Der Herbstmensch Teil 1 Die erste Reise

Ich hab mir überlegt, dass ich eine Geschichte zum Thema Herbst schreiben möchte. Hier hab ich am Wochenende nun schon mal ein bisschen was verpasst. Ich denke ich werde es in mehreren Teilen schreiben. Mal sehen, wann ich das nächste mal dazu komme. Vermutlich am Wochenende. Ich lag letzte Woche mal Abends im Bett und da viel mir die Idee dazu ein. Jetzt bin ich gespannt, was ihr zu meinem ersten Entwurf sagt. Was gefällt euch, was nicht? Wie findet ihr es überhaupt und welche Ideen gefallen euch besonders? Der heutige Text entspricht etwas über drei Wordseiten.

Ich wünsche euch viel Spass beim Lesen und freu mich über jeden Kommentar.

 

Der Herbst ist da. Spürt ihr es auch?

Es ist Herbst. Die Sonne scheint durch die Bäume und ich bin im Wald. Der Wald hat mich schon immer angezogen. Ich bin gern und oft hier. Einsam. Das ist das Wort, was mir hierzu einfällt. Im Wald kann ich allein und kann nachdenken. Hier stören mich nur die Vögel, die ihre wunderschönen Lieder zwitschern. Wobei mich das gar nicht stört. Ich liebte das. Bald ziehen sie alledings schon wieder weiter in ihr Winterquartier.
Ich hatte mir einen besonderen Platz in meinem Wald gesucht. Eine kleine Lichtung mit einer grünen Fläche, auf die ich mich setzte, um zu lesen und die Ruhe zu genießen. Das war mein Ding.
Und dann kam er plötzlich aus dem Wald. Ein wunderschöner Junge, der aussah, als wäre er in Blätter gehüllt. Er wirkte wie der Herbst selbst. Braunrote halblange Haare, sein Gesicht kantig und sein Hals wirkte wie ein Baumstamm an einem Menschen. Seine Augen waren von einem leuchtenden grün und er war groß und schlacksig. Seine Haut wirkte blass und er trug einen grünes T-Shirt und eine rote Hose. Seine Beine waren so dünn, dass es fast ein Pflanzenstil hätte sein können. Na ja. Aber nur fast.
Er hatte mich noch nicht entdeckt. Etwas im Himmel hatte seine Aufmerksamkeit erregt, aber was? Was könnte ihn mehr interessieren als das Mädchen hier unten auf der Wiese? Also ich. Ich blickte selbst nach oben, sah aber nur Vögel, die nach Süden zogen. Der Sommer war nun wohl endgültig vorrüber.
Dann wandte er sich von den Vögeln ab und sah mir direkt ins Gesicht. Selbst aus der Ferne konnte ich seine Schönheit sehen. Seine Haare leuchteten in der Sonne und wehtem in der kühlen Herbstbriese. Er war wirklich sehr schön und kam auch noch auf mich zu. Oh mein Gott. Wer war dieser Mann? Ich hatte ihn noch nie gesehen.
Er blieb direkt vor mir stehen. Wir sagten beide überhaupt nichts. Er musterte mich gründlich und ich fühlte mich nackt, obwohl ich durchaus Kleidung trug. Dann grinste er übers ganze Gesicht und es schien, als wäre er die goldene Sonne selbst, vermischt mit einem ganzen Sternenhimmel.
„Wer bist du?“, fragte er mit einer pfeiffenden Stimme, die sich anhörte wie ein heftiger Herbststurm.
„Das gleiche könnte ich dich fragen“, sagte ich und sah ihm standhaft in die Augen.
Er lächelte wieder und gleich kam die Sonne wieder. Wenn er damit aufhörte, bildeten sich lange Schatten.
„Du hast Recht. Ich bin einfach nur neugierig. Du kommst mir einfach so bekannt vor.“ Er stand nun direkt vor mir und ich konnte den Herbstduft an ihm riechen. Ein bisschen eine Mischung aus Regen und Gras.
„Ich kenne dich aber nicht“, erklärte ich bestimmt. Ich hatte ihn noch nie gesehen.
„Ich weiß, aber das ändert nichts daran, dass du mir bekannt vorkommst“, sagte er nur.
„Machts du das mit allen Mädchen so?“, fragte ich.
„Was mache ich denn?“, fragte er zurück.
„Diese Masche mit: „Ich kenne dich.“
„Hm, nein. Eigentlich nicht. Ich treff nicht so viele Mädchen.“
Das wiederum konnte ich mir nun so gar nicht vorstellen. Er war doch ein totaler Mädchenschwarm.
„Okay“, sagteich nur gedehnt.
„Zu Hause bin ich ziemlich allein. Das Schloss ist riesig und es sind viele Leute dort, aber ich fühl mich trotzdem eingeängt.“ Okay. Wieso gestand er mir das jetzt?
„Schloss?“, hakte ich nach, als ich dieses Wörtchen heraushörte.
„Das Schloss im Herbstland“, erklärte er. „Blättertraum heißt es.“
