Kapitel 51 Die Versammlung

Die Welt von der du immer wieder runter fällst
Und wenn du denkst du kannst nicht mehr
Ist der nächste Schritt oft nicht so schwer
Es ist oft leichter als du denkst
Wenn du nur an deinem Willen hängst

Revolverheld – Beste Zeit deines Lebens

Als ich abends in unsere Suite kam, schlief Leinar schon auf dem Sofa. Ich lächelte. Es war erst einundzwanzig Uhr, aber er schlief schon! Vermutlich hatte er einen anstrengenden Tag hinter sich. Ich hatte ihn heute kaum zu Gesicht bekommen. Er fehlte mir. Seine bloße Anwesenheit schaffte es mich zu beruhigen, wie Niemand sonst es konnte.
Ich setzte mich neben ihn auf das Sofa – das groß genug für zwei liegende Feen war – und streichelte sanft über sein Gesicht. Er rührte sich leicht und zuckte zusammen, wachte aber nicht auf. Ich grinste und betrachtete seinen schönen Körper. So ebenmäßig und rein wirkte er.
Plötzlich schlug er die Augen auf und sah mich aus seinen schönen sanften Augen ver-trauensvoll an. Dann grinste er ebenfalls.
„Hab ich geschlafen?“, fragte er.
„Ja, sieht so aus.“ Ich musste einfach lä-cheln. Wieder mal. Er sah so süß aus mit sei-nen zerzausten Haaren und dem Hundeblick.
„Wie war das Treffen mit deinen Eltern?“, wollte er wissen und setzte sich auf. Da wirk-ten seine Haare dann nur noch zerzauster. Mir gefiel das sehr. Es ließ ihn jünger wirken. Gelöster.
„Wirklich schön. Sie sind total nett“, schwärmte ich glücklich.
„Das freut mich. Wusste ich doch, dass du dich ganz umsonst gesorgt hast“
Ich setzte mich zu ihm und er nahm mich in seine Arme und drückte mich fest an sich. Ich kuschelte mich glücklich an ihn und genoss seine Nähe in unserem gemütlichen Wohn-raum. Das Feuer knisterte im Kamin und das Licht war runtergedimmt.
„Ich hab dich vermisst“, gestand ich ihm und streichelte erneut sanft seine Wange.
„Ich dich auch.“ Er küsste meinen Hals. Ich erschauderte leicht und löste mich dann etwas von ihm, um ihn ansehen zu können. Er war so schön. Selbst jetzt, so verschlafen, wie er mich aus seinen dunklen Augen ansah.
„Was hast du so den ganzen Tag getrie-ben?“ Ich wollte nicht nur über meine Eltern reden. Ich wusste, dass Leinar neugierig war und wissen wollte, wie es mit ihnen gelaufen ist. Aber ich wollte stattdessen lieber hören, wie es ihm heute ergangen war.
„Erst hatte ich Unterricht und dann war ich in der Bibliothek“, erzählte er nur kurz.
„Was hast du denn da gemacht?“, wollte ich überrascht wissen. Er mochte doch Bücher gar nicht. Die Bibliothek mied er doch eigent-lich.
„Recherchiert und die Zeit ohne dich ver-trieben“, erzählte er achselzuckend.
Ich lächelte wieder in mich hinein. Dann küssten wir uns und kuschelten uns zusammen auf das Sofa. Alles Weitere konnten wir mor-gen besprechen. Heute kuschelten wir lieber und genossen unsere Zweisamkeit.

Am nächsten Morgen war dann die Ver-sammlung. Selbst Fiann Nike und ihre Söhne waren schon da. Wer von denen war wohl Kenian? Sie sahen alle drei ziemlich gut aus, wenn auch irgendwie auf verwegene Art.
Der eine war blond und groß, braunge-brannt und ziemlich breitschultrig. Er hatte eine spitze Nase und Augen, die wirkten, als tobe darin ein Wirbelsturm.
Der nächste war blass, rothaarig, groß und etwas schlaksig irgendwie. Er wirkte zu groß für seinen Körper und guckte etwas gelang-weilt drein. Ein wenig erinnerte er mich an Pumuckl aus der Menschenwelt. Der Junge, der bei Meister Eder lebt, seit er in einen Leimtopf gefallen ist, und der ihn sehen konn-te. Ich wusste gar nicht, wieso. Eigentlich passte dieser Vergleich nicht.
