Etüden 14 – 2020: Verlorenes Leben Teil 4

Heute gibts wieder die Etüden. Also eine Fortsetzung für meine Geschichte.

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abc.etüden 2020 26+27 | 365tageasatzaday

Reagenzglas
Übermächtig
Vergessen

Als ich den Schuppen betrat traute ich meinen Augen kaum. Es war keine Party, aber überall lag ein Reagenzglas nach dem anderen. Soweit ich wusste hatten wir überhaupt keine in unserem Schuppen. Noura saß mitten in den Reagenzgläsern und starrte mich an.

„Was ist hier passiert?“, fragte ich ihn nur entgeistert.
„Ich“, antwortete er nur traurig.
„Was meinst du damit?“, wollte ich wissen, obwohl ich es schon ahnte.
„Meine Magie“, antwortete er. Er wirkte so verloren, dass ich plötzlich einen Stich in meinem Herzen spürte. Wie einsam er sein musste. Deswegen reagierte ich nicht wütend sondern verständnisvoll. Dieses Gefühl des Mitleids in mir wurde übermächtig.
„Schon gut. Lass uns einfach aufräumen, okay?“
Er sah mich überrascht an als konnte er nicht glauben, was er da hörte. Hoffnung schimmerte in seinen Augen.
Ich seufzte. Natürlich. Was sonst? Was sollte ich tun um ihm zu helfen?
„So meintest du das also mit deiner Magie?“, fragte ich ihn.
„Ja, ich mache einfach alles nur durcheinander. Am liebsten würde ich alles einfach nur vergessen.“
„Ach, Noura. Es tut mir leid.“ Und ich meinte es ernst. Jetzt verstand ich ihn ein bisschen besser. Auch wenn ich immer noch keine Ahnung hatte, was ich mit ihm anfangen sollte.
„Schon, okay. Ich bin es ja gewöhnt.“ Er zuckte mit den Achseln.
Doch ich wusste, dass das nicht stimmte. Er musste sehr einsam und traurig sein. Vielleicht hatte seine Magie ja einen Grund und wir konnten heraus finden, was wir daran ändern konnten. Ich hatte jedenfalls vor danach zu suchen.

Fortsetzung folgt …

So, wieder ein Teil fertig. Und, was meint ihr?

 

Writing Friday Die traurige Prinzessin

Gestern gab es wieder einen Writing Friday und ich hole den noch nach.


