtest du reingehen?“
Ich war mir da nicht so sicher und zögerte. Er schien erneut meine Unsicherheit zu spüren. Ein Igel huschte an uns vorbei, warf uns einen bösen Blick zu und verschwand blitzschnell im Blätterschloss. Fragend sah ich Jan an.
„Das war Nura. Er hat was gegen mich“, erklärte er mir nur.
„Igel sind eigensinnige Tiere. Entweder sie können andere Wesen und leiden oder nicht. Nura gehört zu der eigensinnigsten Sorte“, fügte Fine noch hinzu.
Ich schüttelte nur mit dem Kofp und murmelte: „Sprechende Tiere. Na dann.“ Jan hatte es wohl verstanden, denn er grinste.
„Jetzt lass uns aber endlich reingehen. Es wirkt frisch“, bemerkte Jan und sah mich mit funkelden Augen an. Ich nickte, war mir aber immer noch unsicher. Trotzdem folgte ich ihm.
Das Betterschloss wurde durch eine unsichtbare Tür betreten, doch es wirkte, als ginge man durch einen Vorhang. Innen war es … Ich fand keine Worte dafür. Oder besser gesagt kein anderes als herbstlich. Innen ragten Baumranken an den Wänden bis oben an den Decken. Sie waren erfüllt von bunten Blättern. Die Wände wirkten wie Wolkenhimmel und irgendwie lebendig. Die Wolken schienen wirklich weiter zu ziehen. Eigentlich fühlte es sich gar nicht an als sei ich drinnen. Der Gang, in dem wir uns befanden, wirkte vollkommen leer. Jan trat hinter mich.
„Hier steckt eine Menge Magie drinnen. Du wirst hier noch wahre Wunder erleben“, prophezeite er mir. „Das Schloss ist noch größer als du denkst. Ein wahres Labyrinth.“
„Na dann.“ Ohne mich zu fragen nahm er meine Hand und führte mich durch dieses faszinierende Schloss. Zuerst sah alles gleich aus. Die gleichen Gegenden, die gleichen Gänge, aber mit der Zeit veränderte sich was. Die Sonne durchflutete die Wände, es regnete ohne uns nass zu machen und Regenbögen bildeten sich an den Wänden. Es wirkte wunderschön.
Wir gingen lange durch dieses Labyrinth. Ich hatte das Gefühl, als würde es nie enden. Doch dann führte er mich in einen großen goldenen Raum mit viel Licht, einem Himmelbett aus Wolken, Schneeflocken, die aussahen wie Sterne und viel Herbstlaub drin.
„Wo sind wir hier?“, fragte ich noch verwirrter.
„In meinem Zimmer“, antwortete er schlicht. Einfach so. Was machte ich hier? Warum hatte er mich mit hierher genommen?
„Keine Sorge. Ich erwarte nichts von dir. Eine Schlossbesichtigung enthaltet viele Orte und dieser hier ist mir am liebsten“, erklärte Jan als er meinen panischen Ausdruck gemerkt hatte.
„Mit Schneeflockensternen und Herbstlaub?“, fragte ich nur.
Er grinste. „Mir gefällt es.“ Erwartungsvoll sah er mich an.
„Ja, es ist ganz schön. Wieso ist das Schloss so leer? Außer uns hab ich hier Niemanden gesehen?“, fragte ich als nächtes.
„Oh, glaub mir. Es gibt viele Bewohner in diesem Schloss. Aber die meisten sind am liebsten allein unter sich und oft sind es auch einfach nur Tiere.“ Er beobachtete mich genau. Diese ganze Situation war sowas von verrückt. Ich war in einem fremden Land mit einem fremden Mann in einem fremden Schloss. Was hatte ich mir nur dabei gedacht?
„Ist das nicht einsam?“, fragte ich aber nur. Er tat mir irgendwie Leid.
„Nein, wir wollen es nicht anders und ich hab Fine als Gesellschaft. Das reicht mir“, sagte er.
Ich betrachtete zweifelnd den Schmetterling. Sie schien ihm treu ergeben zu sein, aber das war kein Ersatz für menschliche Beziehungen.
„Aber das Schloss ist so groß. Hier ist so viel Platz für Feiern oder ähnliches“, beharrte ich.
„Das ist es, aber hier ist ja nicht nur Platz für uns Herbstwesen. Es gibt auch einen eigenen Bereich für Sommer, Winter und Frühling. Den betreten wir aber nur selten.“
Jan hatte sich an die Wand gelehnt und das ließ ihn noch herbstlicher wirken. Als würde er eins mit der Wand werden. Nebel umgab ihn. Ich dagegen hatte mich auf sein Bett gesetzt. Er musterte mich forschend. Was dachte er wohl?
„So groß wirkt es nun auch wieder nicht“, war meine geistreiche Bemerkung, was ihm ein Grinsen entlockte.
„Was denkst du über unser Schloss?“ Er wandte den Blick die ganze Zeit nicht von mir ab, was ich nervös machte.
„Es ist schön, aber auch fremd. Es macht mich nervös, aber ich würde es gern auch neu entdecken.“ Die widersprüchlichsten Gefühle tauchten in mich ein.
„Möchtest du gern wiederkommen?“, bot er an.
„Wenn ich darf“, strahlte ich. Doch dann zögerte ich. Er schien es zu bemerken und versicherte mir: „Keine Verpflichtungen.“
Ich nickte erleichtert.
„Dann komm. Ich bring dich nach Hause. Das nächste Mal zeig ich dir was neues.“
Ich nickte und nahm seine Hand. Kurze Zeit später befand ich mich wieder auf meiner Lichtung. War das gerade alles wirklich passiert? Jan stand nämlich nicht mehr neben mir. Woher sollte ich wissen, wann ich das nächste mal ins Herbstschloss konnte? Ich musste wohl darüber nachdenken.