Der dritte war kleiner und etwas stämmiger, was ihm aber gut stand. Es ließ ihn merk-würdig elegant wirken. Er hatte schwarzes halblanges Haar und lebhafte, blaue Augen, die alles genau mitbekommen zu schienen. Er wirkte am gefährlichsten und zog eine feine Spur Sternenstaub hinter sich her. Was hatte das wohl zu bedeuten?
Ich tippte darauf, dass der Blonde Kenian war. Er passte irgendwie zu Emma und wirkte so, als könnte er Emma gefallen.
Fiann Nike sah Corly sehr ähnlich und auch der Frau auf dem Portrait, dass in Cams Wohnraum hing. Sie war so schön, dass es den Augen seltsam wehtat. Sie wirkte wie ein golden-roter Engel. Vielleicht ein Feuerengel. Das lag sicherlich an ihren kupferroten Haaren und der blassgoldenen Haut sowie dem goldenen Kleid, dass sie trug.
Meine Eltern standen in der Mitte vor der großen Tafel. Sie verblassten fast beim An-blick von Nike. Auch sie waren schön, aber nicht so engelhaft. Eher raubtierhaft.
Rechts neben ihnen stand Lady Meisold mit ihren schwarzen wehenden Haaren und links daneben Cam mit seinem einfühlsamen wachsamen Blick, der alles fixierte.
Wir trafen uns in einem Versammlungsraum im siebten Stock, der keine Stühle hatte. Er war nicht so groß und rund. Er hatte keine Fenster, aber trotzdem schien Sonnenlicht in den Raum. Zumindest wirkte es so dank der magischen Kerze, die den Raum erhellte.
„Vielen Dank für euer Kommen“, begrüßte mein Vater uns mit seiner kräftigen Stimme, die den ganzen Raum erfüllte. „Wie ihr alle wisst, geht es um die Mission zur Rettung des Lebenssees. Cam hat mir erzählt, dass er ges-tern Nacht noch mal Lilien erreicht hat. Sie hatte Kontakt zu der Fee, die unmittelbar vor den Angreifern den See bewachte. Sie berich-tete, dass insgesamt vier ihr unbekannte An-greifer für die Gefahr verantwortlich sind. Also der Wächterin unbekannt.
Die Zahl ist geradezu lächerlich klein. Ich hab keine Ahnung, was sie sich von diesem Angriff versprechen, aber offensichtlich ist er ja zumindest so wirksam, dass wir besorgt deswegen sind. Gegen die Feen und Sterne, die sie bewachen, scheinen sie allerdings keine so große Gefahr dazustellen. Nur müssen wir wachsam bleiben und handeln, bevor es zu spät ist.“
„Also müssen wir gar nicht zum See auf-brechen?“, wollte Fiann Nike nun wissen. Sie hatte eine ähnliche Singsang Stimme wie mei-ne Mutter. Doch sie klang viel lieblicher. Ir-gendwie kindlicher. Die meiner Mutter wirkte klangvoller.
„Doch, denn wenn die Schutzzauber am See erst mal gebrochen sind, würde es ewig dauern sie wieder so herzustellen, wie sie jetzt sind. Wir müssen verhindern, dass sie über-haupt gebrochen werden“, erklärte Cameron und schlug damit offensichtlich ihre Hoffnung aus, sich überhaupt nicht in Gefahr begeben zu müssen. „Außerdem müssen wir uns selbst ein Bild davon machen, wie groß das Dilemma wirklich ist.“
„Und wie kommen wir überhaupt zum See?“, wollte der rothaarige Sohn von Nike wissen. Er hatte eine angenehme Stimme, die sehr männlich klang. Er war mir irgendwie auf Anhieb sympathisch, obwohl ich noch nie mit ihm gesprochen hatte. Seine Stimme reichte dazu schon aus und ich versuchte wirklich, ihn in Gedanken nicht Pumuckel zu nennen. „Gibt es ein Raumschiff oder so?“
„Nicht direkt. Es ist eher so, dass wir mit Hilfe von Gedanken dahin gelangen. Indem wir uns alle an die Hände fassen und selbst an den Ort denken“, erklärte Cameron ihm. „Mit Lunars Hilfe dürfte es eigentlich ziemlich leicht werden. Ihr werdet es selbst erleben, wenn es so weit ist.“
„Die eigentliche Frage ist, wer die Angrei-fer sind. Sie sind zumindest so stark, dass sie ohne einen Funken Sternenblut dort überleben können“, teilte er den anderen nun unsere Vermutungen mit. „Momentan tappen wir da noch ziemlich im Dunkeln. Besonders wichtig ist natürlich, welche Gründe hinter dem Angriff stecken. Will Jemand alle Feen auslö-schen? Das wäre ziemlich beunruhigend. Und auch beunruhigend ist, wieso es so lange gedauert hat, bis uns davon berichtet wurde. Anscheinend dauert der Angriff schon ca. ein halbes Jahr.“ Cam schien das alles gar nicht zu gefallen und ich konnte ihn verstehen. Das schien definitiv nicht normal zu sein. Ein Wunder, dass in dem Zeitraum bisher noch nichts Schlimmes am See passiert war.