Ja klar. Wer war der Typ? War er einer Psychatrie entflohen? Aber so wirkte er gar nicht.
„Und du bist der König davon, oder wie?“ Er merkte nicht, dass ich das ironisch meinte und beantwortete meine Frage.
„Eigentlich bin ich der Herbstprinz. Das Blätterschloss ist mein zu Hause.“
„Aha“, war alles, was mir dazu einfiel.
„Du gehörst auch dahin, weißt du“, bemerkte er dann plötzlich.
„Ja natürlich. In dein Herbstland? Woher willst du das wissen? Du kennst mich doch gar nicht.“ Ich wehrte mich heftig gegen diese seltsame Aussage von ihm.
„Ja, in mein Herbstland. Ich weiß es, weil es eine Legende gibt. Die besagt, dass der zukünftige Herbstprinz ein besonderes Mädchen in der Welt der Menschen findet und sie mit zu sich nimmt“, erzählte er und klang dabei total gelassen und selbstbewusst. Ich hatte nicht vor mit ihm zu gehen, aber ich fand ihn durchaus interessant, gut aussehend und ich wollte ihn gerne näher kennen lernen.
„Na toll“, kommentierte ich das nur und er seufzte frustriert.
„Ich würde dir gerne was zeigen. Dazu müsstest du mich begleiten, aber ich bring dich wieder zurück, versprochen“ Er sah mich abwartend an, doch ich war misstraurisch. Was wollte er mir zeigen? Ich kannte ihn doch gar nicht. Er dagegen schien meine Unsicherheit zu spüren und rief daher einfach nur: „Fine!“
Ein Schmetterling kam herbeigeflatter. Er war wunderschön und in regenbogenfarben. Mit der dünnsten piepsigsten Stimme, die ich je gehört hatte, antwortete er: „Ja, Herr.“
„Ich hab dir doch gesagt, dass du mich nicht Herr nennen sollst. Jan ist mir lieber“, wies er den Schmetterling zurecht.
Moment! Der Schmetterling hatte gerade gesprochen, oder? Das war doch nicht möglich. Wie hatte er das gemacht? Halluzinierte ich? Doch da sprach der Schmetterling schon wieder.
„Ja, in Ordnung. Jan. Also, was gibt’s?“
“Die Dame möchte uns in unser Land begleiten. Kannst du uns helfen?“, fragte er sie.
„Moment mal, ich habe nicht zugestimmt“, protestierte ich etwas lahm.
„Es ist ein einmaliges Angebot“, erklärte er mir sachlich.
„Du wirst es nicht bereuen. Es ist so traumhaft. Glaub mir. Und du kannst ja wieder zurück“, versuchte nun auch der sprechende Schmetterling mich zu überreden.
Meine Entschlossenheit bröckelte nach und nach und schließlich gab ich ganz nach. „Also gut.“
Jan reichte mir seine Hand und ich nahm sie. Der Schmetterling setzte sich auf Jans Schulter. „Denk an den Herbst“, gab Jan mir noch einen hilfreichen Vorschlag und dann war der Wald schon um mich verschwunden und es war einfach überall bunt. Sogar in der Luft.
Ich sah mich um. Es roch nach Herbst. Regen und Wind. Und vor mir stand das gigantischste Schloss, dass ich jemals gesehehen hatte. Ein Blättermeer bedeckte es, dass wirkte, als würde es durch den Wind wehen. Das Schloss lag im Nebel, sodass es fast gespenstig wirkte und die Sonnenstrahlen schienen durch den Nebel. Darum herum war blauer Himmel mit Schleierwolken und die Luft war klar und kühl.
„Ist es nicht wunderschön?“, fragte Jan mich erfürchtig.
Ich nickte nur sprachlos.
„Möchtest du reingehen?“
Ich war mir da nicht so sicher und zögerte. Er schien erneut meine Unsicherheit zu spüren. Ein Igel huschte an uns vorbei, warf uns einen bösen Blick zu und verschwand blitzschnell im Blätterschloss. Fragend sah ich Jan an.
„Das war Nura. Er hat was gegen mich“, erklärte er mir nur.
„Igel sind eigensinnige Tiere. Entweder sie können andere Wesen und leiden oder nicht. Nura gehört zu der eigensinnigsten Sorte“, fügte Fine noch hinzu.
Ich schüttelte nur mit dem Kofp und murmelte: „Sprechende Tiere. Na dann.“ Jan hatte es wohl verstanden, denn er grinste.
„Jetzt lass uns aber endlich reingehen. Es wirkt frisch“, bemerkte Jan und sah mich mit funkelden Augen an. Ich nickte, war mir aber immer noch unsicher. Trotzdem folgte ich ihm.
