Writing Pomps 1: Androgyn

Mir ist noch eine Geschichte für eine alte Idee zum Wrting Promps gekommen und die möchte ich euch nicht vorenthalten. Leider existiert die Seite nicht mehr offenbar. Deswegen lohnt sich auch keine Verlinkung.

Aufgabe: Schreib ein Märchen. Fange aber nicht mit Es war einmal an. Benutze die Wörter: Halloween, Alibi, Androgyn, Draht, Antivral, Schmiermittel und Rabe.

Androgyn

In Androgyn war nichts wie es schien. Halloween war nicht gleich Halloween, Schmiermittel war nicht gleich Schmiermittel usw. Immer wenn ich dachte ich kannte jeden Fleck von Androgyn kam ein neuer hinzu. Da gab es ein Mädchen in meiner Klasse. Antiviral. Sie dachte sie würde sich in einen Raben verwandeln. Doch Raben waren nur Tiere. Nichts weiter. Ich dagegen war einfach nur ein Mädchen, dass Draht verschluckt hatte. Wirklich wahr. Ich war sehr klein und das Ding saß seitdem in meinem Herzen fest. Ich hatte also ein Drahtherz. Aber der Draht hatte sich erweitert. Manche meiner Haarsträhnen waren auch nur noch aus Draht. Das war sehr umständlich, wenn ich meine Haare kämmen wollte. Allerdings hatten sich auch meine Haare seitdem verändert. Sie leuchteten einfach so auf. Viele nannten mich nur noch das Drahtmädchen. Eigentlich alle. Bis auf der Junge, der selbst Draht verschluckt hatte und somit ebenso ein Außenseiter war wie ich. Er hieß Wesley. Seine Finger waren nun aus Draht.
Wesley und ich hingen manchmal zusammen rum. Wir dachten uns immer wieder eine andere Taktik aus, wie wir unseren Mitschülern weis machen konnten, dass wir gar nicht so anders waren als sie. Aber selbst in Androgyn galten wir als merkwürdig und das sollte schon was heißen. Denn Androgyn an sich war schon merkwürdig genug.
Gerade saßen Wesley und ich auf dem höchsten Dach des Ortes. Ein Gebäude, dass man nicht benennen konnte und auch keine Funktion hatte. Jeder machte einen Bogen um dieses Gebäude, aber es war unser Lieblingsplatz.
„Was glaubst du wann sich das nächste mal etwas verändert?“, fragte Wesley mich gerade.
„Wenn die Lehrer wütend sind und ein Alibi brauchen um ihre Wut raus zu lassen“, überlegte ich.
Wesley lachte. „Du kommst aber auch immer auf Ideen, Stella. Eine ist verrückter als die andere. Ich glaube eher, dass die Veränderung am Wetter liegt.“
„Wieso denn das?“, fragte ich ihn.
„Weil man das Wetter nicht sieht. Nur spürt. Hast du je Regentropfen gesehen? Also ich nicht. Gespürt oder gehört habe ich ihn aber trotzdem.“
„Hm, da ist was dran“, stimmte ich ihm zu. „Ich finde es ja echt gruselig, dass man Regen und Blitze und sowas  nicht sieht.“
„Aber wir kennen es doch nicht anders“, bemerkte Wesley nur. „Sieh mal! Jetzt ist die Sonne rot.“
„Aber das heißt ja noch lange nicht, dass es deswegen nicht gruselig ist. Das ist es nämlich trotzdem. Wenn die Sonne jetzt rot ist müsste sie gleich über den Himmel tanzen.“
Und das tat sie dann auch. Die Sonne hüpfte am Himmel rum. Doch das war nur ein Scheinbild. Hier war nichts wie es sein sollte. Alles war anders in unserer Welt und da gab es eben eine tanzende Sonne.
Deswegen liebten wir diesen Platz auch so. Hier hatten wir die beste Aussicht. Die anderen wussten nicht, was sie verpassten.
„Stella?“, fragte Wesley mich, sah mich aber nicht an.
„Ja?“, fragte ich zurück.
„Was ist, wenn ich dich jetzt würde küssen wollen?“, wollte er wissen.
„Dann würde ich dich auch küssen wollen“, antwortete ich und so küsste er mich. Einfach und süß und Draht und Draht vereinten sich.
Doch von diesem Tag an veränderte sich Androgyn nicht mehr. Die Welt blieb immer gleich. Denn die Königin und der König des Ortes hatten sich gefunden und so regierten sie solange sie lebten in dem Ort und genauso lange veränderte sich nichts mehr in Androgyn, denn die Drähte in Wesley und Stellas Körper verhinderten dies und ebenso ihre zarte Liebe.

Ende

Und was sagt ihr zu diesen kleinen Geschichte?