„Wir vermuten, dass irgendetwas die Wächter des Sees blockiert hat. Die Schutz-zauber sind davon bisher nicht betroffen, auch nicht die Wächter“, erklärte Lunar weiter. „Aber sonst wissen wir momentan auch nicht weiter. Wir müssen uns wohl einfach wirklich selbst ein Bild davon machen.“
„Unsere Aufgabe besteht darin, unbemerkt zu den Angreifern zu gelangen und sie auszu-schalten“, ergriff nun Lady Meisold das Wort und sah nach und nach die Anwesenden an. Fiann Nike warf sie dabei einen besonders gehässigen Blick zu. Ich fühlte beinahe die Kälte, die sie ihr gedanklich entgegenschleu-dern musste. „Ich kann euch nicht begleiten, aber ich werde euch so gut es geht von hier aus unterstützen.“ Was ihr offensichtlich gar nicht gefiel.
Wie auch immer das gehen sollte. Ich konnte mir das gerade noch nicht vorstellen. Vielleicht so ähnlich wie Cameron mit Lilien Kontakt aufnahm.
„Ist es nicht eigentlich zu gefährlich euch mitzunehmen?“, fragte Fiann Nike meine Eltern. „Ihr seid das Königspaar. Wenn euch etwas passiert, ist hier und in der Feenwelt die Hölle los. Wer soll euer Nachfolger sein?“
„Wir haben keine andere Wahl“, erklärte Lunar ihr bestimmt. „Gäbe es eine andere Möglichkeit, würde ich weder meine Frau noch meine Tochter so in Gefahr bringen. Aber wir müssen alle gehen. Nur so haben wir eine Chance. Wenn ich sterbe, wird Linnie weiter regieren und andersrum. Wenn wir beide sterben, wird vorerst Carlina regieren, bis meine Tochter soweit ist selbst zu es selbst zu tun.“ Er zeigte dabei seine Gefühle nicht, aber er musste sich schrecklich dabei fühlen, das überhaupt sagen zu müssen.
Mir gefiel das alles jedenfalls gar nicht. Ich hatte mitbekommen, wie Carlina sein konnte. Sie würde das Schloss an sich reißen. Meine Eltern mussten unbedingt überleben, aber nicht nur deswegen. Ich hatte sie doch gerade erst gefunden. Wie konnte ich sie da schon wieder verlieren? Ich durfte am besten gar nicht erst daran denken.
Lady Meisold lächelte jedenfalls ziemlich zufrieden, was mir auch nicht gerade gefiel. Sie schien sich fast schon vorzustellen, wie sie das Schloss übernehmen würde.
Ich war aber auch überrascht von der Nach-richt, die mein Vater da gerade verbreitet hatte. Mir war klar, dass ich eine Prinzessin war, aber wollte ich wirklich Königin sein und hatte ich da überhaupt eine Wahl? Es war öde einfach wo hineingeboren zu werden. Egal, ob man wollte oder nicht.
„Ich habe all meine Wünsche schriftlich festgehalten und Linnie, Cameron sowie die Bibliothekarin Lea Rei wissen, wo sie zu fin-den sind“, fuhr mein Vater fort und warf mir einen seltsamen Blick zu.
Kurz schwiegen alle. Dann fand Lunar noch: „Ich denke, das ist vorerst alles. In zwei Tagen brechen wir auf.“
Er entließ die anderen und hielt Leinar und mich zurück. „Könntet ihr noch kurz bleiben?“
Ich fühlte mich nicht ganz Wohl in meiner Haut, aber ich nickte während sich der Raum langsam leerte. Der Gedanke, dass zwei Tage zu schnell rum gehen würden, ging mir nicht aus dem Kopf.