Die traurige Prinzessin Teil 1

Ich war seit 100 Jahren hier im Turm eingeschlossen. Eine böse Prinzessin hatte die Tür mit einem magischen Schlüssel abgeschlossen und ihn dann in ein verzaubertes Schmuckkästchen getan. So erzählte sie mir zumindest. Jede Hoffnung auf Rettung war verloren.
Sie war eifersüchtig auf mich gewesen, weil sich Prinz Julian in mich verliebt hatte und nicht in sie. Das Problem war, dass nur Julian mich befreien konnte. Allerdings himmelte er jetzt die böse Prinzessin an, weil sie ihn verhext hatte. Auch das hatte sie mir genüsslich erzählt.
Ich wollte mir gar nicht ausmalen wie Julian sie küsste und zärtlich streichelte, aber diese Bilder kamen immer wieder hoch. Wann war der Zauber endlich gebrochen?
Plötzlich kam Wind auf und ich trat an mein Fenster und öffnete es. Es war zwar vergittert, aber wenigstens konnte ich frische Luft schnappen. Würde ich die Gitter berühren, würde ich verletzt werden. Doch verletzt war ich jetzt schon, und zwar seelisch.
Unten im Garten stand ein junger Mann. Ich konnte ihn natürlich nicht erkennen, aber er sah aus wie mein Julian, und er war alleine.
„Julian“, rief ich so laut ich konnte und dann noch einmal und noch einmal. „Julian! Julian!“
Es dauerte eine Weile bis der junge Mann mich hörte, aber dann sah er auf.
„Wer sind Sie? Kennen sie Julian? Ich suche ihn seit 100 Jahren. Er ist mein Bruder. Haben Sie ihn gesehen? Kommen Sie doch runter. Dann können wir uns unterhalten.“
Er musste ein Stimmenregler sein, denn seine Stimme durchbrach alle Hindernisse und drang zu mir hoch. Ich hoffte, er konnte mich ebenso hören.
„Ich kann nicht runter kommen. Ich bin hier seit 100 Jahren gefangen. Man nennt mich Esme. Wie heißen Sie?“
Offenbar konnte er mich hören, denn er antwortete sofort: Ich bin Marek, Prinz von Langwien. Zwillingsbruder von Julian. Sie sind gefangen? Warum? Wie kann ich Ihnen helfen?“
Julian hatte einen Zwillingsbruder. Davon hatte er nie erzählt.
„Retten Sie Julian“, rief ich zurück. „Dann retten Sie auch mich. Er wurde von einer bösen Prinzessin verzaubert. Sie hat mich in diesen Turm gesperrt. Er muss einen Schlüssel finden. Man hat mich aus Eifersucht eingesperrt.
Marek schien mich verstanden zu haben, denn er verschwand. Ich war allerdings keineswegs sicher, dass er Erfolg haben würde. Die böse Prinzessin war äußerst gerissen. Außerdem hatte ich 100 Jahre lang nicht gesprochen. Meine Stimme hatte sich heiser angehört.
Ich wartete und wartete und wartete. Nichts geschah. Es wurde Abend, es wurde Nacht und dann kam der nächste Morgen. Ich wartete zwei Tage lang und eine weitere Nacht. Als der Morgen anbrach hörte ich Schritte vor der Tür meines Verließes. War das die böse Prinzessin oder waren das meine Retter? Ich wich zurück. 100 Jahre lang hatte ich in Einsamkeit gelebt.
Und dann hörte ich einen Schlüssel, der sich im Schloss drehte, und das fühlte sich richtig an. Als sich die Tür öffnete, sah ich gleich zwei Julians vor mir stehen.
„Julian?“, fragte ich unsicher und sah beide an.
„Hier!“, sagte der eine und hielt einen Schlüssel in der Hand. „Ich bin hier.“
Ich rührte mich nicht und er kam nicht näher.
„Woher weiß ich, dass das nicht irgendein Trick ist?“
„Lange Nächte sind kurz“, sagte der Julian mit dem Schlüssel in der Hand.
Und dann war ich nicht mehr zu halten. Ich stürzte auf ihn zu, fiel ihm in die Arme und schluchzte. Das waren die letzten Worte, die Julian zu mir gesagt hatte, bevor die böse Prinzessin uns gefunden hatte. Ich wusste, dass sie uns nicht gehört haben konnte.
„Es tut mir so leid. Es tut mir so leid. Sie hat mich verhext“, murmelte Julian immer wieder, zog mich fester an sich und streichelte mir über den Rücken.
„Ich weiß, ich weiß“, nickte ich, dann löste ich mich von ihn und sah im in seine wunderschönen Augen. Diese Augen würde ich überall erkennen. „Was ist passiert? Wo ist die böse Prinzessin?“
„Ich habe ihr im Schlaf einen Schlafzauber gegeben. Gleich danach wurde Julian von dem Zauber erlöst. „Sie wird nun erstmal 100 Jahre schlafen. Wir können sie in diesen Turm bringen“, erzählte  mir der andere Zwilling. „Deswegen hat es auch so lange gedauert. Ich bin übrigens Marek.“
„Esme“, stellte ich mich ihm vor.
Julian zog mich gleich wieder an sich und küsste mich. Und so wurde alles wieder gut. Die böse Prinzessin würde nie wieder jemanden Schaden zufügen. Und wir konnten endlich glücklich sein.

Fortsetzung folgt …

 

Und was meint ihr?