Das Betterschloss wurde durch eine unsichtbare Tür betreten, doch es wirkte, als ginge man durch einen Vorhang. Innen war es … Ich fand keine Worte dafür. Oder besser gesagt kein anderes als herbstlich. Innen ragten Baumranken an den Wänden bis oben an den Decken. Sie waren erfüllt von bunten Blättern. Die Wände wirkten wie Wolkenhimmel und irgendwie lebendig. Die Wolken schienen wirklich weiter zu ziehen. Eigentlich fühlte es sich gar nicht an als sei ich drinnen. Der Gang, in dem wir uns befanden, wirkte vollkommen leer. Jan trat hinter mich.
„Hier steckt eine Menge Magie drinnen. Du wirst hier noch wahre Wunder erleben“, prophezeite er mir. „Das Schloss ist noch größer als du denkst. Ein wahres Labyrinth.“
„Na dann.“ Ohne mich zu fragen nahm er meine Hand und führte mich durch dieses faszinierende Schloss. Zuerst sah alles gleich aus. Die gleichen Gegenden, die gleichen Gänge, aber mit der Zeit veränderte sich was. Die Sonne durchflutete die Wände, es regnete ohne uns nass zu machen und Regenbögen bildeten sich an den Wänden. Es wirkte wunderschön.
Wir gingen lange durch dieses Labyrinth. Ich hatte das Gefühl, als würde es nie enden. Doch dann führte er mich in einen großen goldenen Raum mit viel Licht, einem Himmelbett aus Wolken, Schneeflocken, die aussahen wie Sterne und viel Herbstlaub drin.
„Wo sind wir hier?“, fragte ich noch verwirrter.
„In meinem Zimmer“, antwortete er schlicht. Einfach so. Was machte ich hier? Warum hatte er mich mit hierher genommen?
„Keine Sorge. Ich erwarte nichts von dir. Eine Schlossbesichtigung enthaltet viele Orte und dieser hier ist mir am liebsten“, erklärte Jan als er meinen panischen Ausdruck gemerkt hatte.
„Mit Schneeflockensternen und Herbstlaub?“, fragte ich nur.
Er grinste. „Mir gefällt es.“ Erwartungsvoll sah er mich an.
„Ja, es ist ganz schön. Wieso ist das Schloss so leer? Außer uns hab ich hier Niemanden gesehen?“, fragte ich als nächtes.
„Oh, glaub mir. Es gibt viele Bewohner in diesem Schloss. Aber die meisten sind am liebsten allein unter sich und oft sind es auch einfach nur Tiere.“ Er beobachtete mich genau. Diese ganze Situation war sowas von verrückt. Ich war in einem fremden Land mit einem fremden Mann in einem fremden Schloss. Was hatte ich mir nur dabei gedacht?
„Ist das nicht einsam?“, fragte ich aber nur. Er tat mir irgendwie Leid.
„Nein, wir wollen es nicht anders und ich hab Fine als Gesellschaft. Das reicht mir“, sagte er.
Ich betrachtete zweifelnd den Schmetterling. Sie schien ihm treu ergeben zu sein, aber das war kein Ersatz für menschliche Beziehungen.
„Aber das Schloss ist so groß. Hier ist so viel Platz für Feiern oder ähnliches“, beharrte ich.
„Das ist es, aber hier ist ja nicht nur Platz für uns Herbstwesen. Es gibt auch einen eigenen Bereich für Sommer, Winter und Frühling. Den betreten wir aber nur selten.“
Jan hatte sich an die Wand gelehnt und das ließ ihn noch herbstlicher wirken. Als würde er eins mit der Wand werden. Nebel umgab ihn. Ich dagegen hatte mich auf sein Bett gesetzt. Er musterte mich forschend. Was dachte er wohl?
„So groß wirkt es nun auch wieder nicht“, war meine geistreiche Bemerkung, was ihm ein Grinsen entlockte.
„Was denkst du über unser Schloss?“ Er wandte den Blick die ganze Zeit nicht von mir ab, was ich nervös machte.
„Es ist schön, aber auch fremd. Es macht mich nervös, aber ich würde es gern auch neu entdecken.“ Die widersprüchlichsten Gefühle tauchten in mich ein.
„Möchtest du gern wiederkommen?“, bot er an.
„Wenn ich darf“, strahlte ich. Doch dann zögerte ich. Er schien es zu bemerken und versicherte mir: „Keine Verpflichtungen.“
Ich nickte erleichtert.
„Dann komm. Ich bring dich nach Hause. Das nächste Mal zeig ich dir was neues.“
Ich nickte und nahm seine Hand. Kurze Zeit später befand ich mich wieder auf meiner Lichtung. War das gerade alles wirklich passiert? Jan stand nämlich nicht mehr neben mir. Woher sollte ich wissen, wann ich das nächste mal ins Herbstschloss konnte? Ich musste wohl darüber nachdenken.

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2 Gedanken zu “Der Herbstmensch Teil 1 Die erste Reise

Ich freu mich über jeden Zauberkommentar von euch.

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