Kapitel 11 Die alte Freundin

– Wenn einer keine Angst hat, hat er keine Phantasie.-

Erich Kästner deutscher Schriftsteller

Als Leinar und ich den Wagon von Zaall betraten, staunte ich nicht schlecht. Die Wände von unserem Wohnraum waren schlicht weiß und etwas sternen-schimmernd. Hier wirkte die Wand, als sei es ein richtiger Sternenhimmel. Ich spürte praktisch, wie die Wolken am Himmel weiterzogen. Der Raum war auch ziemlich dunkel. Die einzigen Lichter kamen von einem Kamin in der Ecke und einem kleinen Nachtlicht. Als Ariella Leinar entdeckte, sprang sie sofort auf und umarmte ihn stürmisch. Er zuckte leicht zusammen, er-widerte aber ihre Umarmung kurz. Dann schob er sie sanft von sich. Er sah sie einfach nur mit hochgezogener Braue an. Das schien schon zu reichen, damit sie sich leicht verlegen entschuldigte. „Oh Leinar! Ich hab mich so gefreut, dich wieder zu sehen. Da hab ich ganz vergessen, dass du nicht gern berührt wirst.“ Ich sah Leinar stirnrunzelnd an. Er erwiderte meinen Blick, zuckte aber mit den Achseln, als wollte er sagen: Keine große Sache! „Schon gut“, sagte er an Ariella gewandt und lächelte sie dann an. Sie führte ihn zu ihrem schwarzen Sofa. Von mir hatte sie nicht mal Notiz genommen. Antonia schien zu bemerken, dass ich mich unwohl fühlte und klopfte einladend auf den Platz neben ihr. Also setzte ich mich dorthin. „Tut mir Leid. Meine Schwester kann manchmal etwas unsensibel sein“, entschuldigte sie sich. „Ja, das hab ich gemerkt“, stimmte ich Antonia zu. „Aber dafür kannst du ja nichts.“ „Na ja. Sie war eben total aus dem Häuschen, seit sie erfahren hat, dass sie Leinar wieder sehen würde. Die Beiden haben sich schon immer gut verstanden.“ Die Bemerkung war nicht gerade hilfreich. Sie machte mich eher nervös, aber das konnte Antonia ja nicht wis-sen. Ich fragte mich, woher Ariella gewusst hatte, dass Neal Leinar war. Andererseits hatte Leinar ja auch gleich gesagt, dass er Ariella kennt. Es waren noch vier weitere Zaaller im Raum, sowie Justin und Sören, die sich mit Sanna und Marleen unter-hielten. Sanna war ähnlich wie Sophann ein unscheinbares Mädchen, aber Sophann war dennoch ziemlich hübsch. Sanna dagegen wirkte irgendwie wie ein kleines Mädchen in einem jugendlichen Körper. Sie war zu dünn und ihre blonden Kringel löcken wirkten ebenfalls ziemlich kindlich. Marleen hatte schwarze lange Rasta Zöpfe und recht dunkle Haut. Sie trug ein weißes Kleid mit tiefem V-Ausschnitt und wirkte schon sehr erwachsen. Im Gegensatz zu uns hatten sie sich zu viert auf ein Sofa gesetzt. Leinar unterhielt sich jedenfalls sehr angeregt mit Ariella, was meine Stimmung nicht gerade hebte. „Du kommst also wie Leinar aus unserer Hauptstadt?“, fragte mich Antonia nun. „Ich war im Gegensatz zu meiner Schwester noch nie dort. Ich stelle es mir un-glaublich riesig vor.“ „Na ja, klein ist sie nicht gerade“, stimmte ich zu und dachte an die vielen kleinen Häuschen mit rotem Back-stein in den Bergen und Wäldern, die zu Raubit gehörten. Ich vermisste meine Heimat mehr denn je. „Ich stelle es mir so unglaublich schön vor.“ Antonias Augen leuchteten geradezu vor Begeisterung. „Vor allem die vielen kleinen Lichter im Tal. Ich würde so gern we-nigstens nur einmal Raubit besichtigen.“ Ich lächelte, weil ich gerade an eben diese Lichter ge-dacht hatte. „Wieso warst du eigentlich nie dort?“, fragte ich sie dann. „Ich habe ein Handicap“, gestand Antonia mir. „Im Tageslicht werde ich krank. Wenn ich tagsüber in einem dunklen Zimmer bin, passiert nichts, aber sehe ich Tageslicht, wird mir schlecht und ich muss mich übergeben. Doch das sind nur die harmlosen Symptome meiner Krankheit. Wenn ich zu lange im Tageslicht bin, werde ich ausserdem verwirrt und weiß nicht mehr, wer ich bin.“ Das fand ich traurig. Ein Leben ohne Sonnenlicht musste grausam sein. „Von so einer Krankheit hab ich noch nie gehört.“ „Sie ist auch extrem selten. Die Krankheit nennt sich Kresinus und heißt so viel wie Tagmeider. Das letzte Mal hatte die Kresinus jemand vor etwa hundert Jahren.“ „Aber wird es in der Menschenwelt für dich dann nicht gefährlich?“, fragte ich sie. „Nein, ich hab gehört, dass das Schloss zur Hälfte in Tageslicht getaucht ist und zur Hälfte in Finsternis ist. Das wechselt wohl auch öfter. Unsere Schule ist im Schloss.“ Davon hatte ich noch nie gehört, aber ich hatte mich bisher auch noch nicht viel mit der Schule beschäftigt. Was erwartete mich eigentlich in der Menschenwelt? „Ich kann mir nicht vorstellen nur in der Nacht zu leben“, gestand ich. „Man gewöhnt sich dran. Unsere Augen gewöhnen sich in der Nacht auch viel mehr an das, was wir sehen, als deine ungeschulten Augen. Es ist für uns fast als wäre es Tag.“ Ich fand das schon faszinierend und Antonia war mir auf jeden Fall sympathisch. Plötzlich fragte sie mich: „Du magst ihn, oder?“ „Wen?“, fragte ich, obwohl ich mir durchaus denken konnte, wen sie meinte. „Na, Leinar natürlich.“ Sie schrie es fast, aber das machte nichts, da es wegen dem Gesprächszauber Nie-mand außer uns hören konnte. „Ja“, gab ich schließlich zu, obwohl ich nicht wusste, wieso. Ich kannte sie ja gar nicht. „Keine Sorge“, beruhigte Antonia mich. „Von meiner Schwester will er bestimmt nichts. Er mag sie, aber sie ist ihm auch unheimlich. Zu besitzergreifend. Dich hingegen hat er sehr schnell in sein Herz geschlossen. Eure Ver-bindung geht tiefer. Ich kann es nicht besser erklären, aber er will dich besser kennen lernen. Du berührst ihn und er kann sich das nicht erklären. Das ist ihm bisher noch nie passiert.“ Staunend sah ich Antonia an. „Woher weißt du das al-les?“ „Ich kann nicht direkt Gedanken lesen, aber ich kann Gefühle spüren und seine Gefühle für dich sind sehr stark“, erklärte Antonia. Mein Herz machte einen Satz und ich sah kurz zu Leinar hinüber. Ich wollte sie gerade fragen, ob sie das denn auch durch den Zauber hindurch spüren konnte. Da ging ein Ruck durch den Zug. Wir mussten jetzt kurz vor Landfort sein. Die Bewohner von Tindemu mussten in-zwischen dazu gestiegen sein. Ich hatte gar nicht ge-merkt, dass wir gehalten hatten. Aus dem Lautsprecher verkündete die übliche Frau-enstimme: “ Liebe Fahrgäste! Bitte bewahren Sie Ruhe, aber kehren Sie in Ihre Wagons zurück.“ Sören und Justin waren schon aufgestanden. Ich sagte noch zu Antonia: “ Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder“ Dann rief Leinar: „Komm endlich!“ Er zog mich aus dem Wagon, den Flur entlang und in unseren rein. Es kam mir hier jetzt total hell vor. Was war da draußen wohl los? Angespannt saßen wir auf unseren Sofas und warteten. Aus dem Lautsprecher erklang Musik. Vermutlich sollte uns das beruhigen. Ich sah zu Leinar rüber, doch er regte sich nicht. Er sah noch stur geradeaus. Es wirkte fast so, als hätte er schon mal so was mitgemacht. Sophann neben mir wippte ständig hin und her. Emma warf mir einen ängstlichen Blick zu. Irgendetwas musste passiert sein. Wir spürten es alle.